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tr. 40. Gießen, Sonntag, den 6. Oktober 1901. 8. Jahrg. 2 Redaktion: 2 Redaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Abounemeutspreis: e Mitteldeutsche
Parteigenossen!
Unterschreibt die Petition gegen sen Brotwucher!
Lübeck.
In sechs, ja beinahe sieben arbeitsreichen lugen hat unser diesjähriger Parteitag seine lagesordnung erledigt. Und wir können auf me Arbeiten mit großer Befriedigung zurück⸗
cen. Sein Verlauf hat gezeigt, daß die — 5 nach wie vor 1 und geschlossen da⸗ scht,
— 2 in Bezug auf prinzipielle wie tak⸗ ssche Fragen. Und wie wir es schon in der Urletzten Nummer voraus sagten, sind unsere geguer mit ihren Hoffnungen auf Spaltung ur Sozialdemokratie wiederum schmählich ge⸗ suscht worden. Denn solche wurden diesmal it Sicherheit erwartet. Drum ist auch der lerger nicht gering, der über den für uns tigen Verlauf des. in den gegne⸗ sschen Blättern 3 Ausdruck kommt. anche luchen die possterlichsten Sprünge, zeigen sich wahrhaft 8 Weise besorgt um das Johl unserer Partei; andere wieder lästern und schimpfen, wie es von jeher ihre Gewohn⸗ la wieder andere suchen uns tot zu schwatzen. lergeblich. Die Tage von Lübeck haben für se Einheitlichkeit und Kraft der ee hatischen e glaͤnzend Neun 8 abgelegt. bo ist die f„ welche Aehnliches leisten unn, deren Zusammenkünfte gleiche Bedeutung kanspruchen können?
ewiß, es fiel manches harte Wort in den gebatten. Sicher ist der usch angebracht, ß künftig weniger das Persönliche und ehr das Sachliche in den Vordergrund * werde. Es liegt im Interesse der Sache, ib. wir uns bei allem sachlichen 2 5 17 der selbstverständlich ungeschmälert bleiben A und 77 frei halten von persön⸗ Ihem Zwist. Aber alle Reden waren doch Masen von dem Bestreben, der Sache in der en Weise zu dienen. Und in Frieden und Uitheit gingen die Delegierten auseinander. Trotzdem die Geister oft heftig aufeinander⸗ atzen, in leidenschaftlicher Erregung die Ein⸗ 1 ihre Meinung vertreten, 0 glätten sich Ich. bald bei der freien und ungeschminkten Aussprache die stürmischen Wogen und die Zeefligten bleiben gute Freunde und treue
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it Recht sagt unser Dresdener Partei⸗ Aan: Nicht nach seinen Debatten, nach seinen Zechlüssen muß man einen Parteitag beurteilen. ud da une das erfreuliche Ergebnis des
Abecker Tages deutlich in die Augen: der 4. e Aus ang der Bernsteindehatte, den e Bebelsche Resolr e, gewährleistet, die
lesen des Kampfes um den Hamburgischen Ee stedsspruch, die grundsätzliche Festlegung der Jartei in der 7 der Budgetbewilligung, In flammende Protest gegen den Brot- und Zalwucher, die richtunggebende Behandlung in Wohnungsfrage, die entschiedene Stellung⸗ murme zu den neuesten Erfahrungen mit der
Mlitärjustiz, die fruchtbringenden Erörterungen
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den Fan Wichtigkeit und Bedeutsamkeit für den Emanzipationskampf des Proletariats nicht erst bewiesen zu werden braucht. In seiner Begrüßungsrede hatte Bebel gewünscht, daß der alte hanseatische Geist kühner Entschlossen⸗ heit, aufrechter Mannhaftigkeit und wohlab⸗ wägender Gewissenhaftigkeit die Verhandlungen beseelen möge, dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen.
Parteitagsbeschlüsse machen nicht den An⸗ spruch, Wahrheiten letzter Instanz zu sein; Politik treiben, heißt die Kräfte, die ihm Volke schlummern, wecken und in den Dienst der Wohlfahrt des Volkes stellen. Darum kann ein abschließendes Urteil über die Bedeutung eines solchen Tages immer erst in der Zukunft gefällt werden. Des aber sind wir gewiß, daß auch der Lübecker Parteitag segensvoll und förderlich für das auf dem Boden des Klassen⸗ kampfes um seine politische und wirtschaftliche Befreiung ringende deutsche und internationale Proletariat sein wird!
Mögen drum die Feinde des aufstrebenden Proletariats ihre getäuschten Hoffnungen zu Grabe tragen, jeder zur besitzlosen Klasse Gehörige 7 5 seine Pflicht und arbeite mit an der Verwirklichung der hohen Ziele der Soztal⸗ demokratie!
Unser Parteitag.
Wir schlossen unsern Bericht über die Partei⸗ tagsverhandlungen in voriger Nummer mit der Rede Kautsky's, die derselbe zu dem Punkte „Presse und Litteratur“ am Dienstag Nachmittag hielt und in der er sich zu den Bernsteinschen Kritiken äußerte. Zur Bernsteinangelegenheit liegen zwei Resolutionen vor, die eine von Abg. Heine, die andere von Bebel beantragt, beide mit zahlreichen Unterschriften versehen. Die Bebelssche(später zur Annahme gelangte) Resolution lautet:
„Der Parteitag erkennt rückhaltlos die Notwendig⸗ keit der Selbstkritik für die geistige Fortentwickelung unserer Partei an. Aber die durchaus einseitige Art, wie der Genosse Bernstein diese Kritik in den letzten Jahren betrieb, unter Außerachtlassung der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Trägern, hat ihn in eine zweideutige Position gebracht und die Mißstimmung eines großen Teils der Partei⸗ genossen erregt. In der Erwartung, daß der Genosse Bernstein sich dieser Erkenntnis nicht verschließt und danach handelt, geht der Parteitag über die Anträge Nr. 52, 91, 92 und 93 zur Tagesordnung über.“
Aus den Ausführungen Dr. Davids, der 1 Kautsky das Wort ergriff, sei folgendes wiedergegeben:
Unwahr ist es zunächft, daß die Freunde Bernfteins von einer neuen Zeit gesprochen haben sollen, die mit dem Erscheinen von dessen Buch eintrete. Ebensowenig war von einem Jubel über dieses Buch etwas zu merken. Os wurde zunächst recht kühl aufgenommen. Erst als es Überscharf angegriffen wurde, da haben wir es geprüft und zu ruhigerer Betrachtung gemahnt. Ueber die Ver⸗ elendung haben wir uns ja schon in Hannover ausge⸗ sprochen. Ich habe schon damals gegen Kautsky das „Kommunistische Manifest“ angeführt, wo nicht von einer Tendenz die Rede ist, sondern von der faktischen Aus⸗ hungerung der Arbeitermasse. Auch von einer Gegen⸗ wirkung gegen das Kapital ist dort nicht die Rede.
über unser Preßwesen— das sind doch alles
Also hat es doch Leute gegeben, die auf solchem Boden standen, und daher kann doch Kautsky diese Auffassung der Verelendungstheorie nicht als verrückt erklären! Aendert man seine Meinung, so habe man auch den Mut, es zu bekennen. Parvus hat noch zuletzt in der „Neuen Zeit“ Meinungen geäußert, die jener alten Auf⸗ fassung der Theorie nahe stehen. Weshalb verhandeln wir über Bernstein aber heute? Der Anlaß dazu ist ein sehr harmloser: sein Vortrag im Studentenverein. Ich gebe zu, daß die Ausschlachtungen desselben in der bürgerlichen Presse Parteigenossen ärgerlich stimmen konnten. Aber nachdem der Vortrag im Druck vorlag, zeigte es sich doch ganz deutlich, daß es sich hier, wie Heine so hübsch gesagt hat, um die Theorie der Theorie, um recht formalistische wissenschaftliche Haarspaltereien handelte. Will man der Wahrheit die Ehre geben, muß man doch auch feststellen, daß die bürgerliche Presse durchaus nicht im allgemeinen auf Bernsteins Seite steht. Von der konservativen Presse ist Bernstein häufig als der Vertreter der allergefährlichsten Spielart innerhalb der Sozialdemokratie angesprochen worden. Bernsteins Vortrag ist in der„Frankfurter Zeitung“ nicht lobend, sondern mißbilligend kritisiert worden, Vor allem aber ist kein Wort daran wahr, daß Bernstein in seinem Vortrag dem Sozialismus das wissenschaftliche Funda⸗ ment entzogen habe. Bebels Resolution läßt den Vor⸗ trag Bernsteins im Studentenverein fallen, aber sie geht doch wieder auf den hannoverschen Streit ein, und den hielt ich für abgethan. Die Resolution spricht aber auch dem Genossen Bernstein eine Rüge für seine Thätigkeit aus. Diese Rüge halte ich für sehr ungerecht, denn die Resolution hat kein Wort des Tadels für die Gegen⸗ seite.(Sehr richtig!) Ich erinnere Sie daran, wie in der„Neuen Zeit“ Bernstein angegriffen worden ist, Ueberhaupt hat die„Neue Zeit“ in letzter Zeit Pole⸗ miten geführt, die gar nicht zu rechtfertigen waren. Man scheint in diesen Angriffen gar keine Grenzen mehr zu finden. Ich erinnere Sie nur an die Behandlung, die Auer und Vollmar sich in der„Neuen Zeit“ haben gefallen lassen müssen. Ich meine, Bebel sollte, um auch den Schein zu vermeiden, als wolle er ein Straf⸗ gericht über Bernstein herbeiführen, seine Resolution zurückziehen und sich der andern anschließen. Wir sind doch der Ueberzeugung, daß die Verwirklichung der Ziele unserer Bewegung bedingt ist durch die wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse, daß in der notwendigen Ent⸗ wicklung der Dinge unsere Macht wurzelt, was soll da die Nervosität, wenn irgend Jemand einen Satz des „Kapitals“ bezweifelt. Was an dieser Kritik richtig ist, wird Bestand haben und sich durchsetzen, was nicht richtig ist, wird absterben. Wir werden neue Erfahrungen machen, die Wissenschaft geht durchaus nicht immer als Leuchte voran, sondern hinkt häufig hinter den Erfah⸗ rungen her. Ich meine, die neue Bernstein⸗Debatte wäre nicht nötig gewesen, schaden wird sie ja nicht, aber ich hoffe doch, daß sie für absehbare Zeit die letzte sein wird. Sie wird uns in unserm Kampfe nicht schaden, denn auch Selbstkritik gehört mit zum Kampfe gegen die Gegner. Wenn wir auf den Namen der wissenschaft⸗ lichsten Partei mit Recht Anspruch erheben, dürfen wir uns nie und nimmer dazu verstehen, einen Forscher wie Bernstein in seiner Thätigkeit in dieser Weise herunter⸗ zudrücken; wir müssen ihn in seinem Sinne zum Besten der Partei weiter arbeiten lassen; davon wird die Partei keinen Schaden haben.(Lebhafter Beifall.)
Hierauf ergreift Genosse Bebel das Wort.
Selbstkritik wolle kein Mensch in der Partei beseitigen Was Kautsky über die Verelendungstheorie gesagt hat ist völlig richtig. Schon 1872 hat Engels im Einver⸗ ständnis mit Marx erklärt, sie seien nicht mehr in der Lage, alle Grundanschaunngen des kommunistischen Manifestes aufrecht zu erhalten. Es besteht danach kein Zweifel, wie das Wort Verelendungstheorie bei Marx aufzufassen ist. Jeder der loyal ist, muß zugeben, daß Marx auch nur von relativer Verelendung gesprochen hat. Ich hätte bei David wirklich etwas mehr Objektivität erwartet, denn er weiß, worum sichs handelt. Er gehört


