Ausgabe 
3.2.1901
 
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festgestellt werden.

* Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 5.

wegen Erwerbung des GrundstücksBayrischer

Hof mit dem dazu gehörigen Kaisersal, dem

größten Saal in Solingen. In der Sitzung

des Zentralkomitees der Solinger Gewerkschaften erklärten sich sämtliche Delegierte der einzeln en Gewerkschaften für die Erwerbung des Lokals.

Der Porzellanarbeiter⸗Verband ist in eine heikle Situation geraten. Die Ver⸗ bandsgelder sind nämlich bei der Reichsbank auf den Namen des früheren Verbandkassierers deponiert. Nach dessen kürzlich erfolgtem Tod erhoben nunmehr die Erben Anspruch auf den Fonds des Verbandes, der rund 116000 Mk. enthält. Durch gerichtlichen Austrag wird die Sache ja klar gestellt werden und die nach dem Verbandsgeld lüsternen Erben werden schließlich nichts erreichen; einstweilen ist der Verband aber in fataler Lage. Die Barmittel sind völlig erschöpft. Der Vorstand mußte daher ein Dar⸗ lehen aufnehmen. Wenn auch zu erwarten ist, daß der Verband seine Gelder wieder bekommt, so mahnt der Fall doch zur Vorsicht.

T Die Handschuhmacher⸗Aussper⸗

rung in Halberstadt ist durch Spruch des von Arbeitgebern

und Arbeitnehmern aner⸗ kannten Einigungsamtes aufgehoben worden.

T Zum Buchdrucker Konflikt in Leip⸗ zig ist mitzuteilen, daß alle Aussicht zur bal⸗ digen Beilegung des unerquicklichen Streites vorhanden ist. Am Dienstag fand eine Partei⸗ versammlung in Leipzig statt, in welcher über die bisherigen Verhandlungen Bericht erstattet wurde. In einer Konferenz in Berlin einigte man sich dahin, daß die noch arbeitslosen aus⸗ ständigen Verbandsbuchdrucker soweit sie es wünschen, wieder eingestellt werden sollen. Man beschloß in der Parteiversammlung eine Resolu⸗ tion, in der gesagt wird, daß die Versammlung ihre Zustimmung zu dem Einigungsvorschlag nur in Rücksicht auf die Gesammtpartei giebt.

Non Nah und Lern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗ kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer

Seite zu beschreiben. Zur Kreiskonferenz.

Wir machen die Genossen des Wahlkreises Gießen nochmals auf die am 10. Februar in Daubringen stattfindende Konferenz aufmerk⸗ sam. Wo noch keine Delegiertenwahl stattge⸗ funden hat, muß sie jetzt vorgenommen werden. Zur besseren Ausgestaltung unserer Organisation ist die Vertretung möglichst aller Orte des Kreises notwendig. Bezüglich der E nführung einer Unterstützung für Mitglieder in Not⸗ und Sterbefällen gehen die vorliegenden Auträge dahin, daß eine besondere Unferstützungs kasse innerhalb des Kreiswahlvereins errichtet werden soll. Mit einem monatlichen Extrabei⸗ trag von 10 Pfg. für diese Kasse hofft man bei einer Karrenzzeit von 6 Monaten bei eintretenden Fällen angemessene Unterstützung gewähren zu können. Die Höhe der letzteren muß natürlich erst durch genauere Berechnungen t Der Umstand, daß sehr oft Unterstützungsgesuche einliefen, denen nicht ent⸗ sprochen werden konnte, weil eben kein Fonds dafür vorhanden war, macht eine derartige Ein⸗ richtung wünschenswert. Die Frage muß in den Kreisen der Genossen vorher erörtert werden, damit sie die Konferenz im Sinne der Mehrheit zu erledigen im Stande ist. Manche Mitglieder erachten allerdings das Unterstützungswesen als außerhalb des Zweckes des Wahlvereins liegend und sind deshalb gegen diese Anträge. Schließlich sei noch bemerkt, daß der Zug in Gießen 8,18 nach Lollar abgeht; die Dele⸗ gierten der eurfernteren Orte müssen also recht⸗ zeitig aufbrecheu, um pünktlich zur Stelle zu sein, damit nachmittags frühzeitig geschlossen werden kann.

Bevölkerungsziffer in Hessen. Nach denMitteilungen der Großh. Hessischen Zeutralstelle fur die Landesstatistik beträgt die ortsanwesende Bevölkerung Hessens 1120 135.

zahlreich besuchten,

Gegen 1895 bedeutet das eine Zunahme von 81115 oder 7,8 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Zunahme beträgt 1,56 Prozent. In der Provinz Starkenburg ist die stärkste prozentuale Zunahme der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Sie betrug hier 10,1 Prozent, in Rheinhessen 7,9 Proz. in Oberhessen hin⸗ gegen nur 3,9 Proz. Die Städte über 10000 Einwohner weisen folgende Einwohnerzah⸗ len auf: am 1. Dez. 1900. Zunahme seit 1895

Darmstadt 72019 8274

Offenbach 50508 11100 Gießen 25564 2640 Mainz 84335 7389 Worms 40714 7539

Eteuerfreie Gemeinden in Hessen.

Wie dieZeutralstelle für Landesstatistik mitteilt, gab es in Hessen am 1. April 1899 zwölf Gemeinden mit 2784 Einwohnern, die in der glücklichen Lage waren, keine Kommu⸗ nalsteuern bezahlen zu müssen. Im Jahre 1878 betrug die Zahl der steuerfreien Gemeinden noch 37 mit 20414 Einwohnern, sank aber von da ab sehr schnell. Schuldenfreie Gemein⸗ den waren am 1. April 1899 98 mit 51265 Einwohnern vorhanden; während es 1878 139 solcher gab mit 71224 Einwohnern.

Sießener Angelegenheiten.

Städtische Anleihe. In der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung wurde die Aufnahme einer zu 4 Prozent verzinslichen Anleihe von 2000000 Mark zur Deckung der außerordent⸗ lichen Bedürfnisse sür 1901/02 beschlossen. Der Betrag setzt sich u. a. aus folgenden Posten zusammen: Grunderwerb 26000 9 k., Straßen⸗ bauten 219000 k., Erweiterung des Gas- u. Wasserwerks 130000 Mk., Erbauung des Elek⸗ ricitätswerkes 735000 Mk., Friedhofsanlage 189000 Mk., Kanalisation 394000 Mk., Er⸗ bauung eines neuen Schuthauses 300000 Mk., sonstige Zwecke 193000 Mk.

o. Submissions⸗Unwesen. Die Ar⸗ beiten für einen hinter der Psychiatr. Klinik zu errichtenden Kohlenschuppen sollten auf dem Submissions⸗Wege vergeben werden. Für die Schreinerarbeiten hatte ein hiesiger Kleinmeister 230,24 Mk. gefordert. Die Arbeit wurde einem anderen hiesigen Geschäfte für rund 120 Mk. übertragen!! Also für ungefähr die Hälfte!

ck. Konsumverein. In einer ziemlich vom Gewerkschaftskartell arrangierten Besprechung, die vergangenen Sonn⸗ tag im Orbig'schen Lokale stattfand, wurde die Frage der Gründung eines Konsu m⸗ Vereins erörtert. Man wählte eine Kommission, die die nötigen Vorarbeiten ausführen soll.

Rezitation. Nächsten Donnerstag, am 7. Februar wird Herr Schauspieler Walkotte aus Berlin das Hauptmann'sche DramaVor Sonnenaufgang rezitieren. Herr Walkotte ist als tüchtiger Rezitator vorteilhaft bekannt. Er ist bestreb', besonders die modernen Dich⸗ tungen weitesten Volkskreisen zugänglich zu machen. Dabei soll seine Kunst, bei dem Vor⸗ trage die einzelnen Figuren des Dramas dar⸗ zustellen und zu verkörpern, unübertroffen da⸗ stehen. Das Drama selbst behandelt den sitt⸗ lichen Verfall der reichen schlesischen Kohlenbarone. Aus dem Inseratenteil sind die Verkaufs⸗ stellen der Eintrittskarten ersichtlich. Pünktliches Erscheinen ist geboten.

Derin allen Sätteln gerechte Redakteur derGieß. Neuesten Nachrichten leistet sich auf unsere Bemerkungen in der vorigen Nummer eine neue Schimpfübung. Es fällt ihm natürlich nicht ein, seine früheren Schwin⸗ delnotizen richtig zu stellen, er faselt viel⸗ mehr in Bezug auf den Leipziger Konflikt von skandalösen Vorgängen im sozialdemokratischen Lager, derenEnthüllung uns unangenehm sei. Deshalb sieht sich Herr H. genötigt, uns und der Partei das Gewissen zu schärfen! Nur schade, daß das die undankbare Arbeiterschaft nicht anerkennen will. Sie weiß eben, was sie von der Sorte zu halten hat. Unsere Partei hat keine Ursache, sich irgend welcher Dinge zu schämen; der gegen sie geschleuderte Schmutz

wird sie nicht erreichen. Lassen wir deshalb den sauberen Patron ruhig weiter verdächtigen und verleumden und wenn er auch die Tonart der Berliner Ballonmützen noch zu überbieten

sucht. Aus Wetzlar.

th. Unser Laudtagsabgeordneter, Herr Schlabach befindet sich nicht unter den Abgeordneten, die im preuß. Landtage gegen den Antrag des Grafen Limburg-Stirum, ge⸗ gen den Brotwucher stimmten. Also hat er sich wohl dafür erklärt. Bedenkt man, daß in unserm stark industriellem Kreise kein Mensch einen Vorteil, die zahlreiche Arbeiter bevölke⸗ rung aber, sowie die vielen dem Handwerks⸗ und Handelsstande angehörigenKleinen em⸗ pfindlichen Nachteil von der Erhöhung der Getreidezölle haben, so wird ersichtlich, ein wie geeigneterVolksvertreter Herr Schlabach für den Kreis Wetzlar ist.

Strafkammer. Wegen angeblicher Vornahme einer Kollekte hatte sich Genosse Vetters⸗Gießen am Mittwoch vor der Straf kammer als Berufungsinstanz zu verantworten. Gelegentlich einer Versammlung in Gleiberg, in der V. den Vorsitz führte, ließ er, nachdem mehrere von den Versammelten beim Verlassen des Saales Geld zur Deckung der Tageskosten auf den Vorstandstisch niederlegten, einen Teller aufstellen, in dem ein Teil der Versammlungs⸗ besucher Beiträge niederlegten. Es wurde nicht zur Beitragsleistung aufgefordert. Dar⸗ aufhin erhielt V. einen Strafbefehl wegen Ue⸗ bertretung der Polizeiverordnung vom 11. Mai 1866, der vom Schöffengericht bestätigt wurde. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Er machte geltend, daß es sich hier nicht um eine öffentliche Kollekte im Sinne der Po⸗ lizeiverordnung handeln könne, denn dazu sei doch eine Aufforderung an das gesammte Publikum nötig; die im Saale Versammelten stellten einen geschlossenen Personenkreis dar. Diesem schloß sich das Gericht nicht au, die Oeffentlichkeit sei gegeben. Aber trotzdem wurde V. freigesprochen, weil er keinerlei Aufforderung hatte ergehen lassen, also nicht kollektiert hatte. Danach ist also die Vor⸗ nahme einer Tellersammlung in öffentlichen Versammlungen im Regierungsbezirke Koblenz unstatthaft und wir bitten unsere Genossen sich danach zu richten.

Verrohung. Ueber eine am Sonntag Abend in Reiskirchen verübte grauenvolle That berichtet derWetz. Anz.: In dem Saale des Gastwirts Karl Lenhardt hierselbst wurde eine Familienfeier, Hochzeit und Kind⸗ taufe, abgehalten. Bei ditser Gelegenheit brachte der 22jährige Maurer Karl Schmidt dem oben⸗ genannten Wirt, einem etwa 30 Jahre alten Manne, mit einem starken Messer einen Stich bei, der rechts oben neben dem Brustbein ein⸗ drang. Karl Lenhardt wankte noch einige Schritte weiter in eine Stube, wo er, sich in einen Sessel niederlassend, noch ein paar Worte her⸗ vorbrachte, die besagten, daß er gestochen sei und sich für oren halte. Kaum 10 Minuten darauf verschied er. Der Mörder wurde später in seinem Bette verhaftet und heute früh in das Gefängnis zu Wetzlar eingeliefert. Eine solche unglaublich rohe That sollte man wirklich unter zivilisierten Menschen kaum für möglich halten. So ein grüner Junge sticht anscheinend ohne jede Veraulassung einen Familienvater nieder! Roheitsdelikte nehmen überhaupt in der so frommen Umgegend von Wetzlar in unheim⸗ licher Weise überhand. Handelte es sich doch bei der Wetzlarer Straskammersitzung am Mitt⸗ woch in sämmtlichen Straffällen un Messer⸗ stechereien und es wurde auf hohe Strafen er⸗ kannt. Zunehmende Verwilderung trotz der tief religiösen Gesinnung der Bevölkerung. Freilich kann bei unserer heutigen Mordkultur derartiges nicht ausbleiben. Solange Barberei und Hunnenthun als 1 10 und vorbildlich hingestellt wird, Priester die Mordwaffen segnen, kann man eine Hebung der Sitten nicht er⸗ warten.

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