Ausgabe 
29.1.1899
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 5.

Von Uah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit

bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Druc bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gießener Wahlverein.

n. In der am Samstag abgehaltenen Gene ral versamm lung wurde der alte Vorstand bis auf einen Beisitzer wiedergewählt. Der Kassen⸗ bericht war von den Revisoren richtig befunden und wurde deshalb dem Kassierer Decharge er⸗ teilt. Vor der Erledigung des Geschäftlichen hielt Gen. Scheidemann einen Vortrag über die Rechtsprechung unterm neuesten Kurs, der recht beifällig aufgenommen wurde. Nächste Versammlung: Samstag, 4. Februar.

Eine humoristische Abendunterhaltung findet am Sonntag im Lokale des Gen. Orbig statt. Dieselbe wird arrangiert vom Gießener Gewerkschafts⸗Kartell. Der Ueberschuß soll den streikenden Webern in Krefeld überwiesen werden. Da der Zweck des Arrange⸗ ments ein so guter ist, liegt um so mehr Ver⸗ anlassung vor, die Abendunterhaltung recht zahl⸗ reich zu besuchen. Es stehen allerlei Ueber⸗ raschungen in Aussicht. Leider dürfen wir von dem überaus zahlreichen Programm nichts verraten.

An die Laternenpfähle.

* Das Organ der hessischen Antisemiten bringt in einerneuen Besprechung der Affaire Dreyfus neben den unvermeidlichen Dumm⸗ heiten auch folgende menschenfreundliche Arizona⸗ Kickeriade:

In Paris scheint das Trauerspiel zu Ende zu gehen, entweder das französische Volk er⸗ mannt sich und verziert seine Laternen⸗ pfähle mit den Dreyfüslern und ihren Genossen oder es geht unter in Fäulnis und Schlamm jüdischer Herrschaft.

In Heppenheim und Gießen sind bereits

einige Gum mizellen reserviert.

Schneiderversammlung in Gießen.

C. P. Eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung des Deutschen Schneiderverbandes fand am Montag, den 23. Januar, im Lokale des Herrn C. Orbig statt. Redakteur Scheidemann hielt zunächst einen hoch- interessanten Vortrag über dieModerne Kunst, der mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen wurde. Hierauf wurde Geschäftliches erledigt. Nach dem Berichte des Vorsitzenden ist erfreulicherweise die Mitgliederzahl der Gießener Filiale von 20 auf 40 Mitglieder im Laufe des Jahres 1898 gestiegen, hat sich demnach verdoppelt. Die Gesamteinnahme betrug 278,10 Mk., wovon 200,17 Mk. an die Hauptkasse ge⸗ sandt wurden. An Reiseunterstützung wurden 32,90 Mark an 31 Mitglieder verabfolgt. Im Laufe des Jahres wurden 23 Mitgliederversammlungen abge⸗ halten, dieselben waren durchschnittlich von 1520 Mitgliedern besucht. Eine längere Debatte entstand über die Thätigkeit der Lohnkommission, deren Lauheit kritisiert wurde. Nachdem die Lohnkommission neu⸗ gewählt, wurden für die streikenden Weber in Crefeld 10 Mark aus der Lokalkasse bewilligt. Mit der Auf⸗ forderung an die Mitglieder, in diesem Jahre un⸗ ermüdlich weiter zu arbeiten, wurde die Versammlung gegen 12 Uhr geschlossen.

Zum Frauenstudium.

Der Gesamtsenat der Universität Gießen hat mit großer Mehrheit beschlossen, Frauen zum Studium zuzulassen und zwar so⸗ wohl zum Hören einzelner Vorlesungen als auch zur Immatrikulation. Diese wird jedoch nur be⸗ willigt auf Grund einer bestandenen Reife⸗ prüfung an einem Gymnasium oder an einer Realschule erster Ordnung. Die Zulassung soll auch zunächst nur in der pilosophischen und juristischen Fakulät erfolgen. Werden diegroßen Universitäten der Gießener folgen, oder wird dort die Philisterei Trumpf bleiben?

Das Gießener Amtsblatt

leistete sich kürzlich folgende Zeilen über den

Verband der deutschen Maurer: Sozialdemokratische Gedenkfeier. Am 13. Januar sind 50 Jahre verflossen, seitdem die erste sozialdemokratische Maurer-Organisation in Berlin gegründet wurde. Sie erweiterte sich bald zu demAllgemeinen deutschen Maurerverein, der die Seele aller großen Streikbewegungen aus⸗ gangs der sechziger und anfangs und Mitte der siebziger Jahre wurde. In Hamburg, wohin man die Leitung 1874 verlegte, wurde der Verein 1878 aufgrund des Sozialistengesetzes aufgelöst.

1891 ist

wieder eine Zentralisation der Maurer Deutschlands geschaffen worden, die seitdem mehrere Millionen Mark für Streikgelder herangeschafft, im vorigen Jahre ungezählte langdauernde Streiks angezettelt hat und sich in diesem Winter für einen entscheidenden Schlag vorbereitet.

Das ist ganz im Sinne des Königs Stumm gesprochen, dem die Organisationen der Arbeiter ein Greuel sind. Wer auch nur einen Funken sozialpolitisches Verständnis besitzt, weiß, daß die Arbeiter-Organisationen nicht ihre oberste Aufgabe darin erblicken, Streiksanzuzetteln, sondern Streiks zu verhüten. Die Gelehrten des Gießener Anzeiger verspotten sich selbst und wissen nicht wie. Der frühere Besitzer und Redakteur des Gieß. Anz., Scheyda, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, wie jetzt sein Blatt zusammengemurkst wird. Scheyda selbst war lange Jahre Mit⸗ glied des Verbandes der deutschen Buchdrucker, der dieselben Zwecke verfolgt, wie die Organisation der Maurer, die von den Nachfolgern Scheydas alssozialdemokratisch denunziert wird. Es wäre wirklich besser, wenn der spiritus rector des Gießener Amtsblattes bei jeder Notiz erst auf dem Kreisamt Rat einholte. Werden sich die Arbeiter, die noch Abonnenten des Gieß. Anz. sind, weiter ohrfeigen lassen? werden sie auch fernerhin ihr Geld einem Blatte zuwenden, das nur die Geschäfte des Kapitalismus besorgt?

Aus Großen⸗Linden.

* Es sind jetzt gerade 50 Jahre her, daß sich 54 hiesige Ortseinwohner vor Gericht wegen Gewaltthätigkeiten, Eigentumsbeschädigung, Ehr⸗ und Körperverletzung vor Gericht zu verant⸗ worten hatten. Gelegentlich einer Volksversamm⸗ lung in Garbenteich hatten die Großen-Lindener schlagende Beweise für die besten gehalten. Von den 54 Angeklagten wurden 25 freigesprochen und zwar, wie es im Urteil heißt, wegen mangelnden genügenden Beweises. 29 der Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von acht Tagen bis zu vier Monaten verurteilt. Wie uns mitgeteilt wird, sind noch einzelne der damals Verurteilten am Leben. Sie werden die Unannehmlichkeiten der Haft längst vergessen haben, aber jetzt wohl noch manchmal an jene bewegte Zeit mit sehr gemischten Gefühlen denken. Das hätte wohl vor 50 Jahren keiner von ihnen für möglich gehalten, daß Deutschland am Ende des Jahrhunderts im Zeichen der preußischen Pickelhaube stehen würde.

Die Mucker am Werke.

* Das Pfarrkollegium der evangelischen Geist⸗ lichkeit für Darmstädter Gemeinden hat an die Darmstädter Hoftheaterdirektion eine Eingabe gerichtet, in der die Direktion ersucht wird, den Opernball von Heuberger künftig nicht mehr auf den Spielplan zu setzen. Es wird u. A. gesagt, daß das Stück unter der Linie stehe, welche das für eine Bühne Zulässige ab⸗ grenze, und daß weitere Wiederholungen eine sittliche Gefährdung des schwächeren, eine sittliche Beleidigung des höher stehenden Teils des Pub⸗ likums in sich schließe u. s. w. Diese Eingabe gegen eine Operette, die am Hoftheater(ö) aufgeführt wurde, spricht Bände. Unterzeichnet ist sie auch von Nationalsozialen. Die bürgerlicheFrankf. Ztg. bemerkt mit Recht zu jener Eingabe: Die Anmaßung des Mucker⸗ tums wird nachgerade unerträglich. Wenn es nach seinem Sinne ginge, müßten 99 Hundertstel unserer Bühnenlitteratur alslasziv verpönt werden. Mögen doch die Leute, die an den Scherzen einer Operette Anstoß nehmen, draußen bleiben und den Theaterbesuch denen überlassen, die von einemOpernball eine Schädigung ihrer Sittlichkeit nicht befürchten. Und das ist die überwiegende Mehrheit. Erfreulicherweise hat sich die Theaterdirektion der Eingabe gegen⸗ über direkt ablehnend verhalten. Wenn sich die Geistlichen um die Sittlichkeit verdient machen wollen, dann mögen sie die Finger von mehr oder weniger wertvollen Bühnenwerken lassen, für die sie kein Verständnis haben. Dann mögen sie vielmehr die Jugendschriften ihres Amts⸗ bruders Pastor Hülle unter die Lupe nehmen,

der 14jährigen Kindern über den Ehebruch, über Liebes⸗ und Lebens gemeinschaft zwischen Mann und Weib erzählt. Als Theo⸗ logen sollten doch die Herren die Geschichte vo den Splittern und Balken kennen. 5

Aus Wetzlar.

s. Der hiesigeAnzeiger hat irgendwo eine Notiz über das Invaliditäts- und Altersversiche⸗ rungsgesetz herausgeschnitten. Natürlich wird das Gesetz, das nach jahrelanger Beitragsleistung eine Hungerrente gewährt, über den grünen Klee gelobt und nebenher auf diesozialdemokratischen Agitatoren und die Sozialdemokratie im allge⸗ meinen raisonniert, da von dieser über diean⸗ gebliche Geringfügigkeit der Durchschnitts⸗ sätze der Renten gesprochen werde. DerW. A. giebt dann selbst die Durchschnittsrenten auf 137,80 resp. 127,69 Mark an. Das sind freilich keine Renten, wie sie die Versicherten aufgrund der geleisteten Beiträge verlangen können. Mit 127 bis 137 Mk. pro Jahr wären allerdings die Leistungen der Redaktion des Wetzlarer Anzeigers glänzend bezahlt, aber ein versicherter Arbeiter, der lange Jahre Beiträge steuerte und dann im Dienste des Kapitalismus entweder invalid oder alters⸗ schwach wurde, kann eine höhere Rente verlangen.

Aus Marburg.

* Der erste Steuermann der seit dem 1. Januar hier vor Anker liegenden national⸗sozialen Fregatte nahm am 23. d. M. den Kurs auf Gießen und richtete seine gezogenen Geschütze auf die Mitteld. Sonntagsztg. Das Schießen scheint er aber nicht gelernt zu haben, denn seine mit Wind gefüllten Bomben verfehlen alle das Ziel. Unsere Leser wissen, daß die Marburger Hess. Landesztg. ein militär feindliches Or⸗ gan war, bevor es in die Hände der National⸗ sozialen überging. Schon vor vier Wochen wiesen wir darauf hin, daß in den national⸗ sozialen Abonnements⸗Einladungen, die schon vor der Uebernahme der damals noch militär⸗ und marine feindlichen Hess. Ldsztg. erschienen, die Schwärmerei der Pastorenpartei für Heer und Marine hinter der Phrase: Für Deutschlands Macht und Größe ver⸗ borgen werde. Warum das geschah, war für jedermann leicht ersichtlich. Die Leser der seither militärfeindlichen H. L. sollten nicht kopfscheu gemacht, vielmehr für die von nun abmilitär⸗ und marinebegeisterte H. L. zunächst eingefangen werden. Wir haben in voriger Nummer festgestellt, daß nunmehr die Nationalsozialen die echte Flagge gehißt haben. Aufgrund dieser unserer Feststellung rempelt uns nun der(jetzt noch) national⸗soziale Steuermann an. Ob wir uns darüber wun⸗ derten, daß sie das, was sie erstreben, in ihrem

Blatt auch verfechten. Durchaus nicht,

kühner Seefahrer! Wir haben ja voraus- gesagt, was kommen würde, vorausgesagt schon zu einer Zeit, wo die echte Flagge noch allem Anschein nachschmückend umhüllt war mit dem Lügenmantel, den ein gewisser Max Lorenz, jetzt auch Schwärmer für den Wasserpatriotismus, dereinst extra für die nationale Phrase zugeschnitten und zusammen⸗ genäht hat. Wenn dann der Steuermann der nationalpastoralen Fregatte in Marburg redet vonmanchen einseitigen, in der Parteidoktrin verrannten Sozialdemokraten, so möge er sich gesagt sein lassen, daß sich mit solchen Redens⸗ arten Renegaten nicht reinwaschen können. Unseres Erachtens steht ein überzeugter Mann, der seiner Partei treu bleibt, gehöre er einer Partei an, welcher er wolle, tur m⸗ hoch über jenen Parteipiraten, die bald in diesen, bald in jenen Gewässern herumkreuzen. Gute Fahrt, Herr Steuermann! In Marburg giebts gefährliche Klippen.

Für alle die kleinen Leute in Marburg, die esmal probieren wollten mit der umge⸗ krempelten Hess. Landesztg. ist jetzt die Situation geklärt. Fort mit einem Blatt, das für den brudermörderischen und volksaussau⸗ genden Militarismus eintritt.

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