Ausgabe 
24.12.1899
 
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N 5

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Mitteldeutsche SonntagsZeitung.

Seite 3.

mehrere Wochen ausgesperrt werden. Die Organisationen der Arbeiter sollen dadurch erstört werden. Die Herren rechnen so: wenn wir zwei bis drei Wochen alle Bauhandwerker

brotlos machen, werden alle Gelder der Organi-

sationen für Unterstützungen verausgabt, die

Organisationen selbst gehen dabei zu grunde

und wir die Unternehmer! können dann auf Jahre hinaus den Arbeitern die Arbeits⸗ bedingungen diktieren. Dann wird die Arbeits⸗ zeit verlängert und die Löhne werden verkürzt! Mein Liebchen, was willst du noch mehr!

Natürlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das werden auch die Bau⸗ erleben. Die Arbeiter werden chon auf der Hut sein. Während der Weih⸗ nachtsfeiertage müssen Tausende Bauhandwerker neu für die Organtsation gewonnen werden. Das sei die Antwort der Arbeiter!

Tabakarbeiter!

Am 1. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 2 Uhr, soll im Lokale des Gastwirts C. Orbig in Gießen, Rittergasse 17, eine

Konferenz

der Tabakarbeiter und Tabakarbeiterinnen aus Gießen und Umgegend stattfinden. Es ist dringend notwendig, daß wir jetzt die Kon⸗ sequenzen aus unserem Protest gegen die Zucht- hausvorlage ziehen. Wir haben uns gewehrt gegen die Verkümmerung des Koalitionsrechts, nun laßt uns aber auch Gebrauch von diesem wichtigen Rechte machen.

Bei der Militärvorlage im Jahre 1893 war die Tabakindustrie auf das ärgste gefährdet durch neue Besteuerung. Damals wurde die Gefahr abgewehrt. Jetzt soll eine enorme Flottenvergrößerung vorgenommen werden, das kostet Riesensummen. Und schon wieder wird hier und da der Tabak als das geeignetste Steuerobjekt bezeichnet. 0

Kollegen und Kolleginnen! Höhere Tabak⸗ steuer bedeutet Verminderung des Tabakver⸗ brauchs, und demzufolge Einschränkung der Tabakfabrikation Entlassung vieler Ar⸗ beiter, Herabsetzung der Löhne. N

Laßt uns alle rechtzeitig rüsten! Noch ist es Zeit. Schickt aus allen Orten bestimmt einige Kollegen zur Konferenz, auf daß wir planmäßig zu Werke gehen können. Und dort, wo schon organisierte Kollegen sind, sollte an den Weihnachtstagen fleißig Agitation von Haus zu Haus betrieben werden. Die Kollegen und Kolleginnen, die noch nicht organisiert sind, müssen einzeln aufgesucht werden, um sie für die Organisation zu gewinnen. Zahl

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Die Hauptsache aber ist zunächst: reiche Beschickung der Tabakarbeiter-⸗Konferenz am 1. Weihnachtsfeiertag, Montag, 25. Dezbr. bei Orbig!

Der Einberufer.

Volksvorstellungen in Gießen.

Die erste öffentliche Anregung, das Gießener Theater aus städtischen Mitteln zu subventionieren, wurde vor Jahr und Tag von derM. S.⸗Ztg. gegeben. Ueberzeugt von der Tüchtigkeit der beiden Direktoren und dem künstlerischen Streben der Herren Kruse und Helm schlugen wir vor, die Stadt möge jährlich 23000 Mk. Zuschuß leisten, vielleicht sei es dann möglich, die rührige Direktion unserer Stadt dauernd zu erhalten. Ferner war es dieM. S.⸗Ztg., die erstmalig öffentlich die Veranstaltung von billigen Volksvorstel- lungen forderte. Je derzeit waren wir be⸗ strebt, das Theater zu fördern, weil wir dasselbe als ein Erholungs⸗ und Bil⸗ dungsinstitut betrachten, und nicht, wie das vielfach geschieht, lediglich als Vergnügungs⸗ etablissement, in das man nur deshalb geht, weil eben kein Tingeltangel am Platze ist.

Unsere stets zum Ausdruck gebrachte An⸗ erkennung der guten Leistungen der Direktion sichert uns wohl vor dem Vorwurf unange⸗ brachter Nörgelei, wenn wir uns nun auch einmal tadelnd über mancherlei aussprechen müssen.

Schon im vorigen Jahre führten wir Be⸗ schwerde, daß in den Volksvorstellungen Stücke von absoluter Wertlosigkeit aufgeführt wurden. Im Anschluß an unsere Beschwerde schlugen wir vor, die Subvention zu erhöhen unter der Bedingung, daß dann der Stadtverwaltung das Recht eingeräumt würde, bei der Auswahl der in den Volksvorstellungen aufzuführenden Stücke ein Wort mitzureden. Herr Oberbürgermeister Gnauth belehrte uns daraufhin in der freund⸗ lichsten Weise, daß die Subvention bereits(in nichtöffentlicher Sitzung) auf 3000 Mk. erhöht sei unddiesseits bereits mitgeredet werde. Herr Gnauth nannte auch die Stücke, die diesseits wohl von einzelnen Herren der Stadtverwaltung ausgesucht worden waren. Gegen die getrossene Auswahl ließ sich nichts einwenden. Wörtlich schrieb uns Herr Gnauth damals:Die Aufführung weiterer Stücke ge⸗ ringeren Wertes kennzeichnet sich somit mehr nur als eine von der Direktion beliebte Zu⸗ gabe weiterer Aufführungen zu ermäßigten Preisen, für welche die Direktion eben auch die BezeichnungVolksvorstellungen gewählt hat.

Im Laufe dieses Jahres wurde die Sub⸗ vention abermals und zwar auf 3600 Mk. erhöht und die Theaterdirektion wieder zu einer Anzahl Volksvorstellungen verpflichtet. Auf Grund eingeholter Information berich teten wir damals, ohne daß uns von irgend einer Seite widersprochen worden wäre, daß bei den Volksvorstellungen in erster Linie laut Vereinbarung der Kartenbedarf der Kranken⸗ kassen, Arbeitervereine u. s. w. gedeckt werden solle, also, wie wir annahmen:durch Vor⸗ verkauf nummerierter Plätze.

Wir führen nun Beschwerde, daß

1. die in den Volksvorstellungen aufgeführten Stücke zum größten Teil nicht dem Bildungsbedürfnis derjenigen Leute ent⸗ sprechen, für die diese Vorstellungen be⸗ sti mmt find; und daß

2. genau wie früher die Arbeiter von dem Besuch der Volksvorstellungen so gut wie ausgeschlossen sind, weil sie bei ihrer Ankunft im Theater bereits alle Plätze besetzt finden von Leuten, für die diese Vorstellungen nicht bestimmt sind.

Zu dem ersten Punkte folgender Beweis: Stattgefunden haben in der laufenden Saison neun Volksvorstellungen. Gegeben wurde:

Don Carlos, dram. Ged.(Schiller). Madame Sans Gene, Lustspiel. Hopfenraths Erben, 50

Krieg im Frieden, 5

.Doktor Klaus, 5

Der Hüttenbesitzer, Schauspiel(Ohnet). Der Compagnon, Lustspiel.

Nora, Schauspiel(Ibsen). Kyritz⸗Pyritz, Posse m. Ges.

Unter 9 Volksvorstellungen also 3 Schau spiele; ein mal kam Schiller, einmal Ibsen, der große Norweger, und dann noch einmal der Franzose Ohnet imHüttenbesitzer zum Wort. Im übrigen Lustspielse und eine Posse, von teils zweifelhaftem, teils gar keinem Wert.

Man glaube nicht, daß wir grundsätzlich gegen Lustspiele in den Volksvorstellungen etwas einzuwenden haben. Durchaus nicht. Sar⸗ dou'sMadame Sans Gene lassen wir uns ebenso gerne gefallen, wie einenDoktor Klaus L'Arronges. Aber wenn man als dritten dann z. B. unseren Landsmann Lessing, der sich mit seinerMinna doch nicht gerade vor den Moser, Schönthan, Kadelburg und ähnlichen Dichtern zu schämen braucht, einen Abend reserviert hätte, so würde dasVolk auf Hopfenraths Erben,Kyritz⸗Pyritz u. s. w. gern verzichtet und sich dafür an etwas wirk⸗ lich Gutem ergötzt haben. Erfreulicherweise gab es ja in Deutschland wirkliche Dichter und zum Glück giebt es auch noch solche.

Es scheint uns fast, als hätte der in der Stadtverordnetenversammlung geäußerte Wunsch eines Stadtvaters, dasVolk mit Suder⸗ mann, Hauptmann und Ibsen zu verschonen, an irgendwelcher einflußreichen Stelle ein williges Ohr gefunden. Wir möchten den Vorschlag machen, daß in Zukaͤnft alle von den Stadt⸗

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verordneten und der Theaterdirektion gemeinsam ausgesuchten Stücke für die Volksvorstellungen bekannt gegeben werden, damit man weiß, welcheVolksvorstellungen echt und welche Zugaben der Direktion sind.

Ein Repertoir, wie das oben angeführte, entspricht den Anforderungen, wie man sie be⸗ rechtigterweise an Volksvorstellungen stellen kann, durchaus nicht.

Nun zu dem zweiten Punkt. Genau wie in der früher schon oft gerügten Weise findet der Kartenverkauf zu den Volksvorstellungen statt. Nummerierte Karten werden nicht aus⸗ gegeben, was unbedingt erforderlich wäre, weil nur diese den Arbeitern, die erst kurz vor Be⸗ ginn der Vorstellung im Theater erscheinen können, einen Platz sichern.

Jetzt machen sich in den Volksvorstellungen Leute breit, die sehhr wohl im Stande wären, an anderen Abenden das Theater zu besuchen, weil sie nicht nur die nötige Zeit, sondern auch die Geldmittel dazu haben. Ja, es ist fast un⸗ glaublich, daß es sogar sehr reiche Leute nicht verschmähen, halbe Stunden lang auf der Straße zu warten, bis das Theater geöffnet wird, um dann hineinstürmen und die besten Plätze besetzen zu können. Die später kommen⸗ den Arbeiter drücken sich dann in den Ecken herum oder gehen wieder heim.

Da unseres Wissens die jetzige hohe Sub⸗ vention in erster Linie gezahlt wird, um den minder bemittelten Klassen eine Anzahl billiger Vorstellungen zu sichern, so sollte die Stadt energisch auf Abänderung des jetzigen Modus dringen.

Ein gutes Repertoir und die Garantie, daß die minder bemittelte Einwohnerschaft auf die Volksvorstellungen den ersten Anspruch hat, das ist es, was wir verlangen und mit Recht verlangen können.

Partei⸗Nachrichten. Versammlungs⸗Kalender.

Sonntag, 24. Dezember:

Schlitz. Arb.⸗Ver. Nachmittags pünktlich 4 Uhr bei Heinrich Trier. Alle erscheinen!

Briefkasten der Redaktion.

W. Die Hilfe lesen wir seit dem 1. Oktober nicht mehr.

Der Bürstenfabrikant W. Klink in Gießen flegelt uns in einem Berliner Anarchistenblatt an, weil wir Erkundigungen über ihn eingezogen und von der eingelaufenen Auskunft verschiedenen Genossen Mitteilung gemacht haben. Warum das geschah, wollen wir dem anarchistischen Bürstenfabrikanten gern sagen: Weil sein erstmaliges Auftreten in unserer Gießener Partei⸗Wirtschaft bei den dort anwesenden Genossen, die zum Teil noch die schlimme Zeit des Sozialistengesetzes mitgemacht haben, einen Eindruck machte, der uns die Einziehung von Erkundigungen dringend notwendig erscheinen ließ.

Briefkasten der Expediion.

Quittungen. Pths. Lllr. 4.20. P. Gr. L. 2.80. Sch. All. 1.60. Th. R. 5.. Gge. Hdbgn. 8.20. V. Hchh. 25.60. D. Egst. 5.20. Frlch. Gbg. 3.. Z. Noͤh. 8.20. L. Tr. 2.20. Kch. Kfd. 9.40. Wtr. Lbch. 7.40. Grgr. Mbg. 36.. H. Lbg. 8.. Mchl. G. 58.50. W. Ww. Lbch. 2.. L. Weck. 25.40. F. Dbgr. 10.. Stbg. Sch, 35.40. Sgfr. Abck 20.40.

Grgr. Schw. 1.60. Kft. Wmr⸗ 6.60. Wom. Sch. 3.. Hzl. Ob..70. Kl. Rögn. 7.20. M. Obsch. 5.. Pfl. Fobg. 20.25. E. Dorhm. 5.80. Gst. B. 5.80. Sg. Hst. 2.. Strck. G. Z. 3.80. H. Hbch. 2.40. Lcht. Gbg. 6.20. Fth. Wtzlr. 30..

Gießener Stadttheater.

Mittwoch, 27. Dez.: Der Hypochonder. Freitag, den 29. Dez.: 2 AZ A. Samstag, 30. Dez.: Zehnte Volksvorstellung. Hu bule und Liebe.

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