Ausgabe 
26.11.1899
 
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Nr. 48.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

* Rou. Am Sonnabend hat sich in Rom, 66 Jahre alt, der Reichsgerichtsrat a. D. Otto Mittelstädt erschossen. Mittelstädt hat sich als Staatsanwalt als gründlicher Hasser und Verfolger der Sozialdemokratie hervorgethan. Durch und durch konservativ gesinnt, machte ihn die Entwicklung der Rechtspflege in den letzten Jahrzehnten zu ihrem schärfsten Kritiker. Nach seinem Austritt aus dem Reichsdienst hat er öfter in der Presse das Wort ergriffen. Zahlreiche Artikel in HardensZukunft und seine Broschüre:Vor der Flut, erregten be⸗ rechtigtes Aufsehen. Sein Freimut, seine Charakterfestigkeit und die Rücksichtslostgkeit, mit der er die Schäden der deutschen Rechtsprechung offen kritisterte, sichern ihm auch bei der Partei, deren entschiedenster Be⸗ kämpfer er war, die Achtung, die einem Gegner zukommt, der mit offenem Vister kämpft.

Die Landtagswahlen in Hessen.

* Am Samstag haben die Abgeordneten⸗ wahlen stattgefunden mit folgendem Resultat: Oberhessen.

Gießen⸗Land: Die Wahl sollte im Burg⸗ saal zu Staufenberg vorgenommen werden, kam aber nicht zustande, weil die sozialdemokratischen Wahlmänner fern blieben. Da die Gegner nicht über zwei Drittel aller Wahlmänner ver⸗ fügten, mußten sie unverrichteter Sache wieder abziehen. Ein zweiter Termin muß anberaumt werden, in dem die erschienenen Wahlmänner, einerlei wieviel es ihrer dann sind, abstimmen können. Wie wir hören, soll der zweite Termin auf dem Windhof stattfinden.

Vilbel⸗Büdesheim: Graf Oriola (ntl.), der den Bezirk seither vertrat, ist wieder⸗ gewählt. Für seinen Gegenkandidaten, Genossen Krumm, wurden neun Wahlmänner gewählt. Bei direkter Wahl würde Krumm glänzend ge⸗ siegt haben. Selbst die amtlicheDarmst.

tg. giebt zu, daß die soztaldemokratischen ahlmänner in mehreren Orten nur mit ganz knappen Mehrheiten geschlagen wurden.

Altenstadt⸗Büdingen: Baehr(Antis.). früher Westernacher(natl.).

Bad Nauheim: Weith(natl.) wieder⸗ gewählt.

Alsfeld⸗-Ulrichstein: Corell(Bund der Landw.) wiedergewählt.

Hungen⸗Lich: Köhler(Antis.) wieder⸗ gewählt.

Homberg-Grünberg: wiedergewählt.

Nidda⸗Ortenberg: Erk(natl.) wieder- gewählt.

Brauer(natl.)

Starkenburg. Groß Gerau⸗Land: Berthold(Sozd.), früher Dr. Osann(natl.). Cramer(Sozd.)

Langen⸗Isenburg: wiedergewählt. l Darmstadt⸗Land: Noack(parteil.), früher Prof. Friedrich(natl.). f Pfungstadt⸗Eberstadt: Kreisrat Haas (natl.) wiedergewählt. n Heppenheim⸗ Viernheim: Professor 1 85(Zentr.), früher Frhr. Dael v. Köth entr.). a Höch st Wiebelsbach: Häusel(natl.) wiedergewälht. f. Fürth⸗ Reinheim: Ripper(Ant.) wieder⸗ gewählt. Seligenstadt: gewählt.. Bensheim: Euler(natl.) wiedergewählt. Beerfelden: Breimer(ntl.) wiedergewählt. Rheinhessen. Mainz⸗Land: Dr. Schmitt(Zentrum) wiedergewählt. Oppenheim-Nieder-Olm: Molthan (Zentr.), früher Wernher(natl.). 5 05 Wörrstadt: Wolf⸗Stadecken(Ant.), früher rist(freis.). 8 Osthofen⸗Alsheim: Schill(ntl.), früher (natl.).

Horn(Zentr.) wieder-

Hehn eg: Diehl(ntl.), früher Römer(natl.).

Wöllstein⸗Alzey: Pitthan(utl.) wieder⸗ gewählt.

Marburg.

Ober⸗Ingelheim: Brentano(Zentr.) wiedergewählt.

Eine irgendwie beträchtliche Verschiebung in der Zusammensetzung des Landtags hat nicht stattgefunden. Die Nationalliberalen, die noch vor 6 Jahren von den 50 Abgeord netensitzen 33 inne hatten, dann aber auf 23 zusammengewählt wurden, sind nun bis auf 19 zusammengeschrumpft. Sie haben wieder vier Mandate verloren, eins an die Antisemiten, eins an die Sozialdemokraten und zwei an sogenannte parteilose Kandidaten. Die Frei⸗ sinnigen haben einen Sitz an die Antisemiten verloren, sind also nur noch durch zwei Ab⸗ geordnete vertreten. Die Antisemiten ge⸗ wannen zwei Mandate und verloren eins, die Sozialdemokraten behaupteten ein seither unsicheres Mandat glänzend und ge⸗ wannen ein neues. Das Zentrum hat seinen alten Besttzstand gerettet.

Die sozialdemokratische Partei kann mit dem Ausgang der Landtagswahlen in Hessen zufrieden sein. Ueberall haben wir ganz bedeutend an Stimmen gewonnen und in zahlreichen Orten unterlagen unsere Wahl⸗ männer den gegnerischen, für die Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer häufig genug mobil ge⸗ macht waren, nur mit wenigen Stimmen.

Die in Hessen seit Jahren planmäßig be⸗ triebene Landagttation ist nicht fruchtlos ge⸗ wesen. Es geht überall vorwärts!

**

*

In einer längeren Wahlbetrachtung der Frkf. Ztg. heitzt es:

Es ist charakteristisch für die Stimmung in Hessen, daß man sich mehr und mehr sogen.parteilosen Kandidaten zuneigt solchen Kandidaten, die sich keiner der bestehenden Parteien anschließen mögen. Die natio⸗ nalliberale Mißwirtschaft hat eben die Wähler mit einem solchen Widerwillen und Argwohn gegen Partei⸗ kandidatengemäßigter Richtung erfüllt, daß sie, wenn sie nicht einem Vertreter extremer Anschauungen ihre Stimme geben, entweder gar nicht wählen oder einen Mann, der durch persönliche Eindrücke und Ein flüsse, nicht durch ein Parteiprogramm auf sie einwirkt. Das ist nicht erfreulich, es erscheint aber begreiflich, wenn man die Unfruchtbarkeit und Unthätig⸗ keit der liberalen Parteien Hessens kennt. In dieser Ginsicht bleibt die freifinnige Partei der nationallibe⸗ ralen nichts schuldig. Ihr Verhalten im verflossenen Wahlkampf war durchaus unerfreulich; eine Sitzung des Landesausschusses mit ebenso hoffnungsfreudigen wie grundlosen Erfolgabwägungen, ein recht hübsch zu lesen⸗ der Wahlaufruf, und hie und da ein wenig Agitation von Mund zu Mund, selbstverständlich mit möglichstem Ausschluß der Oeffentlichkeit: das war alles. Keine Nachhaltigkeit, keine Verve in der Agitation. Der Erfolg war dementsprechend; von den drei Sitzen verlor sie einen, und wenn nicht Uneinigkeit der Gegner oder ähnliche Glücksumstände bei den nächsten Wahten hülf⸗ reich eingreifen, dürfte der hessische Freisiun aus der Volksvertretung verschwinden.... Die Sozialdemokraten.... hatten auf mehr gerechnet. Aussichtsvoll für die Sozialdemokratie ist die poli⸗ tische Entwickelung Hessens ganz gewiß; man mag das an sich bedauern, aber unter den obwaltenden Verhält⸗ nissen muß man die Soztaldemokraten im Hessenlande als die eifrigsteu und rücksichts⸗ losesten Vertreter der Volksrechte, nicht nur des Proletariats, ansehen.

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 25. November:

Gießen. Partei⸗Vers. bei Orbig. Bericht über den Parteitag in Hannover. Referent: Ph. Scheide⸗ mann. Debatte.

Wieseck. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends halb 9 Uhr bei Gerhard Schneider.

Partei⸗Vers. bei C. Müller. Vortrag des Gen. Alb. Meyer über das kommunistische Manifest.

Sonntag, 26. No vember:

Gießen. Arb.⸗Bild.⸗Verein nachm. halb vier Uhr Generalversammlung bei Orbig.(Näh. im Inserat.)

Alsfeld. Wahlverein nachmittags 3 Uhr Mitglieder⸗ versammlung auf der Pfefferhöhe. Vollzähliges Er⸗ scheinen erwünscht!

Sonntag, 3. Dezember:

Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen. Nachmittags 3 Uhr Parteiversammlung bei Löb in Gießen,

Kaplansgasse. Tagesordnung: Bericht unseres Delegierten Ed. Krumm über den Parteitag in Hanno ver.

Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen. Quittung. Für den Parteitag in Hannover gingen ein auf die Listen Nr. 1: 12,60 Mk., 3: 9,90 Mk., 4: 5,45 Mk., 5: 1,50 Mk., 7: 2, Mk., 8: 5,60 Mk., 10: 6.70 Mk., 11: 5,40 Mk., 12: 1,80 Mk.

Quittung. Für die Landtagswahl vom Volks⸗ verein in Alten⸗Buseck 8,50 Mk.

Europa, zittere, der gefährliche Verbrecher Dr. Quarck in Frankfurt a. M. ist am Samstag wieder in die deutsche Freiheit entlassen worden, nachdem er vier Monate lang in Preungesheim eingesperrt war. Quarck hatte sich seiner Zeit mit der Thronrede be⸗ schäftigt, wodurch er zum Majestätsverbrecher geworden sein sollte. Damit er gebessert werde, wurde er auf vier Monate von Frau und Kindern getrennt, die wahr⸗ scheinlich gar zu schlimme Einflüsse auf ihn ausübten, und nach Preungesheim unter die sich dort gewöhnlich aufhaltende anständige Gesellschaft gethan. Wir kennen den verstockten Sünder schon so lange, daß wir mit Bestimmtheit behaupten können: er hat sich nicht ge⸗ bessert. Aber eins hoffen wir, nämlich daß ihm die Haft möglichst wenig an der Gesundheit geschadet hat, damit er seine vorzügliche Feder recht bald wieder in den Dienst der Partei stellen kann. Im übrigen: herzlich willkommen in der deutschen Freiheit!

Briefkasten der Redaktion.

Wahlmänner. Wir erwarten, daß keiner bei der zweiten Abstimmung fehlt.

A. H. V. ⸗H.⸗S bach. Ihre Frage ist erst heute (Donnerstag) an die Redaktion gelangt. Das angefragte dürften Sie in jeder besseren Eisenwarenhandlung er⸗ halten. Bestimmt erhältlich bei Ph. Mayfarth u. Ko., Frankfurt a. M.

Briefkasten der Expediion. Quittungen. L. Weck. 24.60. Mhl G. 56. Mdlr. Kzbch. 24.40. Schfr. Shsbch. 2.80. A. Rdogn. 4.60. Rch. Grhs. E. 3. Lcht Gbg. 6.20. Kch. Ifd. 9.40. Ffflr. Frbg. 30. Wdm. Cch. 2.40 Sg. Hchst. 2.20. Strk. S. Z. 3.80. K. S 11.30. Kch. Nrfl. 6. N Ech. 3.

Tetzte Nachrichten.

Reichstag. Am Donnerstag hat der Reichstag die Novelle zum Postgesetz in der Gesamtabstimmung angenommen. Dann folgte die zweite Lesung der Novelle zur Ge⸗ werbeordnung. Zu längeren Auseinander⸗ setzungen führt ein sozialdemokratischer Antrag zu§ 33, wonach alle Gastwirte eines Ortes in Bezug auf Polizeistunde und Genehmigung von Lustbarkeiten gleich be⸗ handelt werden sollen. Für diesen An⸗ trag sprachen mehrere Sozialdemokraten, trotz⸗ dem lehnte der Reichstag denselben ab. Außer den Sozialdemokraten erkennt eben niemand das gleiche Recht für alle an. Ein neuer Artikel 4 a, betreffend die Einschränk⸗ ung des Barbier⸗ und Friseurgeschäfts an Sonn- und Feiertagen wurde angenommen.

Die Maureraussperrung im Frank⸗ furt a. M. dauert fort. Der Versuch der Unternehmer, die Schuld des bedauerlichen Konfliktes auf die Arbeiter zu schieben, ist total mißglückt. Aktenmäßig haben die Arbeiter in derVolksstimme nachgewiesen, daß sie in gutem Recht, die Unternehmer aber im schlimm⸗ sten Unrecht sind. Die Frankfurter Maurer verdienen der thatkräftigsten Unterstützung vor allen Dingen insofern, daß dafür gesort wird, jeden Zuzug nach Frankfurt fernzuhalten.

Gießener Stadttheater. Sonntag, den 26. Nov.: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Dienstag, den 28. Nov.: Onkel Bräsig. Mittwoch, 29. Nov.:

Luser Doktor.

Freitag, den 1. Dez.: Ehrliche Arbeit.

Dienstag, Mittwoch u. Freitag: Gastspiele v. G. Richard.