Ausgabe 
3.3.1901
 
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Nr. 9. 1

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

ließen neue nicht entstehen. Statt eines Konsumvereins und seiner Filialen mit einem jährlichen Umsatz von insgesamt 7 Mill. Mk. könnten etwa 100 selbständige Geschäfte mit einem Umsatze von je 70000 Mk. ihr reich⸗ liches Einkommen finden, deren Steuerkraft jetzt dem Staate verloren ginge. Die Filialen eien der empfindlichste Nerv der Konsum⸗ vereine. Würde man diese besteuern, so würde die Ausdehnung der Konsumvereins Filialen erheblich eingeschränkt werden. Die Konsumvereine hätten überhaupt keine Be⸗ rechtigung zur Begründung von Filialen, weil dadurch die ursprüngliche Grundlage der Konsumvereine vollständig beseitigt würde.

Zunächst ist es juristisch wie logisch ein Blödsinn, die Verkaufsstellen eines Konsumver⸗ eins als Filialen zu bezeichnen. Die Verkaufs- stellen, ganz gleichgültig, wie groß oder klein ihre Zahl ist, sind lediglich Organe der Waren⸗ verteilung. Sie beschränken wollen, wäre das⸗ selbe, als wenn man einem Körper die Glieder nehmen wollte. Sie sind keineBeseitigung der ursprünglichen Grundlage der Konsumver⸗ eine, sondern ein Teil des Wesens dieser Grundlage. Doch des beiläufig.

Die Spitze des oben stehenden Citats richtet sich gegen den Konsumverein Leipzig⸗Plagwitz. Derselbe hat im verflossenen Jahre 44,733 Mk. Steuern bezahlt. Würden an die Stelle dieses Vereins 100 Kleinhändler mit 70 bis 80 000 Mk. treten, so müßten auf jeden 447 Mk. Steuern kommen. In Wirklichkeit würden diese 100 Kleinhändler aber höchstens 100 bis 120 Mk. Steuern zahlen, zusammen also 10 bis 12000 Mk. DieSteuerkraft der 100 Kleinhändler beträgt also nur den vierten Teil der Steuerleistung des Konsumvereins, wahrlich für den Staat ein schlechtes Geschäft. Außer⸗ dem würden dem Staate natürlich auch die Steuern der 50 60 Lagerhalter und Beamten der Konsumvereiue verloren gehen, so daß er in Wirklichkeit nur den sechsten oder siebenten Teil der Steuern erhielte, die ihm heute zu fließen.

Die 100 Kleinhändler würden vielleicht bei 70-80 000 Mk. Umsatz ein gutes Einkom⸗ men haben, außerdem noch etwa 50 Kommis ein dürftiges Einkommen und 3 400 Lehrlinge je 34 verlorene Jugendjahre. Dafür würden dann 300 Beamte, Lagerhalter und Verkäufe⸗ rinnen brotlos, die Konsumenten müßten minderwertige Waren zu hohen Preisen kaufen und der durch die großartige Organisa⸗ tion des Einkaufs und der Warenver⸗ teilung durch den Konsumverein Leipzig⸗ Plagwitz erzielte Reingewinn von 874000 Mk. Bolt nicht nur den Mitgliedern, sondern dem Volkswohlstaud bezw. der Konsumkraft des deutschen Volkes überhaupt verloren. Und das alles wegen 100 wirtschaftlich über⸗ flüssiger Kleinhändler! Für Staat und Gemeinde wirklich ein schlechtes, ein sehr schlechtes Geschäft!

Nette Eigenschaften der Zeutrumsleute.

Zwei echte, gut katholische, bayrische Zentrums⸗ blätter, derBayr. Kurier und dieAugs⸗ burger Postztg., gerieten sich neulich in die Haare. Dabei ging's äußerst brüderlich her. Unter anderem beantwortete das erstgenannte Blatt, die Frage: was ist ultramontan? fol⸗ gendermaßen:

Ein Ultramontaner ist ein zur Heuchelei und Verdrehung neigender Reaktionär, ein Pharisäer aller dickster Sorte, der unter dem Vorgeben, derheiligen Sache zu dienen, unedlen Leidenschaften dient, Politik und Religion miteinander verquickt und viele Menschen vom Religionsbekenntnis abhält, die, wenn die Ultramontanen nicht ihr Unwesen trieben, der Religion vielen Nutzen bringen würden.

Der das sagt ist nicht etwareligionsfeindlicher

ö Sozialdemokrat, sondern ein würdiger bayrtscher Pfarrer, jetziger Hauptredaktenr desBayr.

Kurier. Der muß also seine Brüder in Christo

kennen und böse Erfahrungen mit ihnen gemacht haben.

Dem hessischen Landtage

ist ein Antrag des Abg. Dr. Schmitt und Ge⸗ nossen betr. die pensionierten Volks- schulleh rer zugegangen, in dem die Regierung um eine Gesetzesvorlage ersucht wird, durch welche die Volksschullehrer in der Berechnung der Dienstzeit den Civilbeamten in sofern gleich gestellt werden, daß auch den früher pensionierten Volksschullehrern im Falle ihrer Wiederan⸗ stellung die Pensionszeit ebenso angerechnet wird, wie den übrigen Beamten. Weiter ist der Zweiten Kammer ein Gesetzentwurf über die Bildung der Schulvorstände zuge⸗ gangen. Danach soll dem Gesetz über das Volksschulwesen vom 16. Juni die Bestimmung beigefügt werden, daß außer den für die Ge meinde angestellten Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche, denen die Zugehörigkeit zum Schulvporstande gesetzlich ohne Weiteres zufseht, auch die Geistlichen und Religions⸗ lehrer nichtchristlicher Konfession und der nicht öffentlich-rechtlichen Religionsverbände in den Schuloorstand berufen werden können, wenn die betreffenden Gemeindevertretungen das be schließen und in der gemeinsamen Schule Kinder von Angehörigen der betr. Religionsgemein⸗ schaft vorhanden sind. Vorbedingung ist, daß der Geistliche ꝛc. die Reichsangehörigkeit besitzt und in der Gemeinde, in der er Mitglied des Schulvorstandes werden soll, wohnt. Der Be schluß der Gemeindevertretung bedarf der Ge nehmigung der Kreisschulkommission, gegen deren Entscheidung innerhalb zweier Wochen die Be schwerde an das Ministerium des Innern, Ab⸗ teilung für Schulangelegenheiten, zulässig ist.

Deutscher Reichstag.

Am Mittwoch(20. Februar) war Schwerinstag. Man verhandelt, wie unsere Leser wissen werden, an solchen Tagen Anträge aus dem Hause. So kam denn die Theater⸗Zensur zur Beratung. Hierbei stellte sich der konservative Konsistorialrat Stockmann als be⸗ rufener Ausleger Goethe'schen Geistes vor. Mit dem im Abgeordnetenhause so mutigen Herrn v. Rheinbaben rechnete Dr. Müller⸗Meiningen in seinem Schluß⸗ worte ab; der lärmenden, murrenden und in Tierstimmen sich übenden Rechten rief er zu:Sie sind nicht im Abgeordnetenhause, wo Sie thun können, was Sie wollen! Bei einer Abstimmung ergab sich die Be⸗ schlußunfähigkeit des Hauses, weshalb die Beratung abgebrochen werden mußte. In der neuen Sitzung, die um Uhr begann, wurde zum soundsovielten Male über den Diäten⸗ oder, wie es jetzt heißt: An⸗ wesenheitsgelder-Antrag des Zentrums verhandelt. Herr Gröber begründete denselben; Herr Bassermann stimmte der Grundtendenz zu, verlangte aber Kommis⸗ sionsberatung. Der Konservative Rettig aus Mecklen⸗ burg erklärte sich im Namen eines Teiles seiner politi⸗ schen Freunde mit dem Antrage einverstanden unter gewissen Bedingungen natürlich. Daß diesegewissen Bedingungen in der Verschlechterung des Wahl⸗ rechts bestehen, stellte Genosse Bebel in einer kurzen, trefflichen Rede fest. Bezeichnenderweise rief man ihm von der Rechten zu: bei dieser Gelegenheit nicht! Also bei anderen Gelegenheiten. Die Redner der bür⸗ gerlichen Linken, Dr. Pachnicke, der Schwabe Haußmann und Dr. Müller⸗Sagan, erklärten sich natürlich mit dem Diätenantrage einverstanden. Der Reichsparteiler v. Tiedemann erklärte sich für Kommissionsberatung, während er sich zur Sache selbst gar nicht äußerte. Der Antisemit Gräfe, der für den Antrag ist, brachte es fertig dieEngländerei mit den Diäten in Zusammenhang zu bringen. Der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme angenommen. Der eine, der nicht einmal etwas von Kommissionsberatung wissen will, war Fürst Herbert Bismarck.

Die Beratung des Postetats wurde am Donners⸗ tag beendigt. Zu einer Debatte kam es nur bei dem Titel Unterbeamte. Hier verlangte der freisinnige Ab⸗ geordnete Dr. Müller⸗Sagan feste Grundsätze für die Gewährung von Stellenzulagen und tadelte die versteckt malthustanistische Formel, mit der die Postverwaltung Unterstützungsgesuche von Unterbeamten, die viele Kinder haben, abzulehnen pflegt. Herr v. Pod bielski bestritt übrigens die Richtigkeit dieser Behauptung. Eine kleine Frauendebatte entspann sich bei der Frage über die Verwendung von weiblichen Arbeitskräften im Postdienst. Der Antisemit Werner machte sich zum Vorkämpfer der in Postassistentenkreisen verbreiteten zünftlerischen und mittelalterlichen Anschauung, wonach die Frau ins Haus gehöre. Herr Bassermann bekannte sich als Freund der Frauen, und Herr v. Podbielski hob hervor,

daß die Frauen nur an Stelle von Post⸗ und Telegra⸗ phenassistenten und nicht von Unterbeamten verwendet würden. Genosse Zubeil brachte die schlechten Lohn⸗ verhältnisse der Postillone, Genosse Frohme die der Telegraphenarbeiter zur Sprache. Die von Zubeil für die Postillone reklamierten Wettermäntel sagte Herr v. Podbielski zu, und Beschwerden über schlechte Be⸗ handlung versprach er abzustellen. Freitag und Samstag fanden keine Sitzungen statt.

Montag beschäftigte sich der Reichstag in einer kurzen Sitzung mit Wahlprüfungen. Die Mehrzahl der in Frage stehenden Wahlen wurden für gültig er⸗ klärt; die des Konservativen Firzlaff⸗Köslin, bei der es sehr unregelmäßig hergegangen, gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten. Ueber die Wahl des Freisinnigen Prof. Hänel in Kiel, der mit sehr ge⸗ ringer Mehrheit über unseren Genossen Legien siegte, wurde weitere Beweiserhebung beschlossen.

Dienstag begann die Beratung des Militär⸗ etats. Die Debatte eröffnete der Zentrumsmaun Gröber, der mit einiger Schärfe das Duellunwesen im Heere aufs Korn nahm und vor allem den bekannten Mörchinger Fall einer eingehenden Besprechung unterzog. Herr v. Goßler zeigte sich in seiner Erwiderung keines⸗ wegs als meisterhafter Redner. Daß der Mörchinger Fall zur Zeit noch in der Berufungsinstanz schwebt, gab ihm die gewünschte Gelegenheit, eine Auskunft über diese kitzliche Angelegenheit zu verweigern. Im übrigen erfreute er das Haus mit einer Auseinandersetzung über die Geschichte des Duells und der Duellstrafen., die anderswo weit vollständiger und genauer zu finden ist. Genosse Bebel, der nach dem Kriegsminister das Wort ergriff, ließ sich natürlich nicht mit der Goßler'schen Duellgeschichtsbetrachtung abspeisen. Klipp und klar faßte er den einzig konsequenten und vernünftigen Stand⸗ punkt, der sich gegenüber der Zweikampfunsitte einnehmen läßt, in die Worte zusammen:Das Duell ist durch das Gesetz verboten und es giebt keinen Menschen, auch nicht in der Armee, der das Recht hat, sich über das Gesetz zu stellen! Sodann besprach Bebel die

Lehren, die der Burenkrieg auch den militärischen Fach⸗

leuten erteilt hat. Auch in der jetzt auch bei einigen wenigen anderen Truppenteilen eingeführten Kleidung der Chinatruppen hat man von der sozialdemokratischen Kritik erteilte Winke in die Praxis übersetzt. Mit Ge⸗ nugthuung konnte Bebel ferner konstatieren, daß jetzt auch von anderer Seite der Hauptgrund der Soldaten⸗ mißhandlungen in der Ueberarbeitung der Unteroffiziere und diese wieder in dem unnützen Krimskrams zu suchen ist, der beim Militär eine Unsumme von Zeit und Kraft verschlingt. Gebührend geißelte Bebel weiter die massen⸗ hafte Verwendung von Soldaten zu gänzlich unmilitä⸗ rischen Zwecken. Der Kriegsminister konnte auf Bebel's Angriffe nichts erwidern. Eine wie gewöhnlich mit allerhand groben Späßen ausgestattete Rede verzapfte Herr Oertel, der nebenbei natürlich die Agrartrommel rührte und direkten Bezug des Proviantes von den landwirtschaftlichen Produzenten usw. verlangte. An⸗ knüpfend an die Aeußerung des Herrn Oertel, daß ernste Kreise das Duell als ein notwendiges Uebel betrachten, hielt der Zentrumsabgeordnete Dr. Ba che m eine recht energische Rede gegen das Duell. Unter hef⸗ tigem Murren der Rechten warf er dem Kriegsminister vor, daß er weiten Kreisengeradezu revolutionäre Ge⸗ sinnung gegen die Gesetze vorschreibe. 3

Krieg in Südafrika.

Mit ziemlicher Bestimmtheit sprachen vorige Woche die englischen Meldungen von dervoll⸗ ständigen Umzingelung und bald zu erwartender Uebergabe De Wets. Letzterem ist u es bisher aber noch nicht eingefallen, sich zu ergeben, ebensowenig denkt Ouis Botha daran, von dem berichtet wurde, daß er um Unterhandlung wegen seiner Uebergabe gebeten habe. Von Letzterem heißt es in einer Depesche Kitcheners, daß er mit 2000 Mann dem ihn verfolgenden General French in der Richtung auf Komatipoort entkam. Ueber dieVerfolgung De Wets berichtete General Kitchener aus Middelburg: Oberst Plumer teilt mit, daß Oberst Owen Dewet gestern einen 15⸗Pfünder und ein automatisches Geschütz abgenommen, sowie eine Anzahl Wagen und zahlreiche Muniuon erbeutet habe. Der Feind befindet sich in vollem Rückzug und wird energisch verfolgt. Wir hatten keine Verluste(25). Dewets Versuch, die Kapkolonie zu darchziehen, ist vollständig gescheitert. General French meldet aus Piet Retief vom 22. ds. Folgendes über die Kriegsoperationen der Kolonge, die östlich ope⸗ riert: Die Buren, etwa 5000 Maun stark, sind vollständig zerstreut worden. Sie befinden sich in aufgelösten Banden in vollem Rückzug.