Ausgabe 
30.7.1899
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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Anterhaltungs⸗Teil. Ermanne Dich!

Mutig aufwärts zu den Sternen

Mußt Du schauen und verlernen,

Wie man scheu sich duckt und schmiegt; Wenn sie noch so arg Dich zwacken, Trage dennoch steif den Nacken!

Nur wer selbstbewußt ist, siegt!

Seige mahnend dem Jahrhundert Mit der Neunzehn, wie verplundert Und verlumpt ist seine Pracht,

's ist genug des Irrewandelns, Endlich naht die Seit des Handelns, Endlich Tag nach langer Nacht.

Krieg den zagen Leisetretern,

Die im stillen Stübchen zetern, Sog die Fesseln man zu stramm! Fort die Ketten von den Händen! Endlich muß die Fabel enden Von dem Wolfe und dem Lamm.

Einmal mußt Du Dich ermannen Und die argen Geister bannen,

Die das Leben Dir vergällt;

Mit des Geistes scharfen Waffen Mußt Du Licht und Freiheit schaffen Endlich der bedrängten Welt. Endlich ist der Ruf erschollen,

Der wie ferner Wetter Grollen Mahnend durch die Lande strich, Schlachtenschwanger sind die Seiten, Wappne Dich zu heißem Streiten, Deutsches Volk, ermanne Dich!

Michael Kohlhaas.

Historische Erzählung von H. von Kleist. (3. Fortsetzung.)

Der Amtmann, der den Kaufcontract noch einmal überlas, und darin auch von seiner Seite auf eine sonderbare Art die Freiheit stipuliert fand zurückzutreten, sagte schon halb entschlossen: daß er ja die Gestütpferde, die in seinen Ställen waren, nicht brauchen könne; doch da Kohlhaas erwiderte, daß er die Pferde auch gar nicht loszuschlagen willens sei, und daß er auch einige Waffen, die in der Rüstkammer hingen, für sich behalten wolle, so zögerte jener noch und zögerte, und widerholte endlich ein Gebot, das er ihm vor kurzem schon einmal, halb im Scherz halb im Ernst, nichtswürdig gegen den Wert der Besitzung, auf einem Spaziergange gemacht hatte. Kohlhaas schob ihm Tinte und Feder hin um zu schreiben; und der Amtmann der seinen Sinnen nicht traute, ihn noch einmal gefragt hatte, ob es sein Ernst sei? und der Roßkamm ihm ein wenig empfindlich geantwortet hatte: ob er glaube, daß er bloß seinen Scherz mit ihm treibe? so nahm jener zwar mit einem bedenklichen Gesicht die Feder und schrieb; da⸗ gegen durchstrich er den Punkt, in welchem von der Leistung, falls den Verkäufer der Handel gereuen sollte, die Rede war; veapflichtete sich zu einem Darlehn von 100 Goldgülden, auf die Hypothek des Dresdenschen Grundstücks, das er auf keine Weise käuflich an sich zu bringen wollte, und ließ ihm binnen zwei Monaten völlige Freiheit, von dem Handel wieder zurück⸗ zutreten. Der Roßkamm, von diesem Verfahren gerührt, schüttelte ihm mit vieler Herzlichkeit die Hand und nachdem sie noch, welches eine Hauptbedingung war, übereingekommen waren, daß des Kaufpreises vierter Theil unfehlbar gleich baar, und der Rest in drei Monaten in der Hamburger Bank gezahlt werden sollte, wief jener nach Wein, um sich eines so glücklich abgemachten Geschäfts zu erfreuen. Er sagte einer Magd, die mit den Flaschen hereintrat, Sternbald der Knecht solle ihm den Fuchs satteln; er müsse, gab er an, nach der Haupt⸗ stadt reiten, wo er Verrichtungen habe; und gab zu verstehen, daß er in Kurzem, wenn er zurück⸗ kehre, sich offenherziger über das was er jetzt noch für sich behalten müsse, auslassen würde.

Hierauf, indem er die Gläser einschenkte, fragte

er nach den Polen und Türken, die gerade damals mit einander im Streit lagen; verwickelte den Amtmann in mancherlei politische Conjecturen darüber; trank ihm schließlich hierauf noch ein⸗ 112 das Gedeihen ihres Geschäfts und entließ 1 n. 7

Als der Amtmann das Zimmer verlassen hatte, fiel Lisbeth auf den Knieen vor ihm nieder. Wenn du mich irgend, rief sie, mich und die Kinder, die ich dir geboren habe, in deinem Herzen trägst; wenn wir nicht im Vor⸗ aus schon, um welcher Ursache willen weiß ich nicht, verstoßen sind: so sage mir, was diese entsetzlichen Anstalten zu bedeuten haben! Kohl⸗ haas sagte: liebes Weib, nicht das ich dich noch, so wie die Sachen stehn, beunruhigen dürfte. Ich habe eine Resolution erhalten, in welcher man mir sagt, daß meine Klage gegen den Junker Wenzel von Tronka eine nichtsnutzige Stänkerei sei. Und weil hier ein Mißverständniß obwalten muß: so habe ich mich entschlossen, meine Klage noch einmal persönlich bei dem Landesherrn selbst einzureichen. Warum willst du dein Haus verkaufen? rief sie, indem sie mit einer verstörten Geberde aufstand. Der Roßkamm, indem er sie sanft an seine Brust drückte, erwiderte: weil ich in einem Lande, liebste Lisbeh, in welchem man mich in meinen Rechten nicht schützen will, nicht bleiben mag. Lieber ein Hund sein, wenn ich von Füßen ge⸗ treten werden soll, als ein Mensch! Ich bin gewiß, daß meine Frau hierin so denkt als ich. Woher weißt du, fragte jene mild, daß man dich in deinen Rechten nicht stützen wird? Wenn du dem Herrn bescheiden, wie es dir zukommt, mit deiner Bittschrift nahst: woher weißt du, daß sie bei Seite geworfen, oder mit Verweigerung dich zu hören beantwortet werden wird? Wohlan, antwortete Kohlhaas, wenn meine Furcht hierhin unbegründet ist, so ist mein Haus noch nicht berkauft. Der Herr selbst, weiß ich, ist gerecht; und wenn es mir nur ge⸗ lingt, durch die, die ihn umringen, bis an seine Person zu kommen, so zweifle ich nicht, ich ver⸗ schaffe mir Recht und kehre fröhlich noch ehe die Woche verstreicht zu dir und meinen alten Geschäften zurück. Möcht' ich alsdann noch, setzt er hinzu, indem er sie küßte, bis an das Ende meines Lebens bei dir verharren! Doch ratsam ist es, fuhr er fort, daß ich mich auf jeden Fall gefaßt mache; und daher wünschte ich, daß du dich auf einige Zeit, wenn es sein kann, entferntest, und mit den Kindern zu deiner Muhme nach Schwerin ginst, die du überdies längst hast besuchen wollen. Wie? rief die Hausfrau, ich soll nach Schwerin gehen? Ueber die Grenze mit den Kindern zu meiner Muhme nach Schwerin? Und das Entsetzen erstickte ihre Sprache. Allerdings, antwortete Kohlhaas, und das wenn es sein kann gleich, damit ich in den Schritten, die ich für meine Sache thun will, durch keine Rücksichten gestört werde O! ich verstehe dich! rief sie.Du brauchest jetzt nichts mehr, als Waffen und Pferde; alles Andre kann nehmen wer will! Und damit wandte sie sich, warf sich auf einen Sessel nieder und weinte.

Kohlhaas sagte betroffen: liebste Lisbeth, was machst du? Gott hat mich mit Weib und Kindern und Gütern gesegnet; soll ich heute zum erstenmal wünschen, daß es anders wäre? W Er setzte sich zu ihr, die ihm bei diesen Worten errötend um den Hals gefallen war, freundlich nieder. Sag' mir an, sprach er, indem er ihr die Locken von der Stirne strich: was soll ich thun? Soll ich meine Sache aufgeben? Soll ich nach der Tronkenburg gehen und den Ritter bitten, daß er mir die Pferde wiedergebe, mich aufschwingen und sie dir her⸗ reiten? Lisbeth wagte nicht: ja! ja! ja! zu sagen sie schüttelte weinend mit dem Kopf, sie drückte ihn heftig an sich und überdeckte mit heißen Küssen seine Brust.Nun also! rief Kohlhaas.Wenn du fühlst, daß mir, falls ich mein Gewerbe forttreiben soll, Recht werden muß, so gönne mir auch die Freiheit, die mir nötig ist, es mir zu verschaffen! Und damit stand er auf und sagte dem Knecht, der ihm meldete, daß der Fuchs gesattelt stünde, morgen

müßten auch die Braunen eingeschirrt werden, i um seine Frau nach Schwerin zu führen.

Lisbeth sagte: sie habe einen Einfall! Sie er⸗ hob sich, wischte sich die Thränen aus den Augen und fragte ihn, der sich an einem Pult nieder⸗ gesetzt hatte: ob er ihr die Bittschrift geben und sie statt seiner nach Berlin gehen lassen wolle, um sie dem Landesherrn zu überreichen. Kohl⸗ haas von dieser Wendung um mehr als einer Ursache willen gerührt, zog sie auf seinen Schooß nieder und sprach: liebste Frau, das ist nicht wohl möglich! Der Landesherr ist vielfach um⸗ ringt, mancherlei Verdrießlichkeiten ist der aus⸗ gesetzt der ihm naht. Lisbeth versetzte, daß es in tausend Fällen einer Frau leichter sei als einem Mann, ihm zu nahen. Gib mir die Bittschrift, wiederholte sie; und wenn du weiter nichts willst, als sie in seinen Händen wissen, so verbürge ich mich dafür; er soll sie bekommen! Kohlhaas, der von ihrem Mut sowohl als ihrer Klugheit mancherlei Proben hatte, fragte, wie sie es denn anzustellen gedenke; worauf sie, in⸗ dem sie verschämt vor sich niedersah, erwiderte: daß der Castellan des kurfürstlichen Schlosses in früheren Zeiten, da er zu Schwerin in Diensten gestanden, um sie geworben habe; daß derselbe zwar jetzt verheiratet sei und mehrere Kinder habe; daß sie aber immer noch nicht ganz ver⸗ gessen wäre; und kurz, daß er es ihr nur überlassen möchte, aus diesem und manchem andern Umstand, der zu beschreiben zu weit⸗ läufig wäre, Vorteil zu ziehen. Kohlhaas küßte sie mit vieler Freude, sagte, daß er ihren Vor⸗ schlag annehme, belehrte sie, daß es weiter nichts bedürfe, als eine Wohnung bei der Frau

desselben, um den Landesherrn im Schlosse

selbst anzutreten, gab ihr die Bittschrift, ließ die Braunen anspannen und schickte sie mit Sternbald, seinem treuen Knecht, wohl ein⸗ gepackt ab.

Diese Reise war aber von allen erfolglosen Schritten, die er in seiner Sache gethan hatte, der allerunglücklichste. Denn schon nach wenig Tagen zog Sternbald in den Hof wieder ein, Schritt vor Schritt den Wagen führend, in welchem die Frau mit einer gefährlichen Quetschung an der Brust ausgestreckt darniederlag. Kohlhaas, der bleich an das Fuhrwerk trat, konnte nichts zusammenhängendes über das, was dieses Unglück verursacht hatte, erfahren. Der Castellan war, wie der Knecht sagte, nicht zu Hause gewesen; man war also genötigt worden, in einem Wirtshause, das in der Nähe des Schlosses lag, abzusteigen; dies Wirtshaus hatte Lisbeth am andern Morgen verlassen und dem Knecht befohlen, bei den Pferden zurückzu⸗ bleiben; und eher nicht, als am Abend, sei sie in diesem Zustand zurückgekommen. Es schien, sie hatte sich zu dreist an die Person des Landes⸗ herrn vorgedrängt und ohne Verschulden des⸗ selben von dem bloßen rohen Eifer einer Wache, die ihn umringte, einen Stoß mit dem Schaft einer Lanze vor die Brust erhalten. Wenigstens berichteten die Leute so, die sie in bewußtlosem Zustand gegen Abend in den Gasthof brachten; denn sie selbst konnte, von aus dem Mund vor⸗ quellendem Blute gehindert, wenig sprechen. Die Bittschrift war ihr nachher durch einen Ritter abgenommen worden. Sternbald sagte, daß es sein Wille gewesen sei, sich gleich auf ein Pferd zu setzen, und ihm von diesem un⸗ glücklichen Vorfall Nachricht zu geben; doch sie habe trotz der Vorstellung des herbeigerufenen Wundarztes darauf bestanden, ohne alle vor⸗ gängige Benachrichtigungen zu ihrem Manne nach Kohlhaasenbrück abgeführt zu werden. Kohlhaas brachte sie, die von der Reise völlig zu Grunde gerichtet worden war, in ein Bett, wo sie unter schmerzhaften Bemühungen, Atem zu holen, noch einige Tage lebte.

Man versuchte vergebens, ihr das Bewußt⸗

sein wieder zu geben, um über das was vorge⸗ fallen war einige Aufschlüsse zu erhalten; sie lag mit starrem schon gebrochnen Auge da und antwortete nicht. Nur kurz vor ihrem Tode kehrte ihr noch einmal die Besinnung wieder.

Denn da ein Geistlicher lutherischer Religion

(zu welchem eben damals aufkeimenden Glauben sie sich nach dem Beispiel ihres Mannes bekannt hatte) neben ihrem Bette stand, und ihr mit

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