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Seite 2.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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Nr. 14.
Die Posse ist aus.
* Wie wir noch in voriger Nummer mit⸗ teilen konnten, ist der Kuhhandel über die Mi⸗ litärvorlage zur Zufriedenheit von Regierung und Zentrum abgeschlossen worden.„Die Posse ist aus!“ schrieb der„Vorwärts“ am Tage nach dem Kuhhandel.
„Hinter dem gefallenen Vorhang drücken sich Sieger und Besiegte lächelnd die Freundeshand. Doch wer ist Sieger und wer ist Besiegter? Ist die Regierung besiegt, da ihre Vorlage ab⸗ gelehnt ist, und ist das Zentrrm Sieger, weil seine Anträge angenommen wurden? Sämtliche Forderungen der Regierung sind bewilligt, nur an den Infanterieforderungen sind 7006 Mann gestrichen worden. Mehr hat die Regierung noch bei keiner Militärvorlage erreicht. Braucht sich die Regierung dieser Niederlage zu schämen? Hat sie nicht Außerordentliches erreicht? Hat sie je mehr zu erreichen erwartet? Noch eine solche„Niederlage“ und die Regierung ist auf der Höhe ihrer Erfolge, auch der Schein eines Widerstandes des Reichstages gegen irgend eine ihrer Militärforderungen— und wäre es die wahnwitzigste— wäre dahin.
Das Zentrum jubelt, weil seine Vorschläge Gesetz geworden sind und nicht die der Regie⸗ rung. Das Zentrum wird Land auf Land ab verkünden, wie es heldenkühn gegen den Drachen Militarismus gestritten und des Volkes bürger⸗ liche Interessen gewahrt habe. In Wahrheit hat das Zentrum nicht gegen den Militarismus gestritten, es hat ihn nicht geschwächt, sondern gestärkt. Die Zustimmung zum Flotten⸗ gesetz zeigte den völligen Umschwung in der Haltung der Partei zu Militärfragen. Indem das Zentrum jetzt, schon bei der ersten Lesung der Vorlage sich bereit erklärte, jedenfalls die Artiller ie forderungen zu bewilligen, hatte es endgiltig mit seiner Vergangenheit gebrochen Indem es zwischen erster und zweiter Lesung der Budgetkommission auch den Kavallerie- forderungen nachgab, that es einen weiteren Schritt. Und da die Regierung, die zuerst völlig zufriedengestellt schien durch das, was soweit be⸗ willigt war, sich plötzlich ermutigt fühlte, die ihr so weit entgegenkommende, einst so spröde Partei völlig an sich heranzuziehen und in ihre mili⸗ taristischen Arme zu schließen, da sträubte sich das Zentrum einen Augenblick, aber vor der Drohung mit der Auflösung des Reichstags schreckte es zusammen und gab der Regierung auch das Letzte, was sie gefordert hatte Der Zentrumssieg ist eine Niederlage gegenüber den Ansprüchen der militärischen Regierung, gegenüber der eigenen Parteivergangenheit und — gegenüber den eigenen Wählern. Indem das Zentrum vor dem Militarismus kapituliert hat, dankt es ab vor den katholischen Wählern als Hort der bürgerlichen Lebensinteressen, als Wider⸗ part gegen all die Ungerechtigkeiten und Privi⸗ legien des militaristischen Systems, gegen die mit eiserner Energie zu streiten die elementarste Vor⸗ aussetzung jeder kulturellen Entwickelung unseres Vaterlandes ist.“
Die Soldaten sind bewilligt, nun mag der deutsche Michel zahlen.—
NAeberall Freunde
erwirbt sich die„Mitteld. Sonntags⸗Ztg.“ schnell. Frisch und leichtverständlich geschrieben appelliert sie an Verstand und Herz des Lesers— im Gegensatz zu den gegnerischen Blättern, die auf die Dummheit und den Geldsack ihrer Abnehmer spekulieren. Jedermann aus dem Volke ist im Stande, sich durch das Lesen der„Mitteld. Sonntagstg.“ auf dem Laufenden zu erhalten, obgleich sie wöchentlich nur einmal erscheint. Frei von allem unnützen Ballast, bringt die„Mitteld. S.⸗Itg.“ nur das, was wirklich für das schaffende Volk von Jnteresse ist und was jedermann wissen muß.
Man benütze diesen Zettel zur Anmeldung neu gewonnener Leser.
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Recht interessant sind einige Betrachtungen, welche die bürgerlich⸗demokratische„Frankf. Ztg.“ über den Ausgang des„Kampfes“ um die Militärvorlage anstellt. Sie schreibt:
„Mehr oder weniger sind alle Parteien und nicht zuletzt die Regierung selbst mit dem Aus⸗ gange zufrieden, den der plötzliche und uner⸗ wartet entstandene Streit über die Militärvorlage gefunden hat Nur eine Partei ge⸗ berdet sich mit dem Ausgang unzu⸗ frieden. Nicht sowohl, weil die 7000 Mann erst später einmal bewilligt werden, sondern weil die Regierung in„einer großen natio⸗ nalen Frage“ sich nicht fest und unerbittlich gezeigt und anstatt entschieden aufzutreten, sich auf das„Fortwursteln“ eingelassen habe. Das sind die Antisemiten. Sie haben mit der Minderheit, also in der ihnen un⸗ gewohnten Gesellschast der Sozialdemokraten und der beiden Volksparteien gegen die Kommissions⸗ beschlüsse und die Liebersche Resolution, also gegen die Politik der Regierung gestimmt. Nicht, wie die Linke, weil ihnen das zuviel, sondern weil es ihnen zu wenig war.... Die Antisemiten stellten sich an, als ob sie wirklich„alles oder nichts“ für die richtige Politik gehalten hätten.“
Nun haben die antisemitischen Demagogen wieder„freie Hand“. Jetzt können sie in militär⸗ feindlichen Gegenden sagen: Wir haben gegen die Vorlage gestimmt! Und in den Junkerecken lönnen sie sich als die„einzigen“ wahren Patrioten aufspielen, denen die Militär⸗ vorlage in der angenommenen Form nicht weit genug ging.
Die Posse ift aus.
Die Kuhhändler des Zentrums reiben sich schmunzelnd die Hände.
Und die Junkertrabanten, die bei Liebermann von Sonnenberg in der Fraktionsliste eingezeichnet sind, können wieder agitieren wie's trefft. Bald so— bald so.
Politische Rundschau.
Gießen, den 24. März Mord ⸗Kultur.
Währenddem vor einem Vierteljahrhundert, in der ersten Zeit nach dem deutsch⸗französischen Krieg die Gesamtstärke der stehenden Heere Europas, also die Friedens präsenzstärke, rund 2 600 000 Mann betrug, was schon an sich übergenug ist, beträgt sie jetzt rund 3 800000 Mann! Fast 4 Millionen junge kräftige Männer sind in die Kasernen eingeschlossen und müssen von den Völkern ernährt werden! Dazu die Ausgaben für Ausrüstung, die noch weit mehr gestiegen sind, weil erstens die Kriegsstärke der Armeen unter der allgemeinen Wehrpflicht und bei verkürzter Zeit in noch weit größerem Maße gestiegen ist und zweitens die Bewaff⸗ nung— Gewehre, Geschütze, Munition— teuerer geworden ist. Wie in dem gleichen Zeit⸗ raum die Militärbudgets der europäischen Staaten gestiegen sind, zeigt folgende Tabelle, die wir nach den Angaben im Jubiläumsband der von Löbellschen Jahresberichte zusammen⸗
stellen. Der Militärbudget betrug in Mil⸗
lionen Mark: 1874 1898 Delf? 519,2 Frankreich! 492 Belge? 48,8 45 Großbritannien.. 356 384 Itglien n 148 197 Niederlande 36 Oesterreich-Ungarn. 207 328 Nßan?d 356 578 Spanien 98 112 Die kleineren Staaten 67 170,5
Summa 191,9 2661,7
Also„nur“ 2661 Millionen 700 000 Mark giebt Europa aus, um den Frieden zu erhalten. Ein kostspieliger Frieden! Welche großartigen Kulturaufgaben könnten mit diesen Milliarden gelöst werden!
Von der Marine.
Der„Vorwärts“ meldet: Das Reichsmarine⸗ amt giebt unter dem Datum des 10. März 1890 folgenden Erlaß bekannt:
unterbreiten.
n
V. zu M. I. 1184. Seine Majestät der Kaiser und König haben Allerhöchst sich erneut dahin auszusprechen geruht, wie Allerhöchst dieselben es nicht wünschen, daß Seeoffiziere nur Schnurrbart tragen. Reichs⸗Marine-Amt. In Vertretung (Stempel.) gez. Gühler.
Prinz Waldemar von Preußen, der älteste
Sohn des Prinzen Heinrich, ist, da er das zehnte Lebensjahr vollendet hat, zum Lieu⸗ tenant im 1. Garderegiment zu Fuß und gleichzeitig zum Lieutenant à la suite der Marine ernannt worden. Bei den aus diesem Anlaß in Kiel abgehalten Feierlichkeiten hielt der Kaiser eine Rede, die er mit einem Hoch auf den im fernen Osten weilenden Prinzen Heinrich schloß:„Mögen unsere Glückwünsche über die Meere hinüberhallen nach dem neuen Deutschland“. Die Zeiten ändern sich.
Der ungekrönte König von Südafrika, Herr Cecil Rhodes, ist kürzlich in Berlin vom Kaiser in Audienz empfangen worden. Cecil Rhodes ist der Urheber des Jamesonschen Einfalles in die Republik Transvaal. Die Boeren trieben die Eindringlinge zurück und Kaiser Wilhelm II. schickte folgendes Telegramm an den Präsidenten Krüger:
„Ich spreche Ihnen meinen aufrichtigsten Glückwunsch aus, daß es Ihnen, ohne an die Hilfe befreundeter Mächte zu appellieren, mit Ihrem Volke gelungen ist, in eigener Thatkraft gegenüber den bewaffneten Scharen, welche als Frieden sstörer in Ihr Land eingebrochen sind, den Frieden wieder herzustellen und die
Unabhängigkeit des Landes gegen Angriffe von
außen zu wahren.“
Das war vor drei Jahren. Die deutsch⸗ nationale Presse tobte damals gegen England, Cecil Rhodes und sein Werkzeug Jameson. Heute ist Rhodes ein gefeierter Gast in Berlin. Rhodes hat den Plan, von Alexandrien nach Kapftadt, also durch ganz Afrika hindurch, eine ununterbrochene Eisenbahnverbindung herzustellen. Weil diese Bahn durch deutsches Gebiet gehen soll, so wollte er dem Kaiser seine Vorschläge Angeblich hat Rhodes in Berlin Erfolg mit seinen Plänen gehabt.
Nichts von Gustav!
Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß gegen den Kronprinzen von Schweden ein Attentat mit — Schneebällen ausgeübt wurde. Im An⸗ schluß an dieses Vorkommnis erzählt die„Post“ des Königs Stumm folgendes Geschichtchen:
„Es wird behauptet, daß König Oskar
vor seiner letzten Krankheit in einer Staats⸗ ratssitzung gezögert habe, das Protokoll zu unterzeichnen. Der Kronprinz wartete auf ihn im Nebenzimmer. Da sagte der König:„Bitte, warten Sie einen Augenblick, meine Herren, ich muß zuerst mit Gustav sprechen!“ Im selben Moment erhob sich der norwegische Minister⸗Präsient und sagte:„Majestät, in unserer Verfassung steht nichts von Gustav. Wenn daher Euer Majestät den Staatsrat verlassen, ohne das Protokoll zu unterzeichnen, so werde auch ich gehen und nicht wieder hierher kommen.“ Der König blieb sitzen und unterzeichnete“
Die„Post“ fügt hinzu, daß der Minister⸗ präsident ein Sohn norwegischer Bauern ist, deren Dickschädel keine Grenze kennt. Das, Blatt kann sich aber nicht vorstellen, daß es ein Land giebt, in dem Volk und Regierung auf strenge Verfassungsmäßigkeit halten, wo Nebenregierungen und und unverantwortliche Ratgeber keine Stätte finden. Das erscheint ihr „dickschädlich“, und an anderer Stelle nennt sie deshalb die Norweger mit einem unergründ⸗ lichen Witz„ein Volk von Symbolisten“. Bauer, den sie im Deutschen Reiche mit Liebkosungen und Ehrentiteln überhäuft, ist ihr in Norwegen— ein Dickschädell
Wer zerstört die Familie?
„Die Sozialdemokratie untergräbt die 9
Familie. Die Genußsucht der Arbeiter ist
schuld, wenn Arbeiterfamilien in Not geraten. 1 Brave und fleißige Arbeiter haben immer noch ihr Auskommen und sie können für die
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