——
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 20.
Seite 6. * 22 ee 2 DLL K Anterhaltungs⸗Ceil.
N Geistes⸗Schlacht.
In einem wildbewegten Kampfe schlagen
Die Geister eine Schlacht in diesen Tagen, Von der man reden wird, so lang die Welt Nicht ganz und gar in Schutt und Trümmer fällt.
Die Waffen klirren und die Schwerter blitzen! Und wer ein Herz in seinem Busen trägt, Das mit dem Puls der Seiten sich bewegt, Mag gern in solchem Kampf sein Blut verspritzen.
Nur der Philister bleibt, was er gewesen. Fern der Gefahr, hält seine feige Nand Die Steine, die im Schmutz er aufgelesen,
Und von des Hergebrachten sichrem Stand
Faßt er mit ekler Waffe Jene an,
Die sein Gehirnchen nicht begreifen kann. Dr. L. Büchner.
Michael Kohlhaas.
Historische Erzählung von H. von Kleist. (2. Fortsetzung.)
Nun denn, fragte Kohlhaas, warum also in aller Welt jagte man dich fort?— Herr, ich sag's euch, versetzte der Knecht, weil man meiner los sein wollte. Weil sie die Pferde, so lang ich dabei war, nicht zu Grunde richten konnten. Ueberall schnitten sie mir im Hofe und in der Gesindestube widerwärtige Gesichter; und weil ich dachte, zieht ihr die Mäuler, daß sie ver⸗ renken, so brachen sie die Gelegenheit vom Zaune, und warfen mich vom Hofe herunter.— Aber die Veranlassung! rief Kohlhaas. Sie werden doch irgend eine Veranlassung gehabt haben!— O allerdings, antwortete Herse, und die aller⸗ gerechteste. Ich nahm, am Abend des zweiten Tages, den ich im Schweinekoben zugebracht, die Pferde, die sich darin doch zugesudelt hatten, und wollte sie zur Schwemme reiten. Und da ich eben unter dem Schloßthor bin, und mich wenden will, hör' ich den Voigt und den Ver⸗ walter, mit Knechten, Hunden und Prügeln, aus der Gesindestube hinter mir herstürzen, und: halt, den Spitzbuben! rufen: halt den Galgen⸗ strick! als ob sie besessen wären. Der Thor⸗ wächter tritt mir in den Weg; und da ich ihn und den rasenden Haufen, der auf mich anläuft, frage was auch gibts? Was es gibt? antwortete der Schloßvoigt; und greift meinen beiden Rappen in den Zügel. Wo will er hin mit den Pferden? fragt er, und packt mich an die Brust, Ich sage, wo ich hin will? Himmeldonner! Zur Schwemme? will ich reiten. Denkt er, daß ich— 2 Zur Schwemme! ruft der Schloß⸗ voigt. Ich will dich, Gauner, auf der Heer⸗ straße, nach Kohlhaasenbrück schwimmen lehren! und schmeißt mich mit einem hämischen Mord— zug, er und der Verwalter, der mir das Bein gefaßt hat, vom Pferd herunter, daß ich mich, lang wie ich bin, in dem Koth messe. Mord! Hagel! ruf, ich, Sielzeug und Decken liegen, und ein Bündel Wäsche von mir, im Stall; doch er und die Knechte, indessen der Verwalter die Pferde wegführt, mit Füßen und Peitschen und Prügeln über mich her, daß ich halbtodt hinter dem Schloßthor niedersinke. Und da ich sage: die Raubhunde! Wo führen sie mir die Pferde hin? und mich erhebe: heraus aus dem Schloßhof! schreit der Voigt, und: hetz, Kaiser! hetz, Jäger! erhallt es, und: hetz, Spitz! und eine Koppel von mehr denn zwölf Hunden fällt über mich her. Darauf brech ich, war es eine Latte, ich weiß nicht was, vom Zaune, und drei Hunde streck ich tot neben mir nieder; doch da ich von, jämmerlichen Zerfleischungen gequält, weichen muß: Flüt! gellt eine Pfeife; die Hunde in den Hof, die Thorflügel zusammen, der Riegel vor: und auf der Straße ohnmächtig sink' ich nieder.—.
Kohlhaas sagte, bleich im Gesicht, mit er⸗ zwungener Schelmerei: hast du auch nicht ent⸗ weichen wollen, Herse? Und da dieser, mit
dunkler Röte, vor sich niedersah: gesteh' mir's, sagte er; es gefiel dir im Schweinekoben nicht; du dachtest, im Stall zu Kohlhaasenbrück ist's doch besser.— Himmelschlag! rief Herse: Siel⸗ zeug und Decken ließ ich ja, und einen Bündel Wäsche, im Schweinekoben zurück. Würd. ich drei Reichsgülden nicht zu mir gesteckt haben, die ich im rotseidnen Halstuch hinter der Krippe versteckt hatte? Blitz, Höll' und Teufel! Wenn ihr so sprecht, so möcht ich nur gleich den Schwefel⸗ faden, den ich wegwarf, wieder anzünden! Nun, nun! sagte der Roßhändler; es war eben nicht böse gemeint! Was du gesagt hast, schau, Wort für Wort, ich glaub es dir; und das Abend⸗ mahl, wenn es zur Sprache kommt, will ich selbst nun darauf nehmen. Es thut mir leid, daß es dir in meinen Diensten nicht besser er⸗ gangen ist; geh, Herse, geh zu Bett, laß dir eine Flasche Wein geben, und tröste dich; dir soll Gerechtigkeit widerfahren! Und damit stand er auf, fertigte ein Verzeichniß der Sachen an, die der Großknecht im Schweinekoben zurückge⸗ lassen; specificirte den Wert derselben, fragte ihn auch, wie hoch er die Kurkosten ausschlage; und ließ ihn, nachdem er ihm noch einmal die Hand gereicht, abtreten.
Hierauf erzählte er Lisbeth, seiner Frau, den ganzen Verlauf und inneren Zusammen⸗ hang der Geschichte, erklärte ihr, wie er entschlossen sei die öffentliche Gerechtigkeit für sich aufzu⸗ fordern, und hatte die Freude, zu sehen, daß sie ihn in diesem Vorsatz aus voller Seele bestärkte. Denn sie sagte, daß noch mancher andere Reisende, vielleicht minder duldsam, als er, über jene Burg ziehen würde; daß es ein Werk Gottes wäre, Unordnungen, gleich diesen, Ein⸗ halt zu thun; und daß sie die Kosten, die ihm die Führung des Processes verursachen würde, schon beitreiben wolle. Kohlhaas nannte sie sein wacke⸗ res Weib, erfreute sich diesen und deu folgenden Tag in ihrer und seiner Kinder Mitte, und brach, sobald es seine Geschäfte irgend zuließen, nach Dresden auf, um seine Klage vor Gericht zu bringen. f
Hier vefaßte er mit Hülfe eines Rechtsgelehrten, den er kannte, eine Beschwerde, in welcher er nach einer umständlichen Schilderung des Frevels, den der Junker Wenzel von Tronka, an ihm sowohl als an- seinem Knecht Herse, verübt hatte, auf gesetzmäßige Bestrafung desselben, Wieder⸗ stellung der Pferde in den vorigen Stand, und auf Ersatz des Schadens antrug, den er sowohl als sein Knecht dadurch erlitten hatten. Die Rechtssache war in der That klar. Der Umstand, daß die Pferde gesetzwidriger Weise festgehalten worden waren, warf ein entscheidendes Licht auf alles Uebrige; und selbst wenn man hätte an⸗ nehmen wollen, daß die Pferde durch einen bloßen Zufall erkrankt wären, so würde die Forderung des Roßkamms, sie ihm gesund wieder zuzustellen, noch gerecht gewesen sein. Es fehlte Kohlhaas auch während er sich in der Residenz umsah, keineswegs an Freunden, die seine Sache lebhaft zu unterstützen versprachen; der ausgebrei⸗ tete Handel, den er mit Pferden trieb, hatte ihm die Vekanntschaft, und die Redlichkeit, mit welcher er dabei zu Werke ging, ihm das Wohlwollen der bedeutendsten Manner des Landes verschafft. Er speisete bei seinem Advocaten, der selbst ein ansehnlicher Mann war, mehrere Mal heiter zu Tisch; legte eine Summe Geldes zur Bestreitung der Proceßkosten bei mir nieder; und kehrte nach Verlauf einiger Wochen, völlig von dem⸗ selben über den Ausgang seiner Rechtssache beruhigt, zu Lisbeth, seinem Weibe, nach Kohl⸗ haasenbrück zurück. Gleichwohl vergingen Monate, und das Jahr war daran abzuschließen, bevor er von Sachsen aus auch nur eine Erklärung über die Klage, die er daselbst anhängig gemacht hatte, geschweige denn die Resolution selbst, er⸗ hielt. Er fragte, nachdem er mehrere Male von neuem bei dem Tribunal eingekommen war, seinen Rechtsgehülfen in einem vertrauten Briefe, was eine so übergroße Verzögerung verursache; und erfuhr, daß die Klage, auf eine höhere Insinuation bei dem Dresdner Gerichtshofe gänzlich niedergeschlagen worden sei. Auf die befremdente Rückschrift des Roßkamms, worin dies seinen Grund habe, meldete ihm jener: daß der Junker Wenzel von Tronka mit zwei
Jungherren, Hinz und Kunz von Tronka, ver⸗ wandt sei, deren Einer bei der Person des Herrn Mundschenk, der Andre gar Kämmerer sei.— Er rieth ihm noch, er möchte ohne weitere Be⸗ mühungen bei der Rechtsiustanz, seiner auf der Tronkenburg befindlichen Pferde wieder habhaft zu werden suchen; gab ihm zu verstehen, daß der Junker, der sich jetzt in der Hauptstadt aufhalte, seine Leute angewiesen zu haben scheine, sie ihm auszuliefern; und schloß mit dem Gesuch, ihn wenigstens, falls er sich hiermit nicht beruhigen wolle, mit ferneren Aufträgen in dieser Sache zu verschonen. N
Kohlhaas befand fich um diese Zeit gerade in Brandenburg, wo der Stadthauptmann, Heinrich von Geusau, unter dessen Regierungs, bezirk Kohlhaasenbrück gehörte, eben beschäftigt war, aus einem beträchtlichen Fonds, der der Stadt zugefallen, mehrere wohlthatige Anstalten für Kranke und Arme einzurichten. Besonders war er bemüht, einen mineralischen Quell, der auf einem Dorf in der Gegend sprang, und von dessen Heilkräften man sich mehr, als die Zukunft nachher bewährte, versprach, für den Gebrauch der Preßhaften einzurichten; und da Kohlhaas ihm wegen manchen Verkehrs, in dem er zur Zeit seines Aufenthals am Hofe mit demselben gestanden hatte, bekannt war, so er⸗ laubte er Hersen, dem Großknecht, dem ein Schmerz beim Athemholen über der Brust, seit jenem schlimmen Tage auf der Tronkenburg zurückgeblieben war, die Wirkung der kleinen, mit Dach und Einfassung versehenen, Heilquelle zu versuchen.
Es traf sich, daß der Stadthauptmann eben, am Rande des Kessels, in welchen Kohl⸗ haas den Herse gelegt hatte, gegenwärtig war, um einige Anordnungen zu treffen, als jener durch einen Boten, den ihm seine Frau nach⸗ schickte, den niederschlagenden Brief seines Rechts⸗ gehülfen aus Dresden empfing. Der Stadthaupt⸗ mann, der, während er mit dem Arzt sprach, bemerkte, daß Kohlhaas eine Thräne auf den Brief, den er bekommen und eröffnet hatte, fallen ließ, näherte sich ihar auf eine freundliche und herz⸗ liche Weise, und fragte ihn, was für ein Un⸗ fall ihn betroffen; und da der Roßhändler ihm, ohne zu antworten, den Brief überreichte: so klopfte dieser würdige Mann, dem die abscheuliche Ungerechtigkeit, die man auf der Tronkenburg an ihm verübt hatte, an deren Folgen Herse eben, vielleicht auf die Lebenszeit, krank darnieder lag, bekannt war, auf die Schulter, und sagte ihm: er solle nicht mutlos sein; er werde ihm zu seiner Genugthuung verhelfen! Am Abend, da sich der Roßkamm, seinem Befehl gemäß, zu ihm auf's Schloß begeben hatte, sagte er ihm, daß er nur eine Supplik mit einer kurzen Darstellung des Vorfalls, an den Kurfürsten von Brandenburg aufsetzen, den Brief des Advocaten beilegen, und wegen der Gewaltthätig⸗ keit, die man sich auf sächsischem Gebiet gegen ihn erlaubt, den landesherrlichen Schutz aufrufen möchte. Er versprach ihm, die Bittschrift unter einem andern Packet, das schon bereit liege, in die Hände des Kurfürsten zu bringen, der seinet⸗ halb unfehlbar, wenn es die Verhaltnisse zu⸗ ließen, bei dem Kurfürsten von Sachsen ein⸗ kommen würde; und mehr als eines solchen Schrittes bedürfe es nicht, um ihm bei dem Tribunal in Dresden, den Künsten des Junkers und seines Anhanges zum Trotz, Gerechtigkeit zu verschaffen. Kohlhaas, lebhaft erfreut, dankte
dem Stadthauptmaun für diesen neuen Beweis
seiner Gewogenheit auf's herzlichste, sagte, es thue ihm nur leid, daß er nicht ohne irgend Schritte in Dresden zu thun seine Sache gleich in Berlin anhängig gemacht habe; und nachdem er in der Schreiberei des Stadtgerichts die Beschwer de ganz den Forderungen gemäß verfaßt, und dem Stadthauptmann übergeben hatte, kehrte er be⸗ ruhigter über den Ausgang seiner Geschichte als je nach Kohlhaasenbrück zurück.
Er hatte aber schon in wenig Wochen den Kummer, durch einen Gerichtsherrn, der in Ge⸗ schäften des Stadthauptmanns nach Potsdam ging, zu erfahren, daß der Kurfürst die Supplik seinem Kanzler dem Grafen Kallheim übergeben habe, und daß dieser nicht unmittelbar, wie es zweckmäßig schien, bei dem Hofe zu Dresden
Etadth 1 bed sortzuse ltere geworse dem 9 fei. an fein Taum d rüber! und ga Verlauf Linder mit el Schreib 65 thue fun fo Jesolat die Pfe vieder z laf lach d ein Ui. die Pf auf kei. schicken stens solle; solchen Kl thun! Wenn Haas fing. hören! seine Thorn Und ih die Pf zustelle seine! lichts, bat. einen daß di bor,.. auf de butch ungehe innere Hunme Ant 1 0 lurch Grund achde kr für Sächst Bogen Löbet Eie u dien elche Nang Halel Napie De ausah bring er er seinen con ein;! Verg Erw fete ahm 1 inen anf


