Ausgabe 
2.6.1901
 
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Seite 2.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

N. 22.

noch nachher, weder in den besteuernden noch in den andern Städten, sind solche Preisbe⸗ wegungen vorgekommen. Auch verlief die Be⸗ wegung der übrigen Warenpreise, soweit über⸗ haupt eine solche in nennenswertem Maße vor⸗ handen war, in allen Städten gleichmäßig.

Da nun der fortgefallene Steuersatz nur 6,67 Pfennig bezw. 1,67 Pf. betrug, so hatten danach die Konsumenten nicht nur die volle Steuer zahlen müssen, sondern auch noch einen Aufschlag von 8,1 Proz. des Steuerbetrags bei Weizenmehl und 63,9 Proz. bei Roggenmehl. Daß dieser Aufschlag bei Roggenmehl mehr wie achtmal so groß ist als bei Weizenmehl, ist sehr beachtenswert. Das Brot der Masse konnte also um acht⸗ mal mehr verteuert werden als das der Wohlhabenden.

Es wurden allerdings Versuche gemacht, die Preise im Laufe des Jahres 1875 wieder auf die frühere Höhe zu steigern der Ver⸗ such ist aber vollständig mißlungen.

Im Gegenteil: ohne daß irgend ein anderer Grund zu entdecken wäre, als eben die Steuer⸗ aufhebung, war von Dezember 1874 bis An⸗ fang 1876 in den Städten, welche früher die Steuer besaßen, der Preis für Weizenmehl um 8,02 Pf. mehr gesunken als in den anderen Städten zur gleichen Zeit; ebenso der Preis für Roggenmehl um 3,93 Pf. mehr. Nach dieser endgiltigen Feststellung hatten alss früher die Konsumenten neben der Steuer noch einen Aufschlag von 20 Proz. bei Weizen⸗ mehl tragen müssen und von 135 Proz. bei Roggenmehl.

Die preußische Mahlsteuer hat 1879 eine hervorragende Rolle in dem Streit um die erste Einführung des Getreidezolls gespielt. Man wies damals mit großem Pathos darauf hin, daß die Aufhebung dieser Steuer auf die Bewegung der Preise ganz ohne Einfluß ge⸗ blieben sei: demnach habe sie auch keine Ver⸗ teuerung der betr. Waren herbeigeführt.

Auch heute wieder spielen die alten Ar⸗ gumente in dem Kampfe um die Getreidezölle dieselbe Rolle. Es ist daher von großer Be⸗ deutung, daß auf unwiderlegliche Weise der ziffernmäßige Beweis für die Wirkung der Lebensmittelsteuern geliefert wird. Der Kon⸗ sument trägt ausschließlich jede staat⸗ liche oder gemeindliche Belastung seiner notwendigsten Lebensmittel. Und noch mehr: er trägt auch noch den be⸗ sondern Aufschlag, den die Produzenten und Händler den Staats⸗ und Gemeinde⸗ steuern hinzuzufügen belieben.

DieVerjüngung der Armee

macht weitere Fortschritte. Vom 1. April bis zum 15. Mai wurden in der deutschen Armee pensioniert: 5 Generäle der Infanterie, Kavallerie ꝛc., 10 Generalleutnants, 14 General⸗ majore, 8 Oberste, 9 Oberstleutnants, 25 Ma⸗ jore, 26 Hauptleute, 7 Oberleutnants, 5 Leut⸗ nants. In Summa 109 Offiziere. Die Kosten 705 Offizierspenstonierungen betragen jährlich 570000 Mark. Wir haben's ja dazu.

Zur Diätenfrage

wollen mehrere Blätter wissen, daß der Bundes- rat geneigt sei, hierin nachzugeben und dem vom Reichstag angenommenen Gesetzentwurf über die Anwesenheitsgelder für Reichstags⸗ abgeordnete beizutreten. Dann sollen also die Kerls Diäten haben! Man wird das übrigens erst'mal abwarten müssen. Mit der Diätenlostgkeit glaubte man unsere Partei schädigen und sozialdemokratische Abgeordnete vom Reichstage fernhalten zu können; das ist aber gründlich mißglückt. Im Gegenteil em⸗ pfinden bürgerliche Parteien den Mangel an Diäten viel schwerer als die Sozialdemokratie.

Christliche Gewerkschafts führer.

Schweres Pech verfolgt die christliche Ge⸗ werkschaftsbewegung, von der Arbetterfeinde die Zersplitterung und damit Schädigung der meinen Arbeiterbewegung erhofften. Aus hen ⸗Gladbach wird berichtet, daß gegen de küheren Vorsitzenden des 4000 Mit-

glieder zählendenchristlichen Textilarbeiter⸗ Verbands, Tekaat, wegen dringenden Verdachtes der Unterschlagung von Verbands⸗ geldern Untersuchung eröffnet worden ist. Gleiche Vergehungen werden dem früheren Bezirksvorsteher des Rheydter Zweig⸗ vereins jenes Verbandes, Kaiser, zur Last gelegt; infolgedessen ist auch gegen ihn Unter⸗ suchung eingelegt.

Besonders bloßgestellt wird aber der Führer des Gewerkvereins christlicher Berg⸗ arbeiter, August Brust durch eine Ent⸗ hüllung derDeutsch. Berg⸗ und Hüttenarbeiter⸗ Ztg. Letztere ist das Organ desalten Verbandes, der von den Genossen Möller und Hus geleitet wird. Dieser und der christ⸗ liche Gewerkverein bekämpften sich bekanntlich bis 1899 mit ziemlicher Heftigkeit, dann aber arbeiteten sie friedlich nebeneinander und gingen in bestimmten Fällen zusammen. Obgleich nun der alte Verband und sein Organ sich redlich bemühten, im Interesse der gesamten Arbeiter⸗ schaft sich mit denChristlichen zu vertragen, wurden sie in letzter Zeit vom christlichen Ge⸗ werkverein wieder heftig angegriffen und be⸗ schimpft. Da riß nun Hus die Geduld und er zeigte den christlichen Gewerkschaftsführer Brust in seiner in der Fülle seiner christlichen Tugenden. Der erwähnte Friedensschluß war, wie Genosse Hus erzählt, dadurch zu Stande gekommen, daß Hus darauf verzichtet, den Bericht eines Prozesses zu veröffentlichen, den er mit Brust wegen gegenseitiger Beleidigungen hatte und der am 26. Juni 1899 vor dem Essener Schöffengericht stattfand. Diesen Prozeßbericht, den die Bergzarbeiterzeitung erst jetzt veröffentlicht, mußte Brust allerdings fürchten; die gerichtsnotorisch gewordenen Thaten hätten ihn moralisch vernichtet, um das zu ver⸗ hüten, ergriff er die Hand zum Frieden. In jenem Prozesse erklärte Hus zunächst, er könne sich auf einen Einigungsversuch nicht einlassen, denn es müsse endlich klargestellt werden, mit welchem Recht Brust behaupte, Hu gaunere, lüge, verleumde, habe unredliche Geschäftsführung u. dgl. m. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Brust dafür den Wahrheitsbeweis antrete, erklärte dessen Rechtsanwalt:Mein Klient (Brust) kann den Wahrheitsbeweis nicht führen!(Bewegung.) Dann fragte der Vorsitzende, ob Hus den Beweis für seine Behauptung erbringen wolle, Brust seiein moralisch verkommener Mensch. Hus bejaht. Zum Beweis wird von Zeugen u. a. vorge⸗ bracht, daß Brust in Versammlungen dem schlimmsten Alkoholgenuß sich ergab, sich unanständig benahm, ungehörige Redens⸗ arten führte usw.

Dann kam die Hauptsache. Es erklärte:

Zeuge Ströttgen: Oefter habe ich mit Brust über die Bergarbeiterbewegung gesprochen und gewann die Ueberzeugung, daß Brust das nicht öffent⸗ lich vertritt, wovon er innerlich überzeugt ist. Vor einiger Zeit war er krank und besuchte mich⸗ Da sprach ich mit ihm über den Streit zwischen den Verbänden. Brust erklärte mir, Hué sei ein ehr⸗ licher Mann! Auch die Verwaltung der Verbands⸗ gelder sei ehrlich. Als ich ihn dann zur Rede stellte, wie er denn aber dazu komme, die Verbandsleitung und Hué als Gauner, Betrüger u. s. w. hinzustellen, da antwortete mir Brust:

Das ist mein Geschäft.(11!) (Allgemeine Bewegung im Zuhörer⸗ und Zeugenraum.) Dann erzählte der Zeuge weiter, daß Brust ihm gegenüber gelegentlich zugab, daß die Sozialdemokratie Recht habe! Und auf den Einwand von Brust's Verteidiger, daß Brust damit wohl nur einen Spezialfall ge⸗ meint habe, blieb Ströttgen bei seiner Aus⸗ sage, daß Brust von der Sozialdemokratie all⸗ gemein sprach und fügte hinzu, er(Str.) habe die Ueberzeugung, daß Brust das Gegenteil von dem denkt, was er thut. Brust vermochte die Bekundungen dieses von ihm selbst als wahrheitsliebenden Mann bezeichneten Zeugen in keiner Weiie zu erschüttern.

So steht ein christlicher Gewerkschafts⸗ führer aus! Solche Leute braucht das Unter⸗ nehmer⸗ und Pfaffentum, um in die Reihen der Arbeiterschaft Uneinigkeit zu tragen und so im Trüben zu fischen. Vor nicht langer Zeit

wurde Brust von agrarischer und antisemitischer

Seite den übrigen, den Brotwucher bekämpfenden 3

Arbeitern als Musterknabe vorgestellt, weil er für Erhöhung der Getreidezölle eingetreten war. Auf diesen Bundesgenossen braucht dienot⸗ 8 0 Land wirtschaft wirklich nicht stolz zu ein.

Eine Ersatzwahl zum Reichstage

fand vorige Woche in dem pommerschen Kreise Grimmen⸗ Greifswald an Stelle des ver⸗ storbenen konservativen Abg. v. Bismarck⸗Bohlen statt. Dabei erhielt der kenservative Kandidat Landrat v. Behr 7419, der Frei⸗ sinnige Gothein 6142 und der Sozial⸗ demokrat Knappe 1828 Stimmen. Der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen um ca. 700 seit der 98er Wahl, so sehr er zu bedauern ist, erklärt sich wohl aus der That⸗ sache, daß die Wähler von vornherein die

eigentliche Entscheidung zwischen den Agrariern

und den liberalen Anti⸗Agrariern herbeiführen wollten. Vom allgemeinen politischen Stand⸗ punkt ist das Wahlergebnis dennoch zu begrüßen. Denn trotz lebhaftester Wahlbeeinflussungen, trotz der Kandidatur des im Kreise amtierenden und persönlich beliebten Landrats haben in dem stark agrarischen Wahlkreise die agrarisch⸗ konservativen Stimmen um 1000 abge⸗ nommen, dagegen ist die Zahl der Wähler, welche eine agrarische Zoll⸗ und Brod⸗ wucherpolitik ablehnen, erheblich ge⸗ stiegen. In der am Mittwoch stattgefundenen Stichwahl siegte der Freisinnige Gothein mit mehr als 2000 Stimmen Mehr⸗ heit. Zwar fehlen im Augenblick, wo wir dies schreiben, noch 78 Orte, diese werden jedoch an dem Resultat nicht mehr viel ändern. Dieser Ausgang ist erfreulich; ein Agrarier weniger im Reichstage!

Auch in dem ostpreußischen Wahlkreise Memel ⸗Heydekrug muß demnächst eine Ersatz⸗ wahl stattfirden. Von unserer Partei ist Ge⸗ nosse Otto Braun in Königsberg als Kandi⸗ dat aufgestellt. Der Kreis ist für die Partei durchaus nicht aussichtslos. In der Hauptwahl 1898 erhielt unser Kandidat 3015, die frei⸗ sinnige Volkspartei 3226, der Littauer 3504 und der Konservative 5557; in der Stichwahl siegte der littauische Kandidat mit 7818 gegen 6456 Stimmen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diesmal der Sozialdemokrat in die Stich⸗ wahl kommt.

Gut entwickelte Konsumgenossenschaft.

Der Breslauer Konsumverein, der größte in Deutschland, hat in seinem verflossenen 35. Geschäftsjahre bei 76,548 Mitgliedern einen Umsatz von 12,474,168 Mk. zu verzeichnen ge⸗ habt, der Durchschnittsumsatz betrug demnach 163 Mk. Im vorigen Jahre hatte der Verein bei 76,762 Mitgliedern einen Umsatz von 11,345,560 Mk. Der Bruttogewinn betrug 2,146,746 Mk. Nach Abzug der Unkosten und der Abschreibungen im Betrage von 560,401 Mk. bleibt ein Reingewinn von 1,586,395 Mark. Zur Verteilung gelangen 11⅛ Prozent Divi⸗

dende. Ausland.

Die ungarische Sozialdemokratie

hielt an beiden Pfingsttagen ihren Parteitag in Budapest ab. Er war von 400 Dele⸗ gierten besucht und verlief im Gegensatz zu dem im vorigen Jahre in voller Ruhe. Beschlossen wurde, für die bevorstehenden Reichsratswahlen eine lebhaftere Agitation zu entfalten und in allen Wahlbezirken Kandidaten aufzustellen.

Der Kongreß der franz. Sozialisten

wurde am ersten Pfingsttage in Lyon eröffnet. Alle sozialistischen Gruppen, mit Ausnahme der Guesdisten, waren vertreten. Die Zahl der Delegierten beträgt über 400. Zum Präsidenten wurde Augagneur, der Bürgermeister von Lyon, gewählt. Heftige Debatten verursachten die

Anträge, welche die Ausschließung des Handelsministers Millerand aus der Partei bezweckten. Diese Auträge wurden abgelehnt.

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