Ausgabe 
3.2.1901
 
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Nr. 5.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain.

St. Marburg, 31. Januar 1901. Gewerkschaftsfest. Wie schon mehr⸗ fach an dieser Stelle und auch durch Inserate bekannt gegeben ist, findet am Sonntag, den 3. Februar er., in den Sälen des Café Quentin dahier das diesjährige Winterfest zer Gewerkschaften statt. Das Programm ist sehr reichhaltig und gut gewählt. Da dieses Fest hauptsächlich auch zur Agitation für die großen Ziele der Gewerkschaften dienen soll, so muß am Sonntag, speziell für alle organi⸗ sterten Arbeiter die Parole lauten: Auf, zum Gewerkschaftsfest! f

Kommunales. Eine sehr wichtige Tagesordnung beschäftigte am Freitag voriger Woche die hiesige Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lurg unter Vorsitz des stellvertretenden Vor⸗ stehers Gleim. Beim ersten Punkte handelte es sich um den Umbau des Kiliangebäudes. Dieses Gebäude, in welchem sich gegenwärtig das Bureau der Ortskrankenkasse befindet, ist schon seit längerer Zeit in einem jammervollen Zustand. An vielen Stellen dringt das Regen⸗ wasser durch, die Treppen sind so abgenutzt, daß sie nur mit Lebensgefahr passiert werden können, außerdem mangelt es soust noch an Mancherlei. Trotz alledem wurde vor einiger Zeit eine Klasse der Mädchenbürgerschule dort⸗ hin verlegt, weil durch eine Klassenteilung in der städtischen höheren Töchterschule eine Klasse in das neben dieser befindliche Gebäude der Mädchenbürgerschule verlegt wurde. Dieser unwürdige Zustand wurde erst durch öffentliche Kritik beseiligt. Die betr. Klasse kam danu in das Realschulgebäude. Neuerdings hat wieder eine Klassenteitung in der höheren Töchterschule stattgefunden, darum sollen zwei weitere Klassen der Mädchenbürgerschule in das Kiliansgebäude verlegt werden, bis der Bau eines neuen Schul⸗ hauses vollendet ist. Kostenanschlag 1250 und 1300 Mk. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß vor dem Jahre 1903 nicht an die Erbauung eines neuen Schulhauses zu denken sei. Es wurde darauf die Instandsetzung des Kilian⸗ gebäudes beschlossen. Hoffentlich gilt dieser Beschluß auch für das Aeußere des Gebäudes, welches in seinem jetzigen Zustande, speziell als Schulhaus, einen sehr traurigen Anblick gewährt. Nach Erledigung einer Reihe minder wichtiger Punkte schritt man zur Verhandlung über den Antrag bezüglich des Umbaues des Nor d⸗ bahnhofes, worüber sich eine längere, sehr lebhafte Debatte entspann. Das Magistrats⸗ mitglied Reg.⸗Baumeister Sardemann hatte beantragt, diesen Gegenstand auf die Tagesord⸗ uung zu setzen, damit ihm Gelegenheit gegeben werde, die gegen ihn in Versammlungen und im Publikum gerichteten Angriffe zurückweisen zu können. Er wies in einer langen Erklärung die Vorwürfe, er benütze seine amtliche Thätig⸗ keit für die Ebsdörfer Bahn zu Privatspekula⸗ tionen u. a. m., entschieden zurück und forderte schließlich den Stadtverordneten Ber dux, welcher ihn hauptsächlich angegriffen hatte, auf, seine Gewährsmänner zu nennen. Berdux hält seine Behauptungen aufrecht und als schließ⸗ lich, in der Hitze des Wortgefechts, ihm mit dem Staatsanwalt gedroht wurde, erwiderte er in sehr heftiger Weise, man möge ihm nur mit dem Staatsanwalt kommen. Das sind ja recht nette Dinge, die sich da auf unserem Rathause abspielen; wir sind wirklich neugierig, wie sich die Sache gestalten wird. Eine Auf⸗ klärung thut hier dringend not.

Auf der Station Amalienhütte der Cölbe⸗Laaspher Eisenbahn wurde ein Schaffner, der einem Arbeiter 5 Pfg. für die zuviel ge⸗ fahrene Strecke abverlangte und deshalb mit ihm in Wortwechsel geriet, von diesem mit einem Messer in den Kopf gestochen und schwer verletzt.

Kleine Mittheilungen.

** Eiseubahner-Loos. Einen schreck lichen Tod erlitt der Heizer Hofmann in Dillenburg. Er war mit der Revision seiner Maschine beschäftigt, als auf dem Nebengeleise

ö vorüberfuhr und ihm den Kopf abriß.

** Ungetreuer Hüter. Als der auf dem Hofgute Kolnhausen bei Lich in Diensten stehende Schäfer am Morgen des 23. den Schaafstall öffnete, fand er eine große Zahl Schaafe, im Ganzen 36 Stück, verendet vor. Der Hund hatte sich während der Nacht losgerissen und drei Schaafe zerfleischt. Die andern drängten sich jedenfalls aus Angst so ineinander, daß sie erstickten.

Christliche Meuscheufreundlichkeit.

Aus Straßebersbach berichtete vorige Woche dasHerborner Tageblatt:Am Tage nach den verflossenen Weihnachten war der Hirte der Kolonie Sohl, die ungefähr Stunde von hier entfernt liegt, im hiesigen Ort und kaufte Holzschuhe ein. Er kam nicht wieder nach Hause zurück. Gestern wurde er von 2 Leuten aus Fischelbach im Staatswald, abseits vom Wege nach Sohl, erfroren aufgefunden. Der Leichnam war von Raubzeug im Gesicht und an den Ohren angeschnitten. Die damals ge kauften Schuhe hatte er noch umhängen. Der Mann soll aus Holzhausen im Hickengrund stammen. Christeupflicht der Einwohner von Sohl wäre es gewesen, nach dem Verbleib des Vermißten zu forschen und zu suchen, aber nicht dem Geschick und Zufalle länger wie 3 Wochen alles anheim zu geben.

Jawohl, meistens glauben eben dieChristen ihre Pflicht mit Singen und Beten erfüllt zu haben, unterlassen es aber, dem Nächsten zur Hilfe zu eilen. Und in dieser Gegend grasstert die Muckerei ganz besonders.

Sine Militäctragödie.

Vorige Woche wurde der Rittmeister v. Krosigk des in Gumbinnen garnisonie⸗ renden Dragonerregiments erschossen. Nach einem Scharfschießen ließ er in der Reitbahn eine Abteilung reiten und schoß dabei, um die Pferde an den Knall zu gewöhnen, mit Platz patronen mittels eines Revolvers, als plötzlich durch ein Guckloch der Seitenwand ein scharfer Schuß fiel. Krosigk konnte noch den neben ihm stehenden Wachtmeister fragenhaben Sie geschossen und brach dann, durch die Brust getroffen, zusammen. Der Tod trat sofort ein. Unter dem Verdacht des Mordes ist ein Unter offizier der vierten Eskadron verhaftet worden, der schwer belastet sein soll. Er soll nicht nach weisen können, wo er während der Mordthat sich aufgehalteu. Der Ermordete stand unmit telbar vor seiner Versetzung, er sollte in das Leibgarde-Husarenregiment nach Potsdam kom⸗ men. Früher war v. Krosigk Rittmeister beim 10. Husarenxegiment in Stendal, und auch dort schon war, ebenso wie vor einigen Jahren in Stallupönen, auf ihn geschossen worden. Der Rittmeister v. Krosigk gehört zu den bei den Mannschaften unbeliebtesten Vorgesetzten des Regiments.

Genosse Wiemer in Nürnberg,

der vor einigen Monaten auf die aus Rache erfolgte Denunziation seines früherenreundes Teufel hin wegen Unterschlagung zu vier Mo naten Gefängnis verurteilt wurde, trotz der Feststellung, daß Wiemer den Verein auch nicht um einen Pfennig geschädigt hatte, ist kürzlich von dem betreffenden Krankenunter⸗

stützungsverein(Frauenstift) mit dreiviertel Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt worden. DieHessische Landeszeitung

meint, das wäre ebenso zu verurteilen, als die Wiederwahl des Anutisemiten Hartwig in Dresden. Das stimmt nicht. Wiemer steht trotz der Verurteilung makellos da, Hartwig eben nicht.

Geborstene Säule des Autisemitismus.

Die Verhaftung eines Antisemitenführers erregt nach demBerl. Tagebl. in kaufmänni⸗ schen Kreisen großes Aufseben. Der Verhaftete ist der Kaufmaun Friedrich Pape, der Vor⸗

sitzende des Gaues Brandenburg vom Verbande

deulscher Handlungsgehilfen, und als solcher natürlich ein Antisemitenführer. Er war Stadt⸗

reisender der in der Wallstraße domizilierenden Großfirma für Landesprodukte Albert Metzdorf u. Sohn, die ihm gleichzeitig die Einkasste ung der aus seinen abgeschlossenen Geschäften fließen⸗ den Gelder übertrug. Pape, der im Alter von 33 Jahren steht und Vater von 6 Kindern ist, hat große Beträge der einkassierten Gelder angeblich über 3500 Mk. unterschlagen und

in seinem eigenen Interesse verwandt.

Eingesandt.

Herr Redakteur!

Ihrer Rüge, über die recht unleidlichen Zu⸗ stände in der staatlichen Steuereinnehmerei in Gießen, welcher Sie in Nr. 4 Ihrer geschätzten Zeitung Ausdruck gaben, kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Es herrschen dort in der That Zustände, wie sie Einsender dieses, welcher schon in mehreren deutschen Bundes⸗ staaten Steuern zu bezahlen das zweifelhafte Vergnügen hatte, nirgends getroffen hat. Der Beamte in Gießen ist wirklich dem Pu⸗ blikum gegenüber von bezaubernder Liebens⸗ würdigkeit! Aussprüche wie: Man meint man wäre im Kuhstall! Bodenlose Frechheit! Wollt ihr ruhig sein sonst die Gensdarmerie ist ganz in der Nähe! Bezahlt eure Steuern im Anfang des Monats usw., sollen jedenfalls das Steuerzahlen angenehmer machen!

Es wäre wohl an der Zeit, daß die Re⸗ gierung dem Beamten klar machte, daß er des Publikums wegen da ist und demgemäß etwas zartere Saiten aufzuziehen hat; sintemal doch auch er diesen Steuergroschen seine gut bezahlte Stellung verdankt! was zudem die Bemerkung dieses Herrn, die Steuern am Anfang des Monats zu bezahlen, anbelangt, so bin ich der Meinung, daß ihn dies gar nichts angeht, da er auch am Schlusse des Monats seinen Dienst zu thun hat und mehr wird von ihm nicht verlangt.

Gewiß giebt es einige wohlhabende Leute, welche im Anfang des Monats bezahlen könnten und nur um der Prozente willen das Geld so lange wie möglich zurückbehalten, aber die große Masse besteht doch aus Arbeitern und Hand⸗ werkern, welchen es jetzt im Winter doppelt schwer wird, ihren Verpflichtungen nachzu⸗ kommen!

Ein Steuerzahler.

Versammlungs⸗Kalender.

Sa mstag, den 2. Februar.

Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Generalversammlung bei Orbig. Tagesordnung: Vorstandswahl, Kreiskonferenz, Wahl der Delegirten.

Gießen. Tapezierer⸗Verband. Abends 9 Uhr bei Löb(Wiener Hof). Tagesordnung: 1. Bericht von der Gau⸗Konferenz in Offenbach(Referent Kol. E. Laudenbach), 2. Diskussion, 3. Verschiedenes. Pünktlich und vollzählich erscheinen!

Sonntag, den 3. Februar.

Trohe. Arbetterbildungs verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Gastwirt Schwarz Wttw. T.⸗O.: Kreiskonferenz und Deleg iertenwahl.

Lollar. Oeffentliche Versammlung der Hilfs⸗ arbeiter abends ¼7 Uhr bei Gastwirt Weinrich.

Montag, den 4. Februar.

Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Dienstag den 5. Februar.

Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.

Samstag, den 9. Februar.

Lauterbach. Wahlverein. Abends bei Kaut Versammlung. f

Giessener Kladitheater.

Sonntag, den 3. Februar 1901, Der Raub der Sabhinerinnen. (Diese Vorstellung findet in der Turnhalle statt.)

Montag, den 4. Februar 1091,

Galceotto. Dienstag, den 5. Februar 1901, Der Maun im Monde. Mittwoch, den 6. Februar 1901, Flachsmann als Erzieher. Freitag, deu 8. Februar 1901, Die Karlsschüler.