Ausgabe 
2.6.1901
 
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Der einzige weg.

In allen deinen Leidenstagen

Hilft dir kein Jammern und kein Klagen, Kein feiges Winseln schafft dir Brod Und wehrt dem Stachel deiner Vot.

Du sollst nicht bitten und nicht betteln Und nutzlos deine Kraft verzetteln Allein bist du ein schwaches Rohr

Und pochst umsonst an Thür und Thor

Nur deiner Ohnmacht wird man spotten, Und wie ein Rund kannst du dich trotteu, Doch ohne jeglichen Gewinn,

Mit deinem demutsvollen Sinn.

Hier hilft nur Kämpfen dir und Ringen Und mutig in die Bresche springen Ein wack'rer Streiter sollst du sein Und fechten in der Brüder Reih'n. Anstatt zu jammern und zu klagen, Sollst du die Schlachten helfen schlagen, Mitstehen auf der Freiheitswacht Und mehren deiner Brüder Macht. Sonst du magst bitten oder betteln Und nutzlos deine Kraft verzetteln Bleibst du, trotz deinem guten Recht, Derselbe notgepeitschte Knecht.

A

Das Meisterstück. Erzählung von Robert Schweichel. 8(Fortsetzung.)

Reidhammel!warf die Meisterin verächtlich hin. Er that, als hörte er es nicht, sondern fuhr fort:Mir thut blos die Jungfer Gundel leid. Meinetwegen mag's kommen wie es will, ich werd' ihr's nicht nachtragen. Heiraten thut der Helder, sowie er Meister ist, ja wohl; aber mit der Gundel ist's nix. Da hat die Frau Meisterin sich verspekulirt. Diese zuckte zusammen; aber sie beherrschte sich.Du Gro⸗ bian, Du, rief sie und setzte mit einem schrillen Lachen hinzu:Der Helder wäre mir der Rechte gewesen. Noch lang' nicht.

Na, um so besser, bemerkte Veit trocken. Ich mag schon grob sein; dieweil mir aber die Gundel an's Herz gewachsen ist, so hab ich den Helder gefragt, wie's mit ihm steht. Ich die Gundel heiraten? Niemals Das hat er mir geantwortet.

Frau Schönhauer verschwand aus der Thür und er klopfte zufrieden an dem Bankrande seine Pfeift aus.

Einige Wochen später zogen die Störche gen Süden. Auf ihrer Amtsstube saßen die Aeltermänner von der Zunft der Schlosser und Metallarbeiter. Meister Schönhauer und Bert hold's ehemaliger Lehrherr befanden sich unter ihnen. Verschiedene Schriftstücke gingen unter ihnen von Hand zu Hand und auf dem Tische stand ein kleiner Kasten, zur Aufbewahrung

wichtiger Papiere, Geld und Schmuck bestimmt.

Er war von polirtem Eisen, ruhte auf Löwen⸗ klauen und war von zierlichem Blattwerk um⸗ schlungen, zwischen dem allerlei Figürchen hervorlauschten. Es war Berthold's Meisterstück und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, so ward es von der Aeltermännern höflich gelobt. Meister Schönhauer, der sichtlich verlegen und unruhig auf seinem hochlehnigen Stuhl saß, wurde darob rot und seufzte. Nun ergriff der Ob⸗ mann das Wort:Werte Meister, aus den Attesten und Zeugnissen, so zur Hand sind, werdet Ihr ersehen haben, daß der Berthold Helder von beiderseits freien und unbescholtenen Eltern geboren ist. Seine Führungszeugnisse loben seinen Fleiß und sein Betragen, und auch den Beweis hat er gebracht und eidlich erhärtet, daß er das Meisterrecht aus eigenem Vermögen zu entrichten im Stande ist, und daß ihm bei seinem Meisterstück Niemand geholfen hat,

satt, wandte der Obmann einMeines Be⸗ dünkens haben wir in Mülhausen schon allzu⸗ viel Schlosser. Er schaute sich am Tische um und die Mehrzahl pflichtete ihm durch Kopf nicken bei. Er fuhr mit einem Blick auf Schönhauer fort:Freilich, wenn der Helder in die Zunft hineinheiratet, dann ist das was Anderes. Der Helder soll doch wohl Euer Eidam werden, Meister Schönhauer?

Nein, daran ist kein wahres Wort, stotterte dieser und fühlte sich ganz elend, denn er meinte, es läse Jeder in seinem Gesicht, welche Hoffnung seine Freu sich auf Berthold gemacht hatte und welcher Predigten das eheliche Bett Zeuge gewesen war, bis er seinem Weibe ver⸗ sprochen, gegen Helders Zulassung zur Meister⸗ schaft zu stimmen.

Es erfolgte denn auch auf seine Erklärung ein allgemeines Verwundern und der Obmann räusperte sich stark, bevor er folgendermaßen das Wort ergriff:Na, viellteben Meister, unsere heiligste Pflicht ist's, wohl Acht zu haben, daß unserer ehrbaren Zunft kein Schaden geschieht. Lasset uns deß gründlich Rat pflegen!

Sie griffen nach den zinnernen Bierkrügen und holländischen Thonpfeifen, welche auf ein Pochen des Obmanns der Wirt des Zunfthauses herbeibrachte, thaten tiefe Züge und bald umwob dichtes blaues Gewölb die Häupter der nach alter deutscher Sitte ratschlagenden Meister. Der Zopf aber, hing ihnen hinten.

*

Trude stand hinter den Gelbveigelein, roten Nelken und Reseda, die auf dem Fensterbrett blühten, und späte erwartungsvoll auf die Gasse. Wo er nun blieb? Endlich sah sie Berthold rasch daherkommen. Sie trat zurück und als der Geliebte die Stubenthur öffnete, rief sie fröhlich, indem sie ihm beide Hände entgegenstreckte:Grüß' Dich Gott, Meister Helder! Aber betroffen ließ sie die Hände sinken. Sein Gesicht war von heftiger Auf⸗ regung gerötet und verzerrt und seine Augen funkelten.Meister? keuchte er.Abgewiesen haben sie mich. Trude erblaßte, mit weit⸗ geöffneten Augen starrte sie ihn an; dann schrie sie grell auf und fiel weinend an seine Brust. Ihre Thränen dämpften seinen Zorn.Laß gut sein, versuchte er sie zu trösten.Wenn Du mir bleibst, ist nichts verloren. Sie richtete ihren Kopf von seiner Schulter auf und er⸗ widerte, ihre Thränen unterdrückend:Mich reißt nichts und Keiner von dir; ich bin Dein für's Leben, was auch kommen mag. Aber wie ist's denn möglich, daß sie Dich zur Meister⸗ schaft nicht zugelassen haben? Warum denn?

Gründe verlangst Du auch noch? ant⸗ wortete er mit einem höhnischen Lachen.Die waren wie Seifenblasen, sie schillerten hübsch, aber drinnen war nichts wie Luft. Brotneid! Ueber's Jahr soll ich es wieder versuchen. Und zwei Thaler hab' ich zahlen müssen, die haben sie in Bier versoffen.

Du Armer! Aber wir sind ja Beide noch jung und können noch ein Jahr warten. So bemitleidete und suchte ihn Trude zu trösten. Er aber fragte mit finsteren Brauen:, Glaubst Du, daß sie über's Jahr minder abgünstig sein werden? Und dann? Weil sie mir Unrecht gethan haben, werden sie mir erst recht abgünstig und feindlich sein.

Seine Aufregung litt ihn nicht lauge bei der der Geliebten. Er bat sie, dem Vater zu sagen, wie es stände, und lief durch die Gassen vor's Thor. Allein das Gefühl des Unrechts, das ihm geschehen, bohrte fort und fort in seiner Bruft. Es verleidete ihm seine Vater⸗ stadt; jetzt war es an der Zeit, ihr den Rücken zu kehren. Seine Liebe aber ließ ihn nicht fort, er hätte es nicht ertragen, Trude nicht mehr zu sehen, und gerade jetzt in seinem Unglück erwies sie sich als die Mutigere, die sich nicht beugen ließ. Was hätte er auch draußen

Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung. Rr. 22.

2 was Meister Schönhauer bestätigt. Soweit] gewonnen? Glichen sich doch allerwärts die

14 wäre dann Alles in Ordnung. Zunftverfassungen wie ein Ei dem anderen.

2 CS D NAuch mit der Arbeit. Das ist ein Stück, Ja, wenn er in ein Land hätte gehen können

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f 7 einer von den Aeltermännern und ein paar gab, wo er frei schaffen konnte! Aber bei seinem

D Unterhaltungs- Ceil 8 andere stimmten zu. Meister konnte er nicht bleiben, schon wegen

Ehre ist ein gut Ding, aber sie macht nicht] der roten Gundel nicht. Der Meister war 2

gekniffen gegen ihn und wagte nicht mehr, ihn anzusehen, und die Meisterin war gegen ihn wie scharfer Essig. Er verließ das Haus und mietete sich in der Vorstadt St. Nikolaus eine Kammer. Es wäre ihm leicht gewesen, sogleich wieder Arbeit zu finden, hatte doch schon vorher dieser und jener Meister einen Wink fallen lassen, daß er in seine Werkstatt übertreten möchte. Denn wie einig sie auch zusammenstanden, ihr Gewerk nach Außen zu schützen und Vorteile für dasselbe zu erringen, so wenig Bedenken hegten sie, einander heimlich ein Bein zu stellen, geschickte Arbeiter einander abspenstig zu machen und die Kunden an sich zu locken. Nein, Bert⸗ hold wollte nicht noch ein Jahr lang und, wenn es wieder mißlang, alle Zeit seines Lebens von früh vier Uhr bis abens sieben bei schmaler Kost, schlechter Behausung und kärglichem Lohn für die Meister schuften. Es mußte anders werden und es schoß wie Krystalle in seinem Kopfe zusammen, was er bisher über die Lage der Gesellen gedacht und mit Trudens Vater über das Zunftwesen gesprochen hatte.,

Eingesponnen in seine Liebe, hatte er bis⸗ her kaum mit anderen Gesellen verkehrt und außer bei den Morgensprachen, bei denen er erscheinen mußte, war er auf der Gesellen⸗Trink⸗ stube ein äußerst seltener Gast gewesen. Jetzt ging er häufig dorthin, hielt den Genossen ihre unwürdige Stellung vor, malte sie ihnen mit beredten Worten aus und daß es eine Schande sei, sich noch länger von den Meistern aus⸗ beuten zu lassen. Das Privilegium des Meister⸗ rechts müßte abgeschafft, das ganze Zunftwesen über den Haufen gestürzt werden. Er wuchs in dieser Zeit gleichsam über sich hinaus, sein Wesen wurde noch männlicher, sein Blik tiefer und leuchtender, und Trude mußte im Stillen wiederholt an ihres Vaters Erzählungen von Thomas Münzer denken. Der Vater aber machte bedenkliche Mienen und warnte ihn, daß er sich vergebens die Finger verbrennen würde.Thu' doch die Augen auf! Siehst Du denn nicht, wie sie Alle katzenbuckeln, wenn der Büttel durch die Gassen geht oder gar der gestrenge Herr Bürgermeister? Aus Liebedienerei und Knecht⸗ sinn sind sie alle zusammengebacken und ahnen nicht einmal, was sie für Lumpen sind von unten bis oben. Berthold ließ sich nicht bedeuten.

Nun waren die Gesellen seit Alters keine⸗ Sie hatten schon manchen Tumult eregt, etwa wegen zu geringer Kost, oder weil man ihnen den blauen Montag

wegs ein ruhig Völklein.

nehmen oder ihren Lohn um einen Pfennig ver⸗ kürzen wollte, und waren sammt und souders aus der Stadt gezogen, wenn sie ihr Stück nicht durchzusetzen vermochten. Es gefiel ihnen

denn auch ganz gut, daß das Zunftwesen beseitigt

und sie Alle freie und gleiche Arbeiter sein sollten. Daß sie aber Alle für Alle arbeiten sollten, damit einem Jeden seine Notdurft aus dem gemeinsamen Säckel gereicht werden könne, vermochten sie nicht zu begreifen, oder es sträubte sich ihre Selbstsucht dagegen. In allen Werk⸗ stätten Mühlhausens wurde über Berthol's Ideen und Pläne geredet und gestritten.

wurden, auch wenn des unter den Gesellen selbst keine schwarzen Schafe wie Veit Eitelhans gegeben hätte. Eines Morgens in aller Frühe a erschien ein Stadtwachtmeister in Berthold's

Gs konnte daher nicht fehlen, daß die Meister aufmerksamn

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Kammer und hieß ihn mitgehen auf's Polizeiamt.

(Fortsetzung folgt.)

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Die Zufriedenen.

Ich habe gar nichts gegen zufriedene Leute,

solange sie ruhig bleiben. Aber laßt sie um des Himmels willen nicht über die Stränge

schlagen und, wie sie es so gern thun, ausrufen, daß sie die wahren Vertreter der ganzen Gattung

seien. Sie sind dieNassauer, die Drohnen im großen Bienenstock, die Bummler, die

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