Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 9
15 A CH De e
6 Unkerhaltungs-Cril. J Sufriedenheit.
Ihr lieben Leut', seid doch zufrieden Und schickt euch in die böse Welt, Das Cos, das euch von Gott beschieden, Trag' jeder als ein Christ und Held. Wer nur den lieben Gott läßt walten, Der läßt auch alles hübsch beim alten; Es gibt auf Erden weit und breit Nichts Schönres als Sufriedenheit.
Und wenn ihr in der Welt'rumlungert, Wenn's Hemd euch durch die Hosen blickt, Wenn ihr vor'm Haus der Reichen hungert, Und wenn der Frost euch kneift und zwickt; Bedenkt, es kann ja hier auf Erden Doch nicht ein jeder glücklich werden,
Dem Einen Glück und Herrlichkeit, Dem Andern die Sufriedenheit.
Sufriedenheit sei meine Freude, Sufriedenheit sei meine Lust; In meinem abgeschabten Kleide Nerrscht dies Gefühl in meiner Brust. Und bin ich einst verlumpt, verdorben, Vor Hunger endlich gar gestorben, Dann schreibt auf's Grab mir groß und breit: Der Kerl starb an Sufriedenheit.
—— N
Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel, 5)(Fortsetzung)
Die arme Guste schwebte in einer steten Angst. Wie eine Magnetnadel nach Norden, so richteten sich ihre Gedanken immer auf Wilm, trotzdem er sich von ihr losgesagt hatte. Sie fürchtete fortwährend, etwas Schreckliches über ihn zu hören, und es war nicht das Schrecklichste, was sie zu erfahren bebte, daß er auf seinen Paschergängen gefangen genommen, von der Kugel eines Grenzers erschossen worden sei. Um des Schmuggels willen hätte er sich schwerlich von ihr losgerissen; er wollte frei sein, um für alle Unbill, die ihm widerfahren war, Vergeltung üben zu können. Noch bei ihrer letzten Zusammenkunft hatte er es ver⸗ raten, daß er auf Rache sinne und jetzt hatte sich ein neuer Grund wuchtig an alle anderen, die er zu haben glaubte, angehängt. Sein Vater war thatsächlich vollkommen erblindet und zog, von einem alten Schäferhunde geführt, bettelnd im Lande umher. Die Staatsanwalt⸗ schaft hatte durch seine gewaltsame Ausweisung kein öffentliches Interesse verletzt gefunden und ihn auf den Weg der Privatklage verwiesen. Der Herr Baron hätte nur von seinem Haus⸗ recht Gebrauch gemacht, nachdem Balk selbst ihm den Dienst gekündigt. Daß Guste keine Vorstellung davon hatte, was Wilm thun wollte, um sich zu rächen, das Ungewisse des Drohenden ängstigte sie über alle Maßen und
die- Gewaltthätigkeiten, von denen die Gerüchte
in ihr Dorf drangen, die Brände, von denen sie den Himmel über dem Tieflande gerötet sah, gaben ihrer geheimen Furcht neue Nahrung. Die stete innere Aufregung verriet sich in den fieberhaft roten Flecken auf ihren hohlen Wangen. Ihre Gestalt war fast zu einem Schatten ab— gezehrt.
Aus den Dörfern und Städten an der Landesgrenze zogen täglich Männer, Frauen und Kinder in großer Zahl hinüber, um kleine Mengen von Mehl, Kartoffeln und auch wohl Fleisch, die drüben billiger waren und frei ein⸗ gebracht werden durften, zu holen. Die Not scheute einen oft stundenweiten Weg nicht und trotzte jedem Wetter, den Schneestürmen und der bittersten Kälte. Auch Gusten's Schwester
der Anbett entbehrt werden konnte, wurde wiederholt hinübergeschickt, und das Mehl mit Baumrinde, Moos nad Wurzeln vermischt zu
vie zwölfjährige Klara, welche am leichtesten bei
Brot gebacken. Eines Morgens machte sie sich auch wieder in Begleitung mehrerer Dorfge⸗ nossen auf den weiten beschwerlichen Weg. Nach reichem Schneefall war starker Frost ein⸗ getreten und über die Höhen pfiff ein bitter schreidender Ostwind, der den armen, nur dürftig bekleideten Leuten das Mark in den Knochen erstarren machte. Klärchen war so warm, als es die Mittel erlaubten, von der Mutter eingehüllt worden. Sie hatte über ihre dünnen, bereits ausgewachsenen Röckchen das wollene Arbeitskamisol ihres Bruders gezogen und das schmale bleiche Gesichtchen schaute aus dem Umschlagetuch der Schwester, das ihr um Kopf und Brust geschlungen war. Sie war das einzige Kind unter den Wanderern, die mit vorgebeugtem Leibe und hochgezogenen Schultern gegen den eisigen Wind vorwärts drängten, und Klärchen hatte Mühe, ihnen mit ihren kleinen Beinchen zu folgen. Mit leichtem Herzen hatten die ihrigen sie nicht ziehen lassen, aber die Not war gar zu groß, und sie dachten während der Arbeit oft an die kleine Pilgerin. Gegen Sonnenuntergang konnte sie wieder daheim sein. Die Anderen trafen auch um diese Zeit ein, aber Klara war nicht bei ihnen. Sie selbst verwunderten sich darüber, denn sie hatten zusammen den Rück⸗ weg angetreten; über die letzten kahlen Höhen waren sie freilich rasch ausgeschritten. Nun, sie würde jedenfalls bald nachkommen.
Es wurde Abend, es wurde dunkel, aber das Kind stellte sich nicht ein. Die Besorgnis der ihrigen wurde immer größer und Vater und Bruder ließen die Arbeit liegen und klei⸗ deten sich an, um dem Mädchen entgegenzugehen. Sie hatten sich erst wenige Schritte vom Hause entfernt, als ein Mann auf sie zukam, der ein Pack auf beiden Armen trug. Vater mit dem Namen an und beide erkannten au der Stimme Wilm Balk. Sein Gesicht be⸗ schattete die Hutkrempe gegen das hellflimmernde Sternlicht. Es war in der That Wilm und er sagte:„Kehrt nur um, ich bring' schon die Klara!“ Gänzlich in seinem eigenen Ueberrock gehüllt trug er das Kind auf seinen Armen. „Gott sei gelobt und gedankt!“ rief der Vater erleichtert auf, Wilm aber versetzte höhnisch: „Ja, lobt nur immer Gott und laßt ihn einen guten Mann sein! Wißt ihr denn schon, ob Ihr Ursach' habt, ihn zu loben?“ Er war, ohne stehen zu bleiben, dem Hause zugeschritten, der Bruder der Kleinen vorausgeeilt, um die frohe Botschaft zu verkünden, daß Klara da sei. Wilm trat mit seiner Bürde, die sich nicht regte noch rührte, unmittelbar hinter ihm in die Stube und sagte:„Ja, ich bring' sie, aber sie ist tot!“
Von einem glücklichen Pascherzuge zurück⸗ kehrend, hatte er sie in einem Tannenwalde, der sich jenseits der kahlen Höhen abwärts senkt, am Wegrande gefunden. Sie mochte sich im Schutz des Waldes gegen den schneidenden Ostwind ein wenig haben ausruhen wollen, war von der Müdigkeit überwältigt eingeschlafen und erfroren. Neben ihr hatte das Säckchen Mehl gelegen. Wilm hatte schon an Ort und Stelle vergebens versucht, das entflohene Leben zurückzurufen, und schaute jetzt, während er er⸗ zählte, mit finster zusammengezogenen Brauen auf die erfolglosen Wiederbelebungsversuche der Frau Thiemann und Gusten's. Diese hatte nicht sogleich mit Hand anlegen können. Das plötzliche Erscheinen Wilm's hatte sie mit einem Schwindel ergriffen. Nur ein Blick aus seinen Augen hatte sie getroffen; dann hatte er bei Seite gesehen und vermieden, ihren Blicken wieder zu begegnen. Sie hörte ihn nur sagen, während sie mit wirbelnden Empfindungen die Leiche der Schwester mit warmen Tüchern rieb:„Ich komm' morgen wieder!“ Er sagte es mit einer lauten, harten und wie drohend klingenden Stimme zu ihrem Vater und ging, diesem die Hand drückend, in der er zwei Thaler zurückließ.
„Die Worte und die Stimme gingen Guste nicht mehr aus dem Sinne. Und Wilm kam am nächsten Tage wieder, aber nicht allein. Ganz Friedenau folgte ihm. Sie wollten Alle die Leiche des Kindes sehen, das der Hunger
Er redete den
in den Tod getrieben hatte.
tische. Laken, mit dem sie zugedeckt war, von dem Oberkörper zurückgeschlagen, wies den sich Zu⸗ drängenden den dis auf die Knochen abge⸗ magerten Leib und fragte sie, ob sie warten wollten, bis ihre eigenen Kinder verhungert und erfroren seien?„Wollt Ihr's noch länger dulden, daß die Herren schwelgen und wir ver⸗
derben?“ rief er,„daß die Brennereien die
Kartoffeln fressen, die uns sattmachen können, und sie mit dem Korn wuchern?“ Die Auf⸗ regung stieg von Minute zu Minute. Guste, die mit den ihrigen vor den ab uind zu drängenden Menschen verschüchtert in eine Ecke geflüchtet war, faßte sich ein Herz und Wilm am Arm ergreifend, rief sie mit angstbleichen Lippen:„Erbarm' dich, Wilm, was heißt das Alles, was willst Du thun?“ Mit hoch auf⸗ wogender Brust und einer Stimme, welche die Leidenschaft zu erdrücken drohte, erwiderte er: „Rache will ich, Rache für Dich, für mich, für meinen Vater, für uns Alle!“
5(Schluß folgt.)
Sie konnten lachen.
Ueber den letzten, gegen den Schlächter Lewy
in Konitz gerichteten Prozeß und das Verhalten der dortigen Bevölkerung bei der Gerichtsver—
handlung, stellt unser Harburger Parteiblatt
folgende Betrachtung an:
Der grausige Mord zu Konitz hat in der „unglücklichen Stadt“ etwas erzeugt, was man in doppeltem Sinne als Wintersturm bezeichnen kann, denn dieser läßt die Religion, welche Liebe und Versöhnung sein soll, zum Haß und zur Verfolgung gefrieren und wirbelt in den Massen die rohen Junstinkte und wilden Leiden⸗ schaften auf. Im Meineidsprozeß Lewy haben die Geschworenen das Schuldig gesprochen. Wer den Verhandlungen im Genichtssaule nicht beigewohnt hat, kann sich keine Klarheit dar⸗ über verschaffen, welche Eindrücke die Jury gewonnen hat, die Gewißheit aber drängt sich dem Fernstehenden auf, daß die Behandlung des Falles seitens des Ersten Staatsanwalts und ganz besonders dessen forensische Bered— samkeit die Gemüter mächtig beeinflussen mußte. Leider kann ich mich persönlich nicht zu dem Glauben aufschwingen, daß der glänzende Sieg des Staatsanwalts gleichbedeutend ist mit einem solchen der Gerechtigkeit. Bange Zweifel erweckt mir sein Plaidoyer, denn er zählte die Stimmen, statt sie zu wägen, und legte betreffs der Zeugenschaft den höchsten Wert auf die reinen Seelen der Eidesunmündigen, auf die unbe⸗ fleckten Gemüter der jungen Gymnasiasten. Jeder Mensch aber, der Lebenserfahrung besitzt, muß sich sagen, daß niemand leichter zu beein⸗ flussen ist, als jene geistig Schwachen und Un⸗ erfahrenen, deren Charakter sich noch nicht ge⸗ bildet hat im Strom der Zeit. Kinder ver⸗ mögen noch nicht die Folgen ihrer Handlungen zu übersehen, darum soll man die Wahrheit vornehmlich suchen bei geistig gereiften, charak⸗ terfesten Personen. Für mich wiegt darum das Zeugnis des Gymnasialdirektors Prätorius, obgleich es nur einen negativen Beweis enthält, mindestens ein Dutzend jener Stimmen auf, die da bezeugen: Ich hab's gesehen! Was es mit dem Sehen unbefleckter Gemüter auf. fi
hat, das mag jener Gerichtssaal in Königsberg
beweisen, in dem drei Dienstmädchen beschworen, sie hätten einen Mann als einen auf der Flucht
befindlichen Wäschedieb erkannt. Als der wahre
Einbrecher aber die That eingestand und dem unschuldig Verurteilten gegenüber gestellt wurde, kam es zu Tage, daß die beiden Männer sich so wenig ähnlich sahen, wie Tag und Nacht, sie hatten nur etwas gemeknsames, nämlich Strohhüte von der gleichen Farbe und Fagon. Der Strohhut des Einbrechers hatte aber nicht alle drei Zeuginnen irre geführt, sondern nur eine, und da diese die älteste und„überzeugteste“
Die Menschen⸗ menge vor dem Hause Thiemann's zog die Be⸗ wohner des Bergdorfes herbei, und die Auf⸗ regung Jener teilte sich rasch Diesen mit. Die Tote lag in der großen Stube auf dem Werk⸗
Wilm stand daneben; er hatte das
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