Ausgabe 
28.5.1899
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 22.

Korkstopfenfabrikanten private Geschäfte macht, wird niemand bestreiten wollen. Der betreffende Fabrikant Rapp ist bankerott und hat sich demnächst wegen Vergehen gegen§ 211 der Konkursordnung zu verantworten.

Zur Beurteilung des Verhältnisses zwischen dem Landgerichtsdirektor Küchler und dem Korkstopfenfabrikanten dürften zwei Urkunden von Interesse sein, welche von derWormser Volls⸗Zeitung wiedergegeben werden und lauten: J. Bescheinigung.

Herr H. P. Rapp bescheinige ich hiermit, daß mir derselbe durch rechtsgültigen Kaufvertrag und sofortige Besitzübertragung sämtliche in seiner Wohnung befind⸗ lichen Juventarstücke, wie sie unter 199 des Kauf⸗ vertrags einzeln aufgeführt sind, zu Eigentum über⸗ tragen hat und der Kaufpreis(von 4000 Mark) bezahlt und quittiert worden ist. Jeder Zugriff durch Pfändung und dergleichen ist daher ausgeschlossen, indem H. P. Rapp's Eheleute nur noch in meinem Namen als meine Stellvertreter besitzen.

Darmstadt, 16. Mai 1898.

Siegel des Großh. Land⸗ Der Käufer:

1 C. Küchler, Landgerichtsdirektor.

Diese Urkunde ist auf einen halben Bogen Papier in Aktenformat geschrieben, auf dessen Rückseite steht: Von der Gerichtsschreiberei Kgl. Landgerichts 1 a

Es wird hiermit von uns nach getroffener Ver⸗ einbarung bescheinigt, daß der seit 1. Juli 1898 ge⸗ fährte Geschäftsbetrieb des mitunterzeichneten H. P. Rapp lehiglich für Rechnung des Großh. Landgerichtsdirektors C. Küchler geht, der ihm das Betriebskapital vorschoß, sodaß alle Erwerbungen, Ausstände, lediglich für letzt⸗ genannten gemacht wurden und H. P. Rapp nur als Geschäftsführer erscheint.

Darmstadt, 2. Juli 1898.

C. Küchler. H. P. Rapp. Gedanken sind zollfrei! Das wurde dieser Tage erst wieder in einem Prozeß gegen unseren Parteigenossen Dr. Quark in Frank⸗ furt a. M. sogar gerichtlich anerkannt.

Partei ⸗Nach richten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 27. Mai:

Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bei Orbig.

Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Ed. Krumm über:

Die Marxsche Theorie. 2. Vortrag des Gen. Ph. Scheidem ann ü ber: Ed. Bernsteins Kritik des Marxismus. 3. Diskusion. Die beiden Vorträge mußten von der Tagesordnung der letzten Versammlung abgesetzt werden wegen Behinderung des Gen. Krumm. Es ist dringend erforderlich, daß die Genossen in dieser und den weiter folgenden Versammlungen zahlreich zur Stelle sind. Dienstag, den 30. Mai: Cartellsitzung bei Orbig Abends pünktlich 9 Uhr.

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Marktbericht.

Gießen, 20. Mai.(Marktbericht). Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfb. 1.10 bis 1.30 Mk., Hühnereier p. St. 00, 2 St. 10 11 Pfg., Enteneier 2 St. 11 12 Pfg., Gän seeier p. St. 11 bis 12 Pfg., Käse 1 St. 5 8 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. Ltr. 22 Pfg., Lin sen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.80 1.00, Hühner per Stück Mk. 1.10 1.40, Hahnen per Stück Mk. 1.50 2.00, Enten per Stück Mk. 2.00 2.50, Gänse per Pfund Mk. 0.00 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 6072 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50 70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 5.00- 6.50, Weißkraut per St. 00 00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.50- 00.00, Milch per Liter 16 Pfg.

Grünberg, im Mai. Am Markttage, 20. Mai, wurden auf dem hiesigen Fruchtmarkte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 0 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 00,00 M., 0 D.⸗Z. Korn zu 00,00 Mark, 00 D.⸗Z Gerste zu 00,00 Mark, 4 D.⸗Z. Hafer zu 14,50 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Samen zu 00.00 Mark, 100 D.⸗Z. Kartoffeln zu 5,00 Mark.

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Unterhaltungs⸗Teil. 5 Die Spinnerin. Nur diesen letzten Rocken Noch spinnt der Mädchenfleiß,

Dann schmiegt euch, meine Locken Dem grünen Myrthenreiß!

Ich habe lang' gesponnen Und lange mich gefreut; Sum Bleichen an der Sonnen Liegt meine Jugendzeit.

Hat er wohl auch das Seine Mit treuem Mut gethan Betreten schon die Eine

Des Mannes Ehrenbahnꝰ

Hat innig er begriffen

Die Arbeit seiner Seit?

Hat er sein Schwert geschliffen, Zum letzten Kampf bereit p

weh ihm, wenn er nicht rechten Für uns're Freiheit will! weh ihm, wenn er nicht fechten Für sein Gewissen will!

Dann mag mein Liebster minnen Nur auf und ab im Land, Und dies mein bräutlich Linnen Wird dann ein Grabgewand.

Gottfried Keller.

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vom Stamm gerissen.

211 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Schluß.)

Als Kurt am folgenden Vormittage, aus der Pension Champuis kommend, in Beau Rivage nachfragte, erfuhr er, daß die Damen wirklich fort seien, die Zimmer aber noch belegt hätten. Erleichtert atmete er auf, indessen wich die Be⸗ klommenheit nur halb, denn- was konnte bei der Ruhelosigkeit und dem Wankelmute der schönen Frau nicht alles geschehen? Sein Vallon, sein Paradies, das nun täglich schöner sich entfaltete, wollte ihm keine Freude mehr machen. Die Einsamkeit drückte und beängstigte ihn. Schon sann er ernstlich darüber nach, ob er nicht nach Genf fahren sollte, als er einen 160 von dort erhielt. Er war von Frau

dalm:

Lieber, bester Herr Oettinger!

Es ist schauderhaft hier. Ich halte es keine Stunde länger aus. Wir kommen. Aber in das Hotel will ich nicht zurück. Ich habe das Parlieren satt. Erbarmen Sie sich und sehen Sie sich nach einer Villa für uns um. Aber machen Sie nur auf einen Monat ab, man kann nicht wissen, ob man länger bleibt. Alles übrige lege ich in Ihre Hände. Auf Wiedersehen morgen Abend. Viele schöne Grüße von der Kleinen.

Ganz die Ihrige Adeline Malm.

Herr Gott, war er diesmal glücklich über den Wankelmut und die Ratlosigkeit Adelinens. Er lachte laut für sich ganz allein. Eine Villa brauchte er nicht erst zu suchen. Er wußte von einer, die, obgleich ganz eingerichtet, verlassen stand. Sie gehörte einem jungen Gelehrten, dessen Bekanntschaft er in den ersten Tagen seines Hierseins gemacht und der gleich darauf nach Paris übergesiedelt war. Das Häuschen mit der konvolvulus⸗, jasmin⸗ und rosenüber⸗ sponnenen Veranda, von der sich Weingelände bis ans Seeufer hinabsenkten, war ihm immer wie ein kleines Eden erschienen, das sein eigen zu nennen nur einem Sonntagskinde bescheert sein könnte. Sogleich ging er zu dem Notar, der Villa und Weinberg verwaltete, und brachte die Sache mit ihm ins Reine. Am nächsten Abend konnte er der reizenden Villa ihre neuen

Bewohnerinnen zuführen.

Frau Malm war natürlich von allem ent⸗ zückt, am meisten von der Stille. Ach, wie himmlisch still und ruhig es hier war! Sie sei der Ruhe so sehr bedürftig. Nur nicht dieses lärmende Genf! Sie möchte sich am liebsten ganz von der Welt zurückziehen, nur still für sich und dem Andenken ihres lieben Alten leben! Indessen sollte Herr Oettinger dies nur ja nicht so wörtlich nehmen, sondern sie fleißig besuchen. Alle Tage wünschte sie ihn zu sehen. Das sollte ein reizendes Leben zu dreien werden.

Und das wurde es denn auch. Fast jeden Abend stellte sich Oettinger ein und bot seine ganze Unterhaltungskunst auf, um Frau Adeline zu zerstreuen und von Aufbruchsgedanken fern zu halten.

Die Vorstellung, daß sie fortgehen und Tussy entführen könnte, war ihm unerträglich.

Inzwischen war es Ende Mai geworden. Der Wein blühte, Jasmin und Rosen rankten sich bis unter das Dach der Villa und lugten in Tussys Mansardenfenster hinein, an dem sie, wenn Oettinger sich entfernt und Frau Malm sie entlassen hatte, sehr oft, die Hände auf die Brust gepreßt, stand und auf den im Mondlicht glitzernden See und die dämmernden Alpen schaute. Was war es, das die Seele des Mädchens träumend und sinnend machte? War es die Vergangenheit, war es die Zukunft?

An einem wunderschönen Sonntagmorgen, wo die ganze Natur im Festgewand strahlte, die Berghäupter wie Edelgesteine funkelten und blitzten, während der See noch in tiefem Schatten lag, kam Oettinger schon von Ouchy, wo er ein Frühbad im See genommen hatte, herauf⸗ gestiegen. Statt nach dem Vallon, schlug er fast mechanisch den Weg nach der Villa Solitaire ein. Je näher er derselben kam, je zögernder wurde jedoch sein Schritt. Es war noch sehr früh, kaum sieben Uhr. Er nahm Anstand, die Damen schon jetzt zu überfallen. Indessen besann er sich, daß er, ohne das Haus zu be⸗ treten, nach der Laube am Ende des Weinbergs gehen und dort eine spätere Stunde abwarten könnte. Im Haus und Garten herrschte die tiefste Stille. Auf der Veranda war der Tisch zum Frühstück noch nicht gedeckt, nur eine hand⸗ voll taufeuchter Rosen lag darauf. Das Man⸗ sardenfenster, welches er sehen konnte, war geschlossen und verhängt. Leise schritt er vor⸗ über und den Weinbergweg hinab. Als er in die Oeffnung der Laube eintrat, wurde ihm der reizendste Anblick zuteil. Im weißen Piquet⸗ Morgenröckchen, das bläulich-schwarze Haar aufgelöst, saß Tussy, von dem grün⸗goldenen Licht, das durch das Weinlaub siel, übergossen. Auf der Fußspitze wiegte sie ein zierliches Pau⸗ töffelchen, während sie sinnend zurückgelehnt den Stengel einer Rose zwischen den Fingern drehte. Vor ihr auf dem Tische lag ein Skizzenbuch und ein Stift. Bei der unerwarteten Begegnung waren beide im ersten Moment ein wenig be⸗ treten. Tussy tanzte es wie Feuerfliegen vor den Augen. Sie strich sich mit beiden Händen das Haar über die Ohren, schlüpfte in das Pantöffelchen und zog das lose anschließende Morgenkleid zu recht. Dann erst legte sie ihre Hand in die seine, die er ihr mit Ent⸗ schuldigungen über sein frühes Erscheinen reichte. Sie wagte ihn dabei kaum anzusehen, und ihre ersten Worte bildeten einen fast komischen Gegensatz zu ihrer Verwirrung. Oettinger mußte wider Willen lachen, als sie begann:

Auch ich bin sehr froh, daß Sie so früh kommen. Nun kann ich es Ihnen doch allein mitteilen. Frau Malm will fort, sie hat keine Ruhe mehr. Abend nicht hier waren. Sie langweilte sich und da war plötzlich nichts mehr gut, die Berge zu hoch, der See zu groß, der Garten zu klein, das Haus erbärmlich unkomfortabel kurz, wir müssen scheiden, lieber Freund!

Ach, das klang so unsäglich traurig:Wir müssen scheiden, lieber Freund!

Oettinger war ganz blaß geworden.

Vielleicht besinnt sich Frau Malm noch

Das macht nur, daß Sie gestern

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anders. Das ist so ein augenblicklicher Ein⸗

fall, sagte er.

O, da kennen Sie sie nicht. So wankel⸗

mütig sie ist, so energisch kann sie sein, wenn