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Mitteldeutsche Souutags⸗Zeitung.
Nr. 9. 1
Amsterdam und Piet Retief wurden von den englischen Truppen besetzt. General French wird die Verfolgung fortsetzen, ist jedoch durch
die heftigen Regengüsse sehr behindert.
Krieg mit China.
Mit den Friedensverhandlungen ist's heute noch nicht weiter als vor Wochen und Monaten. Die„zivilisierten“ Diplomaten lassen sich von den„dummen“ Chinesen nas⸗ führen, daß man darüber lachen könnte, wenn nicht das deutsche Volk die Zeche zahlen müßte. Kürzlich hieß es, der chinesische Kaiser wolle vor lauter Schreck über Waldersee's Sähel⸗ rasseln schleunigst von Singanfu nach Peking zurückkehren. Heut' liest man's anders. Der Kaiser sowie auch die Kaiserin Witwe weigern sich, nach Peking zurückzukehren, so lange es die fremden Truppen besetzt halten.— Die von deu auswärtigen Gesandten geforderten Be⸗ strafungen sind auch nicht so leicht durch⸗ geführt. i
Nach zuverlässigen Nachrichten aus Sin⸗ gaufu, die aus Shanghai eingetroffen sind, haben sich die Prinzen Tuan und Tschuang so⸗ wie Herzog Lan und General Tungfuhfiang nach Nighsia, dreihundert englische Meilen nord⸗ westlich von Singanfu und zehn Tagereisen jenseits Lantschantu, geflüchtet.
Aber zwei andere„Uebelthäter“ soll das Geschick erteilt haben. Nach einem Pekinger Telegramm sollen Pingnien und Tschauschut⸗ schia auf Befehl des Kaisers Selbstmord voll- zogen haben. Das ist allerdings keine sehr an⸗ genehme Sache.
Jedenfalls ist von einer Rückkehr unserer Truppen keine Rede mehr. Wie die„Post“ er⸗ fahren haben will, sind bezuglich der Rückkehr der deutschen Panzerdiviston aus den ostasiati⸗ schen Gewässern noch keinerlei Bestimmungen
ergangen.
Non Nah und Fern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗
kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste
Sewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir
binten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Die Protestbewegung gegen den Brotwucher kommt im ganzen Lande immer lebhafter in Fluß. In einer Reihe größerer Städte des Reichs haben bereits zahlreiche, massenhaft be— suchte Volksversammlungen stattgefunden in denen die Wucherpolitik entschiedene Ver⸗ urteilung fand. Auch in unserer Gegend müssen die durch Erhöhung der Getreidezölle empfind⸗ lich geschädigten Volksschichten— Arb ter Handwerker, Kleinbauern und Kauf⸗ leute— sich zu energischem Widerspruche auf⸗ raffen. Sorgt deshalb für Aufklärung! Arrangiert Versammlungen! Wegen solcher wende man sich an: Gg. Beckmann, Gießen, Grünberger⸗ straße 44, oder an die Redaktion unserer Zeitung.
Gießener Angelegenheiten.
— Zum Prozeß Hirschel⸗Erdmauns⸗ dörffer. Auf den in Nr. 7 unserer Zeitung abgedruckten Brief des Genossen Scheidemann schickt uns Herr Redakteur Erdmannsdörffer⸗ Marburg eine Erwiderung. Er sagt darin: „Die Annahme Scheidemanns, ich hätte ihn in der Marburger Versammlung vom 16. Juni 1899 gegen die Antisemiten„scharf zu machen“ versucht, beruht auf einem Miß verständ nis. Eine solche Aufforderung von meiner Seite ist nicht erfolgt. Diese Erklärung kann ich auf Ehre und Gewissen abgeben.
— Herr Bürgermeister Köhler, der Reichstagsabgeordnete für Gießen war von dem national⸗socialen Redakteur Erdmannsdörf— fer wegen Beleidigung verklagt worden. Vor dem Gießener Schöffengericht ging Köhler am 22. Februar einen Vergleich ein. Er nimmt die Beleidigungen mit Bedauern zurück und bezahlt sämmtliche Kosten.
Für die Buren.
Nun hat auch Gießen seine„Burenversammlung“ gehabt. Eine große Menschenmenge füllte am Montag Abend den geräumigen Saal„Steins Garten“ und lauschte den Darlegungen über den Burenkrieg. Das Publikum bestand in der Hauptsache aus Angehörigen der„besseren Kreise“, auch viel Damen waren anwesend. Arbeiter bemerkte man nur wenig, was angesichts der hohen Eintrittspreise, die gefordert wurden, nicht ver⸗ wunderlich ist Im Ganzen erhält man den Eindruck, als sb von gewissen Seiten die Burenbegeisterung als Sport betrieben, als Geschäft behandelt würde. Die sozialdemokratische Partei, nicht blos die deutsche, sondern die aller Länder, auch die englische, hat von vornherein gegen den englischen Raubzug protestiert, den für ihre Freiheit kämpfenden Buren ihre Sympathie bekundet. Sie bekämpft überhaupt jede Unterdrückung, überall und auf allen Gebieten. Nicht so die Bürger⸗ lichen. Während sie nicht genug über das Vorgehen der Engländer schelten können, verlieren sie über die Hunnenthaten der Deutschen in China kein Wort.— Mit Spannung verfolgten die Versammelten die Schil⸗ derungen der Kriegsführung der Engländer, ihrer Grau⸗ samkeit und Unfähigkeit. Es fehlte auch nicht an Ueber⸗ treibungen. Wenn beispielsweise der zweite Redner, Kommandant Jooste erzählle, ein englischer Soldat habe im flachen Wasser stehend, inständigst um einen Trunk gebeten, und auf die Frage, warum er denn nicht trinke, gejammert, daß er ja kein Glas habe, so ist das schon mehr Jägerlatein. Episoden ähnlicher Art gab euch Herr Oberlehrer Henckel zum Besten, der zuerst sprach. Dieser Redner, der mit auf Seite der Buren kampfte, sagte u. a., nur das Gefühl für Ge⸗ rechtigkeit und Freiheit habe viele Deutsche ver⸗ anlaßt, nach Südafrika zu gehen uad sich am Freiheits⸗ kampfe der Buren zu beteiligen. Dahinter ist auch ein dickes Fragezeichen zu setzen! Kurz, den Deutschen wurden alle Tugenden, den Engländern alle Verbrechen ange⸗ redet.... Wenn das anmaßende Auftreten der be⸗ treßten, ordensbesäten englischen Offiziere kritisiert wurde, so hätte man den Vorschußlorbeer, das Asbesthaus und den 10000 Mark Koch Waldersees, billiger Weise auch erwähnen sollen.— Eine Protestresolution gegen das Vorgehen Englands fand einstimmige Annahme, auch örschloß man die Absendung eines Telegramms an den Präsidenten Krüger.
Steinberg⸗Watzenborn.
—t. In der am vorigen Sonntag abge⸗ haltenen Generalversammlung der Arbeiter⸗ vereine Watzenborn und Steinberg wurde die Einrichtung einer Unterstützungskasse innerhalb des Kreiswahlvereins desprochen. Man sprach sichfür keine Krankenunterstützungskasse, aber gegen die Gewährung von Sterbe⸗ geld aus. Demgemäß beantragt die Ver⸗ sammlung bei dem Kreiswahlverein, einen Ex⸗ trabeitrag von monatlich 10 Pfg. zu erheben und die Unterstützung auf täglich 50 Pfg. ver⸗ suchsweise festzusetzen.
Heuchelheim.
— n. Vorigen Sonntag gingen hier die Schuljungen im Auftrage des Lehrers von Haus zu Haus und sammelten Geld, das angeblich für die Irrenanstalt bestimmt sein soll. Die Kinder notierten— jedenfalls ihrer In⸗ struktion gemäß— auch die Personen, die keine Beiträge leisteten, in die von ihnen mit⸗ geführten Listen. Sollten dadurch die Leute beeinflußt werden? Uebrigens werden doch für Einrichtungen, wie Irrenanstalten, staatliche Mittel zur Verfügung gestellt, so daß hierzu Kollekten überflüssig sind. Dann sollte man auch die Schulkinder zu derartigen Bettel⸗ gängen nicht verwenden, das übt auf sie sicher keinen günstigen Einfluß aus.
Aus dem Kreise Friedberg.
Barmherzige Samariter. Vorige Woche wurde momeutan ein Arbeiter schwer krank. Der Arzt wies ihn in das hiesige Hospital ein, bei dem er selbst leitender Arzt ist. Da bei der Schwere des Falles eine Ver⸗ zögerung nicht angängig war, so ließ der Meister res Kranken denselben auf Weisung des Arztes, ohne erst der Krankenkasse Mitteilung zu machen, sofort ins Hospital fahren. Aber wer da glaubte, ber würde aufgenommen, der hatte sich geirrt. Mit der Motivierung, es sei kein Platz da, wurde der Kranke wieder abgewiesen. Erst auf nochmaliges Vorsprechen des Meisters bei dem Arzte und nachdem dieser noch einen Brief
an die Oberin geschrieben hatte, war— Platz
vorhanden und konnte der Kranke aufgenommen werden. Während der ganzen Zeit der Ver⸗ zögernng mußte der Kranke bei mindestens. Kälte in dem Wagen liegen. Wenn der Mann wieder glücklich gesund wird, so ist die Barm⸗ herzigkeit jedenfalls nicht schuld daran.
l. In dem neuerrichteten„Tauben⸗ schlage“ von D. Sohn, genannt„Militär⸗ Effektenfabrik“, sind schon wieder einig. Arbeiter seit dem Berichl in voriger Nummer entlassen worden resp. haben freiwillig das Weite gesucht. Weil nun genannter Herr keine Arbeitsordnung hat, so glaubt er die Leute einfach entlassen zu können ohne zu kündigen. Nun hat einer der Betroffenen mit Hilfe der Organisation, die Sache einem Rechtsanwalt übergeben. Hoffentlich wird Herr Sohn nun belehrt, wie er mit seinen Arbeitern umzu⸗ gehen hat.
Bündler⸗Parade in Friedberg.
— d. Unter dem Vorsttz des Grafen Oriola, des Schutzheiligen aller Kriegsinvaliden und Veteranen fand am Sonntag die diesjährige Kontrollversammlung des Bundes der Land⸗ wirtee für die Provinz Oberhessen dahier im Saal der 3 Schwerter statt. Als Redner traten auf die Höchstkommandirenden des Bundes Dr. Rösicke und Lucke Patershausen. Einige Kraftstellen aus dem Referat des Bundeshäupt⸗ lings seien hier mitgeteilt. 1. Unsere Gegner treiben Kornwucher und sagen dann, wir wollten Kornwucher treiben.(Allgemeines zu⸗ stimmendes Grinsen.) 2. Der ostelbische Junker wird immer als ein Schreckensgespenst an die Waud gemalt, das nichts arbeitet, gut lebt und Sekt trinkt. Die Arbeiter trinken heute eben⸗ falls Sekt.(Wiederholtes Grinsen.) 3. Wer sind nun die Gegner der Getreidezölle? Das Großkapital in Gestalt des Handels vertrags⸗ vereins mit Herra Siemens an der Spitze. Nun sind aber die Herren zu faul um gelbst Agitation zu treiben und sind dann mit ihrem Golde auf die Suche gegangen. Da haben sie die Sozialdemokraten gefunden. Die treiben nun Agitation gegen uns.(Abermaliges Grinsen und einzelne Zurufe.) 5. Unsere Gegner sagen, wir treiben Interessenpolitik. Ich sage aber: Nein, sie treiben Interessenpolitik. Unsere Gegner haben versucht, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen und nun, wo wir auch
unser Schäfchen scheren wollen, wollen
Sie uns den Stall zumachen.(Lautes Grinsen, Zurufe und Anstoßen von Gläsern.) Diese paar Proben zeigen zur Genüge, mit welch niedrigen Mitteln diese Herren arbeiten. Interessant ist jedenfalls das offene Eingeständ⸗ nis des Dr. Rösicke, daß sie auch ihr Schäf⸗ chen scheeren wollen. Ob das die Herren, die auwesend waren, noch nötig hatten, bezweifeln wir sehr, von Herrn Grafen Oriola wissen wir jedenfalls, daß er das schon früher besorgt hat. Aber anderseits sind wir sehr begierig, ob die anwesenden beifallspendenden Bürger⸗ meister und Beigeordneten, die wir bemerkten, in unsern Protestversammlung die Weisheiten
Dr. Rösickes vorzubringen den Mut haben
werden. Hier und da dürften sie damit in die Brüche geraten.
Aus Wetzlar.
Herr Ohlenburger, mit dessen Prozeß
gegen den Gerbereibesitzer Michel sich eine
Notiz in Nr. 6 unseres Blattes beschäftigte,
läßt uns mit Bezug darauf berichtigend
schreiben, daß die Sache sich folgendermaßen 6 sehr große Hund des Herrn Gerberei⸗
verhalte:
„Der besitzers Julius Michel hierselbst war gegen Herrn Ohlenburger, der einen Hund führte, ge—
sprungen. Ohlenburger war seit der Zeit laut
Attest des hiesigen Arztes Sanitätsrat Dr. Herr allerdings nervös erregt.
Eselet.“ Darauf erhob der
Privalklage wegen Beleidigung, Herr Ohlen⸗ burger wurde aber in 1. Instanz freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Herrn
Anfach!
Als der Hund des Herrn Michel gegen Herrn Ohlenburger sprang, entfuhr letzterem die Aeußerung„das ist eine
Hundebesitzer
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