Ausgabe 
23.7.1899
 
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Nr 30.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

Abgesehen davon, daß ihre Forderung bezüglich Abschaffung der Akkordarbeit gar nicht beantwortet wurde, halten sie eine nur 5 prozentige Lohn⸗ erhöhung angesichts der heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse für ungenügend. Um jedoch zu beweisen, daß sie gerne gewillt sind, den Meistern entgegenzukommen, wollen sie 5% von ihrer Forderung streichen und verlangen nur noch 10% Lohnaufbesserung, Die Meister handelten klug, wenn sie jetzt die bescheidenen Forderungen ihrer Gesellen bewilligten. Die letzteren sind sich einig, gut organisiert und brauchen nicht zu fürchen, daß von Auswärts Zuzug kommt.

Kurz vor Drucklegung des Blattes wird uns berichtet, daß die Glasermeister ausge⸗ nommen die Firma Jakobi die Forderungen der Gesellen bewilligt haben.

Die dänischen Unternehmer haben die Hälfte aller in der Industrie beschäftigten Arbeiter ausgesper rt. 40000 Arbeiter, mit Frauen und Kinder zusammen 120000 Menschen, nagen am Hungertuch. Diese Aussperrung dauert jetzt schon 8 resp. 11 Wochen. Das Unternehmertum ver- folgt mit der Aussperrung den ausgesprochenen Zweck, die Arberorganisationen zu vernichten. In allen Nachbarländern Dänemarks, so in Schweden, Norwegen und Deutschland wird kein in Dänemark ausgesperrter Arbeiter ange⸗ nommen. Die internationale Solidarität des Unternehmertums bethätigt sich hier glänzend. Jetzt muß die internationale Solidarität der Arbeiter sich in bestem Lichte zeigen. Trage jeder sein Scherflein bei, um den dänischen Brüdern in der Not zu helfen. Was ihnen heute, kann uns morgen passieren. Helft schnell und nach besten Kräften. Beiträge nimmt die M. S.⸗Z. und A. Bock, Gießen, Dammstraße, entgegen.

Zum Fall Schiller.

* Unser Parteigenosse Dr. David hatte in der Zweiten Kammer bei deren Zusammentritt am Dienstag Vormittag folgende Interpellation eingebracht:

1. Aus welchen Gründen ist die Pensionierung des Geh. Oberschulrat Prosfessor Dr. Schiller erfolgt?

2. Ist die event. Wiederanstellung dieses um das hessische Schulwesen so hoch verdienten Mannes in Aus- sicht genommen in dem Fall, daß das gegen ihn einge leitete Disziplinarverfahren einen zureichenden Grund zur strafweisen Pensionierung nicht ergibt?

3. Welche Maßregeln gedenkt die Regierung zu er⸗ greifen, um die blosgelegten Schäden unseres höheren Schulwesens einer gründlichen Heilung entgegen zu fübren?

Da bereits feststand, daß am Mittwoch der Landtag geschlossen werden sollte, wurde auf das Verlangen unseres Genossen, den Fall Schiller noch zu besprechen, eine besondere Nachmittagssitzung für Dienstag einbe rufen. Der Staatsminister Rothe und die Ministerial⸗ räte Braun und Eisenhuth vertheidigten die von der Regierung getroffenen Maßregeln. Dieselben wären nach dem ganzen Vorgehen Schillers notwendig gewesen und erfolgt auf Grund des noch zu Recht bestehenden Art. 13 des Edikts von 1320 über die öffentlichen Dienstver⸗ hältnisse der Civil-Staatsbeamten. Auf Grund dieses Artikels habe die Regierung das Recht, jeden Staats⸗ beamten zu jeder Zeit in den Ruhestand zu versetzen. Ob ein Disciplinarverfahren gegen Schiller eingeleitet werde, sei noch nicht bestimmt, eine Wiederanstellung desselben ausgeschlossen. Derselbe bleibe auch als Uni⸗ versitäts⸗Lehrer pensioniert. Lediglich mit Rücksicht auf die Lehrziele der Universität habe man die weiteren Vor⸗ lesungen Schillers gestattet. Ueber Maßregeln zur Be⸗ seitigung etwaiger Mängel(das klingt ausgezeichnet!) im Schulwesen sei sich die Regierung noch nicht schlüssig.

Im Uebrigen bestreiten die Herren von der Regierung

die Angaben Schillers. Namentlich auch die Richtigkeit der unten abgedruckten Erklärung in derFrankf. Ztg. vom 17. Juli d. J. Die Nationalliberalen Osann, Schmeel und Jöckel, der Centrums ma un Dr. Schmitt, sowie der Antisemit Bär erklären sich mit dem Vorgehen der Regierung einverstanden. Osann versicherte in erregtester Weise, schon der Umstand, daß Schiller die demokratischeFrankf. Ztg. benützt habe, rechtfertige seine Pensionierung. Echt national⸗ liberal! 0. a Lediglich unser Genosse Dr. David trat im Ein⸗ verständnis mit seinen Parteifreunden für Schiller ein und bekämpfte das Verhalten der Regierung auf das Entschiedenste. Es sei recht bezeichnend, daß man sich auf einen leider noch gültigen Artikel aus dem Jahr 1820 berufe. Dieser Artikel müsse so schnell als möglich beseitigt werden. Nicht immer habe die Regierung sich so schneidig benommen, er erinnere nur an die Fälle Dettweiler, Soldan und Küchler. Schiller habe den

wirksamsten Weg eingeschlagen, indem er sich an die Presse wendete. Er habe die Wege gewiesen, die zur Heilung führen könnten, das sei ein Verdienst, kein Vergehen. Der Verlust des Pädagogen Schiller sei für das Land ein unermeßlicher Schaden. Schillers Fehler bestehe höchstens darin, daß er in der Form ein wenig über's Ziel geschossen habe. Das rechtfertige das Vor⸗ gehen gegen ihn nicht. David ging dann ausführlich auf alle die von Schiller bloßgelegten Mißstände ein und kam zu dem Schluß, daß nicht rücksichtsloses Vor⸗ gehen, sondern die Kraft, keine Kritik zu scheuen, wahre Stärke bezeuge.

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Die oben erwähnte Erklärung Prof. Schillers im Abendblatt derFrkf. Ztg. vom 17. Juli hat folgen⸗ den Wortlaut:

1) Ich habe dem Herrn Staatsminister Rothe(in der Audienz am 26. Juni. Red. d.M. S.⸗Z.) nicht nur Mittheilung von den im 1. Artikel enthaltenen Thatsachen gemacht, sondern auch von solchen, die im 2. und 3. Artikel enthalten sind.

2) Ich habe ihm auch andere schwere Thatsachen mitgeteilt, die ichim Interesse des Dienstes, weil nähmlich die Betheiligten noch im Amte sind, nicht ver⸗ öffentlich habe.

3) Es wurde festgestellt, daß der Herr Staatsminister von keiner einzigen dieser Thatsachen je Kenntniß erhalten hatte.

4) Der Herr Staatsminister hat mir nicht nur die Veröffentlichung der Artikel nicht widerraten, oder untersagt, sondern er sagte,wenn ich die Wahrheit aufdecken wolle, werde er mich unterstützen.

5) Ich mußte erwarten, daß der Staatsminister, nachdem ich ihm das schwerbelastende Material mitgetheilt hatte, etwa sagen würde:Ich habe nun gesehen, daß Sie in der That Grund zu schweren Anklagen haben; wollen Sie mir das Material in den Artikeln nicht über⸗ lassen, damit ich von Amtswegen Wandel schaffe? Natürlich hätte ich ihm sofort die Zusage erteilt, in diesem Falle von einer Veröffentlichung abzusehen, wenn ich Garantien erhielte, daß die Ausmerzung der Schäden erfolgen werde.

6) Ich konnte nur annehmen, der Herr Staats minister erkenne das, was alle Leute die urtheilsfähig sind, er⸗ kennen, daß durch eine solche Klarstellung die von ihm herbeigeführte Entfernung des Ministerialrats Soldan als gerechtfertigt erscheinen und die Thätigkeit der neuen Männer erleichtert werden würde.

Uebrigens waren die Artikel seit dem 23. Juni in den Händen der Redaktion derFrankf. Ztg.

Professor Dr. Herman Schiller. *

*

* Die von uns oben skizzierte Kammerverhandlung hat das eine wieder klipp und klar gezeigt: daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, der es um die Freiheit der Wissenschaft Ernst ist. Nationalliberale, Centrum und Antisemiten einträchtlich beieinander auf der Seite der Re⸗ gierung, die einen Gelehrten maßregelte; auf der anderen Seite einzig und allein die Sozialdemo⸗ kratie, die für den Gemaßregelten und damit für die Freiheit der Wissenschaft eintritt, denn nicht um die Person Schillers handelt es sich in diesem Fall, sondern um ein Prinzip.

Daß sich Prof. Schiller an die demokratische Frankf. Ztg. und nicht etwa an ein Organ der Partei Drehscheibe gewandt hatte, genügt für den national⸗ liberalen Abg. Osann, die oberste Leuchte des hessi⸗ schen Kammerliberalismus, Schiller in Grund und Boden zu verdammen.Die Benützung derFrankf. Ztg. allein schon rechtfertigt die Pensionierung Schillers! polterte der nationalliberale Rechts anwalt und die ultramontanen Dunkelmänner und die antisemitischen Geistesriesen zubelten ihm zu, die Freisinnigen aber hüllten sich in vorsichtiges Schweigen. Ein Schauspiel für Götter und Sozialdemokraten!

Und erst die glückliche Regierung! Sie hat das formelle Recht auf ihrer Seite und sie besteht wie Shylock auf ihrem Schein. Sie hat nach heißem Be⸗ mühen einen 80 jährigen Paragraphen aufgespürt, dem⸗ zufolge die Regierung jeden Staatsbeamten jeder⸗ zeit pensionieren kann. Ein Paragraph aus 1820! Wer denkt nicht mit Entrüstung an jene Zeit, in welcher der die hessische Regierung jetzt deckendeArt. 13 ent⸗ stand! Das Volk, das imFreiheitskrieg den Fürsten die Freiheit erkämpft hatte, wurde selbst um die ihm verheißenen Freiheiten und Rechte betrogen. Unter dem System Metternich wurden alle freiheitlichen Regungen gewaltsam unterdrückt. 1817 demonstrierten die Stu⸗ denten damals aus anderm Holz als heute auf der Wartburg gegen das Unterdrückungssystem. 1819 ermordete der Burschenschafter Sand den russischen Spion Kotzebue, unerhörte Studentenverfolgungen wurden in⸗ szeniert, die Demagogenriecherei blühte und im Herbst 1819 wurden die berüchtigten Karlsbader Beschlüsse ge⸗ faßt. Ein schmachvoller Zustand herrschte in Deutsch⸗ land. Und in jener Zeit entstand der famoseArt. 13.

Die Träger des revolutionären Gedankens waren damals dieLiberalen, von denen keiner sicher war, zu jeder beliebigen Stunde eingesperrt zu werden. Und jetzt jubeln dieLiberalen der Regierung zu, die von dem 80 jährigen Paraphen aus der Zeit der Karlsbader Beschlüsse Gebrauch macht, Gebrauch macht einem hervor⸗ ragenden Mann der Wissenschaft gegenüber, der gewagt hat, wider den Stachel zu löcken, der das todeswürdige Verbrechen begangen hat, seine Anklagen gegen die Re⸗ gierung in einer demokratischen Zeitung zu ver⸗ öffentlichen.

Wir Sozialdemokraten sind weit Schlimmeres gewöhnt als den Fall Schiller. Verleumdet, beschimpft und gehetzt, waren wir zwölf Jahre lang unter einem brutalen Ausnahmegesetz vogelfrei, und nach dem Fall des Ausnahmegesetzes sind wir noch für minderen Rechts erklärt worden! Aber alles vergeblich das Proletariat kennt sein Ziel und giebt den Kampf gegen die Ungerechtigkeit keinen Tag auf.

Das Heer des handarbeitenden Volkes gehört der Sozialdemokratie in seiner großen Mehrheit an, daß uns durch Erscheinungen wie den Fall Schiller neue Mitkämpfer aus den Kreisen der Kopfarbeiter und des Beamtenstandes zugeführt werden, ist klar. Sie sollen uns willkommen sein. Platz ist für Alle in den Reihen der Sozialdemokratie, deren Herz für Wahrheit und Gerechtigkeit schlägt, die helfen wollen, das Elend zu bekämpfen, um Allen wirtschaftliche Wohl fahrt zu sichern.

Der Erde Glück, der Sonne Pracht, Des Geistes Licht, des Wissens Macht, Dem ganzen Volke sei's gegeben. Das ist das Ziel, das wir erstreben. ** *

DerGieß. Anz. berichtet in seiner Freitags⸗ Nummer zum zweiten Male über die Verhandlungen des Landtags im Fall Schiller, nachdem er vorher be⸗ reits einen die Affaire in einseitigster und ge⸗ hässigster Weise behandelnden Artikel derN. H. Vbl. abgedruckt hatte. Dagegen hat der Gieß. Anz. seinen Lesern weder den geringsten Hinweis auf Schillers Artikel gegeben, noch dessen Erklärung aus der Frkft. Ztg. ab⸗ gedruckt, auf die in der Kammer wiederholt hingewlesen wurde. Der Gieß. Anz. ist abhängig und geht stets mit der Regierung durch Dick und Dünn.

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag. den 22. Juli: Gießener Wahlverein bei Orbig. Arb.⸗B.⸗V. Heuchelheim. Abends 9 Uhr, bei Wirt Ferd. Kröck. Sonntag, den 23. Juli: Friedberg⸗Büdingeu. Kreiswahlverein. Nach⸗ mittags 2 Uhr im Gasthaus zur Lilie in Vilbel Gene⸗ ralversammlung. Tagesordnung: 1. Halbjährliche Ab⸗ rechnung; 2. Vorstandswahl; 3. Verschiedenes. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen.

Briefkasten der Redaktion.

W. E., C. B., A. M. und andere in Mar⸗ burg. Ich danke für die angebotene Zeugenschaft, von der ich jedoch keinen Gebrauch machen will. Herr Erd⸗ mannsdörffer hat den bewundernswerten Heldenmut, zu bestreiten, daß er zu mir gekommen ist, um mich zu bitten, nicht unr, wie es in voriger Nummer hieß, mirnahe zu legen, die Antisemiten gehörig vorzu⸗ nehmen. Er bestreitet weiter, daß er in Gemeinschaft mit dem vorsitzenden Pfarramtskandidaten die Redner⸗ liste, die durch Vereinbarung zwischen den Herren Dr. Häberlin, Studiosus Harmony und mir endgiltig festgestellt war, geändert zu haben. Er hat weiter die Stirn, zu behaupten, die Aenderung sei auf meinen dem Bureau gegenüber geäußerten Wunsch geschehen. In Wahrheit habe ich das Bureau nicht mehr betreten, nachdem die oben genannten Herren es gleichzeitig mit mir verlassen hatten. Hoffentlich hat der national-⸗soziale Pfarramtskandidat, der in jener Versammlung den Vor⸗ sitz führte, ein besseres Gedächtnis als Herr Erdmanns⸗ dörffer und redet diesem ins Gewissen. Ich bin fertig mit dem Verfasser der Broschüre: Die Juden und die Cholera. Jede ihm noch gewidmete Zeile wäre unsern Lesern gegenüber eine un verantwortliche Raumverschwen⸗ dung. Mit Herrn Erdmannsbdörffer beschäftige ich mich nur noch einmal und zwar in der ersten Volksversamm⸗ lung, in der ich ihn erwischen kann. Dann wird Fraktur gesprochen. Beste Grüße! Ph. Sch.

F.⸗G. Besten Dank! Wie Sie sehen, sehr will⸗ kommen. Vivat sequens. Gruß!

E.⸗N. Die Generalversammlung der Zentral⸗ Krankenkasse der Tischler tagt seit Montag in Nürn⸗ berg. Gen. Orbig ist Delegierter.

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