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Nr. 44.
Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 8.
— Uns sollte eine Reichstagsauflösung sehr willkommen sein. die Zuchthaus vorlage läßt sich für uns
Eine bessere Wahlparole als
nicht denken. Also nur zu, wenn's beliebt!
Bevorstehende Reichstagsnenuwahl.
Vom Reichstagsbureau hat der bisherige Reichstagsabg. des 9. badischen Wahlkreises (Pforzheim), der Parteigenosse Agster die Zustellung erhalten, daß sein Mandat erloschen ist. Die Neuwahl wird wahrscheinlich noch in diesem Jahre stattfinden. Agster ist im vorigen Jahre mit 13754 gegen 10 567 Stimmen ge⸗ wählt worden, die auf den früheren nat. lib. Abgeordneten Frank fielen.
Bekanntlch ist Agster geisteskrank ge⸗ worden, was indessen den Verlust des Mandats nicht nach sich gezogen hätte. Da er aber auch infolge seiner Krankheit in Konkurs geriet, ging er seines Mandats verlustig.
Der erste Hecht.
Die nationalliberale„Kölnische Zeitung“ läßt sich aus Oldenburg schreiben:
„Bei den im ganzen Herzogtum vollzogenen Landtagswahlen ist nun zum ersten⸗ male ein Sozialdemokrat, Buchdruckereibesitzer Paul Hug in Bant, als Abgeordneter gewählt worden. Das ist nun kein großes Unglück, denn Paul Hug wird die Rolle des Hechts— im Karpfenteich spielen und etwas Leben in den oldenburgischen Landtag bringen.“
Solche Rede ist man von dem rheinischen Scharfmacherblatt zu hören nicht gewohnt. Warum sollen die Hechte nur im oldenburgischen Landtag von Nutzen sein?—
Die Zuchthausvorlage.
In der bayrischen Kammer haben die Ver— handlungen über die Zuchthausvorlage stattgefunden. Eine von unseren Genossen eingebrachte Inter— pellation hatte folgenden Wortlaut:
Aus welchen Gründen hat die Staats-Re— gierung im Bundesrat dem„Entwurfe eines Gesetzes zum Schutz des gewerblichen Arbeits— verhältnisses“ ihre Zustimmung erteilt?
Unsere Genossen Oertel und Segitz zer— zausten die Zuchthausvorlage, daß der baherischen Regierung Angst und Bauge wurde. Die Re— gierung wollte glauben machen, daß die Zucht— hausvorlage das Koalitionsrecht unangetastet lasse. Auch diese Verhandlungen in der baherischen Kammer ließen erkennen, daß die Arbeiter alle Ursache haben, unermüdlich gegen das neue Aus— nahmegesetz Front zu machen.
Nieder mit den Bassermännern!
das ist die Parole der nationalliberalen Scharf— macher. Die„Hamb. Nachr.“ fordern, daß sich die Nationalliberale Partei aufs Schleunigste des Abg. Bassermann als Führer entledigt, der der „absichtlichen Begünstigung der Sozialdemokratie verdächtig“ erscheint. Die„Berl. Börsenztg.“ hört von zuständiger Seite, daß beim Wiederzu— sammentritt des Reichstags sich die reinliche Schei— dung zwischen den Anhängern Bassermanns und Denjenigen, welche den bisherigen Grundprinzipien der Nationalliberalen treu bleiben wollen, alsbald wird vollziehen müssen. Bassermann werde einige Wenige mit sich„in die Wildheit“ hinüberziehen und später würden seine Wähler das euntscheidende Wort sprechen müssen. Die Ausbeuter wollen den Trumpf behalten in der Fraktion Drehscheibe.
Schutz vor Schutzleuten.
Die Thorner Strafkammer verurteilte am 17. Oktober den Polizeiserganten Paul Pache von Thorn wegen Körperverletzung im Amte zu einem Monat Gefängnis. Derselbe hat einen Arrestanten in der Wachstube so gestoßen, daß dieser auf eine Bank fiel, und am Halse ge⸗ soß. so daß Blut aus dem Munde
*
Schlimme Klagelieder.
In der„Antisemit. Korrespondenz“ vom 12. Oktober wird bitter darüber geklagt, daß der Jugend das Interesse am Antisemitismus abhanden gekommen ist.— Nicht nur der
Jugend, sondern auch den Erwachsenen, hätte
die„Antis. Korresp.“ schreiben sollen. All⸗ mählich kommen nämlich auch die Rückständigsten hinter den antisemitischen Schwindel und wenden sich von einer Partei ab, deren Agtltation sich auf Lug und Trug aufbaut.
Vom Kasernenhof.
Zur Behandlung der Lehrer, die beim bayerischen Leibregiment eingezogen waren, wird der„Neuen Bayer. Ztg.“ geschrieben:„Es
eht doch absolut nicht an, einer Kompagnie von auter gebildeten Männern solche rohe Aus⸗ drücke ins Gesicht zu schleudern, wie„Du Saukopf, Du elender Bauernkerle, verkommene Gesellschaft, degenerirte Bande“ u. s. w., welch letzere Kosenamen wiederholt seitens des kommandirenden adeligen Leutnants gebraucht wurden. Wir wollen vor⸗ erst noch schweigen von den greulichen Gottes⸗ lästerungen, vor deren Veröffentlichung sich die Feder sträubt, können aber verraten, daß die Sache anderswo zum öffentlichen Austrag kommen wird. Angesichts solcher betrübender Thatsachen wird es wieder aufs Neue erklärlich, daß unsere jungen Leute vielfach so ver⸗ roht an Geist und Herz die Kasernen verlassen und dann draußen auf dem Lande oft großen Schaden anstiften...“
Krleg in Südafrika.
Zwischen Engländern und Buren ist es bereits zu recht blutigen Gefechten gekommen. Zahlreiche Tote und Verwundete hat es auf beiden Seiten gegeben. Die Telegramme der Engländer melden natürlich Sieg auf Sieg. Doch muß man alle diese Depeschen mit größter Vorsicht aufnehmen. Es wird nie mehr„gelogen wie telegraphiert“, als in Kriegszeiten.
Vorsicht!!
Das Blatt des Herrn Hirschel ist in den letzten Nummern so auffallend zahm, im Gegen— satz zu den vorausgegangenen Schimpfnummern, daß mit Sicherheit anzunehmen ist— es herrscht die Stille vor dem Sturm!!!
Wie bei früheren Wahlkämpfen so wird auch diesmal in den letzten Tagen vor der Wahl, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, rechtzeitig antworten zu kön⸗ nen, das ganze autisemitische Sehimpf und Verleumdungs⸗RNe⸗ gister im Arizona⸗Kicker und in Flugblättern gezogen werden.
Wir machen schon jetzt auf die kommenden Lügen⸗ u. Schimpf⸗ bomben der Antisemiten auf⸗ merksam.
Möge jede neue Lüge, jede Verleumdung von jener Seite unsere Genossen zu neuer unermüd— licher Thätigkeit anspornen!
FFC C—T—P——V—V—V—V———————————
Pon Nah und Lern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen Die Chre unserer Sache gebietet natürlich. Sewissen⸗ haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— 2
Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Freie Lehrmittel in den Volksschulen.
* Von gut unterrichteter Seite schreibt man uns unter Bezugnahme auf unsere Nottz in voriger Nummer betr. die Lieferung freier Lehrmittel an Volksschüler, das folgende: Die in der Sitzung der Stadtverordneten von dem Herrn Oberbürgermeister gegebenen statistischen Nachweise über die Einkommenverhält⸗ nisse der hiesigen Bevölkerung sind so inter⸗ essant, daß wir sie ziemlich ausführlich bekannt geben wollen. Es besuchten im Frühjahr 1899 die Volksschule 1879 Kinder. Dieselben ver⸗ teilten sich auf 1096 Familien. Die Ein⸗
kommenverhältnisse der Eltern dieser Volks⸗ schüler gestalten sich folgendermaßen:
134 Familien hatten unter 300 Mk. Einkommen, 2 Familien bis zu 300 Mk., 10 bis zu 400 Mk., 6 bis zu 500 Mk., 133 bis zu 600 Mk., 203 bis zu 750 Mk., 144 bis zu 900 Mk., 106 bis zu 1180 Mk., 97 bis zu 1300 Mk., 88 bis zu 1500 Mk., 58 bis zu 1700 Mk., 26 bis zu 2000 Mk., 19 bis zu 2300 Mk., 27 bis zu 2600 Mk., 17 über 2600 Mk. Ein⸗ kommen.
Diese Ziffern bedürfen keiner weiteren Er⸗ läuterung. Kein Mensch wird nach Durchsicht derselben bestreiten wollen, daß Hunderte Gießener Familien, die ihre Kinder in die Volksschulen schicken, ein Leben von Not und Elend durchkosten müssen.
So erfreulich nun der Beschluß der Stadt- 5 00 ist, denjenigen Kindern, deren Eltern bis zu 900 Mk. Einkommen haben, auf An⸗ suchen freie Lehrmittel zu gewähren, so halten wir es nach wie vor für richtiger, der Auf⸗ hebung des Schulgeldes auch die freie Lieferung der Lehrmittel für alle Volks⸗ schüler folgen zu lassen; wer auf diesem Ge⸗ biete Assagt, muß auch B sagen. Gerade in der beschlossenen Form, daß nur auf An⸗ suchen freie Lieferung erfolgt, hätte es er⸗ möglicht werden können, bereits jetzt ohne große Geldopfer die Wohlthat allen Steuerklassen zu⸗ gängig zu machen. Wenn bis jetzt bei nahezu 500 Familien mit Einkommen unter 600 Mk. nur 87 um freie Lieferung der Lehrmittel nach⸗ suchten, so glauben wir annehmen zu dürfen, daß Leute aus besser gestellten bürgerlichen Kreisen nur in Fällen der Not Anspruch auf Gratis⸗Lieferung gestellt hätten, gleich dem Vor⸗ bilde der Aermsten. Wir begreifen nicht, wie 3. B. Herr Haubach annehmen kann, daß Leute, die 1500, 2000, 2600 Mk. u. s. w. Ein⸗ kommen haben, ohne Not um diese Wohlthat anhalten sollten; so niedrig schätzen wir das Bürgertum doch niz t ein. Uebrigens bezahlen wir für die die höheren Lehranstalten besuchenden Schüler, die nicht einmal ausnahms⸗ los Kinder Gießener Steuerzahler sind, jährlich so hohe Zuschüsse, daß es kein Unglück wäre, wenn auch den bessergestellten Eltern der Volksschüler Erleichterungen geschaffen würden. Hat man schon je bei„höheren“ Schülern den Zuschuß des Staates und der Stadt von der finanziellen Lage des Vaters abhängig gemacht? Warum also das Messen mit zweierlei Maß?
Sein oder Nichtsein?
* Verzweifelte Anstrengungen machen die Antisemiten, um bei der bevorstehenden Land⸗ tagswahl das Mandat für Gießen-Land zu be⸗ haupten. Wir nehmen ihnen das nicht übel, wissen wir doch, daß bei den Antisemiten das Klappern zum Handwerk gehört, ja daß bei ihrem traurigen Handwerk sogar das Klappern die Hauptsache ist. Aber geradezu lächerlich klingt es doch, wenn Herr Hirschel in seinem Schimpf⸗ und Denunzierblatt schreibt:„Es gilt Sein oder Nichsein des Bauernstandes!!!“ Also wenn der Sachsenhäuser Architekt Hirschel nicht in den Landtag kommt, um dort die nach der„Köln. Ztg.“ und dem„Gieß. Anz.“ sitzen⸗ den„unbelehrbaren“,„unpraktischen und politisch ganz unfruchtbaren“ Antisemiten um eine Null zu vermehren, dann geht der ganze Bauernstand flöten? Ach ne! Wir sind vielmehr überzeugt, daß der Bauernstand nichts besseres thun könnte, als sich die ganze antisemitische Sch ma⸗ rotzer⸗Gesellschaft so schnell als möglich vom Halse zu schaffen. Nicht für den Bauernstand, sondern für die Antisemiten hängt vom Ausgang der Landtagswahl Sein oder Nichtsein ab. Wird der Landtagssitz von der Sozialdemokratie erobert, dann sind die Antisemiten im Kreis Gießen für immer fertig! Es handelt sich also thatsächlich um ein Sein oder Nichtsein. Aber nicht um das Sein oder Nichtsein des Bauernstandes, sondern um:„Sein“ Nichtsein.
Gewerbegerichtswahl in Gießen.
* Bei der Wahl zum Gewerbegericht wurden die vom Gewerkschaftskartell aufgestellten Kandi⸗ daten mit allen abgegebenen Stimmen(239)
SSS


