Ausgabe 
29.1.1899
 
Einzelbild herunterladen

*

nar. N

hhtns, reck⸗ Der geord⸗ vom anz ef den m ein gegen⸗ artigste r und , der frei⸗ er von sprach, hen er ingen eng ppo⸗ en zu 5 dem ichts⸗ Wort

5

reußi⸗ e richt gerichts feichs⸗ en hatte asmann cht ver⸗ anisches erbreilet

eee e*

1

2

höchste

Nr. 5.

.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Deite 3

1

neuesten Kurses, der den Kampf gegen den Umnurz als Aufgabe betrachtet und Verwaltung wie Recht⸗ sprechung in diesem Geiste beeinflußt.

Die Arbeiterschaft wird aus dem Aufstiege des Beuthener Präsidenten ihre Lehre ziehen; sein Fall ist nicht der erste, er wird auch nicht der letzte sein.

5 Kavalleristen vor!

Für die Militärvorlage möchte ein Oberst a. D. v. Saldern aus Brallentien i. Pom. in einer Zuschrift an dieKreuzztg.alle verab⸗ schiedeten Kavallerie-Offiziere des deutschen Heeres, welche die Mobilmachungen von 1850 bis 1870 erlebt und die Feldzüge von 1864 und 1870/71 mitgemacht haben, mobil machen; er fordert sie im Interesse der Waffe auf, die Reichstags⸗ abgeordneten ihres Wahlkreises zu ersuchen, da⸗ hin zu wirken, daß die Kavallerie⸗Regimenter, welche nach der dem Reichstage zugegangenen Militärvorlage neu errichtet we den sollen, zu fünf und nicht zu vier Schwadronen aufgestellt werden.

Schon Herr v. Levetzow erklärte im Reichs⸗ tage, er als alter Kavallerie⸗Offizier finde die Forderungen der Regierung für die Kavallerie zu mäßig. Er findet nun Nachfolger. Wenn

aber die Reichstags⸗Abgeordneten den Herren

Kavallerie⸗Offizieren a. D. bedeuten sollten, daß in ihren Wahlkreisen hunderte ehemaliger Kaval⸗ leristen der Meinung seien, daß die Herren Kavallerie⸗Offiziere sofern sie noch weitere Vermehrungen wünschten, auch die Kosten dafür selbst tragen sollten wie werden die edlen Herren sich dazu stellen? Nein, weit be⸗ achtenswerter als diese Stimmen zweier Offiziere a. D., die für die neue Vorlage sind, erscheint uns doch die Stimme jenes aktiven Oberst⸗ lieutenant, der, wie wir schon in voriger Nummer meldeten, sich dagegen äußert. Dieser ver⸗ nüftige Oberstlieutenant sprach wörtlich in der Zukunft aus, daß sich der Reichstag ein Ver⸗ dienst erwerben würde, wenn er das weitere zwecklose Anwachsen der Wehrlasten hindere. Freisinniges!

In Nordschleswig haben sich Freisinnige an den Huldigungen für den Ausweis⸗Präsi⸗ denten von Köller beteiligt. Das erschien denn doch sogar der zahmliberalenKieler Ztg. zu stark. Sie erlaubte sich, das Unternehmen nicht schön zu finden. Darauf reckte sich der Freisinn in seiner ganzen Mannesgröße stolz auf und erklärte in einem Manifest der Schleswiger Nachrichten, die Kieler Zeitungkönnte ihnen sonst was. Die Leiter des Schleswiger Frei⸗ sinns die Erklärung war unterzeichnet von drei Personen names der Freisinnigen Ver⸗ einigung und fünf Personen namens der Freisinnigen Volkspartei tanzen voll und ganz vor Herrn v. Köller, ohne um die Erlaubnis ihres Parteiblattes zu fragen. Es geht mit dem Freisinn in Riesenschritten bergab.

Nationalsoziale Intrigen.

Unter dieser Ueberschrift schreibt die Freis. Ztg. Eugen Richters:Die Nationalsozialen haben bei den Landtagswahlen vollständig Fiasko 5 Sie suchen darum jetzt sich in andere

arteiorganisationen einzuschmuggeln unter der Deckadresse des Liberalimus im Allge⸗ meinen. Aus mehreren Gegenden liegen dafür Anzeichen vor. DieHilfe empfiehlt ausdrück⸗ lichnationalsoziale Aussaat zu machen, nament⸗ lich dort, wo sich unter der Firma des allge⸗ meinen Liberalismus Gelegenheit dazu bietet. Richter sollte sich mit uns freuen, daß die um Naumann fleißigAussaat halten. Oder ist er überzeugt, daß seine Partei nicht mit ernten wird.? 5

Unternehmerreligiosität.

Unserem Parteiblatt in Brandenburg a. H.

hat solgender Entlassungssche in vorgelegen:

A.. W. ist auf der Domäne Gattersleben, Kreis Aschersleben, 7 Jahre als Tagelöhner gewesen, er hat sich während dieser Zeit gut geführt.

Gekündigt ist derselbe zum 1. April d. J., weil er außer den hohen katholischen Festtagen auch die ge⸗ wöhnlichen, die auf Wochentage fallen, feiern will.

Domöne Gattersleben, 15. Januar 1899. Albert Eggeling, Amtsrat. Löwe, Inspektor.

Der Arbeiter, der 7 Jahre auf dem Gute beschäftigt war und sich gut geführt hat, wird

also entlassen, weil er nach den Vorschriften der Religion, in der er erzogen und die in ihm noch festsitzt, leben will. Der Streik der Bergleute am Piesberge, wo es sich gleichfalls um Beibe⸗ haltung der katholischen Feiertage handelte, dürfte noch allen im Gedächtnis sein. Die hier mitge⸗ teilte Entlassung ist ein weiterer Beweis dafür, daß dem Unternehmertum die Religion vollständig gleichgültig ist, wenn der Profit, der durch einige Feiertage geringer werden könnte, in Frage kommt. Afrikanische Galgenskizzen Veröffentlicht der frühere deutsche Afrikareisende und jetzige österreichische Konsul in Sansibar, Oskar Baumann, in derZeit. Der Verfasser erzählt in dem leichten Tone des amüsanten Plauderes, daß das Hängen in Deutsch⸗Ostafrika eine ganz besondere Errungen⸗ schaft der europäischen Zivilisation sei, daß die Henker sich zu wahren Künstlern herausgebildet hätten. Ein Spaziergang ins benachbarte Wäldchen endige zumeist damit, daß man einen Schwarzen in bierfroher Laune aufhängen läßt. Ein Regierungsbeamter in Kilwa habe die beim Hängen gebrauchten Stricke unter der RubrikBewirtung fremder Gäste gebucht. Bei dieser Art von Hinrichtungen fänden sich zumeist Photographie⸗ Amateure ein, die dem baumelnden Schächer am Galgen das berufsmäßigebitte recht freundlich zuriefen. Als einmal das Hängen nicht recht klappen wollte, habe ein ehemaliger Gardelieutenant gesagt: Muß bedeutend mehr geübt werden. Das sind dieKulturerrungen⸗ schaften in den Kolonien, um die der deutsche Steuerzahler sich unzählige Millionen abdarben muß! Bei der Beratung des Kolonialetats im deutschen Reichstage werden un ere Parteigenossen mit solchen Kulturthaten scharf ins Gericht gehen. Ausländisches.

In Serbien ist am Sonntag ein wackerer Genosse im Gefängnis gestorben, der 70 jährige ehemalige Archimandrit(Erzbischof der griechischen Kirche) Pelagitsch. Trotz der Bittschriften, die von angesehenen Mitgliedern aller politischen Parteien unterzeichnet waren, wollte sich der serbische König Alexander des armen gebrochenen Greises, der wegen angeblicher Majestätsbeleidung vier Jahre zu verbüßen hatte, nicht erbarmen. Schon vor 20 Jahren wurde er wegen seinen revolutionären Be⸗ teiligungen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, aber nach fünfjähriger Haft begnadigt. Als Bosnien dann unter die österreichische Oberherr schaft kam und österreichische BehördenOrdnung zu schaffen begannen, wurde Pelagitschz um Tode verurteilt, weil er mit vielen Anderen diese Ordnung nicht anerkennen wollte, sondern für ein freies, unabhängiges Bosnien kämpfte. Es gelang ihm damals, zu fliehen. Er lebte im Ausland und verfaßte mehrere sozialistische Schriften. Als Pelagitsch im Jahre 1897 wieder zu vier Jahre strengem Gefängnis verurteilt wurde, fühlte er, daß seine Lebenskräfte dem Er⸗ löschen nahe waren, daß er diese lange Strafe nicht abbüßen und seine zahlreichen Freunde nicht mehr sehen würde. Er sammelte diese um sich, empfahl ihnen in warmen väterlichen Worten die junge sozialistische Bewegung in Serbien, und nahm ruhig den letzten Abschied. Seine Bücher und sein armseliges Mobiliar stellte er der serb⸗ ischen Arbeiterpartei zur Verfügung. Er war nie verheiratet, hatte auch sonst keine Verwandten. Sein Ableben beweinen aber jetzt Tausende, die er erzogen und für die er sein ganzes Leben hindurch gekämpft hat. Er ruhe sanft.

Aus dem Aeichstag.

In den Sitzungen am Donnerstag, Freitag und Samstag v. W. saß der Minister Graf Pasadowsky auf der Anklagebank. Es handelte sich um die Be⸗ willigung des Etats für das Reichsamt des Innern, also auch um Posadowskys Gehalt. Es wurde in den drei Tagen über gar vielerlei geredet. Der Frei⸗ herr v. Stumm und der nationalliberale Kom⸗ merzienrat Möller-Dortmund traten wieder als enragierte Gegner der Arbeiterorganisationen auf, sie wollen nichts von einer Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Unternehmern wissen. Viel verständnisvoller steht derWilde Brauereidirektor Rösicke den Ar⸗

beiterfragen gegenüber. Als einwarmherziger Arbeiter⸗ freund spielte sich der freikonservative Freiherr von Heyl-Worms auf. Zwar überragt er seinen Frak⸗ tionskollegen König Stumm in Bezug auf sozial⸗ politisches Verständnis, aber dazu gehört auch verflikt wenig. Wenn er wollte, daß man seine zur Schau getragene Arbeiterfreundlichkeit ernst nehmen soll, hätte er seine durch nichts gerechtfertigten Ver⸗ dächtigungen der Sozialdemokratie unterlassen müssen. Der antisemitische Abg. Vielhaben ist immer noch Gegner der Verordnung über den Bäckereiarbeiter⸗ schutz. Es sprachen noch zahlreiche Abgeordnete, die zu erwähnen sich gar nicht verlohnt. Von unseren Genossen kamen zum Wort Zubeil, Singer, Agster und Wurm. Zubeil sprach namentlich über den mangelhaften oder besser gesagt: gar nicht vor handenen Schutz der Ziegeleiarbeiter. Singer wies die Herren Graf Posadowsky und Frhr. v. Heyl zurecht, die den Sozialdemokraten den Vorwurf machten, daß sie verschiedene Gesetze abgelehnt hätten, die den Arbeitern zugute gekommen wären. Agster trat in seiner Jungfernrede für ein schnelleres Tempo in der sozialpolitischen Gesetzgebung ein. Am eingehendsten sprach über den Arbeiterschutz und die Fabrik⸗ inspektion Genosse Wurm. Aus seiner ausgezeich⸗ neten Rede mögen einige Sätze hier Platz finden, deren Studium wir besonders auch den geistigen Leitern der Amtsblätter in Gießen, Wetzlar und Marburg empfehlen.

Gen. Wurm führte u. a. aus: Aus den preußischen Berichten der Fabrikinspektoren ersehen wir sehr wenig über die Thätigkeit der Arbeiterorganisationen, während Süddeutschland davon viel zu berichten weiß. Aber der famose Reichsberichtvergißt fast alles für die Arbeiterorganisationen Bedeutungsvolle mitzuteilen. Aus Celle hat er z. B. nicht mitgeteilt, daß ein dort beabsichtigter Ausstand durch das Eingreifen des Holzarbeiterverbandes verhütet worden ist, was doch angesichts der in den höchsten Kreisen ver⸗ breiteten Anschauung, daß die Arbeitervereine Streik⸗ vereine seien, gewiß wichtig ist. Da ist Süddeutschland weit besser unterrichtet; in dem Bericht von Baden schreibt der Fabrikinspektor Dr. Wörrishofer, daß gerade durch die Arbeiterorganisationen unberechtigte und unvernünftige Streiks verhindert werden, die Zahl der Streiks sich also vermindere. Wörris⸗ hofer erkennt ferner, daß die Verteidigung mindestens der jetzigen Lebenshaltung der Arbeiter für die gesamte Volkswirtschaft von der größten Bedeutung sei, und daß gerade die Arbeiterorganisationen dafür sorgen. Ja, er spricht offen aus, daß der Fortschritt der gesamten Kultur von dem Fortschritt der immer zahlreicher werdenden Arbeiterklasse abhängt; ihm sind die Arbeiterorganisationen ein Mittel für den Kulturfortschritt. Deshalb beklagt auch Dr. Wörrishofer nicht, daß die Arbeiterorganisationen existieren, sondern daß sie zu schwach sind..

Genosse Wurm schloß indem er eine Uebersicht über die in den letzten zehn Jahren vorgekommenen Unfälle auf dem Schlachtfelde der Arbeit gab. Daraus ergab sich, daß die Unfälle mit dem geschäft⸗ lichen Aufschwung zugenommen haben. Es sei also auf allen Gebieten des sozialen Lebens nicht ein Fortschritt, sondern ein Rückschritt zu verzeichnen und von dem Aufschwung der Indust rie, von dieser Milliardenzunahme des Kapitals, von dieser großartigen Vermehrung des Unternehmergewinnes der letzten Jahre haben die Arbeiter nichts erhalten als eine größere Summe von Krankheiten, eine größere Summe von Unglücksgefahr, eine größere Summe von Elend. Das ist der soziale Zustand, den wir bei uns noch haben und den Sie bei uns noch durch eine Knebelung des Arbeiters verschlechtern wollen!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.)

Am Montag fand die erste Beratung des schon aus den früheren Sessionen bekannten Antrages Rintelen(Zentr.) statt, durch welchen die Berufung in Straffachen eingeführt, der Voreid durch den Nacheid ersetzt, eine Strafe für die Abgabe unrichtiger, unbeeidigter Jeugenaussagen u. s. w. vorgesehen werden soll. Genosse Frohme trat für den Antrag ein und wies in seiner Begründung auf das von der Magde⸗ burger Strafkammer über unseren Genossen Müller verhängte Urteil hin, gegen das es keine Berufung gebe. Der Antrag wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.. a

Im weiteren Verlauf der Sitzung disputierten die weinländischen Abgeordneten über Natur⸗ und Kunstwein. 5

Am Dienstag führte der Reichstag die an das Gehalt des Staatssekretärs im Reichsamt des Innern sich anknüpfende allgemeine Debatte fort, kam aber noch nicht zu Ende. Zunächst entwickelte Abgeordneter Stöcker das soziale Programm der christlich-sozialen Partei. Von unserer Seite sprachen die Genossen Horn und Hoch.

In der Mittwoch⸗Sitzung wurde der bekannte Antrag betreff. Aufhebung des Jesuitengesetzes verhandelt und auch zum so und so vielten Male an⸗ genommen. Daß er diesmal die Zustimmung des Bundesrats findet, ist wohl ausgeschlossen. Die Auf⸗ hebung dieses Ausnahmegesetzes ist ein zu wertvolles Tauschobjekt zwischen Zentrum und Regierung. Man spart es auf für Zelten, wo es Großes auf Kosten des Volkes einzutauschen giebt. Einer Kom⸗ mission wurde dann der Antrag der Sozialdemokraten überwiesen, die die obligatorische Einführung und Er⸗ weiterung der Zuständigkeit der Gewerbegerichte verlangen.