Ausgabe 
2.6.1901
 
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Seite 4

Mitteldeutsche Souutags⸗Zeitung.

Nr. 22.

mittelzölle ausspricht. Der bisherige Name der Organisation wurde in:Verband deut- scher Bergarbeiter umgeändert.

Der dritte Kongreß christlicher Gewerkvereine Deutschlands, der über Pfingsten in Krefeld tagte, lehnte mit 39 gegen 11 Organisationen eine Resolution ab, welche die christliche Gewerkschaften für jetzt und alle Zukunft auf polttive christliche Grund⸗ sätze festlegen wollte. Wir können einen der⸗ artigen vernünftigen Beschluß nur mit Freude begrüßen; die Religion hat mit den wirtschaft⸗ lichen Kämpfen nichts zu thun, sintemalen ja die Unternehmer sich auch nicht um Religion in ihren Organisationen bekümmern. Es ist traurig genug, daß es noch Arbeiter giebt, die sich gegen ihre andersdenkenden Kollegen von bezahlten Schmocks des Unternehmer⸗ tums aufhetzen lassen; mögen sie sich ein Bei⸗ spiel an den konfessions⸗ und parteilosen Unter⸗ nehmerverbänden nehmen.

*Der Glasarbeiterstreik in Nien⸗ burg a. d. W. dauert noch immer fort; Unterstützung ist dringend notwendig.

von nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen,. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich stren, sta

Geswolssenhaftigkeit bet Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Sinsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Angelegenheiten.

Folgender Unsinn war am Dienstag im Gieß. Anzeiger zu lesen: In Berlin ist zum Pfingstfeste ein par⸗ tieller Barbierstreik ausgebrochen. Von sozialdemokratischen Volksbeglückern bethört, hat eine Anzahl von Barbiergehilfen die Ar⸗ beit niedergelegt, nachdem die Prinzipale ihre ungebührlichen Forderungen abgelehnt haben. In den Vorstädten haben die Streikenden etwa 60 fliegende Varbierlokale eröffnet, die übrigen sitzen in Parteikneipen und empfangen 1 f. pro Tag aus der großen Streik⸗ kasse. In der Stadt selbst ist von dem Aus⸗ stande nichts zu verspüren. Es heißt, daß nach Pfingsten das Einigungsamt zusammen⸗ treten soll. Wenn obiges dumme Zeug in denGieß. N. Nachrichten gestanden hätte, wäre uns das gar nicht aufgefallen. Aber der Anzeiger ent⸗ hielt sich in der letzten Zeit solcher scharfmache rischen Hetznotizen, deren Unwahrhaftigkeit für jeden Einsichtigen klar zu Tage liegt. Natür⸗ lich, wenn Arbeiter ihre Lage zu verbessern suchen, dann sind sie immer vonsozialdemo⸗ kratischen Volksbeglückern bethört! Wo die große Streikkasse sein soll, die vier Mark tägliche Unterstützung auszahlen kann, ist Ge⸗ heimnis des Gieß. 1 Derartiges seinen Lesern vorzusetzen, ist eine ziemliche Kühnheit.

Der neue Sammel politiker. Jetzt endlich läßt der berühmte Redakteur derGieß. Neuesten Nachrichten seine unparteiische Maske fallen. In einer langen Schimpferei, mit der er unsere Ausführungen in voriger Nummer entkräften zu können glaubt, ruft er das Bür⸗ gertum zur Sammlung auf, damit es unter seiner Führung einen heiligen Kreuzzug gegen die vertrackte Sozialdemokratie unternehme, die bedauerlicherweise Herrn Hoppstädter noch im⸗ mer nicht den Gefallen thut, vom Erdboden zu verschwinden. Es mischt sich aber in die n schon als Wermutstropfen das bittere Gefühl der Erkenntnis, daß sein Kampfruf wirkungslos verhallen, das Bürger tum ihm nicht folgen, sondern ihm allein die Rettung des Vaterlandes überlassen wird. Bedauernswertes Vaterland, das von ihm gerettet werden soll! Aber warum prokla miert denn der in allen Sätteln Gerechte erst jetzt den Vernichtungskrieg gegen die Sozial⸗ demokratie? Als sich Herr H. mit so großem Vomp hier ankündigte, empfahl er sich einem ehrlichen Publikum als gewesener national⸗

aler Reichstagskandidat, Magistratsmit⸗ von Lachterfelde 2c. Letzteres war, bei bemerkt, auch geflunkert. Wir ge⸗ a en uns die Bemerkung, daß nunmehr die

G. N. N. im natitonalliberalen Fahrwasser segeln würden. Darauf schwört Hoppstädter, der bisher in seinem Lichterfelder Blättchen für agrarische Interessen eintrat, hoch und teuer, daß er absolut unparteiisch sei. Wir zeigen dieseUnpartetlichkeit an einigen Bei⸗ spielen und jetzt erklärt sich der Besinnungs⸗ tüchtige für die Sammelpolitik und die Sozialistenvernichtung für seine Speztalität! Das ist mein Geschäft hätte er mit dem christlichen Bergmann August Brust offener und richtiger sagen sollen. Nach dem, was wir bisher von den tapferen Kämpen gehört haben, ist sicher, daß H. morgen mit gleicher Ueberzeugung für die Zentrums, antisemitische und schließlich auch für die sozialdemokra⸗ tische Partei schreiben würde, wenn er seinen materiellen Vorteil dabei findet. Solches Verhalten bezeichnet man aber bei uns als Gesinnungslumperei! Im Uebrigen antwortet er in seinem längeren Geplärre lediglich mit Retourkutschen; drückt sich mit albernen Redensarten um die Sache, um die es sich handelte, herum und läßt den schweren Vorwurf der Lüge, den wir ihm in mehreren Fällen mit Recht gemacht und begründet haben, auf sich sitzen. Unsere Aufforderung, für seine Behauptung, daß bel dem von den Hamburger streikenden Kupferschmieden an ihre Arbeitgeber gerichteten Schreibenge werbsmäßige Hetzer mitgewirkt haben sollen, den Beweis zu erbringen, beantwortet er damit: es bedürfe gar keines Beweises, man könne daswohl annehmen! Ist eine größere Gewissenlosigkeit möglich?

Die schmutzigen Angriffe der G. N. N. auf unseren allgemein und auch bei den Gegnern geachteten Genossen Krumm haben auch unserer Partei ferne stehende Leute empört, die zufällig von den Hoppstädter'schen Schimpfereien Kenntnis erhielten. Das konnten wir mehrfach wahr⸗ nehmen. Die Entrüstung darüber wäre all⸗ gemein, wenn die G. R. N. nicht blos in wenigen Exemplaren zelesen würden. Das edle Blatt täuscht sich, wenn es glaubt, durch solche bübischen Angriffe das Ansehen unseres Genossen schädigen zukönnen. Den Arbeitern möge aber die Naturgeschichte der G. N. N. zur Warnung dienen! Aus dem Hause mit demunpartetischen Gelichter, auch wenn es eine arbeiterfreundliche Maske vorhängt!

Unser Genosse Krumm schreibt uns noch:

Unser kleiner Schweinburg in den G. N. N. leistet sich eine Glanznummer. Der Rohrspatz will nun ein Mal nicht darauf verzichten die streikenden Kupferschmiede in Hamburg Anstand zu lehren; diese Leute welche in ihrem Schreiben eine Wendung brauchten, die von fast allen Behörden angewendet wird, werden in der dreisten und großschnauzigen Art, die Gemeingut dieser Sertbenten ist, an⸗ geflegelt und mit den hübschen Kosenamen rüde Gesellen,Frechheit, Dumm⸗ heitRempeleien usw. beehrt. Wir brauchen wohl nicht 1 Au auf welcher Seite Frechheit un üpelhaftigkeit zu Hause ist, uns will bedunken, daß sich Herr Hoppstädter zum Anstandslehrer noch weniger als ein Kuhhirt eignet.

Die übrigen Mätzchen von derVerrohung der Sozialdem., dem Kampf für dieheiligsten Güter der Nation, gegen dieZersetzung und Verhetzung das Verkennen der volks⸗ freundlichen Männer vom Schlag Schwein⸗ burgs, daß es keine Paktieren mit der Soz.⸗D. geben dürfe,Vernichten der Autorität, Volksvergifter, Volksverroher dies alles über⸗ gehen wir in aller Seelenruhe. So schreiben die journalistischen Hausknechte der Scharf⸗ macher alle, ob sie in Steßen oder in Lich⸗ terfelde die Sittenveredeln! Bei seiner bildreichen Sprache braucht sich Herr Hopp⸗ städter übrigens nicht Ju wundern, daß die gebildeten Kreise des Volkes in seinem Kampfe gegen uns meistGewehr bei Fuß zu sehen; er unterschätzt das Reinlich⸗ keitsgefühl weiterer Volksschichten, die bet aller Gegnerschaft gegenüber der Soz.⸗D. sich doch bedanken unparteiischen Geschäfts⸗ leuten beim Bauernfang behilflich zu sein.

Ueber die Anpöbelungen meiner Perf verliere ich kein Wort. Von dieser Seite konn

mir keine bessere Anerkennung zu Teil werden. Es ist ehrenvoll für mich, die Zielscheibe des besonderen Hasses dieser übelduftenden

Blüte am Baume der deutschen Journalistit zu sein. Mag Herr Hoppstädter weiterflunkern für die heiligsten Güter der Nation, die Sache, die mit den Schwein burgischen Mitteln verteidigt wird, ist bei allen anständigen Leuten gerichtet, davon wird sich auch Victor Hoppstäbter noch überzeugen.

Maurerversammlung. Vor einer sehr gut besuchten Maurerversammlung, die am Mittwoch imWiener Hof stattfand, sprach Koll. Horder aus Dresden überGesellen⸗ Organisation in alter und neuer Zeit. In ruhlgen und klaren Ausführungen schilderte der Redner die Organisationsbestrebungen der Ar⸗ beiter vom Mittelalter an bis heute. Zum Schlusse betonte er die Notwendigkeit festen Zusammenschlusses aller Berufskollegen, ohne welchen eine Besserung der Lage der Lohn⸗ arbeiter nicht zu erkämpfen sei. Besuch und Stimmung der Versammlung bewies, daß die Maurer trotz der im vorigen Jahre erlittenen kleinen Schlappe treu zu ihrer Organisation halten. Das ist sehr vernünftig. Die Weiß⸗ binder sollten sich an den Maurern ein Bei⸗ spiel nehmen; wenn sie nicht ein Gleiches thun, werden sie die Folgen ihres Verhaltens recht bald sehr empfindlich zu spüren bekommen.

Wieseck.

Traurige Pfingsten mußte unser stets thätiger Genosse Dech verleben. Ihm ver⸗ starb am Pfingstsamstag seine Frau nach kurzem Krankenlager. D. war erst seit einem Jahre verheiratet, seine Frau hatte sich kaum vom Wochenbett erholt, als sie die tuͤckische Lungen⸗ krankheit niederwarf, der ste zum Opfer fiel. Das harte Geschick des braven Arbeiters er⸗ regt allgemeine Theilnahme.

Wie der Kaiser reist.

Vor einigen Tagen besuchte der Kaiser Elsaß⸗ Lothringen. Zu seinem Schutze waren, wie das gleich nach dem Bremer Vorfall an⸗ gekündigt wurde, ganz außergewöhnliche Maß⸗ 1 getroffen. Besonders streng war die Absperrung in Metz. Sämtliche in Straßburg und Mühlhausen entbehrliche Schutzmannschaft und die berittenen Gendarmen aus ganz Lothringen waren nach Metz kommandiert. Ueberall wurde innerhalb der Sadt das Publikum auf den freien Plätzen auf 4050 Meter Ent⸗ fernung zurückgehalten; die engen Straßen wurden ganz abzesperrt und stellenweis mußten Thüren und Fensterläden geschlossen bleiben. Außerhalb der Stadt ritten Dragoner⸗ abteilungen vor und hinter und teilweise neben dem kaiserlichen Wagen, und es wurde im stärksten Trab gefahren, so daß der Kaiser in der Staubwolke kaum zu erkennen war. Unter solchen Umständen zu reisen, kann kaum noch ein Vergnügen sein.

Die Ofsiztersträgödie in Mörchingen

fand am Samstag mit der Verhandlung vor dem Reichsmilitärgericht ihren gerichtlichen Ab⸗

luß. Das Kriegsgericht der 33. Division in

etz hatte bekanntlich den Oberleutnant Rüger, der nach der Feier von Kaisers Geburtstag den Hauptmann Adams erschossen hatte, zu zwölf Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere verurteilt. Das Oberkriegs⸗ gericht des 16. Armeekorps setzte die Strafe auf sechs Jahre Zuchthaus unter Aus⸗ stoßung aus dem Heere herab. Gegen das Urteil des e eee haben der Ange⸗ klagte und der Korpskommandeur General v. Häseler Revisien angemeldet, jener wegen Ablehnung der Anträge der Verteidigung auf Untersuchung 1 7 Geisteszustandes, dieser rügt, daß nicht auf Grund des§ 211 des Reichs⸗ strafgesetzbuches die Verurteilung zum Tode wegen Mordes er. ist. Nach längerer Ver⸗ handlung, die te

Oeffentlichkeit geführt wurde, wurden die An⸗ träge abgelehnt, so daß es bei der sech-*

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