Ausgabe 
26.3.1899
 
Einzelbild herunterladen

ß uh a dul den auß ichkeitg

einen ringen wünsch neuen

Hen N vom

Cel sonsche 8 Die ck und gramm

htigsten an die u, mit halkrast che alz brochen ind die ffe von,

deulsch⸗ gland, ameson, Berlin. 1 nach h, eine telle, gehen cschläge Berlin

gegen tat mit m An⸗

Pot

en: Oskar Staats⸗ foll zu auf ihn Bitte, eren, 90 In vegishe ät, in 3 von at den oll zu n und König

inister⸗ rn i

Dos es ein 19 auf holte, olige eint iht U nell rind

a e m 15 it

abt die iter it raten. imme

Nr. 13.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

eite 3.

* Zeit der Not etwas zurücklegen. So etwa hört man die Felisch und Stumm, die Richter und Hitze deklamieren. Bloß darin unterscheiden sich die vier, daß die Felisch und Stumm gegen schnöde Begehrlichkeit das Zuchthaus, Eugen Richter die Spar⸗Agnes und Hitze, der Zentrums⸗Sozialpolitiker, die Wurstbrüh⸗ und Knochen suppen⸗Rezepte empfehlen. Wir widmen diesem edlen Quartett zum Nachdenken folgenden Text einer offenen Postkarte: A. Zellweger, Tuchfabrik, Burg bei Magdeburg. . Sch. Cottbus. Weber werden hier immer gesucht, auch ich stelle noch gern solche ein, ob aber der Verdienst zum Unterhalt einer Familie ausreicht, möchte ich be⸗ zweifeln. Reisevergütung zahle ich nicht. Burg, 11. Febr. 1899. A. Zellweger.

Wer will wissen, was dieserZweifel eines Fabrikanten bedeutet? In einem Wort: Hunger⸗ Dasein! Millionen durchkosten es.

Die Essener Zuchthausopfer.

Die beiden letzten im Essener Meineidsprozeß Verurteilten werden im nächsten Monat das Zuchthaus verlassen. Am 3. April wird der Bergmann Graef seine Strafe verbüßt haben, während Johann Meyer erst einige Tage später freigelassen werden dürfte, weil er aus Anlaß des Todes seiner Frau auch sein Kind ist inzwischen gestorben! sieben Tage Urlaub erhalten hatte. Unsere Genossen ver⸗ anstalten am 16. April zu Herne eine große Eupfangs⸗ und Begrüßungsfeier, bei der Ludwig Schröder die Begrüßungsansprache an seine beiden Leidensgefährten halten wird.

Nationalliberale Sozialpolitik.

Während die Nationalliberalen im Reichstag durch den Mund des Abgeordneten Basser⸗ mann der staunenden Welt ihre gründliche Mauserung zur Sozialpolitik mit lieb⸗ lichen Worten verkünden, suchen die National⸗ liberalen des preußischen Abgeordnetenhauses mit anerkennenswerter Offenheit die anti soziale Gesinnung der Partei zum Ausdruck zu bringen. Der bekannte Großindustrielle Vorster konstatierte dort neulichdas Jahrtausende alte Rechte des Unternehmers, mit seinen Arbeitern allein zu verhandeln und erklärte, daß in der west⸗ lichen Industriebevölkerungkein Bedürfnis nach Berufsvereinen besteht. Mit der Schaffung von Berufsvereinen würdenur eine ganz neue unnötige Beunruhigung zum Nachteil der In⸗ dustrie und der Arbeiter insbesondere geschaffen. Herr von Eynern bekämpfte den Antrag des freisinnigen Dr. Max Hirsch auf Beteiligung der Arbeiter an der Grubeninspektion, und klagte dabei, daß der deutsche Arbeiter dem englischen an Nüchternheit und Verständigkeit so sehr nach⸗ stehe.(Hierzu bemerkt Pfarrer Naumanns Hilfe: Als ob nicht gerade in England die Organi⸗ sation der Arbeiter jenen verständigen Arbeitertypus erst mühsam gebildet und erzogen hätte, nach dem Herr von Eynern so sehnsüchtig ausschaut!) Herr Dr. Beumer sieht im Gegen⸗ satz zu seinem Fraktionsgenossen von Eynern auch im englischen Gewerkvereinler nur den Sozial⸗ demokraten und Streikbruder und ist deshalb ein noch energischerer Gegner der Arbeiterkon⸗ trolleure in deutschen Bergwerken. Und das sind die offiziellen Vertreter der Partei, die sich als so zial zuverlässig ausgiebt. Kann so fragt Naumann ein Wolf wider seine Natur? Und ob er es könnte, so kann doch ein in der Wolle gefärbter Nationalliberaler nicht sozial sein!

Wahlsieg in Karlsruhe.

Bei den Karlsruher Stadtverordnetenwahlen sielen auf die Liste der vereinigten Demo⸗ traten und Sozialdemokraten 2485 Stimmen, auf diejenige des nationalliberal⸗ freisinnig⸗konservativen Kartells (111 Kuddelmuddel à la Gießen 111) 2330 und auf die des Zentrums 800 Stimmen. Gewählt wurden 10 Sozialdemokraten, 4 Demo⸗ kraten und 2 Zentrumsmänner, die sich zu⸗ gleich auf der nationalliberalen Liste befanden.

2

Aus dem Reichstag.

Am Samstag leistete sich das hohe Haus innerhalb zwei Stunden zwei Sitzungen. In der ersten handelte es sich um die Erledigung von Formalitäten, die aufgrund der neu an⸗ genommenen Militärvorlage erledigt werden mußten. Als später darüber abgestimmt werden sollte, ob sür ein Goethe denkmal in Straß⸗ burg 50 000 Mk. bewilligt werden sollten, stellte sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. 75 Stimmen waren für, 79 Stimmen gegen die Bewilligung. In der sofort anberaumten neuen Sitzung, die eine Viertelstunde später be⸗ gann, wurde das Anleihegesetz in zweiter Lesung nach den Kommissionsbeschlüssen debattelos an⸗ genommen, ebenso der Gesetzentwurf wegen Ver⸗ wendung überschüssiger Reichseinnahmen.

In der Montagssitzung wurde des

längeren debattiert über Krieger⸗ und Kriechervereine.

Die Konservativen fühlten sich beschwert, daß der freisinnige Abgeordnete Müller-Sagan bei früherer Gelegenheit von einergewissen Sorte von Kriegervereinen gesprochen hatte, die in Wahrheit Kriechervereine seien. Die Be⸗ rechtigung dieser übrigens sehr alten Be⸗ zeichnung wurde von den freisinnigen Rednern Müller⸗Sagan, Beckh und Richter noch⸗ mals ausdrücklich betont und durch Beispiele des Mißbrauchs der Kriegervereine zu politischen Zwecken erhärtet. Auch unsere Genossen Bebel und Singer griffen mehrmals lebhaft in die Debatte ein. Sie wiesen den urreaktionären Charakter der sogenannten Kriegervereine auf, in denen nach dem Wunsche einflußreicher Kreise nicht der Geist wahrer Kameradschaft⸗ lichkeit gepflegt werden soll, die vielmehr zu Werkzeugen der Reaktionspolilik herabgewürdigt würden.

Am Dienstag kam es noch einmal zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Sozial⸗ demokraten und dem Staatssekretär v. Pod⸗ bielski. Genosse Singer rechnete gründlich mit dem Postminister ab, der neuerdings wieder in Hamburg einen Postunterbeamten gemaßregelt hat, weil er einem seiner Kollegen, der in Braunschweig gemaßregelt war, hilfreich zur Seite stand, damit er sich eine neue Existenz gründen konnte. Der konservative Abg. v. Kardorff billigte selbstverständlich das schneidige Vorgehen des ehemaligen Husaren⸗ offiziers, der jetzt Stephans Nachfolger ist. Demgegenüber führte Gen. Singer aus: Der Staatssekretär wird zu wählen haben zwischen dem Danke des Herrn von Kardorff und dem Mißtrauen der Beamten. Der Staats⸗ sekretär hat eine menschlich durchaus berechtigte Handlung als für die Beamten unzulässig hin⸗ gestellt; es ist bei ihm, der als alter Soldat auf Kameradschaft hält, doch wunderbar, daß er diese Kameradschaft unter seinen Beamten mißbilligt. Disziplin muß sein, das ist richtig, aber nur innerhalb des Dienstetz, den die Beamten zu thun verpflichtet sind. Denn die Beamten sind Menschen und keine Sklaven. Die beabsichtigte Wirkung wird nicht erzielt, es wird nur die Zahl der Sozialdemokraten ver⸗ mehrt.(Zuruf rechts: Freuen Sie sich doch!) Wir wollen lieber einige Stimmen weniger haben, aber Ungerechtigkeiten vermieden sehen. (Zustimmung links.) Kein anständiger Privat⸗ industrieller würde es wagen, aus solchen An⸗ lässen eine Maßregelung eintreten zu lassen. (Vizepräsident von Frege: Diese Kritik war unzulässig!)

Staatssekretär von Podbielski erklärte darauf: Hätten die Braunschweiger Beamten ihren gemaßregelten Kollegen unterstützt, so wäre

dagegen nichts einzuwenden, aber in Hamburg

war die Sache eine Verhöhnung der Verwaltung. (Widerspruch link:: Da wären die Leute in Braunschweig gemaßregelt worden!)

Nachdem noch die Junker von Kardorff und Limburg⸗Stirum ihre ausdrückliche Zustimmung zu der Maßregelung des Postunterbeamten gegeben hatten, der Menschenpflicht erfüllte, indem er einen Kollegen

4 5 unterstützte, wurde der Reichstag vertagt bis zum 11. April.

2

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit

hei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Die Feier des 18. März.

*Mit zahllosen Kränzen ist am 18. März wieder die Ruhestätte der Berliner Märzkämpfer auf dem Friedhof in Friedrichshain geschmückt worden. Neben den politischen und gewerkschaft⸗ lichen Organisationen der Arbeiter hatte diesmal auch das liberale Bürgertum reichliche Kranz⸗ spenden dargebracht. Die Kranzwidmungen spiegelten vielfach die Vorkommnisse der jüngsten Zeit wieder.Aber die Inschrift, die Inschrift! stand auf einer Schleife, und Anspielungen auf den Kampf um die würdige Aus schmückung der Ruhestätte der Märzkämpfer kehrten öfter wieder. Eine große Anzahl der Widmungen fiel der polizeilichen Zensurschere zum Opfer. So wurde eine Widmung:Den Märtyrern der Freiheit zum Gedächtnis! abgeschnitten. Den Holzarbeitern Berlins wurde folgende Widmung konfisziert:Euch Braven hat den Denkstein man verwehrt, der nur dem Unterdrücker heut' gebührt!? Das arbeitende Volk allein, es ehrt die That, die Ihr dereinst für uns vollführt.

Die Polizei waltete natürlich gewissenhaft und fürsorglich ihres Amtes. Nur der Haupt⸗ weg war den Tausenden von Besuchern freige⸗ lassen, und eine Postenkette von Schutzleuten teilte diesen wieder in zwei Hälften, deren eine die Kommenden, deren andere die Gehenden zu be⸗ nutzen hatten. Alle Nebenwege waren verbarri⸗ kadiert.

Aus allen Gegenden Deutschlands laufen Berichte über würdig verlaufene Märzfeierlichkeiten ein. In Frankfurt a. M. wurde zunächst eine geplante Abendunterhaltung verboten und dann die einberufene Volksversammlung aufgelöst, noch bevor sie begonnen Grund: die Anwesen⸗ heit von Frauen. Da jedoch in Preußen auch Frauen an Volksversammlungen teilnehmen dürfen und nur von politischen Vereinen ausgeschlossen sind, so geht wohl unser Frankfurter Bruderblatt nicht fehl in der Annahme, daß die Ehrung der Märzgefallenen unter allen Umständen vereitelt werden sollte. Außer aus Adlerhof, wo gleich⸗ falls eine Versammlung der Auflösung verfiel, werden keine besonderen Vorkommnisse berichtet.

Die Märzfeier in Gießen

verlief in einfacher Weise. Der Besuch hätte besser sein können. Nach der Gedächtnisrede Scheidemanns verblieben die Anwesenden in zwangloser Unterhaltung. Genossin Krieger erfreute durch den Vortrag mehrerer Lieder; ein Genosse, dessen Name uns unbekannt, trug mehrere Kouplets vor und brachte damit die heiterste Stimmung hervor.

Märzfeier in Marburg.

k. Zu der am Samstag, den 18. März, veranstalteten Gedächtnisfeier für die Märzgefallenen hatten sich die Genossen von hier und der Umgegend recht zahlreich im Lokale unseres Gen. Jesberg eingefunden. Der Vertrauensmann erteilte nach der üblichen Bureauwahl dem Gen. Stadtverordneten Krumm⸗Gießen das Wort. Redner schilderte zunächst die traurigen Zu⸗ stände in Deutschland am Anfang dieses Jahrhunderts, entrollte den gespannt lauschenden Zuhörern ein klares Bild über die verhängnisvolle, jede freiheitliche Be⸗ wegung im Keime erstickende Thätigkeit Metternichs und belcuchtete dann die sogen. heilige Allianz. Im Einzelnen schilderte dann Redner in anschaulicher Weise die Vorgänge bis zum und an dem verhängnisvollen 18. März 1848. Die Revolutionäre siegten. Aber 183 Tote und unzählige Verwundete der Freiheitskämpfer bedeckten die Wahlstatt. Anstatt aber nun die günstige Gelegenheit auszunutzen, und die Zügel der Regierung festzuhalten, beschäftigte man sich mit un⸗ nützen Sachen und fünf Monate später, nach dem Einzuge Wrangels und seiner Garden in Berlin, war die Herrlichkeit vorbei und die Reaktion hauste nun noch ärger wie zuvor. Gen. Krumm verglich alsdann das Bürgertum von 1848 und von heute. Heute werde vielfach versucht, die 1848er Kämpfer als aus⸗ ländisches Gesindel hinzustellen. Das sei eine gemeine Verleumdung; kein einziger Ausländer sei unter den

183 Gefallenen gewesen, es waren lauter echte Deutsche,

seine meist Berliner, vonGesindel zu reden sei eine Un⸗

verschämtheit. Es handelte sich um ehrliche, für ihre