Ausgabe 
26.3.1899
 
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Deite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

CCC freiheitliche Ueberzeugung gefallene Männer. Das be⸗ weise auch der Ausdruck der Hochachtung, den der da⸗ malige König den Gefallenen, die man vors königliche Schloß getragen, erwiesen habe, indem er den Hut angesichts der Leichen abgezogen habe. Redner verliest alsdann einen Passus aus der Leichenrede des Pfarrers Seidel-Berlin bei dem Begräbnis der März⸗ gefallenen, woraus die höchste Achtung vor den Ge⸗ fallenen bezeugt wird. Redner schilderte hierauf die Vor⸗ den betr. der Einfriedigung des Begräbnisplatzes er Märzgefallenen und schloß seine Ausführungen mit dem Hinweise, daß die heutige Arbeiterschaft den Kämpfern von 1848 ein Denkmal im Herzen bewahren werde, das besser sei als ein solches von Stein oder Erz. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen Worte. Nach einer kurzen Pause ergriff Gen. Bader das Wort. Er schilderte in markiger Weise einige Vorgänge aus damaliger Zeit uud meinte zum Schlusse, daß wir heute Lebenden den Zusammen⸗ bruch des jetzigen Klassenstaates wohl nicht mehr er⸗ leben würden, es gelte aber, für unsere Kinder und Enkel bessere Zeiten zu erringen. Auch ihm wurde lebhafter Beifall zuteil. Nachdem die Versammlung durch einen hiesigen Genossen den beiden Rednern unsern Dank abgestattet und die Anwesenden aufge⸗ fordert hatte, die Parteiversammlungen immer so zahl⸗ reich wie heute zu besuchen, wurde die Versammlung nach Bekanntgabe einer internen Angelegenheit, die nach Meinung vieler Anwesenden am heutigen Abend besser unterblieben wäre, geschlossen. Bei einem guten Glas Bier und gemütlicher Unterhaltung verweilten die Genossen noch mehrere Stunden in ungezwungenem Zusammensein. Alle aber trennten sich im Bewußtsein, einer würdigen Märzfeier beigewohnt zu haben.

Die Osternummer

der

Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung

gelangt bereits am Donnerstag, den 30. März zur Ausgabe. für diese Nummer, welche Juserate in großer Auflage und 10 Seiten stark verbreitet wird, erbitten wir bis spätestens Dienstag. den 28. März. Unsere Genossen werden besonders ersucht, diejenigen Wirte, welche zu Ostern Tanzfestlichkeiten ab⸗ halten, darauf aufmerksam zu machen, daß sie rechtzeitig ihre Annoncen einsenden. PEEEEEAEAEAPrArGPrGrrhoTToTTTTTTbTbTbTbbeee

Schneid erbewegung in Gießen.

n. Die Gießener Schneider hatten den Beschluß gefaßt, in eine Lohnbewegung einzu⸗ treten. Der Umstand, daß die weitaus große Mehrzahl der Berufsgenossen dem Verband angehörte, also organisiert war, gab ihnen das Recht, auf einen günstigen Ausgang des Lohnkampfes zu rechnen. Sie haben sich nicht getäuscht. Ihre Lohnforderungen wurden be⸗ willigt und zwar von allen Gießener Firmen bis auf eine einzige: die F ir ma Stumpf! Herr Stumpf ist das Haupt der Antisemiten in Gießen und handelt in Militäreffekten. Er kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, der einzige Schneider⸗ meister in Gießen zu sein, der die berechtig⸗ ten Forderungen der Arbeiter nicht gebilligt hat. Echt antisemitisch! Die Schneidergehilfen in Gießen dürfen aber nicht vergessen, daß sie ihren Sieg lediglich ihrer Organisation zu danken haben. Und nun Treue um Treue! Jetzt darf nicht geruht werden, bis auch der letzte organisiert ist. Die paar Pfennige, welche für den Verband geopfert werden, tragen gute Früchte.

Station Schiffenberg.

* Wie aus unserem Bericht über die Ver⸗ handlungen des hessischen Landtags ersichtlich, hat die zweite Kammer einstimmig beschlossen, an der Haltestelle am Schiffenberg ein Stations- haus zu errichten und die jetzige Hilfsstation zu einer größeren, allen Anforderungen genügen⸗ den Station mit Güte verkehr umzugestalten. Damit ist ein ebenso alter wie berechtigter Wunsch der Gemeinden Watzenborn⸗Steinberg⸗ Hausen und Grüningen erfüllt worden. Freude wird es unseren Genossen in den betreffenden Dörfern machen, wenn sie hören, daß ganz be⸗ sonders energisch unser Parteigenosse und Lands⸗ mann Dr. David, der bekanntlich seit mehreren Jahren in Rheinhessen wohnt, für die Um⸗ gestaltung der Haltestelle Schiffenberg eintrat.

Gegen die Feierabendstunde.

* Am Mittwoch kam in der Zweiten hessischen Kammer der sozialdemokratische Antrag auf Auf⸗ hebung der Feierabendstunde zur Verhandlung. Begründet wurde der Antrag vom Gen. Cramer, der darauf hinwies, wie ungleich die Feierabendstunde gehandhabt würde. Wolle man die Feierabendstunde nicht allgemein aufheben, so möge man wenigstens für Vereine und Versammlungen jeder Art die Auf⸗ hebung genehmigen. Ministerialrat Breider führte aus: Der größte Teil der Bevölkerung sei für die Feierabendstunde(lebhafter Widerspruch), namentlich die ländlichen Kreise. Geschlossene Vereine unter⸗ lägen der Feierabendstunde nicht. Im Uebrigen hätte ja der Bürgermeister die Befugnis, bei Versamm⸗ lungen von Feierabendstunden zu entbinden. Abg. Freiherr von Koeth(Ctr.): Ein Unterschied zwischen Stadt und Land müsse wohl gemacht werden. Das Land wolle die Feierabendstunden.(Den Herren Breider und von Koeth empfehlen wir, sich einmal auf den Dörfern zu befragen, wie man dort über die Feierabendstunde denkt. Uns sind Fälle bekannt, daß Leute, die in der Stadt waren und erst um 11 Uhr in's Heimatdorf zurückkehrten, bestraft worden sind, weil sie von den Gendarmenabgefaßt wurden, als sie noch einen Trunk zu sich nahmen. Selbstverständ lich konnten sie ihr Glas Bier nicht vor 11 Uhr trinken, wenn sie nach langer Wanderung von der Stadt erst gegen oder kurz nach 11 Uhr heimkehrten. Derartige Fälle haben regelmäßig im ganzen Dorf böses Blut gemacht, was für jeden vernünftig denken⸗ den Menschen auch ganz erklärlich ist.) Unser Genosse Ullrich, der, von schlimmer Erkrankung kaum halb⸗ wegs genesen, sofort wieder lebhaft in die Verhand⸗ lungen eingriff, führte u. A. aus: Sitte, Moral und Ordnung würden durch die Aufhebung der Polzei⸗ stunden nicht gefährdet, wohl aber werde durch die verschiedenartige Handhabung viel böses Blut erregt. Die unteren Polizeiorgane gingen häufig ge⸗ nug chikanös vor, namentlich gegen Vereine und Versammlungen, die von Arbeitern und sozial⸗ demokratischen Vereinen veranstaltet würden. Der Redner bringt eine Reihe von Beschwerden vor. Früher sei die hessische Polizei nicht so rigoros gewesen, erst seit Anfang der 1890er Jahre zeigte sich eine Wendung zum Schlechteren. Die Polizeistunde müsse die Ausnahme bilden, in der Regel sei sie überflüssig und schädlich. Die Entscheidung über den sozial⸗ demokratischen Antrag, die Feierabendstunde aufzu⸗ heben, fiel erst am Donnerstag. Der Antrag wurde

schließlich für vorläufig erledigt erklärt im Hin⸗

blick auf die bevorstehende Revision des Polizeistraf

gesetzbuches. Aus Wetzlar.

fk. Menschenfreunde. Gelegentlich der Generalversammlung der Ortskrankenkasse wurde neben anderem auch vorgeschlagen, eine Aenderung des bestehenden Kassenstatuts in dem Sinne vorzunehmen, daß derjenige, welcher im Laufe eines Jahres einmal 13 Wochen Kranken⸗ geld hintereinander bezogen hat, keinen weiteren Anspruch auf Krankengeld soll erheben können, wenn er innerhalb 12 Monaten noch einmal an derselben Krankheit erkrankt, für welche ihm das erstemal Krankengeld gezahlt worden ist. Der Antrag wurde abgelehnt. Aber auch wenn er angenommen wäre, würde das an den bestehenden Verhältnissen nichts geändert haben, denn es giebt nämlich ein gewisses Gesetz betreffend die Krankenversicherung, und das müssen auch die Wetzlarer respektieren. Dieses Gesetz läßt aber derartige Bestimmungen, wie sie verlangt wurden, nicht zu.

Aus Löhnberg.

* Er hat's erreicht! Nämlich der Lehrer Jo st Benner, Krieger- und Militär⸗ vereinspräsident, Mitglied des Vaterland⸗Vereins und Inhaber mehrerer anderer Ehrenämter, wie er sich selbst einmal in einem Schreiben an die M. S.⸗Ztg. unterzeichnete. Dem verdienten Mann ist die erste Lehrerstelle in Löhnberg man denke in Löhnberg!! übertragen und er gleichzeitig zum Hauptlehrer ernannt worden. Er teilte uns das selbst mit, indem er uns ein Weilburger Blatt sendet, welches die Notiz über seine Beförderung enthält. An den Rand des Blattes schrieb der nunmehrige Hauptlehrer Jost Benner:Der von Genosse H. gewünschte Orden! Nun, ein Orden ist jene Ernennung gerade nicht, aber vielleicht kommt so ein Piep⸗ matz vierter Güte später nach. Wir gönnen ihn dem um das Staatswohl so besorgten Haupt⸗ lehrer Jost Benner von ganzem Herzen. Wer seine gute Gesinnung so offen zur Schau trägt, muß entsprechend belohnt werden.

N Aus Dorheim. r. Am vorigen Sonntag wurden an der

Wetterbrücke in der Nähe der Hollerschen Wirt⸗

schaft einige alte Grenzsteine und ein kleines Gartenthor eines als Sozialistenhasser bekannten

Mannes ins Wasser geworfen. Da die Sozial⸗ demokraten nun in der Hollerschen Wirtschaft ihr

Vereinslokal haben, werden ihnen die geschilder⸗

ten Rohheiten zur Last gelegt. Ein sehr bequemes Verfahren. Alle Rohheiten, die von unreifen Buben ausgeübt werden, schiebt man einfach unserer Partei zu. Damit erreicht man gleich zweierlei: über die wahren Schuldigen wird der Mantel christlicher Nächstenliebe gehängt, sie bleiben unermittelt; und der verhaßten Partei wird eins angehängt. ein solches Verfahren allerdings nicht. Und in einem Ort, wo noch mehr als 60 Exemplare eines bekannten Muckerblattes gelesen werden, sollte so etwas nicht vorkommen. Oder ist das vielleicht gerade eine Erklärung für jenes Ver⸗ halten? Genossen in Dorheim, verbreitet mehr unser Blatt, dieM. S.⸗Ztg., dann wird man auch hier mehr Respekt vor unserer Partei be

kommen. Aus Heldenbergen.

r. Bei der am 11. d. M. stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Beigeordnete Dott mit 114 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Seine Gegenkandidaten erhielten zusammen 105 Stimmen. Dott wurde auch von den Arbeitern unterstützt.

Aus Offenbach. * In der hiesigen Stadtverordnetenversamm⸗ lung geht es, seitdem 17 Sozialdemokraten darin sitzen, anders zu, wie früher. Die Gesellschaft

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Besonders christlich ist

Schlossersche Liegenschaft bezog seither 2000 Mk.

städtische Unterstutzung, verweigerte aber den Sozialdemokraten ihre Räume. Dieser Tage nun verlangten die bescheidenen Herren gar 4000 Mk. für die Zukunft. Da unsere Genossen jedoch der sehr vernünftigen Ansicht waren, daß städtische Gelder nur zu gunsten der Allgemeinheit verwendet werden dürfen, so lehnten sie die Unter⸗ stützung überhaupt ab. Nun sitzen die Herren mit dicken Köpfen da und denken wohl über die Wandelbarkeit aller Dinge nach

Aus Eschwege. h. Die hiesige Märzfeier verlief in schönster Weise. Die Rede hielt Gen. Hugo. Die hiesigen Brauereiarbeiter gehen

ernstlich mit der Absicht um, eine Zahlstelle des

Brauereiarbeiterverbandes zu errichten. Wahlreform in Hessen.

Der vierte Ausschuß der zweiten hessischen Kammer richtet im Anschluß an mehrere An⸗ träge das Ersuchen an die Regierung, den Ständen eine Vorlage zugehen zu lassen, nach welcher 1. an Stelle des seitherigen indirekten. Wahlsystems das direkte Wahlsystem eingeführt wird; 2. alle Beschränkungen des Wahlrechts wegen Nichtheranziehung zur Steuerzahlung, namentlich auch der noch im Haushalt der Eltern befindlichen Haus soͤhne, beseitigt werden; 3. eine gleichmäßige Verteilung aller Wahl⸗

kreise auf das ganze Land herbeigeführt und

endlich 4. die Geheimhaltung der Stimmabgaben

durch Einführung amtlicher Wahl⸗Kouverts ge⸗

sichert wird. Modernes Bauernlegen. Aus dem Odenwald wird seit längerer Zeit

von häufigen Grundstücksverkäufen der Bauern

an Edelleute und an den Fiskus berichtet.

In einer einzigen Nummer des Erbacher Amts⸗

blattes werden die Verkäufe von 128 Grund⸗ stücken mit zusammen etwa 100 Hektar Fläche veröffentlicht, die der Graf von Erbach⸗Fürstenau in den Bezirken Beerfelden und Michelstadt er⸗ worben hat, um sie seinen Fideikommißgütern einzuverleiben. Ebenso verfahren andere Grafen und Barone; auch der Staat hat seinen Grund⸗ besitz im Odenwald arrondiert. Daß das kein. Vorteil für die kleinen Bauern ist, braucht nicht erft gesagt zu werden. Soziale Tragödien.

In Dresden hat eine Frau Schröter sich selbst und ihre drei Kinder getötet aus Verzweiflung darüber, daß sie zwangsweise ihre Wohnung räumen sollte, weil sie die Miete nicht zahlen konnte. Einen Tag später erhängte

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