Ausgabe 
3.3.1901
 
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Seite 2.

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Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung.

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Nr. 9.

da gab der Hektar bis 75 Zentner reines Getreide(Roggen), das macht auf 1000 Hektar 75000 Zentner. Das ist nicht übertrieben. An solchen besonders guten Jahren mag wohl auch der kleine Land⸗ wirt einen gewissen Satz verkaufen können, aber in schlechten oder mittelmäßigen Jahren ist dies eben sehr minimal und da hat der kleine Bauer eben keinen Nutzen von hohen Getreidezöllen; eher hat er Schaden, weil er, wie schon gesagt, Futtermittel wieder teuer dafür kaufen muß. Nun halten wir 1893 hohe Getreidepreise, wovon ich als Kleinbauer aber wenig verspürt habe. Den Großgrund⸗ besitzern, gewiß, denen bringen hohe Getreide⸗ preise Nutzen und sie wissen schon, warum ste sich so mächtig in's Zeug legen; machen sie doch ein gutes Geschäft dabei! Betrübend ist es, mit anzusehen, wenn sich Kleinbauern, wirk⸗ liche Kleinbauern im Schlepptau dicser großen Herren befinden. Es giebt für den Kleinbauern genug andere Mittel und Wege, um sich seine Lage zu verbessern. Wir auf dem Lande sind zum großen Teil auf die Kundschaft der kleinen Leute, der Industricarbeiter, angewiesen. Be⸗ kommt der Arbeiter einen auskömmlichen Lohn, dann ist auch seine Kaufkraft gestärkt und er kann mehr Butter, Milch, Eier, Fleisch und Gemüse verkonsumieren und das ist ein Vorteil

für uns. f

Und den Arbeitern, die durch hohe Getreide⸗ zölle in erster Linie schwer betreffen werden, kann ich nur sagen: Wehrt Euch so gut

es geht!

Politische Rundschau.

Gießen, den 28. Februar.

Gegen den agrarischen Beutezug

erhebt sich im ganzen Reiche lebhafter Protest. Die Bewegung gegen die Getreidezölle nimmt immer mehr an Umfang und Entschiedenheit zu. In zahlreichen Orten, großen und kleinen, auf dem Lande und in der Stadt, finden Ver⸗ sammlungen statt, in denen gegen den Brot⸗ wucher Protest erhoben wird. Es ist nicht möglich, über alle zu berichten, nur die wich⸗ tigsten können verzeichnet werden. Die Sozial⸗ demokratie ruft überall zum Kampfe gegen den Brotwucher auf und zahlreich folgen Arbeiter, Handwerker und Bürger dem Ruf, füllen die Versammlungen und erheben sich einmütig zum Protest. In Stadtverordnetensälen zwingen unsere Genossen die bürgerlichen Vertreter viel⸗ fach mit Erfolg zur Stellungnahme gegen die Lebensmittelverteuerung. Auch die Freisinntgen sind nicht unthätig. Doch zeigt es sich, daß die Sozialdemokraten die Kerntruppen im Kampfe gegen die neue Brotsteuer bilden. Mehr als ein Dutzend überfüllte Versammlungen fanden in Dresden und Umgebung natürlich an einem Abende statt. In Meerane, H ohn⸗ stein und Lichtenstein(Sachsen) sprach Genosse Auer vor Tausenden unter lebhaftem Beifalle. In Halle fanden neun, in Nürn⸗ berg fünf massenhaft besuchte Versammlungen statt. Genosse Vollmar sprach in München por 5000 Personen. Der ausgezeichnete Kenner landwirtschaftlicher Verhältnisse wies eingehend die Nutzlosigkeit der Zölle für die Mehrheit der Bauern nach und erntete riesigen Beifall. In Lübeck beschlossen 1000 Personen nach einem Vortrage des Genossen Schwarz einstimmig eine Protestresolution. Auch die Frauen protestierten in einer großen Versammlung in Berlin gegen den Brotwucher. Fräulein Dr. Augspurg und Pfarrer Naumann hielten längere Reden. Sie schilderten, wie notwendig es sei, daß die Frauen sich der all⸗ gemeinen Protestbewegung anschließen. Wenn 26 Millionen deutscher Frauen ihr Veto in die Wagschale werfen, würden kein Reichskanzler und kein Parlament es wagen, die Zölle, die eine Belastung der ärmeren Klasse darstellen, u erhöhen. Von vielen anderen Orten wird

zwei gute Jahre,

massenhafter Besuch der veranstalten Versamm⸗ lungen berichtet.

Weggeworfenes Geld.

Ueber die Riesensummen, welche Deutschland für Kolonialpolitik und was drum und dran hängt, bisher verpulvert hat, giebt eine Zu⸗ sammenstellung derKöln. Volksztg. näheren Aufschluß. Danach sind ohne Einrechnung der Zuschüsse des Reiches für die Kolonien im Etat der Marine⸗, der Post⸗ und Telegraphen⸗ verwaltung nicht weniger als 182 155177 Mk. verausgabt worden. Mit dieser kolossalen Summe hätten manche Kulturaufgaben, für die niemals Geld vorhanden ist, gelöst werden können. Auch derNot der Landwirtschaft könnte damit schon einigermaßen gestcuert wer⸗ den; man hat aber noch nie gehört, daß sich irgend ein ograrischer Schreier gegen den so schwere Opfer erfordernden Kolonialrummel gewandt hätte.

Pensionierte Offiziere.

Vom 1. Januar bis zum 15. Februar dieses Jahres wurden in der deulschen Armee pensio⸗ niert: 1 Generalmajor, 1 Oberst, 3 Oberstleut⸗ nants, 8 Majore, 14 Hauptleute, 5 Oberleut⸗ nants, 3 Leutnants. In Summe 35 Offiziere. Kosten pro Jahr 95000 Mk. Ferner wur⸗ den ohne Pension verabschiedet: 1 preußischer Oberleutnant, 3 preußische und 3 sächsische Leutnants. Der Gesamtabgang an Offizieren beträgt somit in dem oben angegebenen Zeit⸗ raum 42, was, nebenbei bemerkt, gegen früher verhältnismäßig wenig ist.

Aus Hunnenbriefen.

Dem Briefe eines Kreuzzüglers, datiert Tientsin, 9. Dez. 1900, entnimmt unser Nürn⸗ berger Parteiorgan folgende Stelle über die Behandlung der Soldaten seitens ihrer Vor⸗ gesetzten:

Wir werden gerade wie Rekruten behandelt.

Es heißt: Ihr Zuchthäus ler, Ihr seid

doch blos herein, damit Ihr draußen dem

Zuchthaus entronnen seid. Es beißt auch.:

Jausbuben, Zuchthäusler, Sauhund

2c. c.; auch schlug ein Oberleutnant von

unserer Kompagnie gestern beim Exerzieren zwei Mann in Reih' und Glied eine Schelle hin, daß es ihnen nicht wohl that. Des⸗ wegen sind wir nicht nach China gegangen; wenn's Mancher früher gewußt hätte, wäre er nicht mitge⸗ gangen. Der Briefschreiber dient bei der 7. Kompagnie des 6. Ostaesiatischen Infanterieregiments. Die Angaben sind von sieben Schicksalsgenossen durch Namensunterschrift bestätigt!

Bon unerhörter Verrohung legt ein anderer Brief eines am Rachezug beteiligten deutschen Soldaten Zeugnis ab. Das von der Thür. Volkstribüne veröffentlichte Schreiben enthält folgende Stellen:

... Die Chinesen wollen besonders wenn sie nichts mehr machen können, da schmeißen sie sich ganz einfach auf die Erde und thuen als wären sie tot, ist man aber vorbei, da sind sie noch so frech und schießen noch, aber dann geht es ihnen aber dreckig, da wird alles zu⸗ sammen gestochen was in die quer kom mt und dann jämmern sie, da macht es noch viel mehr Spaß, denn wenn sie so ruhig da liegen, da macht es gar kein Ver⸗ gnügen. Reitet man wieder zurück und es liegt so ein Scheintoter da, und kommt man ihn ein bischen zu nahe so wird es ihm doch Anst, und sieht sich um, dann ist aber seine letzte Stunde geschlagen. Lieber.., das Gefühl blos wenn man das erste mal die Lanze hinein würgt, wie des blos gnirschelt, istman's aber erst ge⸗ wöhnt, dann macht es riesigen Spaß, da freut man sich das man so Schlitz⸗ äugige Pestige erwischen kann. Nun lieber..., hat der Spaß ein Ende, jetzt wie sie sprechen soll es Friede sein.

Daß die Schilderungen der Soldatenbriefe leider den Thatsachen entsprechen und durch⸗ aus keine Aufschneidereien sind, wie der Kriegs⸗ minister im Reichstage und nach ihm die Khaki⸗ presse behauptete, dafür sprechen auch die Be⸗

schlau sein,

richte des Korrespondeten der Frankftr Ztg. Dieser schreibt in einem Briefe aus Tieatsin unterm 24. Dezember, daß ihm ein deutsch⸗ sprechender Chinese, ein hoch intelligenter Mann, über das Verhalten der deutschen Expe⸗ diton auf dem Durchmarsche durch die Di⸗ striktshauptstadt Föngyun allerlei Juteressantes berichtete. Es heißt in dem Schreiben:

Der chinesische Gewährsmann versicherte nämlich auf das Positivste, daß die Solda⸗ ten Frauen und Mädchen vergewaltigt hätten. Ich fragte einen Herrn vom Kriegs⸗ gericht, ob er so etwas von deutschen Sol⸗ doten für möglich halte, und erhielt leider eine bejahende Antwort. Der Herr äußerte sich sehr bitter über einen Teil der deutschen Reservisten, die zum Teil als Abenteurer nach China gegangen seien, ohne jedes höhere Interesse. Von Offiziersseite wurde mir dies ebenfalls bestätigt, mit dem Hinzufügen, daß diese Leute auch die Dis zi⸗ plin, bedenklich gefährdeten. Höchst er⸗ freulicherweise geht man gegen diese Soldaten⸗ sorte auf das Energischste vor, und zwar ist dies in erster Linie dem Korpskommandeur General von Lessel zu danken, der nicht müde wird, alle Auswüchse bis in die Wurzeln zu verfolgen. So steht zu hoffen, daß wir auch dieser schlimmen Erscheinungen Herr wer⸗ den. Bedauerlich bleibt es immerhin, daß unsere Armee nicht so ganz und gar ohne Fehl und Tadel blieb, wie ihre Freunde erwarteten.

Und der Kricgsminister v. Goßler sollte nichts davon wissen?

Zwei weitereHunnenbriefe

wurden uns zur Verfügung gestellt. Beide sind aus Pao⸗Ting⸗Ju datiert und von dem betreffenden Kreuzzügler an seinen Bruder in Oberhessen gerichtet. Einer der Briefe ist auf chinesisches, mit Figuren verziertes Briefpapier geschrieben. Im Verhältnis zu den schon be⸗ kannt gewordenen Soldatenbriefen aus China bieten die uns vorliegenden wenig Bewerkens⸗ wertes. In dem einen heizt es:Auf dem Marsche nach Pao⸗Ting⸗Fu haben wir ein Dorf, das uns keine Lebens; ittel und Geld abliefern wollte, in Brand geschossen.... Ich habe schon verschiedene kleinere Sachen(jeden⸗ falls geplündert, D. R.) und werde dir später auch was zukommen lassen. Und im zweiten sagt der Briefschreiber u. a.Pao⸗Ting⸗Fu ist eine Stadt ungefähr wie Gießen mit einer Mauer, welche 10 Meter hoch und 8 Meter breit ist und 4 Thore hat. Auf den Mauer⸗ kronen stehen Kanonen alter Art.... Als die 3 Hauptschuldigen hingerichtet wurden, wurde eine Bresche in die Mauer geschossen und die Tempel auf der Mauer niedergebrannt. Wir haben schon verschiedene Tempel, in denen Boxerversammlungen abgehalten wurden!?) niedergerissen und zu Brennholz ver⸗ braucht... Wie man sieht, nichts als Plünderung, Mord und Brand!

Konsumvereine und Kleinhändler als Steuerzahler.

k. k. Zu den stehenden Behauptungen der Kleinhändler⸗Agitation gehört diejenige, daß durch die Verdrängung der Kleinhändler, deren Steuerkraft dem Staate verloren ginge, der Staat also an Steuern Einbuße erleide. Diese durch die Wiederholung um nichts wahrer werdende Behauptung wird jetzt wieder in der Kolonialwarenzeitung aufgetischt. lleberschrift:Eigenartige augenscheinlich auf einen Eingriff in den Umsatz des Kleinhandels berechnete Maßnahmen werden in Nr. 13 Gutachten von Leipziger Kleinhändlern zur Umfrage der sächsischen Regierung betreffend die Umsatzsteuer wiedergegeben. Es heißt dort e

häuser und Konsumvereine. Die Filialen der Konsumvereine müßten in erster Linie zur Steuer herangezogen werden, da

gerade sie es wären, die den Kleinhandel in 1 empfindlichster Weise schädigen. Ihr rasche Vermehrung und ihr sleigender Uasatz richs

telen viele Detailgeschäfte zu Grunde und

3. Die Filialgeschäfte der Waren⸗

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