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Ar. 9.
Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
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war, so suggerierte sie den beiden anderen ihre
Meinung.
Aus meiner Jugendzeit ist mir ein ähnliches Erlebnis in der Erinnerung. Als Grant Vicks⸗ burg belagerte, wurde auf einem Dampfer einem Kavalleristen ein sehr wertvoller Revolver gestohlen. Der Bestohlene geriet in Wut und rief einem Kameraden zu:„Du mußt es doch auch gesehen haben, daß der Schwarze aus unserer Kajüte kam!“ Der Angerufene erschrak, allein da er gewohnt war, treu zum Freunde zu halten, so nickte er und sagte ja. Als der Bestoblene aber auf den Neger mit dem Säbel einhieb, und dieser verzweifelt aufschrie:„Ich bin kein Dieb, bei Gott, ich bin kein Dieb!“ packte den falschen Zeugen die Gewissensangst. Er fiel dem Kameraden in den Arm und schrie: „Halt ein, Du bist verblendet, und hast mich zu einer feigen Lüge verleitet“ Der Vorfall rief bei den Umstehenden tiefe Sensation hervor, und wenn ich später seiner gedachte, sagte ich mir: Wo ist der Mensch, der nicht gleiche Schwächeanwandlungen an sich erfahren hätte, wie der Apostel Petrus; diese stellen sich aber bei der Jugend am häufigsten eiu.
Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer den höchsten Trumpf zuletzt ausgespielt. In⸗ dem er der preußischen Königskrone die Reverenz erwies, deutete er auf den„Schwarzen Adler⸗ orden“ als Sinnbild preußischer Gerechtigkeit hin. Dieser Schuß nach dem schwarzen Adler war ein Treffer in den Augen aller Naiven, ein Jehlschuß aber für die Geschichtskundigen, denn der Monarch, der ihn schuf, legte so wenig Gewicht auf das Suum cuique, daß in einem Jahre mehr als 200000 seiner getreuen Unter⸗ thanen dem Hungertyphus zum Opfer fielen, und unter den Höflingen, die er zuerst durch den Schwarzen Adlerorden auszeich nete, befanden sich solche, die den Wahlspruch„Jedem das Seine“ auf der Brust, das„Bereichere dich“ aber im Herzen trugen.
Das eindruckvolle Plädoyer schloß bekanntlich mit dem Strafantrag auf fünf Jahre Zuchthaus ab. Als der Angeklagte verzweifelt Gott zum Zeugen anrief, daß er unschuldig sei, antwortete ihm ein Gelächter der den Gerichtssaal dicht füllenden Menge. Dieses Gelächter erscheint mir als das schauerlichste in der Konitzer Ge⸗ richtstragödie und es beweist, daß die Rohheit so unausrottbar ist wie der Aberglaube. Als im achtzehnten Jahrhundert zwei junge Burschen, Detalon und Chevalier de la Barre, in Abbe⸗ ville unschuldig zum Tode durch das Rad ver⸗ urteilt wurden, weil sie ein Kruzifix von der Brücke gestürzt haben sollten, und der fünfzehn⸗ jährige de la Barre auf dem Richtplatz Gott zum Zeugen seiner Unschuld aufrief, lachten auch die Jesuitenzöglinge und Pfaffen. Dies Lachen aber verstummte, als Voltaire, den die Entrüstung nicht schlafen ließ, den entwischten Detalon bei Friedrich II. unterbrachte und dann A an nachwies, daß man Unschuldige zu
em grausamen Tode verurteilt hatte.
Holtei erzählt in seinen Memoiren, daß er als Kuabe in Breslau gesehen habe, wie ein Weib auf's Rad geflochten wurde. Dabei habe ihm nicht so sehr das Jammern der Leidenden mit Entsetzen erfüllt, als das Lachen zweier Dienstmädchen, die in der Menschenmasse stehend, Aepfel verspeisten und ausgelassen lachten,
während das Geschrei der Deliequentin die Ohren aller Menschlichfühlenden zerriß.
Unsere Rechtspflege ist milder geworden, die Rohheit aber geblieben. In Konitz konnte man lachen, als der Staatsanwalt ein so hohes Strafmaß für den Angeklagten beantragte und dieser in Verzweiflung zu Gott aufschrie. Ge⸗ wiß ist der Eid der Grundpfeiler der Rechts⸗ pflege und mit aller Strenge muß gerade im
eheimnisvollen Falle Wiuter verfahren werden. Nach meinem Ermessen aber kommen bei dem Verurteilten mildernde Umstände in Betracht. Der Staatsanwalt selber nahm an, daß der
Angeklagte aus Furcht falsch geschworeu habe.
Für Moritz Lewy aber war Anlaß zur aller⸗ größten Furcht vorhanden. Auf seine Familie waren die dunklen Schatten des Verdachts 1 152 und er sah sich umringt von Christen, die den Juden das gleiche Wohlwollen eutgegen⸗
brachten, wie der Patriarch im„Nathan“. Hat er die Schuld auf sich geladen, so geschah es in drangvoller Lage. Daneben kommt in Be⸗ tracht, daß keiner der Zeugen etwas gegen den Charakter des Angeklagten anzuführen wußte, ja ein Lehrer bekundete gar, daß Lewy in der Turngemeinde beliebt war, bis die antisemitische Strömung einsetzte. Aber auch ganz abgesehen von diesen Milderungsgründen mußte ein An⸗ trag auf fünf Jahre Zuchthaus in jedem Menschenfreund ein Grausen erwecken. Für den jungen Menschen bedeutete diese Zuchthausstrafe etwas Aehnliches wie ein Lebendigbegraben⸗ werden. Diese Strafe ist der bürgerliche Tod, selbst wenn der Bestrafte nicht körperlich und moralisch gebrochen wieder daraus hervorgeht. In Konitz aber konnte man bei dem Gedanken lachen! O, es muß viele unbefleckte Gemüter in dieser christlichen Stadt geben!
Die Frauen und der Fall Steruberg.
In einer Frauenversammlung in Berlin behandelte wan den Fall Sternberg. Zehn Frauen⸗Vereine hatten dazu die Einladung er⸗ gehen lassen. Der Andrang war so stark, daß Hunderte von Gesuchen um Karten hatten zurück⸗ gewiesen werden müssen. Der Saal war von Damen dicht gefüllt, nur wenige Herren hatten Zutritt erhalten. Der Fall Sternberg wurde behandelt vom Standpunkt der Mutter, der Lehrerin, der Aerztin, der Gesangenen- und der Waisenpflegerin. Besondere Beachtung ver⸗ dienen die Ausführungen der Volksschullehrerin Frl. Elisabeth Mieß ner. Sie fand, daß der Prozeß Steruberg Zustände enthüllt habe, die nach der Erfahrung der Geschichte unfehlbar zum Untergang führen mußten. Darum zurück von diesem Weg! Große Scharen von Frauen⸗ zimmer hält der Männerstaat für die Männer⸗ welt bereit. die Frauen Einfluß in der Gesetzgebung hätten! (Lebhafter Beifall.) Uus Lehrerinnen erfaßt eine namenlose Angst um die jungen Menschen⸗ seelen, wenn wir an Mädchen, die bisher rein und lindlich waren, plötzlich Veränderungen wahrnehmen, die wir uns kaum erklären können — und dahinter steht ein Steruberg! Soll man hier von den Männern Hilfe erwarten? Die haben nicht einmal das Schutzalter auf 18. Jahre gesetzt und die Mädchen dem Ar- beitgeber gegenüber recht schutzlos gelassen! Nein, die Frauen müssen da ein Wort mitzu⸗ sprechen haben. Nicht nur die sozialen Ver⸗ hältuisse müssen besser werden, sondern auch die Erziehung.— Fil. Dr. Springer forderte neben Schulärzten auch psychiatrisch gebildete Schulärztinnen, die zur Vorbeugung ganz Außerordentliches leisten könnten. Zum Schluß verlangte Frl. Dr. Springer einen taktvoll sexuell⸗hygienischen Unterricht für die Schule (Sberklassen).— Frl. Marie Mellien berichtete von den Zuständen in den kleinen Gefängnissen, die auch für die gefangenen Mädchen Hoch⸗ schulen des Verbrechens seien.— Frau Vera Proelß sprach vom Standpunkt der Waisenpflegerin Und berichtete unter lebhafter Empörung Fälle von scharfen Mißbräuchen, deren Waisen⸗ pfleger sich schuldig gemacht hätten und macht eine Reihe von Vorschlägen zur Reorganuisation der Waisenpflege.
Lesefrüchte.
Das Geldsackbürgertum, der„Mittelstand“, ist eine zähe, träge Masse, langsam in ihren Entschlüssen, schwerfällig in ihren Bewegungen, mit beschränktem Gesichtskreise und vor dem Ausgang bangend. Die befreiende That— wenn sie nötig werden sollte— kann nur von der aufstrebenden Arbeiterklasse ansgesührt
werden. Ossip Arktos.
*
Die Fanatiker verfehlen nie, zur Rechtferti⸗ gung der Verfolgung auf die Laster hinzuweisen, welche die Verfolgung erzeugt hat.
Macaulay. **
Die Fürsten wegen Tugenden loben, die sie nicht besitzen, heißt ihnen ungestraft Schmähungen
sagen.
Das wäre nicht möglich, wenn.
Den Ruhm großer Männer muß man immer nach den Mitteln bemessen, wodurch sie ihn errangen.
De la Rochefoucauld.
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Gemeinnütziges.
„Milben bei Gänsen und Enten ver⸗ treibt man durch ein Pulver aus getrockneten Wermutblättern. Man kann auch eine Ab⸗ kochung des Krautes machen und mit diesem namentlich die noch unbefiederten Jungen bestreichen. Gehackter Wermut unter das Futter gemischt, stärkt auch die Verdauung der Jungen und schützt sie vor Milben.
Humoristisches.
Hofklatsch. Serenissimus will seinem hochseligen Herrn Vater ein Denkmal setzen und sucht eine passende Inschrift. Da nun der Hochselige Zeit seines Lebens eigentlich nichts weiter gewesen ist als ein großer Ver⸗ ehrer weiblicher Schönheit, so sind Serenissimus einigermaßen in Verlegenheit, welcher Titel sich für Dero Herrn Vater am besten eigne. Als er seinen Vertrauten hierüber befragt, antwortet dieser nach einigem Besinnen:
„Sehr einfach, man schreibe auf das Denkmal: Dem Mehrer des Reichs.“
Ein lust'ger Musikante. Schutzmann:„Haben Sie Erlaubnis zum Spielen?“—„Nein!“—„Dann begleiten Sie mich!“—„Is recht, was wollen's denn singen?“
Des Patrioten Leiblied. Hat da ein biederer Schmiedemeister in A. zu Weihnachten vou einem seiner Söhne einen Musikautomat zum Geschenk erhalten. Allabendlich besuchen ihn einige seiner Freunde aus dem Kriegerverein, um den Weisen des Instrumentes zuzuhören. Besonders ein Tonstück gefällt den alten Patrioten ausnehmend und sie lassen es immer wieder von Neuem spielen. Dieser Tage kommt nun ein Sohn, der lange Zeit in der Fremde gewesen, nach Hause. Beim Mittagsmahl zieht der gute Alte den Automaten auf, Mein Leiblied, sagt er zu dem aufhorchenden Sohne. Lächelnd sieht derselbe den Vater, den er als königstreuen Mann kennt, an. Das Tonstück, das da mit vollen Akkorden das Zimmer durchtönte, war— die Mar⸗ seil laise.
Litterarisches.
Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. ist soeben erschienen Heft 19 und 20 des Lieferungs werkes: Gesundheitsschutz in Staat, Gemeinde und Familie, herausgegeben unter Mitwirkung von Aerzten und Fachgelehrten von Emanuel Wurm.
Aus dem Juhalt heben wir hervor: Die Harn⸗ organe und deren Erkrankungen.— Die Geschlechtsorgane.— Schwangerschaft, Nie⸗ derkunft und Wochenbett.— Die Frauen⸗ krankheiten.— Die ansteckenden Geschlechts⸗ krankheiten und die Prostitution.— Die Infektionskrankheiten.
Das Werk wird in Lieferungen von je 32 Seiten à 20 Pfennig erscheinen und in 25 Heften komplett vorliegen.— Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen
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Ferner machen wir unsere Leser auf das im gleichen Verlage erscheinende Reisewerk von Parvus& Dr. Le h⸗ mann:„Das hungernde Rußland“, von welchem soeben Heft 12 und 13 erschienen sind, auf⸗
merl am. Preis des Heftes 40 Pfg. Quittungen.
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