Seite 4.
7
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Die Polizei muß, wenn nötig, Jedermann schützen, aber die Fremden eigens auf der Bahn in Empfang nehmen, in ein städtisches Anwesen zu schaffen, sie dort unterzu⸗ bringen, das war ein Fehler; es war eine Parteinahme zu Gunsten der Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer.
Die Aufgabe der Polizei ist nicht das Niederwerfen allein, sie muß auch vorzubeugen und abzuleiten ver⸗ stehen. Damit hat es in Augsburg sehr gefehlt. Tausende von Arbeitern mußten die kritische Straße passieren, wenn sie abends aus den Fabriken kamen. Wer wundert sich, daß da Ansammlungen entstanden? Es waren Ansammlungen der Neugierigen. Hinter den Ansammlungen skandalierte dann das Gesindel, die jungen Burschen, die Louis, die Weibsbilder der Vorstadt. Das war der Kern der Tumultuanten.... Das Eingreifen der Polizei litt auch unter einer Voreingenommenheit. „Das sind die Sozialdemokraten!“ und„da haben wir sie einmal.“ Einflußreiche Leute sagten:„Nun muß man es ihnen einmal zeigen.“ Das ist thöricht. Man sollte doch einmal lernen, wie man die Soizial⸗ demokratie richtig auffassen muß. Die Sozialdemo⸗ kratie hatte auch gar nichts mit den Tumulten zu thun, die Arbeiterorganisationen eben⸗ falls nicht. Ja, wenn man aus den Tumulten etwas lernen möchte, so müßte es das sein, daß die un organi⸗ sierten Massen die Gefahr sind und or ganisierte Arbeiter am leichtesten in Ordnung bleiben, jedenfalls rasch zum Guten dirigiert werden können. Für die Wahrheit dieser Behauptung haben wir großartige Bei⸗ spiele zu München...“
Auch die„Augsburger Abendzeitung“, das Regierungsblatt giebt ausdrücklich zu, daß die Lärmmacher nicht streikende Maurer waren, sondern hauptsächlich grüne Burschen; um aber doch Zuchthausgesetzmaterial zu ge— winnen, phantasiert sie von einem bestimmten Plane, nach dem lichtscheue Elemente vorgeschickt worden wären! Das Schauermärchen ist zu plump, als daß es Glauben finden könnte.
Am schneidigsten ist natürlich der Ober⸗ schleifstein, das Stummorgan„Post“. Durch die Thatsache, daß gar kein Maurer an den Krawallen beteiligt ist, in die Enge getrieben, stammelt das Organ Stumms:„Ob nun die Mauerer selbst gewaltsam die Italiener an der Arbeit verhindern wollten oder ob es andere für sie thaten, das bleibt sich ziemlich gleich“. Bum! Geköpft müssen sie werden— genau, wie im Reich der Mitte der Anverwandte eines Verbrechers um einen Kopf kürzer gemacht wird, wenn man diesen selbst nicht erwischt.
Von Uah und Fern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen
Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗
haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle
zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Eine Warnung ·
* Schon wiederholt haben wir davor ge⸗ warnt, sich wertlose Bücher usw. aufschwatzen zu lassen und Bestellzettel zu unterschreiben, die zur Abnahme solcher Sachen verpflichten. Die meisten derartigen Bücher— Mayers Lexikon, Brockhaus' Lexikon, Neues deutsches Rechtsbuch und dergl.— sind für den Arbeiter völlig wertlos oder haben für ihn kaum den zehnten Teil des Wertes, den in Raten zu zahlen er sich verpflichtet. Häufig treten Klagen Solcher an uns heran, die von dem Vertrage wieder zurücktreten wollen, weil ihnen der Agent mündlich ungehaltene Versprechungen gemacht hat oder weil sie eingesehen haben, daß die Bücher für sie wertlos sind. Leider läßt sich in allen sochen Fällen nachher kein anderer Rat geben, als zu zahlen. Denn der schriftliche Ver⸗ trag ist gültig, die mündliche Abrede gleichgültig oder wenigstens sehr selten zu beweisen. Wir wiederholen ausdrücklich die Warnung: irgend etwas zu unterschreiben, dessen Tragweite einem nicht vollkommen klar ist und keinerlei Wert auf nur mündliche Versprechungen zu legen.— Ebenso vorsichtig wie bei Ankäufen auf Ratenzahlung, set man beim Abschluß von Lebensversicherungen. Es erscheint oft leicht Verpflichtungen einzugehen, wird aber häufig unmöglich, sie auch zu erfüllen.
Wer macht in Hessen die Gesetze?
Unser Offenbacher Parteiorgan schreibt: Auf dem Parteitag der hessischen Antisemiten, der vor nicht langer Zeit in Frankfurt stattfand,
äußerte der Abg. Köhler:„Der Ulrich und der David machen in Hessen die Gesetze.“ Natürlich ist dieser Ausspruch, wie so vieles, was aus der Köhler'schen Geisteswerkstatt stammt, reiner Unsinn. Würden die obengenannten Ge⸗ nossen wirklich die Gesetze in Hessen machen, dann würden dieselben ein anderes Gepräge tragen. Richtig aber ist, daß diejenigen ge⸗ setzlichen Bestimmungen, die zum Vorteil der besitzlosen Volksklassen ausschlagen, einzig und allein der Initiative der sozial⸗ demokratischen Abgeordneten zu danken sind und daß ferner unsere Genossen in der hessischen Kammer allein den Mut besitzen, Miß⸗ ständen und Mißbräuchen entgegen zu treten. Letzteres wird jetzt anläßlich der Fälle Schiller, Küchler, Dettweiler ꝛc. selbst von der bürger⸗ lichen Presse zugestanden. So schreibt z. B. die Frankfurter Kl. Presse:„Noch kurz vor Thores— schluß hat infolge der Initiative der Sozialdemo⸗ kratie die hessische zweite Kammer sich mit dem neuesten der verschiedenen Fälle beschäftigt, die in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit weitester Kreise in so unliebsamer Weise auf unseren hessischen Nachbarstaat gezogen haben. Wenn die übrigen Parteien auch in diesem Falle wieder die Sozialdemokraten haben vorangehen lassen, so ist das in der hessischen Kammer längst nichts Neues mehr, die nicht⸗ sozialdemokratischen Parteien können sich schließ— lich denn auch gar nicht mehr wundern, geschweige denn darüber beklagen, wenn das Wort:„Der Ulrich und der David machen in Hessen die Gesetze“ in immer weiteren Kreisen Anklang findet, wenn die sozialdemokratische Fraktion immer mehr Leuten als die allgemeine Nothelferin und als die einzige erscheint, die noch den Mut und die Energie habe, gegen Mißstände und Mißbräuche, seien sie auch so schwerer Art, wie sie in den Affären Soldan⸗ Dettweiler, Küchler, Wolff und schließlich Schiller zu Tage getreten sind, das gebührende kräftige Wort zu finden. Und wenn nun gar die nicht⸗ sozialdemokratischen Parteien eine so schwächliche Haltung gegenüber der Regierung einnehmen, wie dies nicht nur die Nationalliberalen, sondern auch zu unserer Verwunderung durch den Mainzer Abg. Dr. Schmitt das Zentrum gethan, dann muß in den Augen der Massen der Bevölkerung die Gloriole der Sozialdemokratie als einziger treuen Wächterin und Hüterin der Volksinteressen erst recht hell er— strahlen, und es ist nicht erst nötig, zu sagen, welches die Folgen hiervon z. B. bei Wahlen sein müssen.“— Die sozialdemokratischen Abge⸗ ordneten der Zweiten Kammer können mit diesem Urteil eines bürgerlichen Blattes über ihre Thätigkeit wohl zufrieden sein.
Hergabe von Medikamenten.
* Am 9. August tritt in Hessen hinsichtlich der Haftverbindlichkeit der Gemeinden in Bezug auf nicht bezahlte Arzneirechnungen ein neues Gesetz in Kraft. Nach demselben dürfen Apotheker die Abgabe der von einem approbirten Arzte schriftlich verordneten Arznei⸗ mittel an im Großherzogthum wohnende Per⸗ sonen auch dann nicht verweigern, wenn die Bezahlung nicht sogleich erfolgt. Für Ge⸗ meinden mit geordneter Armenpflege kann diese Bestimmung durch das Ministerium außer Kraft gesetzt werden. Zahlt der Schuldner nicht, so sind die Apotheker berechtigt, die Tilgung der Schuld von der Gemeinde, in welcher derselbe den Unterstützungswohnsitz hat, und beim Fehlen eines solchen von der Gemeinde des Wohnorts nach Abzug des gesetzlichen Rabatts zu verlangen, falls sie binnen 6 Monaten nach Abgabe der Arznei den Anspruch bei der Gemeinde ange⸗ meldet und innerhalb eines Jahres die Zwangs⸗ vollstreckung gegen den Schuldner erfolglos ver⸗ sucht haben. Soweit die Gemeinde den Apotheker befriedigt, geht sein Anspruch auf die Gemeinde über. Die Gemeinde des Wohnorts kann den Ersatz der Hälfte der Auslagen aus der Kreis— kasse begehren, wenn der Arznei-Empfänger im Großherzogtum nicht unterstützungswohnsitzbe⸗ rechtigt ist. Durch die mitgeteilten Bestim⸗
mungen ist das nicht mehr zeitgemäße Gesetz vom 30. Oktober 1860 beseitigt.
Nr.
Aus Wieseck.
L.(Verspätet.) Am Sonntg, den 16. d. Mts. feierte der Gesangverein„Sängerkranz“ sein 3jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Fahnen⸗ weihe. Programmgemäß verlief die Feier in schönster Weise. Nach der Begrüßung der hiesigen und auswärtigen Vereine bewegte sich gegen ½2 Uhr der große Festzug durch den Ort. Angekommen im großen Garten des„Gambri⸗ nus“ wurde die blau⸗weiße, mit Goldborde eingefaßte Fahne, von Frauen und Jungfrauen estiftet, dem Präsidenten überreicht. Die die ahne überreichende Jungfrau hob die Einigkeit des Vereins hervor, und gab der Hoffnung Aus⸗ druck, daß die Mitglieder auf ein ferneres Blühen und Gedeihen des Gesangvereins Sängerkranz bedacht sein möchten. Der Präsident dankte für die Fahne, und brachte ein dreifaches Hoch auf die Frauen und Jungfrauen aus, die die Fahne gestiftet haben. Sodann erhielt der Festredner das Wort. Derselbe hieß die hiesigen und aus⸗ wärtigen Vereine, welche durch ihre Teilnahme das Fest verschönten, herzlich willkommen und forderte sie auf, treu zu halten zum deutschen Lied und Gesang. Mit einem kräftigen Hoch auf die Festteilnehmer schloß die markige Rede. Es folgten dann Gesang und Tanz. Abends 10% Uhr wurde Feuerwerk abgebrannt. Viel zu schnell verlief die schöne Feier; sie wird allen Teilnehmern im guten Gedächtnis bleiben. Dem Gesangverein Sängerkranz wünschen wir kräfti⸗ ges Blühen und Gedeihen.
Aus dem Krels Wetzlar.
* Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, spricht am Sonntag in Krofdorf und Naunheim der Reichstagsabgeordnete E. Fischer aus Dresden. Wir erwarten, daß die beiden Versammlungen gut besucht werden.
Aus dem Fulderland.
Wie schlimm es im„Fulderland“ noch mit dem religiösen Aberglauben bestellt ist, dafür ist folgendes Vorkommnis ein sprechender Be⸗ weis: Am Samstag waren ca. 1000 Personen aus Fulda und den umliegenden Ortschaften bis Mitternacht im Distrikt„Winterlinde“ der Oberförsterei Großenlüder, um auf die Erschei⸗ nung der Mutter Gottes zu warten. Es war umsoust, denn Alle haben nichts gesehen; nur das eine Seherkind will wieder eine Vision ge⸗ habt haben. Die Geschichte hat folgende Be⸗ wandtnis: Das 11jährige Mädchen des Bürgers Schreiner von Unterbimbach, Kreis Fulda, er⸗ zählte, daß ihm in einer Schneise des genannten Waldbezirkes die heilige Maria lichtumflossen erschienen sei. Man machte sich sofort daran, den heiligen Wunderplatz im Quadrat von 10 Metern abzusperren und ihn mit Blumen und Kränzen einzufassen. Täglich ist seitdem dieser Schauplatz in der Waldeinsamkeit das Ziel un⸗ zähliger gläubiger und ungläubiger Neugieriger. Im Volksglauben heißt es, daß übernatürliche Erscheinungen zwischen 11 und 12 Uhr und noch dazu an dem der Mutter Gottes geweihten Samstag sich einzustellen pflegen. Die sams⸗ tägige, befonders starke Versammlung im düsteren Walde am Wunderorte betete und sang mehrere Stunden zu Ehren der Himmelskönigin und sprach Litaneien. Dem Seherkinde ist angeblich wieder besondere Gnade zu Teil geworden, jedoch 999 von Tausend haben vergeblich auf die himmlische Erscheinung gewartet.
Aus dem Westerwald. „Die Belehrung des Bürgermeisters. In einem Orte im tiefen Westerwald sollte, so er⸗ zählt die Tägliche Rundschau, ein Krieger⸗ fest abgehalten werden, es mußte aber wegen des schlechten Wetters verschoben werden. Als am nächsten Sonntag die von auswärts ge⸗ ladenen Vereine wiederkamen, prangte am Eln⸗ gang zum Festraum eine bürgermeisterliche Be⸗ kanntmachung, die folgenden Wortlaut hatte: Bekanntmachung.
Aus Anlaß der am vorigen Sonntag vorgekommenen Streitigkeiten wird das folgende zur Warnung und Be⸗ lehrung hergesetzt: Streitigkeiten und insbesondere wenn solche in Thätlichkeiten ausarten, werden meinerseits un⸗ nachsichtlich der Polizei, unter Umständen dem Staats⸗ anwalt unterbreitet werden. Zur Belehrung diene folgendes: Bei einem spanischen Stiergefecht, wo zwei
*
a0 Sluere
9
Nr
ganpf 0 ng nicht ˖5
80
Dies ereinel nacht f die K
Wen iber 15 werden, Kinder darüber;
Page
eraftt. der
stt die
den Kin 1 bieten die Unke wollen! sehr wes Stei ehr G1 und die bakterien Lemper ankma lichen kufen. genüg gewöhn den Ta und sie Mahlze die au und si man (krank. zum s wärme lich, je erst u sie den kühl au sonst de lahmt Saube Was die und La liel w Gale, Iugarw 0 ö sebling borsteher bögleich nan di dee heiß Zur
Alle kohun! Aagendli in,
rige gitti *r dor u ibl Ib. pu kegistrie er bf durden, kae be Marne fen r ges b eli 55


