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5.5.1901
 
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Nr. 18.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

Eisenbahnbauten in Afrika

handelnde Vorlage durchzudrücken. Ju der ostafri⸗ kanischen Kolonie soll eine Bahn don Dar⸗es⸗Salaam Mrogoro gebant werden. Daß dies von Reichswegen geschehe, lehnte der Reichstag vor einigen Monaten ab, nahm aber eine Resolution an, welche die Regierung auffordert, die Bahn durch privates Kapital bauen zu lassen. Mit einer Hurtigkeit, die man sonst just nicht bei ihr gewohnt ist, ist die Regierung dieser Aufforderung nachgekommen und hatte einen Vertrag mit einem Bankkonsorttum abgeschlossen; einen Vertrag allerdings, der die Spuren eiliger Arbeit mit handgreiflicher Deut⸗ lichkeit auf der Stirn trägt. Mir nichts, dir nichts soll das Reich die Garantie erst für die vier⸗ dann für die dreipronzentige Verzinsung der 24 Millionen über⸗ nehmen, mit denen das betreffende Konsortium den Bau der Dar⸗es⸗SalaamMrogoro Strecke bewerkstelligen will. Hinter diesem Bahnprojekt steckt aber noch ein größeres; nämlich das afrikanisce Centralbahn⸗ projekt. Diese Strecke soll ein Anfang für eine große, die afrikanischen Centralseen mit der Ostküste verbindende Eisenbahn sein. Das Projekt, in die Wüst ee Eisenbahnen zu bauen, findet bei dem Reichstage wenig Gegenliebe. Es war deshalb wohl nötig, daß der Reichskanzler sich für die Vorlage ins Zeug legte. Dasselbe that natür⸗ lich der Kolonialdirektor Dr. Stübel, der als guter Mensch glaubt, daß das deutsche Kapital nicht der schnöden Profitsucht halber, sondern aus purer Begeisterung für Deutschlands Herrlichkeit in den Kolonteen Verwendung sucht. Es giebt also doch noch in dieser schnöden Zeit des Materialismus gute und gläubige und gefühls volle Seelen. In wuchtigen und trefflichen, mit satirischen Ausfällen auf das Treiben der Kanalfronde die in Preußen Kanäle verweigert, in den ostafrikanischen Wüsteneien aber Eisenbahnen bauen will gespickten Reden geißelten Eugen Richter und Bebel die Vor⸗ lage, den an allerlei schöne Fabeln erinnernde Vertrag, den die Regierung mit dem Bankkonsortium eingegangen, die Konzertmalerei des Grafen Bülow sowie die Luft⸗ schlösserfabrikation der Kolonialfexe, die sich freilich sehr wohl hüten, in die eigenen Taschen zu greifen. Auch der Kritik, die der Zentrumsabgeordnete Mül ler⸗Fulda übte, fehlte es nicht an Schärfe, aber zur prinztellen Ablehnung gelangte natürlich der Reichssteuervater und Wortführer der allmählich nationalliberal gewordenen ausschlaggebenden Centremsfraktion nicht. Verschiedene konservative Redner traten für die Vorlage ein; der Agrarier Lucke wandte sich dagegen. Dafür sprach sich auch der Abg. v. Siemens aus, der der Frei⸗ sinnigen Vereinigung angehört und den man wiederholt als zukünftigen Fin anzminister bezeichnete.

Donnerstag verhandelte man in der zweiten Lesung über den Gesetzentwurf betreffend die

privaten Versicherungsanstalten. Durchweg leidet der Entwurf, auch in der Kommissions⸗ fassung, an bureaukratischer Schwerfälligkeit. So kam es, daß einige Anträge der Freisinnigen, die sich gegen den Bureaukratismus wandten, trotz des aus ihnen hervorschimmernden Pferdefußes des Manchestertumes auch bei anderen Parteien, wie beim Zentrum und unserer Fraktion, Zustimmung fand. In einem Falle wurde ein solcher freisinniger Antrag nach Befürwortung unter anderen auch unseres Genossen Segitz ange⸗ nommen. In einem anderen Falle wurde er abgelehnt. Bei einem driten sreisinnigen Antrage kam es zur Katastrophe. Der Antrag lief darauf hinaus, die Versicherungsanstalten von den Kosten für die Anfsicht zu befreien, mit denen die Vorlage sie belasten wollte, weil, wie von freisinniger Seite ausgeführt wurde, diese Gesellschaften doch diese Kosten auf die Versicherten ab⸗ wälzen würden. Als die Nationalliberalen durch den Mund des Abgeordneten Büsing sich gegen diesen Antrag erklärten, gegen den auch Graf Posadowsky sprach, und eine Ablehnung sicher schien, bezweifelte Eugen Richter die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Auszählung ergab die Anwesenheit von nur 135 Mit⸗ gliedern, das Haus war also wieder beschlußunfähig.

Der Präsident bedauerte die beständige Abwesenheit vieler Reichsboten und setzt die nächste Sitzung auf Montag an.

Am Montag war der Reichstag beschluß fähig. Das benutzte man, um die Beratung des Gesetzes über die Privatversicherungsanstalten energisch zu fördern. Die Sitzung zog sich wegen der vielen Abänderung s⸗ anträge, die zu der für Laien schwer verständlichen Ma⸗ terie gestellt waren, bis tief in die stebente Stunde hin. Auf die Einzelheiten können wir hier uatürlich nicht eingehen. Eine interessante Debatte gab es indessen bei dem§ 108. Es handelte sich um die Frage, ob die Rechtspraxis: Unkenntnis der Gesetze schütze nicht vor Strafe, für dieses Gesetz außer Kraft zu setzen set, wie die Kommission vorgeschlagen habe. Die Bestrafung eines Mannes, der ohne Erlaubnis Versicherungsgeschäfte betreibt, sollte von seiner Kenntnis abhängen, ob eine solche Erlaubnis erforderlich sei. Hiergegen wandte sich Graf Posadowsky, unterstützt von dem Zentrums⸗ juristen Spahn, während andere Redner auch

Juristen vor allem aber Genosse Molkenbuhr' für die Kommisstonsfassung eintraten. Diese wurde jedoch von der Mehrheit in Stich gelassen und die Regierungsvorlage hier wiederhergestellt.

Dienstag wurde diese Beratung erledigt. Dann folgte die dritte Beratung des Urheberrechts und des Verlagsrechts, die am Mittwoch noch nicht ganz zum Abschluß gelangte,

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Krieg in Südafrika.

General French war wirklich ge⸗ fangen! Die seinerzeitige Meldung, welche dann von London aus in der Weise dementiert wurde, daß man telegraphierte, es sei dem Kriegsamt von der Gefangennahmenichts bekaunt, wird jetzt bestätigt. Das später ge⸗ meldeteUnwohlsein Frenchs erklärt sich jetzt in der Weise: General French leidet an Bullers Krankheit. Er ist in der Ge fangenschaft der Buren gewesen und von diesen auf Ehrenwort freigelassen worden; er muß also heimkehren und damit die Liste der außer Kurs gesetzten englischen Helden vermehren. White, Yule, Warren, Gatacre, Baden⸗Powell, Buller, Coleville und schließlich auch Lord Roberts haben bei dem undankbaren Gewerbe, ein holländisches Hirtenvolk zu unter⸗ jochen, schlecht abgeschnitien. Ihnen gesellt sich French, ein Reitergeneral zu, der bisher Tüchtiges leistete. Er war mit White in Ladysmith ein⸗ geschlossen und hat den ganzen langwierigen Feldzug mitgekämpft.

Einige Unglücks nachrichten für die Engländer liegen wieder vor. Nach Meldungen der Blätter aus Kapstadt überraschten 400 Buren 15 Meilen von Kroonstad eine 25 Mann starke Abteilung von Kolonialtruppen. Die Abteilung leistete den Buren acht Stunden lang hart⸗ näckigen Widerstand, wobei 14 Buren getötet und mehrere verwundet wurden. Als ihr Schießvorrat erschöpft war, er gab sie sich den Buren, welche sie entwaffneten und dann wieder in Freiheit setzten. Ferner wird von Ende voriger Woche aus Pretoria berichtet: Die Buren brachten einen nach dem Süden abgehenden, mit kranken Soldaten besetzten Lazaretzug zur Entgleisung. Einige der Kranken erlitten Verletzungen. Ein anderer Zug mit Pferden wurde in der Nähe von Springfontein in die Luft gesprengt, wo⸗ bei eine Anzahl Pferde getötet wurde. Weiter wurde aus Kapstadt telegraphiert: Cecil Rhodes entging am Samstag mit knapper Not seiner Gefangennahme durch die Buren unweit Kimberley. Diese sprengten die Bahn dicht vor seinem Zuge in die Luft.

Englische Erfolge meldete Lord Kitchener einige Tage später: Seine Schützen unter Oberst Grenfell überfielen das Lager Vaurenburgs bei Klipdam, nördlich von Pietersburg. 7 Buren wurden getötet, 37 gefangen genommen. Außer⸗ dem wurden 8000 Packete mit Munition, sämt⸗ liche Wagen, Karren, Ochsen, Pferde und Maul⸗ tiere erbeutet. Auf britischer Seite wurde ein Mann verwundet. Von einer anderen Truppen⸗ abteilung wird gemeldet, daß 3 Buren getötet und 58 gefangen genommen wurden; 57 Buren ergaben sich freiwillig; auch ein Schnellfeuer⸗ geschütz wurde erbeutet. Auch in Lydenburg sollen sich 20 Buren ergeben haben.

Krieg mit China.

Ein ernster Kampf hat an dergroßen Mauer stattgefunden. Warum eigentlich Wal⸗ dersee den Zug dorthin unternahm, weiß kein Mensch. Er meldete am 27. April, daß die Brigade Kettler sich in vier Kolonnen gegen die große Mauer in Bewegung gesetzt habe, wo der Feind sich in starker Stellung befand. Es wurde hartnäckig gekämpft. Erst nach elfstündigem Kampf wurde die Stellung genommen. Major Mühlenfels, Leutnant Richert wurden leicht, Leutnant Drewello schwer ver wundet. Außerdem gab es 2 Tote und 6 schwer, 10 leicht verwundete Soldaten. Natür⸗ lich siegten die Deutschen und der Feind erlitt schwere Verluste. Die Franzosen, die erst auch von der Partie sein wollten, waren an den Kämpfen nicht beteiligt; sie trafen zu

spät am Bestimmungsorte ein. Bei der Kolonne Kettler explodierte durch Unvorsichtigkeit eines Mannes eine mit Pulver gefüllte Kiste, wobei vom 3. Regiment ein Musketier getötet und drei leicht verwundet wurden.

Beuteverteilung. Eine kaum verständ⸗ liche Mitteilung brachte das Depeschenbureau Hirsch aus Marseille vom 30. April. Sie lautete: Gestern fand die Verteilung der Kriegs- beute unter die Soldaten der Chinaexpedition statt. Der Anteil eines jeden beträgt ca. 1000 Fr. Seiner Zeit hieß es, daß das Beutemachen streng verboten sei. Und nun wird der Dieb⸗ stahl und die Plünderung organisiert.

Die Griesheimer Katastrophe.

Wir konnten in unserer vorigen Nummer nur ganz kurz die ersten Meldungen über die entsetzliche Katastrophe in der chemischen FabrikElektron, der zahlreiche Arbeiter zum Opfer fielen, wiedergeben. Im Allgemeinen waren ja die von uns mitgeteilten Thatsachen zutreffend; nur müssen wir berichtigen, daß es sich nach weiteren Mitteilungen nicht um Ex⸗ plosion von Kesseln mit Nitroglycerin und Benzin handelte, sondern daß das ausgekommene Feuer die in Thonbehältern verwahrte Pikrin⸗ säure zur Explosion brachte. Pikrinsäure wird zur Herstellung rauchlosen Pulvers ver⸗ wandt. Sehr getadelt wird, daß, als das Feuer mehr um sich griff, von der Betriebsleitung, die doch die Gefahr erkennen mußte, nicht die Räumung der Fabrik angeordnet wurde. Nachrichten, welche von 100 Toten berichteten, bestätigten sich glücklicherweise nicht. Vor weiteren Mitteilungen wollen wir unserem Frankfurter Parteiorgan über die Arbeiter⸗ verhältnisse in dieser Fabrik das Wort geben. DieVolksstimme erinnert daran, daß ihr oft genug Schmerzensschreie aus den Kreisen der Arbeiter jener Fabrik zugegangen; sie habe jene bitteren Klagen oft gemildert, minder wichtige nicht veröffentlicht; also gewiß nichtgewissenlos gehetzt, wie die Gegner der Arbeiterpresse stets vorwerfen.Wenn wir aber jetzt rückschauend die Summe von kapi⸗ talistischem Fabrikelend überblicken, das aus allen jenen Mitteilungen sprach, den veröffeut⸗ lichten und den nicht veröffentlichten, so erscheint uns die furchtbare Kataprophe allerdings in einem ganz besonderen Lichte.

Die chemische FabrikElektron, deren Brand und Explosioa jetzt zwei Ortschaften, zahlreiche Meuscheuleben und eine Menge bescheidener Haushaltungen verwüstet haben, ist ein echtes Erzeugnis kapitalistischer Ent⸗ wickelung. Sie wuchs zu ihrer Größe durch Aufsaugung zweier benachbarter Betriebe, zahlte zuletzt 16, schreibe sechzehn Prozent Divi⸗ dende bei riesigen Abschreibungen und Rück⸗ lagen und entlohnte und behandelte ihre Arbeiter so, wie es im Bezirke der Höchster Fabrikpaschas der chemischen Industrie üblich ist, jenem zweiten Saarabien, in dem jede selbständige Arbeiter⸗ organisation aufs Heftigste verfolgt und bekämpft wird, obgleich er vor den westlichen Thoren des roten Frankfurt liegt. Selbstverständlich hatten die Vertreter der großen Fabrik auch in der Grlesheimer Ge⸗ meindeverwaltung das große Wort. Wesentlich an ihrem Widerspruche scheiterte die Errichtung eines Krankenhauses für das längst zum kleinen Städtchen mit 8000 Einwohnern ge⸗ wachsene Dorf, so oft dies die Arbeiter auch angesichts der hohen Krankenziffer der Fabrik und der zahlreichen Unglücksfalle in derselben verlangten. Die 2000 Arbeiter der Fabrik hatten, so viel wir wissen, einen einzigen Arzt, sein Stellvertreter wohnte über dem Main drüben und schwer erreichbar in Schwau⸗ heim. Kranke wurden oft in die Schlafsäte der gesunden Arbeiter transportiert, wenn sie dort starben, wie der kürzlich erkrankt im Wäldchen beim Orte Gefundene, vom Schlaf sale direkt auf den Friedhof in einer Weise und einem Sarge, die helle Entrüstung der Ueberlebenden hervorriefen. Erst kürzlich er