Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 5. 1 bezügliche Rede hält. Diese Feier, sowie der] trank man stehend den Willkommen⸗ und Ab⸗ N ——— weite Blick, den man von der Spitze des Galt⸗ schiedstrunk in dem besten Bordeaux aus Herrn e e eee garben über meilenweite Forsten und sanft ge⸗ Harbrückers Keller. Das feurige Rot im Glase
welltes grünes Hügelland bis zu dem blauen] war gleichsam das Symbol der Liebesglut, welche
Uunterhaltungs⸗CTeil. Streifen, hier des frischen Haffs, dort der Ost⸗sich in den Herzen dieser beiden Menschen, die
7 see, am fernen Horizont ann 1 5 9 sich heute zum erstenmale sahen, entzünden sollte.
5 eine große Menge Königsberger herbei, un Der Wagen fuhr vor, man stieg ein, ein
Fabrikausgan g. auch in diesem Jahre herrschte droben zwischen gen fuß ug
Von Klara Müller.“
Bleigraue Schatten zittern durch die Luft, Aus hohen Essen quillt ein blauer Duft. Durch Steingefüge dröhnt der Hämmer Ton, Um Erzgerüst schwirrt dumpf die Transmission, Schwirrt stumpf und dumpf, noch eh' i am, Bis daß der Tag verglüht in Zorn und Scham, Bis daß die Nacht barmherzig deckt die Qual.
Ein Glockenzeichen gellt im Arbeitssaal. Da stockt der Lärm— und kreischend geht das Thor:
Ein Jüngling stürmt, ein Knabe fast, hervor; Im staubigen Rock, die Mütze tief im Genick, Ein frohes Leuchten noch im Kinderblick, Staunt er die Welt wie neugeboren an— Da schiebt ihn seitwärts schon sein Nebenmann.
Da drängt's hervor, wie flügellahme Brut, Da wüchst und wogt des Elends graue Flut:
Mit bangem Blick die blasse Mutter hier,— Zuhause weint der Säugling schon nach ihr, Das Mädel dort, Chrisanthemum am Hut, In flacher Brust erlog'ne Liebesglut,—
Das frech vertraut dem nächsten Burschen nickt,— Der Mann, der stieren Auges vor sich blickt,— Und nun der Greis, der matt nachhause wankt Und für den Hungerlohn dem Schöpfer dankt.
Des Landes Mark, der Großstadt Kraft und Glut Verschlingt des Elends uferlose Flut.
Mit müdem Schritt, die Stirn gesenkt und schwer, Zur Heimstatt zieht der Arbeit Sklavenheer, Zu kurzer Rast, daß schlafgestärkt die Kraft Beim nächsten Morgengraun aufs neue schafft. Mit frischer Gier, mit niegestillter Wut Trinkt die Maschine ihres Herzens Blut, Vorüber zieh'n, in selisam scheuer Hast,
Sie an der Arbeitsherren Prunkpalast:
Den Tisch, der dort vor Ueberfülle bricht, Sie deckten ihn, doch ihnen blüht er nicht..
Zwei Männer nur, den Hammer in der Hand, Hemmen den Blick und starren unverwandt In all den Glast, der Freude gold'nen Sitz; Aus ihren Augen zuckt des Hasses Blitz.
— So blickt der Leu, wenn sich die Schlange regt, Sie wissen wohl, wohin ihr Fuß sie trägt, Sie schaun ihr Ziel, so sternenlicht und weit Und um sie braut die große Einsamkeit.
Die schwere Ruh.—
Vom Himmel dichtgedrängt Die schwarze Wolkenmasse e N
Indes am freien Horizont verloht Sturmdunklen Blicks ein blutig Morgenrot.
* Aus der Gedichtsammlung„Mit roten Kressen“ Großenhain, Baumelt und 9 8
——
vom Stamm gevissen.
41 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)
Wie jedes Jahr feierte die Königsberger Studentenschaft ihr Galtgarben⸗Fest zur Erinne⸗ rung an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815. Der Galtgarben sowie der Hausenberg sind isolierte, kegelförmige Hügel, welche sich im Nordwesten von Königsberg einige hundert Fuß hoch erheben und mit dichtem Eichenwald bestanden sind. Auf der Spitze des Galtgarben steht ein altes eisernes Kreuz, dem Andenken jener Zeit gewidmet, neben dem alljährlich an dem Tage der Schlacht von Belle⸗Alliance die Studentenschaft einen Holzstoß anzündet, bei dessen lodernden Flammen einer der dazu erkorenen Musensöhne eine auf den Tag
den alten Eichen ein buntes Treiben.
Ein reicher Weinhändler, dessen Töchtern Valeska Gesangsunterricht erteilte, hatte das junge Mädchen zu der Fahrt mit seiner Familie nach dem Galtgarben eingeladen, und dieses hatte mit Vergnügen zugesagt. Nach einem herrlichen Tage war die Sonne mit fast südlicher Farbenpracht unter den Horizont gesunken. Weiche Schatten senkten sich über die Landschaft herab. Die Wälder schwammen in blauem Duft und würzige Kühle stieg aus der Ebene auf. Unter den Eichen dämmerte es nächtlich. Da flammte droben am Kreuze das altheidnische
Feueropfer zum klaren Zenit auf, wie es vor
Jahrtausenden aufgeflammt sein mochte, und die feierlichen Klänge des Gaudeamus umbrausten die Flamme in hellem, kräftigem Chor.
Die im Walde zerstreute Gesellschaft sammelte sich um die Sänger und lauschte, alte Herren, ehemalige Studenten, sangen begeistert mit. Bei den letzten Tönen des Liedes schritt Kurt Oettinger in vollständigem„Wichs“, über der Sammet⸗ pekesche die weißseidene Schärpe, und das Barett mit lang wallender Feder auf dem Haupt, die Stufen zum Kreuze hinan, um die ihm heute zugefallene Festrede zu halten. Es war ein prächtiges Bild, wie er so vom Feuer beleuchtet dastand, der Jüngling mit den schönen durch⸗ geistigten Zügen, in der malerischen, altdeutschen Tracht, entblößten Hauptes und die Linke auf dem Griff des Schlägers ruhend. Aller Augen hingen unverwandt an ihm, und unter ihnen die Valeskas, die den geistreichen Kopf Oettingers wohl schon im Laufe des Nachmittags bemerkt, aber wieder aus dem Gesicht verloren hatte. Als er nun auch sein sonores, kräftiges Organ über die Menge hin erschallen ließ und statt der üblichen patriotischen Phrasen Gedanken, die den Nerv der Gegenwart berührten, in schöner poetischer Sprache entwickelte, da kam es wie eine Lebensoffenbarung über sie. Es war ihr, als ob sie in eine neue Phase des Daseins ge⸗ treten sei. Lautes, begeistertes Bravo lohnte den Redner.
„Kennen Sie den jungen Mann?“ wandte sich Valeska an den neben ihr stehenden Wein⸗ händler, Herrn Harbrücker, der sich mit Klatschen und Bravorufen gar nicht genug thun konnte.
„Und ob ich ihn kenne“, versetzte dieser. „Das ist ja der Studiosus Oettinger. Sein Vater war einer meiner besten Kunden und mein guter Freund. Muß Sie doch mit dem Sohn bekannt machen. Ein prächtiger Junge! Warten Sie, ich hole ihn her.“ Und der gutmütige, bewegliche alte Herr drängte sich schon durch die Menge, den Studenten zu, die sich zu dem jetzt folgenden Kommers im Kreise lagerten.
„Ach ja, Papa, thue das“, rief ihm Ella, seine sechszehnjährige Tochter, Valeskas Schülerin, nach, indem sie sich die Hände rieb und vor Vergnügen von einem Fuß auf den andern trippelte. Als die Mutter, eine beleibte, elegant gekleidete Dame, ihr dies auffällige Benehmen verwies, schlang sie ihren Arm um Valeska und flüsterte dieser ins Ohr:„Ich möchte ihn einmal in der Nähe sehen, ich finde ihn himmlisch, auch alle meine Freundinnen sind ganz hin von ihm!“ „Valeska hatte nicht Zeit, über diesen Back⸗ fischjargon zu lachen. Schon kam Herr Har⸗ brücker mit Oettinger heran und die Vorstellung erfolgte. Auch Oettinger war wie gebannt beim Anblick des Mädchens. Bald befanden sich beide in lebhaftem Gespräch.
„Na, aber nun trinken wir auch ein Glas auf die neue Bekanntschaft“, rief der Weinhändler vergnügt;„im Flaschenfutter des Wagens muß noch eine stecken. Ella, lauf“ voraus und sag' Johann, daß er anspannt. Wir kommen lang⸗ sam nach.“ Oettinger begleitete seine neuen Freunde, und am Fuße des Berges angekommen,
letzter Gruß, ein letzter Blick— Kurt stand
allein— die duftige Nacht hatte sie ver⸗
schlungen.——— 1 0
Die Folge dieser Begegnung war, daß Kurt schon in den nächsten Tagen der Familie Stern einen Besuch machte. Frau Stern war jeder willkommen, der um ihrer Tochter Valeska willen kam. Sie sah es für eine Huldigung an, die sie für selbstverständlich hielt, und die ihr dennoch schmeichelte.
mutigt. mit einem Studenten nicht. Herr Stern seiner⸗ seits schwärmte überhaupt für neue Bekannt⸗ schaften.
Aufregung und Veränderung bedurfte. Das
ewige Einerlei war ihm unerträglich. Wenn er
abends nachhause kam, fand er die Seinen, deren weibliche Bekannte lieber die Tagesstunden zu ihren Besuchen wählten, meistens allein und wenig geneigt, auf seine Gespräche einzugehen.
Nur Valeska machte hiervon eine Ausnahme. Sie war zu lebhaften Geistes, um nicht sofort ein angeschlagenes Thema aufzugreifen und ihre Meinung mit aller ihr zu Gebote stehenden Schlagfertigkeit zu verfechten, wozu gerade in des Vaters wunderlicher Art und Weise zu dis⸗ kutieren ein besonderer Sporn für sie lag. Und die Themata selbst waren nicht weniger wunder⸗ lich. Alles und Jedes, das Nächste und Fern⸗ liegendste gab ihm Stoff, seine Betrachtungen daran zu knüpfen.
Seiner Lesewut entging nichts von den Zeit⸗ begebenheiten, und so konnie er eben sowohl über die neuesten parlamentarischen Vorgänge wie über die Forschungsreisen in Innerafrika reden,
und fehlte es augenblicklich an solchen Dingen,
so erklärte er den Seinigen die Konkursordnung ö oder den Nutzen der Vivisektion. War Valeska
daher zuhause, so spannen sich zwischen ihr und dem Vater die Debatten oft bis spät in den
Abend aus, oder sie machte Musik, und dann war er unermüdlich im Zuhören. war nicht oft zuhause. Geselligkeit sehr in Anspruch genommen. Ein jeder setzte seinen Ehrgeiz darein, das schöne,
liebenswürdige Mädchen bei sich zu sehen. Tussy
und die Mutter waren ganz andere Naturen.
Ernst und schweigsam gingen beide ihren Beschäf⸗ f tigungen nach. In Tussys junger Seele fehlte 1
alles das, was sonst das Glück dieser Jahre ausmacht: Mädchenfreundschaft, Freude an Putz
seiten des Lebens kennen gelernt und gehörte nicht zu denen, die empfangene Eindrücke nicht
und Lustbarkeiten; sie hatte zu früh die Schatten⸗
wieder vergessen. Trotzdem sie es in ihrem Be⸗ 1 d nehmen gegen den Vater durchaus nicht an Ehr⸗
erbietung fehlen ließ, konnte sie es ihm nicht
verzeihen, daß er der geliebten Mutter das Leben
so erschwerte, und oft zuckten ihre feinen Lippen wie verächtlich, wenn sie ihn über die öffentlichen Angelegenheiten kluge Reden führen hörte, wäh⸗
rend er doch sein eigenes Leben so schlecht ein⸗ zurichten verstand. Aber von diesen Vorgängen in der Seele des Mädchens merkte niemand etwas, am wenigstens Herr Stern selbst, der
sich aus seiner jüngsten Tochter überhaupt nichts machte. Neben Valeska erschien sie ihm unschön
Er war eine Natur, die immer der
So wurde auch Kurt freundlich von ihr empfangen und zum Wiederkommen er⸗ Eine Gefahr sah sie bei dem Verkehr
——'——— .— 8 2 —— —
.——— TTT—
Aber Valeska Sie wurde durch die
r — 2 2 — — *
= —
2 .
— D
sichts ge Fasung⸗ anfach k und wie sah, wie Wangen sich für deren N. wunde z zu geben
tl
Scho Madizin vor zu zu bew wenigste
zu berm
0 1 ist eine ige un dm Jugend bier gef ahrung. gerade 9 bor jede Schutze nüuglic gerade sunderz
4
4
1
und beinahe einfältig. 9 Kein Wunder also, daß er Oettingers Be⸗
suche sehr gut aufnahm. Sie gossen frisches,
neues Blut in den stockenden Familienorganis⸗*
mus. Der junge Mann fühlte sich offenbar bei ihnen wohl, Umstände brauchte man um seinet⸗ wegen nicht zu machen. Wenn er abends kam — und Herr Stern bat ihn dringend, doch ja abends zu kommen— so nahm er unbefangen an dem einfachen Familienmahl teil, das er durch seine von Geist und Leben sprühende Unterhaltung würzte. Das war ein ander Ding, als wenn Herrn Sterns ältester Neffe, Rudolf,
1 N
1
1 U


