Ausgabe 
6.10.1901
 
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Nr. 40.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

sehr zu wünschen. Weitere Nachrichten besagen, daß Seil und Luftschlauch zerschnitten waren. Daß dies der Taucher selbst gethan haben soll, weil sich das Seil vielleicht irgendwo festge⸗ hängt habe, wie man annimmt, klingt etwas unwahrscheinlich.

Rreis Alsfesd⸗Cauterbach.

J. Alsfeld. Vorsicht bei auswärtigen Ar⸗ beits angeboten dürfte immer am Platze sein. Vor etwa drei Jahren wurden 4 hier beschäftigte Stuhlbauer von der Firma Emil Baumann, die in Horgen (Schweiz) eine Fabrik gebogener Möbel errichtet hatte, unter allen möglichen Versprechungen nach dort gelockt. Den Leuten, die mit ihren Familien dorthin reisten, hat aber die saubere Firma, nicht nur das Versprochene nicht gehalten, sondern sie auch bei jeder Gelegenheit mit Lohnabzügen, brutaler Behandlung ꝛc. bedacht, so daß von einem menschenwürdigen Lebensunterhalt gar keine Rede sein kann nnd mehrere dort zugereiste Familten sich in bitterster Not befinden, wie einer der nach Horgen Gereisten an seinen hiesigen Kollegen schreibt, indem er vor etwaigen Arbeitergesuchen der Firma Baumann warnt. Die dort Beschäftigten standen vor einigen Wochen im Begriff, einer weiteren Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen mit allen Kräften entgegenzutreten. Warum gehen aber die Leute ins Ausland? Einfach, weil sie hier durch ihren Verdienst ihre Familie auch kaum ernähren können. Thatsächlich sind auch in der hiesigen Fabrik gebogener Möbel die Arbeits verhältnisse äußerst ungünstige und die Behandlung läßt so gut wie alles zu wünschen übrig. Die hiesigen Arbeiter sollten endlich auch einmal versuchen, durch festen Zusammen⸗ schluß auf Verbesserung ihrer Lahe hinzuwirken.

Aus dem Nreise Wetzlar.

Wegen Vergehen gegen das Vereinsgesetz hatte Genosse Fauth einen Strafbefehl von 15 Mark erhalten und ebenso der WirtZum Ring. Bei diesem soll näm⸗ lich im Sommer eine Versammlung stattgefun⸗ den haben, in der Fauth als Redner aufge⸗ treten sei. Zur Zeit als die Bäckerbewegung in Wetzlar in Fluß kam, trafen sich einige Bäcker in der genannten Wirtschaft zusammen und zufällig war auch Fauth anwesend. Na⸗ türlich lenkte sich bald das Gespräch auf die Bäckerbewegung und möglich, daß auch Fauth dazu einige Worte in privater Unterhaltung äußerte. DieseVersammlung war nun nicht angemeldet, wie es das preußische Vereinsgesetz vorschreibt. Sehr natürlich, denn kein Mensch wollte eine Versammlung abhalten. Gegen den Strafbefehl hatten beide Beschwerde einge⸗ legt. Das Schöffengericht konnte auch das Wirtshausgespräch nicht als Versammlung an⸗ sehen und sprach die Angeklagten frei.

Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain.

Konsum⸗Verein. Die am Sonnabend den 28. September zwecks Gründung eines Konsum⸗Vereins bei D. Jesberg tagende Ver⸗ sammlung war nur mittelmäßig besucht, was in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung zu bedauern ist. Dessenungeachtet nahm die Versammlung einen guten Verlauf und zeitigte das erhoffte Resultat: die Gründung eines Konsum⸗Vereins wurde deftnitiv beschlossen. Nach einem Vortrage über Zweck und Nutzen der Konsum⸗ Vereine für die Arbeiter, an welchen sich eine lebhafte Diskussion schloß, wurde eine Kommission gewählt, welche die nötigen Vorarbeiten, Ausarbeitung des Statuts ec. erledigen und in der in 14 5 stattfindenden konstituierenden Versammlung Bericht über ihre Thätigkeit herstellen soll. In die aufgelegten Listen zeichneten sich 35 Personen ein, welchen später noch mehrere folgten, sodaß bereits jetzt mit einer Mitgliederzahl von 50 60 gerechnet werden kann und das Bestehen des Vereins gesichert ist.

Buchdrucker⸗Versammlung. Am Dienstag Abend fand im Lokale von D. Jesberg eine gut besuchte Buchdrucker ⸗Ver⸗ sammlung statt, in welcher der Gehilfe des 3. Tarifkreises über die in vergangener Woche in Berlin stattgefundenen Verhandlungen der Tarifkommission referirte. Koll. Domine entledigte sich in ungefähr einstündiger Rede seiner Aufgabe, indem er den Auwesenden ein Bild von den harten Kämpfen der Gehilfen⸗ vertreter vorführte, unter welchen diese den

Prinzipalen die verschiedenen Verbesserungen des neuen Tarifes, welcher am 1. Jauuar 1902 in Kraft tritt, abringen mußten. Es wurde eine prozentige Lohnerhöhung und außer vielen kleinen Verbesserungen, die Abschaffung der sog. Maschinenmeister⸗Klausel erzielt. In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit im Buch⸗ druckgewerbe(es kommen auf 8 Gehilfen ein Arbeitsloser) immerhin ganz annehmbare Er⸗ rungenschaften. Die Dauer des Tarifes sowie der Arbeitszeit bleiben wie seither. In der Diskussion sprachen sämtliche Redner ihre Zu⸗ friedenheit über das Erreichte aus und bedauerte man nur, daß nicht auch eine Verkürzung der Arbeitszeit und die Beseitigung der Ausnahme⸗ bestimmungen für Städte unter 20,000 Ein⸗

wohnern durchgesetzt wurden. Nach Erledigung einiger Interna wurde die Versammlung geschlossen.

L Etine öffentliche Versammlung findet am Samstag, 5. Oktober, abends 9 Uhr im Jes ber g'schen Lokale statt, in welcher Gen. Gräf aus Frankfurt a. M. über die Getreide⸗ zölle sprechen wird. Nach dem Vortrag findet freie Diskussion statt und hat Jedermann Zu⸗ tritt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung 5 55 wohl auf einen starken Besuch zu rechnen ein.

Walkotte⸗Vortrag. Wie nunmehr bestimmt feststeht, findet der Walkotte⸗ Abend am Freitag, den 8. November d. J., abends im Saale des Café Quent in(Hoeck) statt. Der beliebte Rezitator wird unsDas verlorene Paradies rezitiren. Trotz des un⸗ günstigen Tages hofft die Gewerkschaftskommission ein volles Haus zu bekommen, was hoffentlich der Fall sein wird.

Gemeinderatswahlen in Hessen.

Bei der in Lollar am Freitag stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden gewählt: H. Rie hm VI; H. Schön; Ph. Schmidt und H. Rohr⸗ bach. Die beiden ersten gehörten dem Gemeinde⸗ rat schon früher an. f

In Lich wurde der Brauereibesitzer Ihring, ferner H. Heller, Ph. Zimmermann und Konr. Zimmer gewählt. Sie erhielten in obiger Reihenfolge 196, 167, 143 und 125 Stim men.

Eine Typhusepidemie

ist im Kreise Bochum, besonders in Gelsenkirchen ausgebrochen. Die Zahl der Erkrankten wird auf etwa 1200 geschätzt. In den Krankenhäusern sind alle Räume, ja die Flure mit Betten belegt. Andere Kranke wurden entlassen, um Raum für die Typhuskranken zu schaffen. Auch die Kleinkinderschulen und Armenhäuser sollen zu Hospitälern hergerichtet werden. Gegenüber der Ansicht, daß das Leitungswasser an der Epidemie die Schuld trage, erklärt Medizinal⸗ rat Dr. Tenholt, im Gelsenkirchener Leitungs⸗ wasser seien keine Typhusbazillen gefunden; weder er noch andere hätten solche gefunden.

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Kleine Mitteilungen.

* Tod im Gerichtssaale. Am Mitt⸗ woch starb bei einer Schwurgerichtsverhandlung in Darmstadt der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schneider in dem Beratungszimmer, eben als die Geschworenen im Begriff waren ihren Wahr⸗ spruch abzugeben. Ein Hege hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Natürlich mußte nun eine neue Verhandlung stattfinden.

k Der Millionenspitzbube Terlin⸗ den aus Oberhausen, der bekanntlich in Amerika verhaftet wurde, wird möglicherweise noch nicht einmal ausgeliefert. Wie die Frkftr. Ztg. berichtete, soll schon eine Anklage gegen ihn abgewiesen worden sein. Da könnte der fromme Gauner in aller Gemütsruhe seinen Raub genießen.

* Mord und Selbstmord. Am Mon⸗ tag früh fand man in Nürnberg eine Prosti⸗ tuirte und ihren Zuhälter mit durchschnittenem Halse tot auf.

Partei- Nachrichten.

Im Kampfe gefallen. Eines plötzlichen Todes starb der Genosse Bergmann in Markranstädt.

In der in derParkschänke zu Markranstädt am Sams⸗ tag vor 8 Tagen abgehaltenen Versammlung des Ver⸗ einsVorwärts meldete sich der 37 jährige Genosse als Redner in der Diskussion zum Wort. Als B. etwa zwei Minuten gesprochen hatte, fiel er kopfüber nach vorn, wurde jedoch von seinen Tischnachbarn gehalten und auf den Fußboden gelegt. Der in kurzer Zeit her⸗ beigekommene Arzt konnte nur noch den Tod durch Herzlähmung konstatieren. Bergmann war drei Jahre Vorsttzender der Parteiorganisation und außerdem Be⸗ vollmächtigter des Maurerverbandes. Er war unaus⸗ gesetzt für die Arbeiterbewegung thätig.

Versammlungskalender. Samstag, den 5. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗

lung bet LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.) Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Th. L. Mandler. Wieseck. Sozialdem. Wahlverein. 8 Uhr Zusammenkunft bei Gastwirt Will. Lauterbach. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Gastwirt Kaut. Montag, den 7. Oktober. Gießen. Schneiderverband. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Orbig.

. Der Schneiderverband Gießen hält sein 12 Stiftungsfest nächsten Samstag, den 12. Oktober im Saale des Cafs Leib ab. Im gleichen Lokale feiert der Gesang⸗ vereinEintracht das seine am 19. Oktbr.

Briefkasten. Lollar und andere. Wegen Raummangel mußten mehrere Einsendungen zurückgestellt werden.

Gießener Stadttheater.

Sonntag, den 6. Oktober 1901

Das Mädel ohne Geld

Volksstück mit Gesang in 3 Akten von(6 Bildern) von Berg und Jacobson.

Dienstag, den 8. Oktober 1901 Hans Muekebein

Schwank in 3 Akten von Blumenthal und Kadelburg.

Mittwoch, den 9. Oktober 1901 Volkstümliche Vorstellung

Minna von Barnhelm

Lustspiel in 5 Akten von G. E. Lessing. Freitag den 11. Oktober 1901

Der Kaufmann von Venedig

Schauspiel in 5 Aufzugen bon W. Shakespeare.

Abends

Kommunal-Programm

der Sozialdemokraten Hessens.

Die von den Parteigenossen als Vertreter der Sozial⸗ demokratie zu wählenden Gemeinderäte müssen das Programm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands als für sie bindend anerkennen, und iu der Richtung folgender Forderungen wirken:

1. Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden. Die Gemeindevertretungen müssen aus sich heraus eine Revifion der Städte⸗ und Gemeindeordnung anstreben im Sinne größerer Selbstständigkeit gegenüber den staat⸗ lichen Behörden. Allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen für die Gemeinderäte, Beigeordnete und Bürger⸗ meister, Beseitigung des staatlichen Bestätigungsrechtes. Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen. Gesetzliche Fest⸗ setzung aller Gemeindewahlen auf einen Sonn⸗ oder Feiertag.

Stellungnahme gegen den reichsgesetzlichen Zwang, Subalternbeamtenstellen im Gemeindedienst mit Militär⸗ anwärtern zu besetzen.

Erweiterung des Expropriationsrechts der Gemeinden.

2. Steuern. Die Deckung der durch Steuern aufzubringenden Kosten des Gemeindehaushalts hat durch direkte, stufenweis steigende Einkommensteuer zu erfolgen. Neue Verbrauchssteuern sind abzulehnen; die vorhandenen sind abzuschaffen. Wo dies wegen finanzieller Folgen nicht sofort möglich ist, soll die Abschaffung nach und nach geschehen.

3. Verwendung von Gemeindemitteln. Gemeindemittel dürfen nur im Interesse der Gesamtheit oder ausgleichender Gerechtigkeit verwandt werden.

Alle Forderungen, die darauf hinausgehen, aus Mitteln der Gemeinden militärische oder monarchische Feste zu begehen oder zu verherrlichen, sind abzulehnen.