Ausgabe 
26.2.1899
 
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Nr. 9.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

derBergarbeiterztg., Otto Hue, zu verant⸗ worten. In einer Korrespondenz genannter Zeitung wurde dem Amtsekretür M. in L. vor⸗ geworfen, er habe den Kolporteur Albert Pluta in dem Amtszimmer mit einem mit Hirschhornkrücke versehenen Stock blutig geschlagen und gedroht, er wolle dafür sorgen, daß Pluta in L. keine Wohnung mehr erhalte. Die Korrespondenz war auf Grund der Darstellung des Pluta abgefaßt und auch in mehreren Blättern erschienen. In der Folge stellte sich jedoch heraus, daß Pluta gelogen hatte. Als Hue erfuhr, daß er von Pluta in dieser Weise beschwindelt worden war, veröffentlichte er aus eigener Initiative einen Widerruf. Das Gericht verurteilte Hue zu einer Geldstrafe von 150 Mk. Gleichzeitig kam der Urheber der Verleumdung, der Kolporteur Pluta zur Aburteilung. Der Gerichtshof erkannte gegen den gewissenlosen Menschen auf 6 Monate Gefängnis. Die Strafkammer II des Hamburger Landgerichts hat den Redakteur Wabersky in einem ganz ähnlichen Falle nicht zu einer Geldstrafe, sondern zudrei Monaten Gefängnis verurteilt. Für alle Zeitungs⸗ redakteure ist jetzt größte Vorsicht am Platze. Kleine Mitteilungen.

Schwerer Vergehen hat sich der Lehrer Joseph Burger aus Schöneberg bei Soest seinen Schülerinnen gegenüber schuldig gemacht. Die Dortmunder Strafkammer verurteilte den 25 jährigen Mann wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit in mindestens 70 Fällen zu 7 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehr⸗ verlust. Der Staatsanwalt hatte 12 Jahre be⸗ antragt. Durch Sturz in einen Schacht sind auf der ZecheScharnhorst bei Dortmund drei Mann verunglückt, einer blieb sofort tot.

Pastoren als versamm⸗ lungsredner.

Aus dem Kreise Alsfeld.

W. Einem längst gegebenen Versprechen gemäß hielt am Sonntag Genosse Ph. Scheidemann aus Gießen in unserm Kreise zwei Volksver⸗ sammlungen ab. Die eine fand in Romrod, die andere Abends in Oberbreiten bach statt. Beide nahmen einen recht lebhaften, für unsere Sache sehr guten Verlauf. In Romrod hatten sich diegelehrtesten Leute, die in der Nähe aufzutreiben waren, eingefunden, um denvater⸗ landslosen Sozialdemokraten radikal abzuschlach⸗ ten. In der ausgesprochenen Absicht, den Ge⸗ nossen Scheidemannabzuthun, hatten sich ein⸗ gefunden: der praktische Arzt Dr. Heupel und der Pfarrer Klingenschmidt von Romrod, sowie der Pfarrer Stock von Ober⸗ breitenbach. Zunächst suchteman die Versamm⸗ lung zu hintertreiben, indem die beiden Christen⸗ lehrer dem Bürgermeister plausibel zu machen suchten, daß die Versammlung hätte angemeldet werden müssen. Gen. Scheidemann belehrte die gelehrten Herren, daß so etwas im Hessenlande nicht notwendig ist. Wenn aber die beiden Pfarrer überflüssige Gelder hätten, so schlage er ihnen über diese Frage zu gunsten der Ortsar men eine Wette in der Höhe von 20 Mk. vor. Sie sollten das Geld inzwischen flüssig machen.(Große Heiterkeit.) Schnell setzten sich die Herren an den Honoratiorentisch. In das Büreau der Versammlung wurden alsdann gewählt: die Herren Dr. Heupel als erster und Bürgermeister Schmidt als zweiter Vorsitzender. Dr. H. er⸗ öffnete die Versammlung mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog und stimmte dann an: Heil Dir im Siegerkranz. Mit großer Bravour singt er, links und rechts als Unterstützung je einen Pfarrer, der vergnügten Versamm⸗ lung einen ganzen Vers vor und giebt dann dem Gen. Scheidemann das Wort. In gut einstün⸗ diger Rede schilderte unser Genosse die heutigen politischen und wirtschaftlichen Zustände. Er wies nach, wie alles zu Gunsten der Großen

auf Kosten der Kleinen geschehe und daß die

immer mehr um sich greifende Unzufriedenheit ihre Berechtigung habe. Die Kleinen sollten so

zusammenstehen, wie die Großen, dann würde die Vorherrschaft der letzteren bald zu Ende sein. Der Vortrag, der häufig durch Beifall unter⸗ brochen wurde, fand am Schlusse die lebhafteste Zustimmung der übergroßen Mehrheit der von etwa 120150 Personen besuchten Versammlung.

Es nahm nun zunächst das Wort Pfarrer Klingenschmidt. Seine Ausführungen hätten verdient, nachstenographiert zu werden. Er sprach ca./ Stunden. Aber was? Bebel hat am Zürcher See eine Villa. Krupps Groß⸗ vater war ein armer Arbeiter. Ein Pfarrer kann nicht im selben Rock gehen wie ein Arbeiter. In der französischen Revolution wurden viele Köpfe abgeschnitten. Singer ist einmal von Magdeburg nach Berlin 1. Klasse gefahren. Die sozialdemokratischen Führer füttern sich von den Diäten usw. usw. SeineRede fand oft den heftigsten Widerspruch der Versammlung.

Dann kam, redete, aber siegte auch nicht, der Pfarrer Stock von Oberbreitenbach. Er spann denselben Faden weiter, wie sein amts⸗ brüderlicher Vorredner: Er sei christlich⸗sozial. Scheidemann habe ausdrücklich gesagt, daß er nicht hetzen wolle, aber sei das nicht gehetzt, wenn man sage: Krupp nimmt jährlich 8 bis 9 000 000 Mk. ein? Was wollten denn die Arbeiter anfangen, wenn die Unternehmer eines Tages sich zur Ruhe setzten? Die Zufriedenheit sei das schönste Gut. Die So zialdemokratie ist vaterlandslos, religionslos. Wenn ein Arbeiter sein altes Mütterchen kirchlich beerdigen läßt, dann bekommt er keine Arbeit mehr, wo die Organisierten sind. Die Sozialdemokraten denken nur an das Materielle: an Geld, Geld, Geld. Halten wir unsere höchsten Güter hoch. Halten wir fest an unserem Vaterland, an Kaiser und Reich! und treu zu unserm Heiland. Doch eins will ich noch sagen, von dem ich weiß, daß es den heftigsten Widerspruch hervorruft:Der Führer Singer hat einst zu seinen ausgebeuteten Mädchen, als sie mehr Lohn haben wollten, gesagt: Geht auf die Straße! Hier klopfte Scheidemann dem streitbaren Pastor auf die Schulter und sagt:Sie sprechen die Un⸗ wahrheit und geben Ihrer Gemeinde damit das denkbar schlechteste Beispiel. Wenn Sie Singer verklagt, werden Sie wegen Verleumdung bestraft. Der redelustige Geist⸗ liche kommt in die größte Verlegenheit, wird von verschiedenen seiner Bekannten unterrichtet und nimmt dann vor versammeltem Volk seine unwahren Behauptungen zurück.(Bravorufe!) Nach einigen Ausführungen eines Arbeiters aus Ehringshausen bekam Gen. Scheidemann wieder das Wort. Daß er mit den Diskussions⸗ rednern zimperlich umgegangen sei, kann ihm niemand nachsagen. Als Scheidemann den beiden Pfarrern folgende Notiz aus der amtlichen Darmst. Ztg. vorlas:

Stockheim, 14. Febr. In der heute hier abge⸗ haltenen Konferenz der evang. Geistlichen des Dekanats Büdingen fordern die zur Neuregelung und Aufbesserung der Gehalte der evang. Geist⸗ lichen eingeleiteten Schritte allseitig Zustimmung. Zugleich wurde einstimmig die Erwartung ausge⸗ sprochen, daß die dringend notwendige Auf⸗ besserung der Gehalte der evangel. Geistlichen Hessens noch in diesem Jahre vollzogen werde.

und auf die von den Pfarrern bei den Ar⸗ beitern so sehr verurteilte Unzufriedenheit hinwies, da brach ein wahrer Beifallssturm in der Versammlung los. Er führte dann weiter aus, wie die beiden Redner nichts als einfältige Klatschgeschichten vorgetragen hätten. Daß die Sozialdemokratie vaterlandslos sei, wäre ebenso unwahr, wie die Behauptung, sie sei religions⸗ los. Aber festgenagelt müsse werden, daß sich ein Lehrer der christlichen Religion der Pfarrer Stock ausdrücklich für die indirekte Be⸗ steuerung ausgesprochen habe, also dafür sei, daß man den Armen sogar das Brot künstlich ver⸗ teuere.(Lebhafter Beifall.)

Nachdem die beiden Pfarrer noch einmal geredet hatten, erhielt Scheidemann das Schluß⸗ wort. Er sagte den Geistlichen, die nicht, wie der Stifter ihrer Kirche, auf Seite der

Armen, sondern auf Seite der herrschenden Klasse ständen, noch einmal die Wahrheit, gestand zu, daß er nach dem heute Gehörten rückhaltlos

dem Kaiser zustimmen müsse, wenn dieser sage Christlich-sozial ist Unsinn und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Einigkeit der Kleinen in Dorf und Stadt.

Abends fand die zweite Versammlung in Oberbreitenbach statt. Anwesend war der in diesem Orte angestellte Pfarrer Stock. Wäh⸗ rend Scheidemann einen inhaltlich ganz anderen Vortrag hielt, als nachmittags, brachte der Pfarrer Stock seine Geschichten vom Nachmittag alle wieder vor. Nur die Unwahrheit über Singer ließ er fort und gab dafür eine andere zum besten. Der Pfarrer behauptete nämlich, in Berlin wären Sozialdemokraten und Freisinnige gegen die Verstadtlichung der Pferde⸗ resp. elektrischen Bahn gewesen. Bekanntlich ist das Gegenteil die Wahrheit, soweit unsere Partei in Frage kommt. Der Herr Pfarrer scheint es nicht allzu genau mit seinen Behauptungen zu nehmen. Wir sind mit dem Verlauf der beiden Versammlungen sehr zufrieden.

*

Aus Oberbreitenbach erhalten wir noch nach träglich folgende Mitteilung:Nachdem Scheidemann und sein Begleiter von hier fort waren, spendierte der Pfarrer Stock den Versammelten ein Faß Bier. Er sagte aber: kein Sozialdemokrat darf mittrinken.

Daß der Herr Geistliche Stock seinen Gemeinde⸗ mitgliedern ein Faß geistigen Getränks spendierte, finden wir unter den obwaltenden Umständen sehr nett. Wir gönnen diese Zuwendung den Oberbreiten⸗ bachern jeden Sonntag. Weniger schön finden wir es aber, daß der Pfarrer die Sozialdemokraten vom Mittrinken ausschloß. In der Bibel heißt es doch: deine Feinde sollst du lieben. Noch nach⸗ träglich ein Prosit!

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, den 18. Februar, abends 8 Uhr in Hausen 8

Volksversammlung bei Herbert. Redner: Redakteur Scheidemann-Gießen.

Wahlverein Friedberg. Vormitt. 10 Uhr bei Gen. Kühn(Stadt New-York, Hagstr. 11).

Briefkasten der Redaktion.

Ein Artikel:Kommunales aus Gießen mußte wegen Raummangel zurückgestellt werden.

Daubringen. Das Eingesandt kann nur nach vorausgegangener Rücksprache Aufnahme finden.

Nr. 6 der M. S.⸗Z. ist total vergriffen.

P.⸗O. Ueber die Mißhandlung wollen wir gern berichten, wenn der Fall in der Gerichtssitzung, die Sie herbeiführen wollen, aufgeklärt ist. Ihre Angaben sind jetzt zu unbestimmt.

Für die Dresdener Zuchthaus opfer in vor. Nummer quittiert 39.98 Mk. W. 50 Pfg., G. St. 1., H. S. 1., Beitrag der Gießener Mit⸗ glieder des Verbandes deutscher Buchdrucker durch M. K.: 33,10 Mk. Zusammen bis jetzt 75,55 Mk.

Briefkasten der Expedition.

Quittungen. B. G. 11.75. R. Ob. 2.80. Frbg. L. 16.80. Nhn. Z. 5.. K. G..20. Klch. Mdlr. 13.60. Wzl. Ldf. 1.60. Dt. Abck. 9.60. Dfl. G. Ins. 4.80. Sch. G. Ins. 6.. N. G. Ins. 12.. Arb. B. V. Hchm. 3.50. H. Kfd..40. Schm. Hch. 26.. E. Ab. J..20. Hch. Hsn. 5.93. Z. Nhsn. 3.. Kch. G. 10.. A. B. G. 18.. Sg. Weck. 28.20. Schpf. A. W. 2.40. S. V. G. 3.50. St. K. G. 3.50. H. Lbg. 4.76.

Marktberichte.

Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 23. Februar kostete: Butter per Pfund Mk. 075,0,90, Hühnereier 1 St. 67 Pfg., 0 Stück 00 Pfg., Käse per Stück 58 Pfg., Käsematte 1 Stück 5 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,80 1,00, Hühner pro Stück Mk. 1,20 1,70, Hahnen pro Stück Mk. 1,30 2,00, Enten per Stück Mk. 1,80 2,40, Gänse pro Pfund 0000 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 6874 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 6264 Pfg., Schweinefleisch 68-76 Pfg., gesalzen 80 Pfg., Kalbfleisch 6466 Pfg., Ham⸗ melfleisch 50 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 5,50 bis 6,50, Zwiebeln pro Zentner Mk. 8,00 9,00, Milch per Liter 16 Pfg.

Letzte Nachriehten.

Die Beerdigung des verstorbenen Prä si⸗ denten der französischen Republik, Felix Faure, fand am Donnerstag in Paris statt. Bis auf die Hanswurstiaden der Antisemiten verlief die Feierlichkeit in würdiger Weise. Der Oberhans⸗ wurst Déroulede wurde eingesperrt, weil er gar zu sehr geschrieen hat.