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Nr. 5.
Gießen, Sonntag, den 3. Februar 1901.
8. Jahrg.
Nedaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Mitteldeutsche
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Arbeiter, Genossen!
Arbeitet unablässig mit an der För⸗ derung der Sache des werkthätigen Volkes! Werbt neue Streiter zum Kampfe! Die Löhne werden herabgedrückt; un⸗ aufhörtich steigen die Lebensmittel im Preise! Gegen die Blutsauger-Politik der Krautjunker und Schlotbarone muß sich die Arbeiterschaft energisch zur Wehr setzen. Das beste Kampfmittel ist unsere Parteipresse; des⸗ halb werbt neue Abonnenten für die
Mitteldeutsche Sonntagszeitung.
Es jubeln die Brotwucherer,
ihr ewiges Geschrei von der notleidenden Land“ wirtschaft hat genützt, sie sehen ihre volksfeind! lichen Pläne schon verwirklicht. Der Reichs? kanzler Graf Bülow hat sich für die junkerliche Raubpolitik erkläet. Er, der von den Liberalen und Freisinnigen fast als„ihr Mann“, als Freihändler, als Anti⸗Agrarier betrachtet wurde, er hat vor den Junkern vollständig kapituliert. Im preußischen Dreiklassenhause, der„Karikatur einer Volks⸗ vertretung“, wie es Singer mit Recht nannte, haben ihm die Brotverteuerer die Zunge gelöst. Die Konservativen und Centrumsleute stellten einen Antrag, der die Regierung ersucht, auf Herbeiführung eines„wesentlich gesteiger⸗ ten Zollschutzes“ zu dringen, sowie für baldige Vorlage des neuen Zolltarifs zu sorgen. Darauf gab Graf Bülow im Namen der Re⸗ gierung folgende Erklärung ab:
In voller Anerkennung der schwierigen Verhältnisse, in denen sich die Landwirtschaft befindet und von dem Wunsche beseelt, die Lage der Landwirtschaft wirksam zu verbessern, ist die Regierung entschlossen, auf die Ge— währung eines ausreichenden und des⸗ halb entsprechend zu erhöhenden Zollschutzes auf die land wirtschaft⸗ lichen Produkte hinzuwirken. Die Staatsregierung ist ferner bestrebt, die Vorlage des neuen Zolltarifs in jeder Weise zu beschleunigen.
Das ist deutlich und beweist, daß sich die Re⸗ gierung den Junkern mit Haut und Haar ver⸗ schrieben hat. Bülow verheißt die Erfüllung aller Wünsche der Großgrundbesitzer. Auch die schleunigste Fertigstellung des Zolltarifs verspricht er, denn die Agrarier können die Zeit nicht er⸗ warten, bis sie die Wucher profite sicher in der Tasche haben. Natürlich stimmten die„Volks- vertreter“ des diätengesegneten Dreiklassenhauses dem agrarischen Antrage zu. Ganze 43 Mann, neben den Freisinnigen nur noch 16 National- liberale votierten dagegen, die große Mehr⸗ zahl der Nationalliberalen stimmte gleich dem Zentrum für den zu vermehren⸗
den Brotwucher. Die handvoll Adliger, deren wirkliche soziale Bedeutung gleich Null ist, sie sitzen fest in der altererbten Macht und üben sie in brutalem Egoismus auf Kosten der Millionen des arbeitenden Volks. Und die Regierung des Grafen muß ihnen in willenloser Leibeigenschaft dienstbar sein. Der Brotwucher der seit Jahr⸗ zehnten das deutsche Volk bedrückt, soll nicht beseitigt, er soll drückender und aussaugerischer denn je gestaltet werden. Den Aermsten der Armen soll mehr und mehr genommen werden,
auf daß den Reichsten der Reichen in noch
reicherem Maße in den Schoß geworfen werde als bisher. Das Parlament der Besitzenden hat die Junkerfaust auf die Regierung gelegt. Doch auch der Reichstag ist gefügig der Beutegier der Mächtigen, die allen Einfluß haben in den höchsten Staatsstellen in allen Schichten der Bureaukratte, die über die Aemter, Würden und Reichtum verfügen. Wohl gilt es da, im Reichstag den Kampf gegen den rücksichts⸗ losen Uebermut der Volksausplünderer mit aller Kraft zu führen. Doch die Gegner des Wuchers im Reichstage vermögen nicht den schwersten Schaden fernzuhalten, wenn nicht das deut— sche Volk selbst seine Sache führt. Ungesäumt und mit Aufgebot aller Kraft gilt es, in allen Gauen des Reichs die Bevölkerung wider das Attentat der Kornwucherparteien zu organisieren. Die Erbitterung des Volkes allein vermag den verruchten Anschlag der Volksfeinde zu nichte zu machen.— Wir schließen uns des⸗ halb vollkommen unserm Offenbacher Parteiorgan an, das den Ruf erhebt: Auf gegen den Brotwucher!
Und unsere Genossen im besonderen sollen keinen Tag verstreichen lassen, die Agitation ins Werk zu setzen, denn sie bilden ja doch den Kern des Widerstandes gegen das gemeingefähr— liche Treiben der Junker. Die Zeit ist günstig. Nutzen wir sie aus. Die Ernte wird unser sein!
Dilettantismus.
K. Von Zeit zu Zeit erinnern sich wenige wohlmeinende Leute aus der bürgerlichen Gesellschaft, daß es noch einen vierten Stand giebt, daß dieser die zahlreichste Volkskla sse umfaßt und daß Not und Elend in dieser Klasse mehr heimisch sind als man sonst im Allgemeinen zugeben mag. So ein paar ge⸗ rührten und weichherzigen Bourgeois verdankt die neue Gesellschaft„Freie Vereinigung für Sozialpolitik“ ihr Dasein. Der ehe⸗ malige Minister v. Berlepsch scheint die trei⸗ bende Kraft der Vereinigung zu sein und es ist erfreulich, daß dieser Mann, welcher als Minister einen der arbeiterfeindlichsten Gesetzentwürfe unterzeichnete, sich über— zeugt hat, daß ernste, aufrichtige Sozialpolitik dem allgemeinen Wohle förderlicher ist, als Arbeiterknebelung und»entrechtung. Neben Herrn Berlepsch hat sich nun eine so bunt⸗ scheckige Gesellschaft„Arbeiterfreunde“ zusammen⸗ gefunden, daß es schwer fällt, ernst zu bleiben. Wir sehen in holder Brüderlichkeit den be— rühmten Verfasser des hintertreppenlüsternen Scheiterhaufenbriefes den„ollen ehrlichen“ Stöcker, mit dem„freisinnigen“ Dr. Max Hirsch,
der durch seine Rede im Abgeordnetenhaus gegen die streikenden Straßenbahnbeamten in Berlin seine„Arbeiterfreundlichkeit“ dokumen⸗ tierte. Wir sehen ferner den Pfarrer Weber, welcher mit heißem Bemühen den Arbeitern Liebe zum Zuchthausgesetz beizubringen suchte, den nationalsozialen Pfarrer Naumann, dessen Schwärmerei für Eroberungen und Mord— kultur bekannt ist,— ferner Herrn von Heyl in Worms, der Stumm'schen Praktiken bei Behandlung der Arbeiter zuneigt, den Ober— bürgermeister Adickes, der die Ausdehnung des Frankfurter Kommunalwahlrechts damit bekämpft: die unteren Klassen dürften nicht so⸗ viel Einfluß erlangen. Daneben nennen wir noch den Direktor einer Kölner Bleiweißfabrik, welcher mit großem Eifer einer Verkürzung der Arbeitszeit in den außerordentlich gesundheits⸗ schädlichen Bleiweißfabriken entgegentritt usw.
Das sind einzelne Typen aus diesem wunder⸗ baren Verein. Ist es nun ein Wunder, daß die Sozialdemokratie in der Wertschätzung dieses Vereins sehr vorsichtig ist? Gewiß sind bei demselben eine ganze Anzahl ehrlicher Ar⸗ beiterfreunde, aber ebenso sicher ist es, daß dem⸗ selben eine vielleicht ebenso große Zahl z wei⸗ felhafter Kantonisten angehört. Heller Blöd— sinn ist das Geschreibsel bürgerlicher Blätter, als fürchteten wir die„Konkurrenz“ der bürger⸗ lichen„Arbeiterfreunde“. Seit dem Falle des Sozialistengesetzes fehlte es doch wahrlich nicht an Bemühungen unserer Gegner, uns„den Wind aus den Segeln zu nehmen“, zu dem Zwecke wurden ja schon alle möglichen, manch— mal recht— eigentümliche Mittel empfohlen und probiert; Erfolge haben wir aber noch keine gesehen. Aber wir wären außerordent⸗ lich froh, wenn diese„Konkurrenz“ recht wachsen und gedeihen würde; unsere Thätigkeit zur Hebung und Stärkung der Arbeiterklasse kann noch einen recht herzhaften Zuzug aus dem bürgerlichen Lager vertragen; zuviel wird unter der Regierung der Bueck und Genossen so leicht nicht für die Arbeiter geschehen. Aber unsere Pflicht und Schuldigkeit ist es, den„ar⸗ beiterfreundlichen“ Phrasendreschern das Handwerk zu legen; wir wollen Thaten sehen; die schönen Worte können uns nicht bethören; sie sind nur geeignet, die Arbeiter über ihre„Verbündeten“ zu täuschen, sie einzu⸗ schläfern, sie zu entnerven in ihrem Befreiungs⸗ kampfe. Dem treten wir entgegen. Es macht uns immer stutzig, daß diese wackeren Leute ihre„soziale“ Thätigkeit mit Schimpfen gegen die Sozialdemokratie eröffnen; sie mögen über uns denken was sie wollen, aber anerkennen müssen sie, daß die Arbeiterinteressen doch am energischsten von uns vertreten werden, und daß wir auch eine Macht repräsentieren, die Erfolge für die Arbeiter garantiert. In dem Vorkampfe für das arbeitende Volk haben unsere Führer so große Opfer gebracht an Gut und Gesundheit, daß es ihnen gleichgiltig sein kann, ob irgend ein Scribifax seine schmutzigen Ergüsse gegen sie richtet. Das sollten Diejenigen, die sich„sozial“ neunen und denen es mit der Verbesserung der Lage der arbeitenden und besitzlosen Klassen ernst ist, beherzigen.
Stutzig macht uns ferner das Benehmen einer Anzahl gegnerischer Preßorgane. Wenn Blätter wie die„Tägliche Rundschau“ in So—


