Ausgabe 
22.1.1899
 
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Nr. 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Pflichtaufgaben der Gemeinde. Unser Partei genosse Segitz trat dieser Auffassung entgegen,

der Antrag Zorn's wurde aber, jedoch mit der

geringen Stimmenzahl von 18 gegen 15, ab⸗ Darauf nahm das Kollegium mit 17 gegen 16 Stimmen einen Antrag des Demo⸗ kraten Baritsch an, wonach die Freigabe der

Lehrmittel stufenweise eingeführt werden

soll, und zwar so, daß im laufenden Etatsjahre die Lehrmittel in der 1. und 2. Klasse kostenlos abgegeben und zu diesem Zwecke 6000 Mark in den Etat eingesetzt werden, im nächsten Jahre sollen die Mittel zur unentgeltlichen Abgabe in zwei weiteren Klassen vorgesehen werden und so fort, bis die Neuerung in allen Klassen der Volksschule durchgeführt ist. Für den An⸗ trag des Herrn Baritsch stimmten die Sozial⸗ demokraten geschlossen und die Demokraten mit einer Ausnahme, dagegen die Liberalen und Freisinnigen und ein Demokrat. Die

Gegnerschaft setzte sich fast ausschließlich aus

Fabrikanten und andern größeren Unternehmern

zusammen, die die Kosten der Lehrmittel für ihre Sprößlinge natürlich leicht aus ihrer Tasche be⸗ streiten können, für deren Füllung dauernd zu sorgen die Arbeiter durch die kapitalistische Ge⸗ sellschaftsordnung ja gezwungen sind. Der Fürther Magistrat, ohne dessen Zustimmung der Beschluß des Gemeindekollegiums nicht aus⸗ geführt werden kann, hat sich, wie wir soeben lesen, ablehnend verhalten. Kein Wunder; im Magistrat sitzen nur Leute, die's haben, nämlich viel Geld. Die meisten Leute aber, die viel Geld haben, haben wenig Verständnis für die Lage des werkthätigen Volkes.

Das letzte Jahr des Jahrhunderts so wird fast in allen Zeitungen das Jahr ge nannt, welches vor 14 Tagen begonnen hat. Es ist aber nicht das letzte, sondern das zweit- letzte des Jahrhunderts, und daß der Irrtum entstehen konnte, erklärt sich nur aus dem, in unserem Zahlensystem begründeten Umstand, daß das letzte Jahr eines Jahrhunderts bereits den Namen des folgenden Jahrhunderts trägt gerade wie die letzte Zahl der Zehner schon 20, die letzte Zahl der Zwanziger schon 30 heißt und so fort. Um den Irrtum bezüglich des angeblich letzten Jahrhunderts zu begreifen, braucht man nur das erste Jahr des folgen- den Jahrhunderts zu nehmen. Wenn das gegenwärtige Jahr 1899 das letzte des neun⸗ zehnten Jahrhunderts wäre, müßte folgerichtig das Jahr 1900 das erste des zwanzigsten Jahrhunderts sein. Das ist es aber nicht, denn es giebt doch nicht zwei erste Jahre des Jahr⸗ hunderts. Und daß 1901 das erste Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts ist, weiß jeder, der das Einmaleins kennt und aus ihm gelernt hat, daß jede Zahlenreihe von Zehnern, Hunderten, Tau⸗ senden ꝛc. mit einer 1 anfängt. Der Irrtum bezüglich des letzten Jahres eines Jahrhunderts

ist übrigens uralt; er hat schon vor 100, vor

200, 300 und mehr Jahren eine Rolle gespielt. Und im Jahre 1800, also zum Anfang unseres Jahrhundert, hat er eine förmliche Litteratur erzeugt. Unsere Vorfahren wollten mit Gewalt um ein Jahr zu früh aus dem achtzehnten Jahr⸗ hundert heraus, das ihnen außer auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft nicht viel Gutes gebracht hatte, wohl aber sehr viel des Schlimmen und Unehrenvollen.

Arbeiterbewegung. Im Berliner Skandal Anzeiger, der sich rühmt, 246 000(allerdings sehr bedauernswerte)

Abonnenten zu haben, sind 24 Schriftsetzer ge⸗

maßregelt worden, weil sie sounverschämt waren, in einer Zusammenkunft verschiedene Mißstände im Geschäft zu besprechen. So etwas ist aber in jener Zeitungsfabrik verboten. Ebenso wenig wie der Besitzer Scherl duldet, daß sichseine Leute organisieren, erlaubt er ihnen, mit den Zuständen in seinem Geschäft unzufrieden zu sein. Er wirft die Leute einfach

f die Straße. Allerdings erklärten sich sofort fast 100 Mann mit den Entlassenen solidarisch, sodaß im Lokal⸗Anzeiger insgesamt an einem Fase 118 Setzer die Arbeit verließen.

Kleine Mitteilungen.

Liebesdrama. In Berlin erschoß der in Lothringer Straße wohnhafte 64 jährige Lackierer Wolzsztynski in seinem Keller die im gleichem Hause wohnende 48 jährige Frau des Arbeiters Teichler, mit der er ein Liebes ver- hältnis unterhalten hatte. Wolsztynski erschoß sich dann selbst.

Von der Metzer Strafkammer wurde ein seiner Zeit wegen schweren Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus Verurteilter, der bereits ein Jahr seiner Haft verbüßt hat, im Wieder- aufnahmeverfahren freigesprochen.

Von Wilderern erschossen. Als am Montag Abend der in den dreißiger Jahren stehende Förster Adam Humbert von Nieder- hochstadt(Vorderpfalz) nachhause gehen wollte, erhielt er im Walde einen Schuß in den Unter⸗ leib, der den Tod bald herbeiführte. Man ver⸗ mutet in dem Thäter einen Wilderer.

Feuerbestattung. An das preußische Abgeordnetenhaus haben sämtliche preußische Feuerbestattungsvereine die Petition gerichtet, das Haus wolle die Staatsregierung ersuchen, die zur Einführung der fakultativen Feuer⸗ bestattung in Preußen erforderlichen gesetzgebe⸗ rischen Maßregeln zu treffen. Dem Gesuche ist eine ausführliche Begründung beigegeben, von deren vorurteilsfreier Prüfung man eine wohl- wollende Berücksichtigung der Petition erwartet.

Ihren schlafenden Mann übergoß die Gutsbesitzerin Rakowska in Boborodezany(Ga- lizien)p mit Petroleum und zündete dasselbe an, wodurch der Mann verbrannte. Die Mörderin wurde verhaftet.

Partei⸗ Nachrichten.

Eine Ehreupflicht. Die

sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Drees bach und Geck, ferner Apotheker Lutz in Baden-Baden, Kaufmann Franz Peter in Achern und Stadtrat Dr. Richter in Pforz heim wenden sich an die sozialdemokratischen Partei- genossen und überhaupt an alle ehrlichen Freunde der Freiheit mit der Bitte, ihre Verehrung für die große revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 und die Opfer des badischen Aufstandes, die uns ein so erhebendes Beispiel von Freiheitsliebe und Todesver achtung gegeben haben, dadurch zu bekunden, daß sie ihr Scherflein zum Grabdenkmal für die Helden von Rastatt beitragen.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 21. Januar:

Gießener Wahlverein bei Orbig. General- versammlung. Tages⸗ Ordnung: 1. Abrechnung. 2. Vortrag des Gen. Scheidemann. 3. Diskussion.

Sonntag, den 22. Januar:

Wahlverein Friedberg. Vormitt. 10 Uhr bei Gen. Kühn(Stadt New⸗-York, Hagstr. 11).

Montag, den 23. Januar:

Schneider bei Orbig. Tagesordnung: Vortrag des Red. Ph. Scheidemann.

Samstag, den 28. Januar:

Holzarbeiter bei Löb. Vortrag des Stadtv. Krumm.

Friedberg. Seit der letzten Konferenz sind bei mir eingegangen: L. 7 von der Reichstagswahl Mk. 2.80. von L. 1, 2, 3, 4, 5 zum Parteitag von Vilbel 29.05. Ausgaben in dieser Zeit Mk. 22.73 Ferner teile den Parteigenossen mit, daß ich mit dem Heutigen die Kolportage des Kreises übernommen habe, und bitte ich, bei Bedarf irgend eines Buches mit mir in Verbindung treten zu wollen, oder wo Vertrauensleute am Orte sind, es denen mitteilen zu wollen, und ist denselben schon nähere Anweisung brieflich zugegangen.

H. Busold, Kreisvertrauensmann.

An die Arbeitergesaugvereine des Rhein⸗

und Maingaues!

Gemäß dem Beschluß des SängerbundesLassallia Frankfurt a. M., die Gründung eines Arbeiter-Sänger bundes für den Rhein- und Maingau anzustreben, berufen wir zur Gründung desselben auf Sonntag, den 26. Februar, nachm. 2 Uhr, nach Frankfurt a. M. in die Restauration Stein, große Eschenheimerstr. 23, eine Konferenz ein, und ersuchen wir alle Ar beitergesangvereine dieses Bezirkes, welche sich für dieses Projekt interessieren, dieselbe durch einen Delegierten zu beschicken oder ihre Erklärung schriftlich einzufenden. Weitere Auskunft wird gern erteilt durch Herrn Aug. Hofmann, Frankfurt a. M., Hermann⸗ straße 14 p.

Die Kommission für Gründung eines Arbeiter-

sängerbundes für Rhein- und Maingau.

Briefkasten der Expedition.

Quittungen. Kr. G. 50.. M. Gbch. 6. M. V.⸗G. Ins. 2.. M. Pbrbch. 1.70. G. Hdobgu⸗ 8.40. L. Wzl. 1.40. Sch. Ls. Inf. 4.. B Sch. 1.20. Kch. Nofl. 6.80. Hbr. Dbrgn. 5.40. Stpf⸗ Gbtch. 2.. Hzl. Ob..70. Wch. Bst. 5.75. Sttlr. Sgntt. 2.. Ins. Mdlr..90. Wtzlr. Pth. 35.. Ob. D. H. M. 9.50. A. B. G. 30.. K. K. G. 65.. S. G. 34.75. Otzbg. 2.40. Kr. G. 53.75. R. G. 1.20. B. V. Fr. 2.. B. Hbsbch 2.75. B. G. 18. Mbg. P. 75.80. Ibg. Mbg. 12.. K. G. 42.50. B. Dbg. 2.05. Hp. Bohm. 10.80. Ikb. Eck. 8. Sp. Eschw. 9.40. Kch. Krfd. 44.. W. B. 10. H. Lbg. 3.. Hzb. Verb. G. 5.. Sg. Hchst. 1. Kch. Nflst. 6.80. O. G. 3.. Kbch..60. Hn. 60. N. T. 1.80. Echt. Gbg. 5.80. L. G. J. 60.. Wbch. Rdgn. 4.40. Sch. dm. 20.75. Krgr. G. 17.80. Schr Wk. 1.20. Al. Schpf. 2.40. W. Al. 2.25. Sch. Schmk. 30.. Dch. Atb. 9.60. Fr. G. 50.. Schm. Wbg. 1.. Wtzl. Witzh. 17.40. Spg. E. 7..

Marktberichte.

Grünberg, 14. Januar. Fruchtpreise. Weizen Mk. 16,50 00,00, Korn Mk. 13,60 00,00, Gerste Mk. 15,20 00,00, Hafer Mk. 13,80 00,00, Erbsen Mk. 00,00 00,00, Linsen Mk. 00,, Wicken Mk.. Lein Mk.,., Kartoffeln Mk. 0,00 00,00, Samen Mk. 00,00 per 50 Kilogr.

Ce tzte Nachrichten.

Es geschehen Zeichen und Wunder!

Zu der Hardenschen Zukunft, eine invor⸗ nehmen Kreisen vielgelesene Wochenschrift macht ein aktiver Oberstlieutenant Front gegen die neue Militärvorlage. Es handelt sich gegen die vielen Neuerungen im Heere und meint u. a.

Zwischen dem gebotenen Fortschritt und dem heutigen Uebermaß von Neuerungen liegt ein breiter Raum. Es wäre nicht uninteressant, ein⸗ mal die sämtlichen Herresorganisation-, Aus⸗ bildung⸗, Bewaffung⸗, Ausrüstung⸗, Bekleidung⸗ und Administrativvorschriften, die seit zehn Jahren erlassen worden sind, zusammenzustellen und in ihren Wirkungen auf unser Heerwesen kritisch zu untersuchen. Die Frage ist thatsäch⸗ lich nicht von der Hand zu weisen, ob noch ir⸗ gend jemand in der Armee der Fülle dieses Stoffes gegenüber überhaupt sicher ist, die er⸗ forderlichen Kenntnisse zu besitzen. Da erscheint es denn als die Aufgabe derjenigen, die dem aufreibenden Dienstgetriebe mit seinen alle geistigen und körperlichen Kräfte absorbierenden Anforde⸗ rungen entzogen sind, aus langjähriger, gereifter Erfahrung ihre warnenden Stimmen gegen den ruhe⸗ und nicht selten auch planlosen Wechsel (Halbbataillone und Vollbataillone, Zweidrittel⸗ regiementer ꝛc.) in seiner Gesamtwirkung zu er⸗ heben.

Nachdem er dann darauf hingewiesen, daß auch die in der Vorlage für die Kavallerie ge⸗ forderten Verstärkungen nur den Charakter eines Provisoriums tragen, das bald nach Vervoll⸗ ständigungschreien werde, schließt er:

Die Behauptung, daß von der Bewilligung der neuen Vorlagedie Sicherheit des Reiches, basiert auf eine leistungsfähige, zweckmäßig organisierte Armee abhinge, wird übrigens schon dadurch widerlegt, daß die Vorlage erst jetzt eingebracht wird, während sie längst hätte einge⸗ bracht sein müssen, wenn das in Wirklichkeit der Fall wäre. Es handelt sich um eine nicht ein⸗ mal rein militärisch unbedingt einwandfreie, im besten Falle wünschenswerte, immerhin aber ent⸗ behrliche Verstärkung unserer, den möglichen Eventualitäten bereits genügend Rechnung tragen⸗ den Militärrüstung und der Reichstag würde sich ein Verdienst erwerben wenn er das weitere zwecklose Anwachsen der Wehr⸗ last hinberte und dem Volk damit endlich ermöglichte, im vollen Umfang die Früchte der deutschen Einheit zu ernten.

Ein Oberstlieutenant.

Das ist immerhin für einen aktiven Offizier eine Leistung, die von anerkennenswerter Selb⸗ ständigkeit zeugt. Der Mann hat ja mehr Rück⸗ grat als Volksvertreter vom Schlage der Lieber und Rickert von den Stumm⸗Gesellen gar nicht erst zu reden. Daß die Unzufriedenheit über den militärischen Zickzackkurs auch in Offiziers⸗ kreisen um sich greift, war längst ein öffentliches Geheimnis. Jetzt hat sie selbst das Schweigen gebrochen.