Ausgabe 
3.2.1901
 
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Seite 2.

Mtiteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 5.

zialpolitik machen, denken wir immer an das Bestreben der Füchse, die Lage der Hühner zu verbessern, und ebenso erkennen wir manchen klugen Geschäftsmann, dessen Arbeiterfreund⸗ lichkeit nichts ist, als eine kühle, nüchterne Spekulation auf den Geldbeutel der Arbeiter. Nicht vergessen dürfen wir serner die Streber und Gecken, die unter allen Umständendabei sein müssen.

Wir wiederholen: Aufrichtige Freunde der Arbeitersache sind uns jederzeit willkommen, mögen sie herkommen woher sie wollen, aber Leute, deren ganzesoziale Thätigkeit in einem gassenbubenhaften Schimpfen auf die Sozialdemokratie besteht, sowie den Geschäftspolitikern und Stre⸗ bern sind wir verpflichtet auf die unrein⸗ lichen Finger zu klopfen. Es ist für uns keine angenehme Arbeit, aber im Interesse der Arbeiter muß sie gethan werden, und sie wird gethan werden.

Politische Rundsch au.

Gießen, den 28. Januar.

Lohn der Flottenpatrioten.

Krupp und Stumm empfangen jetzt den wohlverdienten Lohn für ihre aufopfernde Vaterlandsliebe. Die bekannten Dillinger Hütten⸗ werke, die Hauptlieferanten für die Marine sind und Krupp unterstehen, konnten für das Ge⸗ schäftsjahr 1899/1900 eine Dividende von nicht weniger als 30 Proz. an die wenigen Groß⸗ aktionäre verteilen. Bekanntlich ist Freiherr v. Stumm Vorsitzender des Aufsichtsrates. Als in der Budgetkommission bei der Beratung des letzten Flottengesetzes die Frage aufgeworfen wurde, ob Panzerplatten nicht für fiskalische Rechnung weit billiger hergestellt werden könnten, erklärten die Regierungsvertreter, es fehlte ein richtiges Urteil, ob die Gewinne der Panzer⸗ plattenfabrikation wirklich hoch seien. Mau wird jetzt gestehen müssen, daß diese Gewiane recht bürgerlich zu nennen sind.

teuunisormierung der Armee.

Die Armee soll von Grund auf neu uni⸗ formiert werden. Nicht nur die blanken Uni⸗ formknöpfe sollen wegfallen, sondern alles was blitzt und glänzt oder überhaupt von den in der Natur vorherrschenden Farben zu sehr ab⸗ sticht. Deshalb soll das grau⸗braune Tuch, welches das blaue des Rockes ersetzen soll, auch für die Beinkleider verwendet werden. Die gleiche Farbe hat auch der Stoff der Mütze. Die Koppel wird aus braunem Leder gefertigt. Das Koppelschloß aus blaukem Metall kommt in Fortsall und wird durch eine dunkelfarbige Schnalle ersetzt. Der Helm hat nicht mehr schwarzes Leder, sondern erhält eine ähnliche Halbe wie das Tuch. Vom Kopf bis zu Fuß erscheint fortan der Soldat iu nahezu gleicher, möglichst unauffälliger Färbung. Von der be⸗ vorstehenden Aenderung in der Uniformierung der Truppen sind die Bekleidungsämter bereits in Kenntnis gesetzt worden, um sich darüber auch mit den Lieferanten ins Einvernehmen zu setzen. Sämmtliche alten Vorräte werden jedoch aufgebraucht.

Freuelhafte Lebensmittelvernichtung.

Ein Milchbauernring, genannt Ober⸗ bayertsche Milchverkaufs⸗Genossenschaft, besteht in München. Sie trat unter dem Protektorat des ultramontanen Landtagsabgeordneten Schmid von Wolfrathshausen ins Leben und verfolgt natürlich den Zweck, die Preise in die Höhe zu treiben und die Konsumenten gehörig zu schröpfen. Wie man der Münchener Wost schrebt, wurde jüngst in einem wissenschaftlichen Vort age die ungeheuerliche Thatsache festgestellt, daß diese Genossenschast täglich 12000 Liter Nin die Isar gießt.

Dieses soziale Verbrechen wirft ein inter⸗

zes Streiflicht auf die Stellung der feinen numspartei zur öffentlichen Wohlfahrt und

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kennzeichnet scharf das Geschrei dieser Herrschaften über die 70 5 der Landwirtschaft. Und skandalös ist eine Gesellschaftsordnung zu nennen, die Derartiges nicht zu verhindern weiß.

Unternehmer⸗Terrorismus.

Der Seifenring scheut kein Mittel, um die außenstehenden Fabrikanten mürbe zu machen. Zunächst hat er mit den maßgebenden deutschen Palmkernölfabrikanten Verträge abgeschlossen, welche diese verpflichten, Oel nur an die Ring⸗ mitglieder zu verkaufen. Sodann hat der Ring tro der steigenden Tendenz der Preise sür Rohmaterialien die Seifenpreise um 2 Mk. er⸗ mäßigt. Vorsichtiger Weise ist freilich der Kundschaft mitgeteilt worden, daß die Ermäßi⸗ gung eine vorübergehende und nicht durch die Marktlage der Oele und Fette hervorgerufen sei. Offenbar bezweckt die Preisermäßigung lediglich, die Außenstehenden niederzukon⸗ kurrieren. Wenn das gelungen ist, werden die Seifenpreise wohl derMarktlage der Oele und Fette soangepaßt, daß den Konsumenten die Augen überlaufen.

24 Millionen.

Der deutsche Kaiser reiste sofort, als der Zustand der Königin Viktoria hoffnungslos wurde, nach Englaud und befindet sich noch immer dort. Die Reise an sich ist natürlich. Beflemden hat nur die Plötzlichkeit erregt, mit der sie mitten in den preußischen Krönungs⸗ feierlichkeiten erfolgte. DerVorw. glaubt den Grund dafür erfahren zu haben. Der jetzige König von England hätte sich nämlich aus dem 56 Millionen Mark betragenden Nachlaß Wilhelms J. die Kleinigkeit von 24 Millionen während der kurzen Regierungs⸗ zeit Friedrichs III. gepumpt, die er jetzt zurück⸗ zahlen wolle. Deshalb habe er den Kaiser ge⸗ beten, sofort nach England zu kommen. Die Bezahlung der Riesenschuld dürfte wohl nicht schwer fallen, da Viktoria tausende von Millionen hinterlassen hat.

Byzaniners Theorie und Praxis

DieTägl. Rundschau, ein patentpatriotisches Blatt gab zur Feier des 18. Januar eine acht⸗ seitige Be lage heraus, die von Lobhudeleien und dynastischen Ueberschwenglichkeiten förmlich strotzte. Ganz zum Schluß findet man darin aber folgenden Dahnschen Spruch:

Wir schrei'n zu vielViktoria! Hurrah undKling⸗ lang Gloria, Wir feiern zu viel Feste.

Einst trieben anders wir das Spiel: Wir sprachen wenig, thaten viel Und die Art war die beste!

Wenn es denpatriotischen Zeitungs- machern Ernst wäre mit ihrem Protest gegen das so heftig grassirende Festfieber, so hätten sie ja nur nötig, die fürstlichen Herrschaften unter sich zu lassen und über die Festivstäten zu schweigen. Aber erst mithelfen mit Kling⸗ Klaug⸗Gloria und sich nachher über den Zauber mokieren, das ist ein starkes Stück.

Abfuhr der Prügelhelden.

Kuuten-Oertel und sonstige Prügelstrafen⸗ Enthufiasten haben in der Petitions-Kommission des Reichstags eine gründliche Niederlage erlitten. Alle auf Einführung der Prügelstrafe gerichteten Petitionen wurden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Knuten⸗Oer⸗ tels hat also keinen Erfolg gehabt.

AntiscmitischeJudenknechte.

Gegen den antisemitischen Reichstagsabge⸗ ordneten Böckel-Marburg erhebt der national⸗ soziale Redakteur Erdmannsdörfer in der Hess. Landeszeitung die Beschuldigung, daß er injüdischem Solde stehe, indem er Berichte über die Sitzungen der Reichstagskommissionen, zu denen nur Abgeordnete Zutritt haben, für den jüdischen Parlamentsjournalisten Dr. Ha m⸗ burger gegen Entgelt liefere. Wegen ähnlicher Beschuldigungen, die Erdmannsdörfer früher gegen den Antisemiten Werner richtete, wurde er von diesem verklagt und steht in der Sache

demnächst in Offenbach Termin an. Da werden wir ja sehen, wie die Urdeutschen ihre eigenen Lehren befolgen.

Deutscher Reichstag.

Nachdem in der Sitzung am Mittwoch(238.) der Reichskanzler und der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, der verstorbenen Königin von England in warmen Worten gedacht hatten, trat der Reichstag in die Beratung der verschiedenen Anträge ein, welche die Abhülfe

der Wohnungsnot

zum Gegenstande haben. Der sozialdemokratische Antrag (Albrecht) fordert Vorlegung eines Wohnungsgesetzes, Einführung einer Wohnungsinspektion, Schaffung eines Reichs wohnungsamts. Der nationalliberale Antrag(Dr. Hieber) verlangt die Bildung einer Wo h⸗ nungskommission, die zunächst eine Eaquete ver⸗ anstalten und daun Vorschläge machen soll. Der frei⸗ sinnige Antrag Schrader-Eckart verlangt ebenfalls die Einsetzung einer Kommission, spricht sich aber über die derselben zuzuweisenden Aufgaben in gänzlich unverbindlichen Ausdrücken aus. Den nattonalliberalen Antrag begründete der Württemberger Dr. Hieber, er erklärte, daß man eine Regelung der Wohnungsfrage nicht zu Einschränkungen der Freizügigkeit mißbrauchen dürfe. Recht matt begründete den matten Freisinnsantrag Abg. Schrader. Um so energischer beleuchtete der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Schmidt-⸗Frankfurt, das Wohnungselend und entwickelte in großen Zügen das Bild einer durchgreifenden Reform, so weit sie auf dem Boden der jetzigen Gesellschaftsord⸗ nung möglich ist. Der Staatssekretär Graf Posa⸗ dowsky gab im Namen des Reichskanzlers eine Er⸗ klärung ab, deren kurzer Sinn der war, daß die Sache den Einzelstaaten überlassen bleiben muß. Darob großer Jubel auf der Rechten, als deren Redner der Konservative v. Richthofen, der das bekannte Lied von der ländlichen Unschuld sang, und der Reichsparteiler Stockmann auftraten. Die Debatte über diesen Gegen⸗ stand wurde vertagt.

Zu einer ziemlich heftigen Polendebatte kam es am Donnerstag. Nichtbeförderung von Briefen mit polnischer Aufschrift von Seiten der Reichspost veranlaßte die edlen Polen, eine Interpellation an die oberste Postverwaltung zu richten. Der Staatssekretär des Reichspostamts, der Husarengeneral v. Podbielski antwortete von oben herab, wie er das zu thun pflegt; immerhin trat er den poinischen Edelleuten etwas höf⸗ licher entgegen, als es sozialdemokratischen Abgeordneten gegenüber seine löbliche Gepflogenheit ist. Der Demokrat Haußmann, der Freisinnige Dr. Müller⸗Sagan, der Zeutrumsmann Roeren, der Pole v. Dzie m⸗ bowski usw. rückten bei der Besprechung der Jnuter⸗ pellation dem Staatssekretär energisch auf den Leib, während der Nationalliberale Dr. Sattler sich in ch auvinistischen Redeusarten und der Kouservative Schrempf sich gar in Beschimpfungen der Polen er⸗ ging. Von sozialdemokratisgser Seite sprach Genosse Kunert, welcher überzeugend nachwies, daß die ge⸗ ügten Maßregeln nur ein Glied in der Kette der syste⸗ matischen Unterdrückungen mißliebitzer Volksteile sind. Dann wandte sich das Haus der Beratung der Vorlage über Versorgung der Hinterbliebenen der Chinakrieger zu. Der Konservative raf Stolberg klagte in elegischen Tönen darüber, daß die Chinafahrer so wenig Gelegenheit gefunden, Lorbeeren um ihre Schläfen zu winden. Dankenswerter war seine leidlich energische Anregung, bei der Gelegenheit endlich einmal auch den Ansprüchen der In valtden aus den früheren Feldzügen Genüge zu leisten. Der Reichskanzler Graf Bülow antwortete, daß dieser Wunsch er füllt werden solle und eine Vorlage über diesen Gegenstand noch im Laufe dieser Session dem Hause zugehen werde.

le weitere Debatte über diesen Gegenstand wurde am Freitag fortgesetzt. Von allen Seiten des Hauses, das einmal wieder etwas besser als die Tage vorher besucht war, wurde betont, daß die schleunige Einbrin⸗ gung der vom Reichskauzler in Aussicht gestellten Vor⸗ lage betr. die Versorgung der Invaliden aus den früheren Feldzügen, die Abtragung einer eigentlich schon längst fälligen Ehrenschuld des Reiches bedeuten würde. Einige Redner, namentlich aber unser Genosse v. Vollmar gaben dem Mißtrauen Ausdruck, daß es mit der Einlösung des Kanzlerwortes doch wohl nicht so sehr schnell gehen werde. Hat doch Fürst Hohen⸗ lohe Jahre gebraucht, um sein bekanntes Versprechen, das Koalitionsverbot politischer Vereine aufzuheben, zu erfüllen. Selbst einige Redner der Rechten und der

Nationalliberale Herr v. Tiedemann und Prinz v. Schö⸗ naich⸗Carolath an der Spitze, gebärdeten sich ganz rabiat und erklärten nachträglich, sie hätten die China-Relikten⸗ Vorlage ohne gleichzeitige Versorgung der früheren Kriegs⸗ Die Vorlage wurde an die Dann ging mau wieder Der Frei⸗

invaliden nicht bewilligt. Budget⸗Kommission verwicsen. zum Etat des Reichsamts des Innern über.

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