Ausgabe 
22.10.1899
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 13.

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UAnterhaltungs⸗Ceil.

*

Sturmesmpythe.

Stumm und regungslos in sich verschlossen Ruht die tiefe See dahingegossen,

Sendet ihren Gruß dem Strande nicht; Ihre Wellenpulse sind versunken, Ungespüret glüh'n die Abendfunken

Wie auf einem Totenangesicht.

Nicht ein Blatt am Strande wagt zu rauschen, Wie betroffen stehn die Bäume, lauschen,

Ob kein Lüftchen, keine Welle, wacht d

Und die Sonne ist hinabgeschieden,

Hüllend breitet um den Todesfrieden

Schleier nun auf Schleier stille Nacht.

Plötzlich auf am Horizonte tauchen Dunkle Wolken, die herüberhauchen Schwer, in stürmischer Beklommenheit; Eilig kommen sie heraufgefahren,

Haben sich in angstverworr'nen Schaaren Um die stumme Schläferin gereiht.

Und sie neigen sich herab und fragen: Cebst du noch in lauten Donnerklagen, Und sie weinen aus ihr banges Weh, Sitternd leuchten sie mit scheuem Grauen, Auf das stille Bett herab und schauen, Ob die alte Mutter tot, die Seed

Nein, sie lebt! sie lebt! der Töchter Kummer Hat sie aufgestört aus ihrem Schlummer,

Und sie springt vom Lager hoch empor: Mutter, Kinder brausend sich umschlingen Und sie tanzen freudenwild und singen ü Ihrer Cieb' ein Lied im Sturmeschor.

Lenau.

Michael Kohlhaas.

Historische Erzählung von H. von Kleist. (Fortsetzung und Schluß.)

Kohlhaas aber, als diese Frau zu ihm ein⸗ trat, meinte an einem Siegelring, den sie an der Hand trug, und einer ihr vom Hals herab hängenden Corallenkette die bekannte alte Zigeunerin selbst wieder zu erkennen, die ihm in Jüterbock den Zettel überreicht hatte; und wie denn die eee nicht immer auf Seiten der Wahrheit ist, so traf es sich, daß hier etwas geschehen war, das wir zwar be⸗ richten: die Freiheit aber, daran zu zweifeln, demjenigen, dem es wohlgefällt, zugestehen müssen: der Kämmerer hatte den ungeheuersten Mißgriff begangen und in dem alten Trödel⸗ weib, das er in den Straßen von Berlin auf⸗ griff, um die Zigeunerin nachzuahmen, die ge⸗ heimnisreiche Zigeunerin selbst getroffen, die er nachgeahmt wissen wollte. Wenigstens berichtete das Weib, indem sie auf ihre Krücken gestützt die Wangen der Kinder streichelte, die sich, be troffen von ihrem wunderlichen Anblick, an den Vater lehnten: daß sie schon seit geraumer Zeit aus dem Sächsischen ins Brandenburgische zurück gekehrt sei, und sich auf eine in den Straßen von Berlin unvorsichtig gewagte Frage des Kämmerers nach der Zigeunerin, die im Früh⸗ jahr des verflossenen Jahres in Jüterbock ge⸗ wesen, sogleich an ihn gedrängt, und unter einem falchen Namen zu dem Geschäfte, das er besorgt wissen wollte, angetragen habe.

Der Roßhändler, der eine sonderbare Aehn lichkeit zwischen ihr und seinem verstorbenen Weibe Lisbeth bemerkte, dergestalt, daß er sie hätte fragen können, ob sie ihre Großmutter sei; denn nicht nur, daß die Züge ihres Gesichts, ihre Hände, auch in ihrem knöchernen Bau noch schön, und, besonders der Gebrauch, den sie da⸗ von im Reden machte, ihn aufs lebhafteste an sie erinnerten; auch ein Mal, womit seiner Frauen Hals bezeichnet war, bemerkte er an dem ihrigen der Roßhändler nötigte sie unter Gedanken, die sich seltsam in ihm kreuzten, auf einen Stuhl nieder und fragte, was ste in aller Welt in Geschäften des Kämmerers zu ihm führe? Die Frau, während der alte Hund

des Kohlhaas ihre Knie umschnüffelte, und von ihrer Hand gekraut, mit dem Schwanz wedelte, antwortete:der Auftrag den ihr der Kämmerer esa wäre, ihm zu eröffnen, auf welche drei em sächstschen Hofe wichtige Fragen der Zettel Aera Antwort enthalte; ihn vor einem bgesandten, der sich in Berlin befinde, um seiner habhaft zu werden, zu warnen: und ihm den Zettel, unter dem Vorwande, daß er an seiner Brust wo er ihn trage nicht mehr sicher sei, abzufordern. Die Absicht aber, in der sie komme, sei, ihm zu sagen, daß die Drohung, ihn durch Arglist oder Gewalttätigkeit um den Zettel zu bringen, abgeschmackt, und ein leeres Trugbild sei; daß er unter dem Schutz des Kurfürsten von Brandenburg, in dessen Ver⸗ wahrsam er sich befinde, nicht das Mindeste für denselben zu befürchten habe; ja daß das Blatt bei ihm weit sicherer sei, als bei ihr, und daß er sich wohl hüten möchte, sich durch Ablieferung desselben, an wen und unter welchem Vorwand es auch sei, darum bringen zu lassen. Gleich⸗ wohl schloß sie, daß sie es für klug hielte von dem Zettel den Gebrauch zu machen zu welchem sie ihm denselben auf dem Jahrmarkt zu Jüter⸗ bock eingehändigt, dem Antrag, den man ihm auf der Grenze durch den Junker von Stein gemacht, Gehör zu geben, und den Zettel, der ihm selbst weiter nichts nutzen könne, für Frei⸗ heit und Leben an den Kurfürsten von Sachsen auszuliefern.

Kohlhaas, der über die Macht jauchzte, die ihm gegeben war, seines Feindes Ferse in dem Augenblick, da sie ihn in den Staub trat, töd⸗ lich zu verwunden, antwortete: nicht um die Welt, Mütterchen, nicht um die Welt! und drückte der Alten Hand, und wollte nur wissen, was für Antworten auf die ungeheuren Fragen im Zettel enthalten wären? Die Frau, inzwischen sie das Jüngste, daß sich zu ihren Füßen niedergekauert hatte, auf den Schooß nahm, sprach:nicht um die Welt, Kohlhaas der Roß⸗ händler; aber um diesen hübschen, kleinen, blonden Jungen! und damit lachte sie ihn an, herzte und küßte ihn, der sie mit großen Augen ansah, und reichte ihm mit ihren dürren Händen einen Apfel, den sie in der Tasche trug, dar. Kohlhaas sagte verwirrt: daß die Kinder selbst, wenn sie groß wären, ihn seines Verfahrens halber loben würden, und daß er für sie und ihre Enkel nichts Heilsameres thun könne, als den Zettel behalten. Zudem fragte er, wer ihn nach der Erfahrung, die er gemacht, vor einem neuen Betrug sicher stelle, und ob er nicht zu⸗ letzt unnützer Weise den Zettel, wie jüngst den Kriegshaufen, den er in Lützen zusammenge⸗ bracht, an den Kurfürsten aufopfern würde? Wer mir sein Wort einmal gebrochen, sprach er,mit dem wechsle ich keins mehr; und nur deine Forderung, bestimmt und unzweideutig, trennt mich, gutes Mütterchen, von dem Blatt, durch welches mir für Alles, was ich erlitten, auf so wunderbare Weise Genugthuung ge⸗ worden ist.

Die Frau, indem sie das Kind auf den Boden setzte, sagte: daß er in mancherlei Hin⸗ sicht Recht hätte, und daß er thun und lassen könnte, was er wollte! Und damit nahm sie ihre Krücken wieder zur Haud, und wollte gehn. Kohlhaas wiederholte seine Frage, den Juhalt des wunderbaren Zettes betreffend; er wünschte, da sie flüchtig antwortete:daß er ihn eröffnen könne, obschon es eine bloße Neugierde wäre, noch über Tausend andere Dinge, bevor sie ihn verließe, Aufschluß zu erhalten; wer sie eigent⸗ lich sei, woher sie zu der Wissenschaft, die ihr inwohne, komme, warum sie den Kurfürsten, für den er doch geschrieben, den Zettel ver⸗ weigert, und grade ihm unter so vielen tausend Menschen, der ihrer Wissenschaft nie begehrt, das Wunderblatt überreicht habe?

Nun traf es sich, daß in eben diesem Augen⸗ blick ein Geräusch hörbar ward, das einige

Jolizei⸗Offizianten, die die Treppe heraufstiegen, verursachten; dergestalt, daß das Weib von plötzlicher Besorgnis in diesen Gemächern von ihnen betroffen zu werden ergriffen, antwortete: auf Wiedersehen Kohlhaas, auf Wiedersehn! Es soll dir, wenn wir uns wieder treffen, an Kenntnis über dies Alles nicht fehlen! Und

damit, indem sie sich gegen die Thür wandte, rief sie:lebt wohl Kinderchen, lebt wohl! küßte das kleine Geschlecht nach der Reihe, und

ging ab.

Inzwischen hatte der Kurfürst von Sachsen, f seinen jammervollen Gedanken preisgegeben, Namens Oldenholm und

zwei Astrologen, Olearius, welche damals in Sachsen in großem Ansehen standen, herbeigerufen, und wegen des Inhalts des geheimnisvollen, ihm und dem

Schloßturm zu Dresden fortgesetzten tiefsinnigen

Untersuchung nicht einig werden konnten, ob die g 0 ö

Prophezeihung sich auf späte Jahrhunderte oder aber auf die jetzige Zeit beziehe, und viel⸗ leicht die Krone Polen, mit welcher die Ver⸗ hältnisse immer noch sehr kriegerisch waren, da⸗ mit gemeint sei; so wurde durch solchen ge⸗ lehrten Streit, statt sie zu zerstreuen, die Un⸗

welcher sich dieser unglückliche Herr befand, nur geschärft, und zuletzt bis auf einen Grad, der seiner Seele ganz unerträglich war, vermehrt. Dazu kam, daß der Kämmerer um diese Zeit seiner Frau, die im Begriff stand ihm nach Berlin zu folgen, auftrug, dem Kurfürsten bevor sie abreise auf eine geschickte Art beizubringen, wie mißlich es nach einem verunglückten Versuch, den er mit demWeibe gemacht, das sich seitdem nicht wieder habe blicken lassen, mit der Hoff⸗ nung aussehe, des Zettels, in dessen Besitz der Kohlhaas sei, habhaft zu werden, indem das über ihn gefällte Todesurteil nunmehr nach einer umständlichen Prüfung der Acten von dem Kurfürsten von Brandenburg unterzeichnet, und der Hinrichtungstag bereits auf den Montag nach Palmarum festgesetzt sei; auf welche Nach⸗ richt der Kurfürst sich, das Herz von Kummer und Reue zerrissen, gleich einem ganz Verlorenen, in seinem Zimmer verschloß, während zwei Tage des Lebens satt, keine Speisen zu sich nahm, und am dritten plötzlich, unter der kurzen Anzeige an das Gubernium, daß er zu dem Fürsten von Dessau auf die Jagd reise, aus Dresden verschwand. Wohin er elgeutlich ging, und ob er sich uach Dessau wandte, lassen wir dahin gestellt sein, indem die Chroniken, aus deren Vergleich wir Bericht erstatten, an dieser Stelle auf befremdende Weise einander wider⸗ sprechen und aufheben. Gewiß ist, daß der Fürst von Dessau, unfähig zu jagen, um diese Zeit krank in Braunschweig bei seinem Oheim, dem Herzog Heinrich, lag, und daß die Dame Heloise am Abend des folgenden Tages in Ge⸗ sellschaft eines Grofen von Königstein, den sie für ihren Vetter ausgab, bei dem Kämmerer Herrn Kunz, ihrem Gemahl, in Berlin eintraf. Inzwischen war dem Kohlhaas auf Befehl des Kurfürsten das Todesurteil vorgelesen, die Ketten abgenommen, und die über sein Ver⸗ mögen lautenden Papiere, die man ihm in Dresden abgesprochen hatte, wieder zugestellt worden; und da die Räte, die das Gericht an ihn abegordnet hatte, ihn fragten, wie er es mit dem, was er besitze, nach seinem Tode ge⸗ halten wissen wolle: so verfertigte er mit Hülfe eines Notars zu seiner Kinder Gunsten ein Testament, und setzte den Amtmann zu Kohl⸗ haasenbrück, seinen wackeren Freund, zum Vor⸗ mund derselben ein. Demnach glich nichts der Ruhe und Zufriedenheit seiner Tage; denn auf eine sonderbare Special⸗Verorbnung des Kur⸗ war bald darauf auch noch der Zwinger, in welchem er sich befand, eröffnet, und allen seinen Freunden, deren er sehr viele in der Stadt be⸗ saß, bei Tag und Nacht freier Zutritt zu ihm verstattet worden. Ja, er hatte non die Geuug⸗ thuung, den Theologen Jakob Freising, als einen Abgesandten Doctor Luthers, mit einem eigenhändigen, ohne Zweifel sehr merkwürdigen Brief, der aber verloren gegangen ist, in sein Gefängnis treten zu sehen, und von diesem geistlichen Herrn in Gegenwart zweier branden⸗ burgischen Dechanten, die ihm an die Hand gingen, die Wohlthat der heiligen Communion zu empfangen. a Hierauf erschien nun unter einer allgemeinen Bewegung der Stadt, die sich immer noch nicht

entwöhnen konnte, auf ein Machtwort, das ihn

jeheir Au ganzen Geschlecht seiner Nachkommen so wich- ul tigen Zettels zu Rate gezogen; und da die Männer nach einer, mehrere Tage lang im

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