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Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 18. 1 und hot gesagt:„Gelt, die sin schö! Die fin] mer mei Schwester, die Karline, die mer die Unterhaltungs-Cril. heut' for'm Papa sein Nachtisch, wisse Se, der[Haushaltung führt, entgege un sägt:„G'rad'
Jeanette. Von Otto Julius Bierbaum.
Was ist mein Schatz? Eine Plättmamsell. Wo wohnt sie? Unten am Gries, Wo die Isar rauscht, wo die Brücke steht, Wo die Wiese von flatternden Nemden weht, Da ist mein Paradies. Im allerkleinsten Nause drin, Mit den Fensterläden grün, Da steht mein Schatz am Bügelbrett, Hoiho, wie sie hurtig den Bügelstahl dreht, Gott, wie die Backen glüh'n! Im weißen Röckchen steht sie da, Ihre Blouse ist blumig und bunt; Mein Mieder schnürt, was drunter sich regt, Sich wellenwohlig weich bewegt, Der Brüste knospendes Rund. Vorüber geh ich allmorgens früh, Schau tief ihr ins Auge hinein, Da liegt meine Lust, meine Liebe, mein Glück, Die lachende Kunde: Komm abends zurück, Das Waschermadel ist dein!
's Lisbethche.
Aus eme alte Schwerenöter sei'm Tag buch von Dr. G. R.
Wann mer so dahin lebt als än Tag wie de annere— mer hat set Geschäft, wo alle Fingerslang ebbes Dummes passiert un der Nerger nit ausgeht, die Kinner wer'n groß und mache em Sorge, ob se äch rechtschaffe denke un ebbes Ordentliches lerne— do merkt mer lang nix, daß mer alt werd dabei— uff ämol is mer'sch.
Die Leut' sagen's em nit g'rad' ins Gesicht, wenn de aber die Gewohnheit an der hast, nach de Weibsleur zu gucke, do werscht de gewahre wer'n, daß sich do im allgemeinen ebbes ge⸗ ännert hat. Was die Zielbewußte sein, so von Neunzehn bis Neunundzwanzig, die doch sonst als des Köppche gedreht habe, die renne an der vorbei als wärscht de Luft; und sind's bekaunte Mädercher, do schlele se höchstens rüber mit steife Köpp und wolle e Kompliment gemacht habe, was se mit ehre vornehme Senkung der allergnädigste Nasespitz erwidern könne. So denk' ich mer, guck' als überzwerch, Rosmareinche, un geb' Acht, daß dei'm Lad⸗ stöckche nix passtert, wo de verschluckt hast.
Ens aber is drunner, das Lis bethche, des is ganz annerscht: des lacht schun von weitem, wann's mich sieht, und waun's dann näher kömmt, da läßt's mer gar kä Zeit, daß ich mein' Hut runner thu', es giebt mer sei Handche und macht sei Kuixche und frägt mit sei'm helle Stimmche:„Gut Zeit, Herr Röder, Sie sehe aber prächtig aus! Wie geht's denn der Frau Schwester, ich hab' se gar zu lang nimmer gesehe?“, und so weiter, daß mer gar nit zum Wort kommt vor lauter Freundlichkeit un Gebappel. Waun ich dann so en windstille Moment benütze will und mei Komplimente anbringe: was es für„e lieb und gescheit Mädche wär“ und was mer sonst als einfällt, weun ich em so nah in sei sunnine Aage guck', do werd's als e bische rot, aber es thut nit zimperlich, es frägt herzhaft:„Is wahr, Herr Roder? Das freut mich, daß Sie so e gute Meinung von mir habe, Herr Röder.“ Un fort is es wieder. Un ich tapp' halt aach weuer un summ' dem alte Mendelssohn set melancholisch Lied:„Ach, wie so bald verhallet der Reigen...“ Des will mer seit e paar Woche nit mehr aus m Kopp.
Heut früh begegne ich dem Lisbethche wider emol in der Kreuzgaß, wie's g'rad' en große Henkelkorb am Arm hat. Es geht uf der annere Seit“ von der Gaß. Wie's mer aber so lieb zunickt, do geh' ich zu em rüber und wunner mich:„Gelt, Sie komme schon vom Markt, Lisbethche, und habe recht eingekaaft?“
Da macht's sein Korb uf und zeigt mer allerhand gute Sache un obe druf die aller⸗ schönste Traube.
„So“, sag ich,„wer kriegt denn die? So 85 88 hab' ich ja des Jahr noch gar nit ehe.
Do hot's mich so e bische listig angeblinzetl
will als ebbes zum Zuspitze, un so lang's Traube giebt, is des es Best'.“
„Do habe Se ganz recht“, sag) ich,„wenn ich nur äch so e lieb Töchterche hätt', des mer was Gutes vom Markt häm trägt!“
Do is des lustig Lisbethche uf ämol ganz ernst wor'n und sägt:„Ja, gelt, Herr Röder, Sie wohne halt e bische weit drauße, und die Mägd wenn mer fortschickt, die komme gar nie mehr wider. Aber wenn Sie erlaube, Herr Röder, will ich als—
„Ja, das wär' noch schöner— ich dank' Ihne recht herzlich für Ihre freundliche Ge⸗ sinnung un grüße Se de Papa und die Mama recht schön von mir!“
„Danke, Herr Röder, will's ausrichte!“
Und fort war's, das Lisbethche mit sei'm gescheite Gesichtche, seine liebe Aage und seine schwarze Löckelcher, un ich hab' em noch lang nachgeguckt, bis es mit seim Marktkorb im Geschwindschritt ums Eck war.
Des Lisbethche is nämlich die ältest Tochter von mei'm Freund, dem Professor Schmitt, un ich hab's schon als Kind gekannt un immer gern gehabt. Seit zwei Jahr' sag' ich„Sie“ zu em, was es als anfangs nit hat leide wolle. Wie ich's aber nit annerscht gethan hab', hat sich's gebe, is aber immer gleich freundlich un herzlich gebliebe. Dehäm is es arig fleißig, springt wie e Wieselche im Haus rum un hilft seiner Mutter in der Küch' un in der Haus⸗ haltung. Es sin sechs Kinner, vier Bube un zwä Mädcher von zwanzig Jahr' bis zu zehn runner, un do hat der Vater gemänt, wo acht esse, do thät's nit viel ausmache, wenn noch e paar mitesse, un so halte se aach noch e paar Schüler. Das wär' alles recht, wenn die Mutter nit als emol Koppweh hätt' un Herz⸗ kloppe, wo se sich dann ins Belt lege muß oder in de Lehnstuhl setze un warte, bis es wider vorbei is. Do hat denn des Lisbethche die groß Haushaltung allän zu besorge, was ebbes häße will for so e jung Mädche. Aber es grunzt nit, es kräxt nit, es macht kä Gesicht; es denkt sich sei Sach' schö zusamme, komman⸗ diert des Mädche zur rechte Zeit zum Better⸗ mache un ufräume un wird nit ämol err de ganze Morgent. Ja, es hat noch Zeit, als emol nach seiner kranke Mutter zu gucke, un mächt er Umschläg' un tröst' se, un fragt se, ob se nix braucht.
Um halber Ens steht die Supp uf em Tisch, un's Lisbethche steht dabei un schöppt jedem 'raus wie sonst als die Mutter, un die Ge⸗ schwister stumpe enanner mit de Elleboge un gucke em zu, wie's do rum wirtschaft' uf em Tisch un's Mäulche zampetzt zu ere mütterliche Amtsmiene.
Das alles hat mer letzthin sei Vater ver⸗ zählt, un wie er'sch nachher e bische gefoppt hat. Er hätt als so mit em Löffel in der Supp' rumgeläppert un, als wüßt' er von nix, gefragt:„Wer hat denn heut' die Supp' ge⸗ macht, ich meen, sie wär' angebrennt.“
„Angebrennt?“ sägt 8 Lisbethche,„gelt, Du willst mich wider emal utze, Papa? Aber es wär' ke Wunner, wenn em ebbes passiert, weil mer keen Aageblick sei Ruh' hat vor dene deibelse Bube. Wie die Mutter de Rücke ver⸗ wend't, wutsch, sind se in der Küch' und überm Kücheschrank.“
„Wäßt De, Vater“, sagt da der Aeltst, der Fritz,„es hat heut' so verdächtig gerappelt in der Küch', da habe mer nachsehe müsse, was passiert is.“
Der Vater aber hält jetzt zur Tochter und sagt:„Die Bube habe ämol nix zu thun in der Küch', ob's jetzt rappelt oder nit rappelt.“
„No, wenn mer doch schuld sein solle“, mischt sich da der Zwät, der Ludwig, drei, „dann därf mer aach sage, daß die Supp' heut' gar nit angebrennt is, ich schmeck' nix.“
„No, sie passiert“, sägt der Vater, und streichelt's Töchterche über das Nasespitzche runner, daß es äch wieder gut werd.——
So muß ich den ganze Morgent an das klä Mädche denke. Wie ich häm kumm', kommt
war's Professors Lisbethche da, un hat en ganze Teller voll schöne Traube gebracht. Du thätst schon wisse davon, hat's gesagt, un hat's recht pressant gehabt, die klä Hex' mit ihrem große Korb. Gelt, Du bist em nf'm Markt begegnet?“ g
Da hab' ich e Bedürfnis gefühlt, e bische zu lüge, un sag':„Ja freilich, es hat sich an⸗ gebote, die Traube mitzunehme, weil mer so weit drauße wohne. Es hat ee recht gut Herz, des Mädche, un thut äm gern en Gefalle.“
„Ja, es is e interessank Mädche“, sagt da mei Schwester,„un's is jetzt schon in die Zwanzig, da wunnert's mich eigentlich, daß sich noch kä Liebhaber gefunne hat.“
No, es wird halt aach nit jeden wolle, denk' ich mer, un guck als im Vorbeigeh'n in de Spiegel un dreh' den Schnurrbart un werbel mei Tuze uf; un wenn ich mer aach sage muß, daß des nimmer so schön schwarz is wie vor zwanzig Jahr', un daß e dicker Bauch nit g'rad' zu de Zierde des männlichen Geschlechts gehört, so stell' ich doch noch mein' Maun mit em heitern Gemüt un ere splendide Lebensart, was bei de Weiber nit ohne is.
Mer kann ja gar nit wisse, wie verschiede die Geschmäcker sin bei dene Frauenzimmer, do kumme als die seltenste Sache vor.
Wer kann vor die Lieb'?'s is was Himm⸗ lisches un so e ganz uninteressant Gefühl von Wohlgefallen, wo kä Mensch wäß, wo's her⸗ kommt un was eigentlich die Ursach' is. Un wenn mer sich denkt, daß mer selber dadervon des Ziel un der Gegenstand wär'! Eh mer sich's versieht, hätt' mer so e lieb Dingelchen uf em Schoß sitze; des streichelt em un küßt em bald uf de Backe, bald uf's Maul, un bald uf de Glatze, un werd gar nit fertig mit aller⸗ hand Posse un äfältige Frage, von dene's scho lang die Antwort wäß.
So Zeug rappelt mer durch's Blut, wie ich nach Tisch von dene Trauben eß, die des Lisbethche vorhin gebracht hat. a ö
Die Karline sitzt dabei un betracht mich als von der Seit' un schüttelt de Kopp un wäß nit recht, was se draus mache soll, daß se heut' uf die allerinteressanteste Frage ke Antwort kriegt oder e recht überzwerche. Endlich sägt se:„A spinn' als!“, un geht naus.
So um drei Uhr, wie ich mei Mittags⸗ schläfche gemacht hatt', kommt e telegraphische Depesch von mei'm Wilhelm aus Erlange: „Doctor magna cum laude gemacht, komme heute Abend acht Uhr.“— Natürlich hole mer'n All am Bahnhof ab, de neugebackene Herr Doktor, un wie er aussteigt, do is großer Jubel bei Alt un Jung..
Er selber aber kommt mer als e bische traumverlore vor, als ging em noch was ab.
Nach em Nachtesse rückt er dann raus un sagt:„Ihr werd' mer'sch nit übel nehme, aber ich muß heut noch ins Professersch'nunner, ich hab' en wichtige Auftrag auszuricht.“
„A, mach' mer kä Flause, des werd nit so presstere. Wer werd denn bei der stockfinstere Nacht noch die Leut überfalle.“ g
„No, ich will Dir's nur sage, ich muß des Lisbethche noch sehe un ihm sage, wie mer'sch gange is.“—„Dem Lisbethche??.
„Ja, natürlich— jetzt könnte mer Ja unsere We— 1 weiß, Ihr habt nix dagege, Ihr habt's ja au Fein N
„Ia, do schlag' doch e Bumme'nei! Seit
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wa „O wir sind schon seit zwei Jahr' einig—
— ja, Vatter, was schüttelst denn de Kopp?
Is es nit e prächtig Kerlche, e feine Frau Doktorin?“ a
„Ja, ja— meinetwege— als zu!— ich ärger mich nur, daß ich so dumm war un so lang nix gemerkt hab'!“
n hämlich denk ich mer:„Es hat doch alles uf der Welt sein begreifliche Zusamme⸗ hang.—— Un eh mer an übernatürliche Ursache glaabt, soll mer sich immer zuvor uf
die natürliche besinne. Wart' nor, Lisbethche!“
(„Frkf. Ztg.“)
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