Ausgabe 
22.10.1899
 
Einzelbild herunterladen

8 13.

bandte goht,

Sachen, geben, N

Und N großen gen de? ud den

0 pich. d da N

lang in oh die hunderte und viel. die Ver ren, da⸗ ö chen ge⸗

die ll. g in

and, nur

rad, der

ermehrt.

ese Zeit

ch Berlin beor sie

gen, wie Lersuh, seitden er Hof⸗ estz der dem das ehr nuch von dem net, und Montag che Nach⸗ Kummer rlorenen, d zwei zu sich r kurzen zu dem ise, aus lich ging, sen wir

kel, aus in diesen r wider⸗ daß del um diese 1 Ohein, je Dall g in Ge den ste mmerel traf. F Bech 9rgelesel, geln Ber ihm 1 zune kit 1 Tode g

6+6

22

77...

rettete, zu hoffen, der verhängnißvolle Montag

Nr. 43.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

nach Palmarum, an welchem er die Welt wegen des allzuraschen Versuchs sich selvst in ihr Recht verschaffen zu wollen, versöhnen sollte. Eben trat er, in Begleitung einer starken Wache, seine beiden Knaben auf dem Arm(denn diese Vergünstigung hatte er sich ausdrücklich vor den Schranken des Gerichts ausgebeten), von dem Theologen Jakob Freising geführt, aus dem Thor seines Gefängnisses, als unter einem wehmütigen Gewimmel von Bekannten, die ihm die Hände drückten und von ihm Abschied nahmen, der Castellan des kurfürstlichen Schlosses, verstört im Gesicht, zu ihm herein trat, und ihm ein Blatt gab, das ihm, wie er sagte, ein altes Weib für ihn eingehändigt. Kohlhaas, während er den Mann, der ihm nur wenig bekannt war, befremdet ansah, eröffnete das Blatt, dessen Siegelring ihn, im Mundlack ausgedrückt, so- gleich an die bekannte Zigeunerin erinnerte. Aber wer beschreibt das Erstaunen das ihn er⸗ griff, als er folgende Nachricht darin fand: Kohlhaas, der Kurfürst von Sachsen ist in Berlin; auf den Richtplatz schon ist er voran⸗ gegangen, und wird, wenn dir daran liegt, an einem Hut mit blauen und weißen Federbüschen kenntlich sein. Die Absicht in der er kommt, brauche ich dir nicht zu sagen; er will die Kapsel, sobald du verscharrt bist ausgraben, und den Zettel der darin befindlich ist eröffnen lassen. Deine Elisabeth.

Kohlhaas indem er sich auf das Aeußerste bestürzt zu dem Castellan umwandte, fragte ihn: ob er das wunderbare Weib, das ihm den Zettel übergeben, kenne? Doch da der Castellan antwortete:Kohlhaas, das Weib und in Mitten der Rede auf sonderbare Weise stockte, so konnte er von dem Zuge, der in diesem Augenblick wieder antrat, fortgerissen, nicht ver⸗ nehmen, was der Mann, der an allen Gliedern zu zittern schien, vorbrachte.

Als er auf dem Richtplatz ankam, fand er den Kurfürsten von Brandenburg mit seinem Gefolge, worunter sich auch der Erzkanzler Herr Heinrich von Geusau befand, unter einer uner⸗ meßlichen Menschenmenge daselbst zu Pferde halten: ihm zur Rechten der kaiserliche Anwalt Franz Müller, eine Abschrift des Todesurtheils in der Hand; ihm zur Linken mit dem Con⸗ clusum des Dresdner Hofgerichts sein eigener Anwalt, der Rechtsgelehrte Anton Zäuner; ein Herold in der Mitte des halboffenen Kreises, den das Volk schloß, mit einem Bündel Sachen, und den beiden, von Wohlsein glänzenden, die erde mit ihren Hufen stampfenden Rappen. Denn der Erzkanzler Herr Heinrich hatte die Klage, die er im Namen seines Herrn in Dres- den anhängig gemacht, Punkt für Punkt und ohne die mindeste Einschränkung gegen den Junker Wenzel von Tronka durchgesetzt; der⸗ gestalt, daß die Pferde, nachdem man sie durch Schwingung einer Fahne über ihre Häupter ehr⸗ lich gemacht, und aus den Händen des Ab⸗ deckers, der sie ernährte, zurückgezogen hatte, von den Leuten des Junkers dickgefüttert, und in Gegenwart einer eigens dazu nieder⸗ gesetzten Commision dem Anwalt auf dem Markt zu Dresden übergeben worden waren. Demnach sprach der Kurfürst, als Kohhaas von der Wache begleitet auf den Hügel zu ihm heranschritt: nun, Kohlhaas, heut ist der Tag, an dem dir dein Recht geschieht! Schau her, hier liefere ich dir Alles, was du auf der Tronkenburg gewaltsamer Weise eingebüßt, und was ich als dein Landesherr, dir wieder zu verschaffen, schuldig war, zurück: Rappen, Halstuch, Reichsgulden, Wäsche, bis auf die Kurkosten sogar für deinen bei Mühlberg ge⸗ fallenen Knecht Herse. Bist du mit mir zu frieden? Kohlhaas, während er das ihm auf den Wink des Erzkanzlers eingehändigte Conclusum mit großen, funkelnden Augen überlas, setzte die beiden Kinder, die er auf dem Arm trug, neben sich auf den Boden nieder; und da er

auch einen Artikel darin fand, in welchem der Junker Wenzel zu zweijähriger Gefängnißstrafe verurtheilt: so ließ er sich aus der Ferne, ganz überwältigt von Gefühlen, mit kreuzweis auf

nieder. Er versicherte bed dem Erzkanzler, indem er aufstand, und die Hand auf seinen Schoß legte, daß sein höchster Wunsch auf Erden erfüllt sei, trat an die Pferde heran, musterte sie, und klopfte ihren feisten Hals; und erklärte dem Kanzler, indem er wieder zu ihm zurück- kam, heiter: daß er sie seinen beiden Söhnen Heinrich und Leopold schenke! Der Kanzler, Herr Heinrich von Geusau, vom Pferde herab mild zu ihm gewandt, versprach ihm in des Kurfürsten Namen, daß sein letzter Wille heilig gehalten werden solle: und forderte ihn auf, auch über die übrigen im Bündel befindlichen Sachen nach seinem Gutdünken zu schalten. Hierauf rief Kohlhaas die alte Mutter Hersens, die er auf dem Platz wahrgenommen hatte, aus dem Haufen des Volks hervor, und indem er ihr die Sachen übergab, sprach er:da, Mütterchen, das gehört dir! die Summe, die als Schadenersatz für ihn bei den im Bündel liegenden Gelde befindlich war, als ein Ge⸗ schenk noch zur Pflege und Erquickung ihrer alten Tage hinzufügend.

Der Kurfürst rief:nun Kohlhaas der Roß⸗ händler, und, dem solchergestalt Genugthuung geworden, mache dich bereit, kaiserlicher Maje⸗ stät, deren Anwalt hier steht, wegen des Bruchs ihres Landfriedens deinerseits Genugthuung zu geben! Kohlhaas indem er seinen Hut ab⸗ nahm, und auf die Erde warf, sagte: daß er bereit dazu wäre! übergab die Kinder, nachdem er sie noch einmal vom Boden erhoben, und an seine Brust gedrückt hatte, dem Amtmann von Kohlhaasenbrück, und trat, während dieser sie unter stillen Thränen vom Platz hinweg⸗ führte, an den Block. Eben knüpfte er sich das Tuch vom Hals ab, und öffnete seinen Brust⸗ latz, als er mit einem flüchtigen Blick auf den Kreis, den das Volk bildete, in geringer Ent⸗ fernung von sich zwischen zwei Rittern, die ihn mit ihren Leibern halb deckten, den wohlbe⸗ kannten Mann mit blauen und weißen Feder⸗ büschen wahrnahm. Kohlhaas löste sich, indem er mit einem plötzlichen, die Wache, die ihn umringte, befremdenden Schritt, dicht vor ihn trat, die Kapsel von der Brust; er nahm den Zettel heraus, entsiegelte ihn, und überlas ihn, und das Auge unverwandt auf den Manu mit blauen und weißen Federbüschen gerichtet, der bereits süßen Hoffnungen Raum zu geben an⸗ fing, steckte er ihn in den Mund und verschlang ihn. Der Mann mit blauen und weißen Jeder⸗ büschen sank bei diesem Anblick ohnmächtig in Krämpfen nieder. Kohlhaas aber, während die bestürzten Begleiter desselben sich herab⸗ beugten und ihn vom Boden aufhoben, wandte sich zu dem Schaffot, wo sein Haupt unter dem Beil des Scharfrichters fiel.

Hier endigt die Geschichte von Kohlhaas. Man legte die Leiche unter einer allgemeinen Klage des Volks in einen Sarg; und während die Träger sie aufhoben, um sie anständig auf den Kirchhof der Vorstadt zu begraben, rief der Kurfürst die Söhne des Abgeschiedenen herbei und schlug sie, mit der Erklärung an den Erz⸗ kanzler, daß sie in seiner Pagenschule erzogen werden sollten, zu Rittern.

Der Kurfürst von Sachsen kam bald darauf, zerrissen an Leib und Seele, nach Dresden zu⸗ rück, wo man das Weitere in der Geschichte nachlesen muß.

Von Kohlhaas aber haben noch im ver⸗ gangenen Jahrhundert im Mecklenburgischen einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.

Russische Sprichwörter.

Auch einen alten Mann liebt die Frau, wenn er nicht eifersüchtig ist. *

An ein fremdes Weib thut der Teufel einen Löffel Honig. a

Nicht Jeder ist ein Bösewicht, der einmal bös ist.

*

Nur Hunde und vornehme Herren fasten nicht. N

Wer Knoblauch gegessen, braucht sich nicht

die Brust gelegten Händen vor dem Kurfürsten

zu melden.

Wo der Teufel nicht zurecht kommt, da schickt er das Weib hin. *

Eine kluge Lüge ist oft besser, als eine dumme Wahrheit.

* Wenn der Pope die Messe sitzend liest, so hört die Gemeinde liegend zu. *

Preise nicht deine Frau nach dem dritten Tag, preise sie nach dem dritten Jahr. * Wenn der Donner nicht rollt, schlägt au der Bauer kein Kreuz. cee

r

Humoristisches.

Veteranen... Veteranen! Kriegskameraden! Meine Herren! Heute hat der Erbprinz den ersten Zahn bekommen. Mit Freuden hat der Kriegerbund die Ge⸗ legenheit ergriffen, seine Fahne zu entrollen und zu zeigen, daß der markige, schlachtenergraute, sturmerprob te Krieger überall dabei ist...

*

Gemütlich. Lehrer:Aber Pepi, was fällt Dir denn ein? Die Schule geht um 8 Uhr an, es ist schon neun Uhr und Du kommst jetzt erst!

Schüler:Gelt, da schaust!

*

Kathederblüte.Nach der verlorenen Schlacht brachte der unglückliche Regent die erste Nacht in Ver⸗ zweiflung, die nächste in Wien zu!

*

Der Namensvetter Andrées. In mili⸗ tärischen Kreisen wird folgende Anekdote erzählt. Bei einer der letzten Rekrutenbesichtigungen fragte der Kaiser einen angehenden Vaterlandsverteidiger:Wie heißt Du, mein Sohn? worauf der Rekrut mit möglichst regle⸗ mentsmäßiger Schneidigkeit:Andrée, Ew. Majestät! antwortete. Auf die Frage des Monarchen:Weißt Du auch, daß Du einen berühmten Namensvetter hast? Zu Befehl, Ew. Majestät!Wer hat Dir das gesagt?Der Herr Hauptmann! erwiderte der Rekrut.So, entgegnete der Kaiser lächelnd,und was hat der Herr Hauptmann Dir von Deinem Namens⸗ vetter erzählt?Ew. Majestät, der Herr Haupt⸗ mann hat gesagt, wenn Dir Andrée man voch bloß mitgenommen hätte! war die Antwort des strammen Kriegers.(Andrée heißt der Luftschiffer, der im Luft⸗ ballon den Nordpol erreichen wollte, aber seit Jahren verschollen ist.)

Neu eingelaufene Schriften.

Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor.

Eine Junkerrevolte. Unter diesem Titel behandelt eine im Verlag der Buchhandlung Vorwärts soeben erschienene Broschüre von Kurt Eisner die Fragen der inneren preußischen Politik unter Anlehnung an den Kanalhandel und prüft diese Frage vom Stand⸗ punkte des Sozialismus. Der Stoff ist gegliedert in folgende Kapitel: Die Politik der Mitte, Kulturinteresse und Interessenkultur, der persönliche Wille, Bilder aus der verkehrten Welt, die Komödie der Drohungen, ohne Sozialdemokraten. Im ersten Abschnitt wird das Ver⸗ hältniß zwischen Industrie und Landwirtschaft in Preußen mit Hilfe von Zahlen über Bevölkerungsgliederung, Bodenbenutzung, Einfuhr und Ausfuhr von Industrie⸗ erzeugnissen und Nahrungsmitteln geschildert. Der Verfasser kommt am Schlusse seiner interessanten Dar⸗ legungen zu der Forderung, daß wir auch in Preußen die Eroberung der politischen Macht mit allen tauglichen Mitteln anbahnen müssen, und verlangt einheitliche und bindende Beschlüsse zur Frage der preußischen Landtags⸗ wahlen. Der Preis für die Broschüre beträgt 50 Pf.; um aber den Parteigenossen die Anschaffung zu erleichtern, hat der Verlag eine Agitationsausgabe zum Preise von 20 Pf. hergestellt.

Nur 60 Pfennige

kostet dieMitteldeutsche Sonntags-Zeitung für die Monate November und Dezember durch den Briefträger frei in's Haus geliefert. Jeder Briefträger nimmt Bestellungen an. Bei unsern Austrägern bestellt, kostet dieM. S.⸗Z.

monatlich nur 25 Pfg. frei in's Haus.

n K

8 r eee

eee