Ausgabe 
21.5.1899
 
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Nr. 21.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

Der Freiherr ohne Einkommen. Freiherr v. Wangenheim, der bekannte Führer und Agitator des Bundes der Land⸗ wirte, hat bis zum 1. April dieses Jahres keine Einkommensteuer bezahlt. Diese Thatsache ist in einer Wählerversammlung in Spandau zur Sprache gebracht worden und mußte vom Bund der Landwirte zugegeben werden. Demgegenüber ist festzustellen:

1. Herr v. Wangenheim bezahlte nach dem Zeugnis des konservativen Wahlkomitees von Pyritz⸗Saatzig im Jahr 1898 an Ver⸗ mögenssteuer 199 Mk. 80 Pfg. ent⸗ spricht einem schuldenfreien Vermögen von etwa 400000 Mark.

2. Herr v. Wangenheim bezahlte 16 000 Mark Maischbottichsteuer, hatte ein Spiritus kontingent von über 80000 Litern entspricht einer Liebesgabe von über 16000 Mark.

3. Herr v. Wangenheim hat ein Gut von 767 Hektar mit einem Grundsteuer⸗Reiner⸗ ertrag von 2628 Mark.

Es ist nach alledem höchst interessant, daß dieser reiche Mann, der doch in seinen Reden so unermüdlich für die Interessen des Vater⸗ landes eintritt, bis zum 1. April d. J. keine Einkommensteuer bezahlt hat. Hessische Proletarier, sofern sie nur das gesetzliche Minimum von 500 Mk. verdienen, bezahlen prompt ihre Einkommensteuer, sonst holt sie der Gerichtsvollzieher.

Grabschändende Mäuse.

Die Grabschändung in Dresden(siehe Nr. 20 der M. S.⸗Z.) wird jetzt von dem dortigen Amtsblatte zu erklären versucht als die That umsturzfeindlicher Mäuse! Mäuse sollen die 296 Tul penzwiebeln rattenkahl gefressen haben und es wird entschieden in Abrede gestellt, daß irgend ein behördlicher Akt vorliege. Ist von niemand behauptet worden! Daß aber diese Mäufe eine sehr staatserhaltende Wirkung hatten, geht aus dem Umstande hervor, daß sie die zahlreichen Tulpen auf nich t revolutionären Gräbern unberührt ließen. Hand in Hand mit den gutgesinnten Mäusen sorgte auch die Be⸗ hörde für die Staatserhaltung, indem sie sogar eine von der freisinnigen Volkspartei gespendete schwarz⸗weiß⸗rote Schleife konfiszierte.

Vielleicht handelt es sich in Dresden um dieselben Mäuse, die an dem Wahlrecht nagen und die Wurzeln des Koalitionsrechts an⸗ gefressen haben.

Treffliche Worte.

Den Delegierten des Gewerkschaftskongresses zu Ehren hatten die Frankfurter Arbeiter einen Kommers veranstaltet, auf dem unser Partei⸗

genosse Greulich⸗Zürich eine zündende An⸗ prache hielt. Der alte Kämpe der schweizerischen rbeiterbewegung sprach mit jugendlichem Feuer und Begeisterung, mit so überzeugender Kraft von dem Gelingen der großen Aufgabe der Arbeiterbewegung, daß er bei seinen Zuhörern eradezu eine stürmische Beifallskundgebung ent⸗ esselte. Nach einem kurzen Skizzieren der chweizerischen Gewerkschaften geht Redner auf ie deutschen Verhältnisse ein und zeigte das Unsinnige jener Verfolgungssucht der herrschenden Klassen gegen die Arbeiterbewegung. Wären unsere Gegner nicht so einsichtslos, dann müßten ie ihrem Gott auf den Knien danken, daß eine rbeiterbewegung besteht, die bestrebt ist, die Bevölkerung auf eine höhere Kulturstufe zu heben. Redner streift im Laufe der weiteren Ausführungen die von Bernstein hervorgerufene Diskussion und bemerkt: Fällen Sie keine Ketzerurteile. Lassen sie den Most gähren, der nach Klarheit ringt. Schließen sie ihm aber nicht das Faß, es tonnte gesprengt werden. Eins muß uns zusammenhalten, das ist die Begeisterung für die Zukunft, die die Arbeiter klasse zu erringen hat. Der Bombenschwindel in Alerandrien. ist am 13. Mai vor dem Schwurgericht in Ancona gesühnt worden. Der italienische

Polizeispitzel Maria Bazzani ist wegen

fascher Auschuldigung zu 7 Jahren 6 Monaren

Zuchthaus und dreijähriger Stellung unter

Polizeiaufsicht verurteilt worden; gleichzeitig

wurde ihm auf Lebenszeit die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter abgesprochen.

Bazzani war angeklagt, ein Komplott erfunden und den Gerichtsbehörden angezeigt und den Glauben an die Fabrikation von zwei Bomben erweckt zu haben.

Gerichtlich ist also erwiesen, daß die Ver⸗ schwörung in Aegypten ein Schwindel war. Der preußische Polizeiminister v. d. Recke hat so eine nicht geringe Schlappe, nicht die erste und nicht die letzte, davongetragen; er eilt ja als erleuchteter Staatsmann des Zickzackkurses von Fiasko zu Fiasko. Als er bei der Etats beratung im Abgeordnetenhause gefragt wurde, was es denn eigentlich mit den unheimlichen Nachrichten der Regierungsblätter über ein gegen den Kaiser geplantes Attentat für eine Bewandtnis habe, erwidert: er, er müsseleider hier konstatieren, daß dieser Angelegenheit ein sehr ernstes Faktum zugrunde liege! Das ernste Faktum ist die Spitzelgeschichte des Bazzani.

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Aus dem Reichstag.

Pfuscharbeit.

Am Mittwoch ist der Reichstag gegen den leb⸗ haften Protest der Sozialdemokraten in die zweite Be⸗ ratung der Novelle(Abänderungen) zum Invaliditäts⸗ und Altersversicherungsgesetz eingetreten. Der zur Beratung von der Kommission vorgelegte Entwurf ist ganz unfertige Pfuscharbeit. Außerdem aber war es gar nicht möglich, daß die Mitglieder des Reichstags sich mit dem Gesetzentwurf bekannt machen konnten, da sie ihn kaum in Händen hatten, als auch die Beratung schon beginnen sollte.

Genosse Singer legte namens unserer Fraktion Protest ein gegen die geplante Durchpeitschung dieses für die Arbeiter so wichtigen Gesetzes. Wenn die Re⸗ gierung so viel Wert darauf legte, daß das Gesetz noch vor Pfingsten unter Dach und Fach kommen soll, dann hätte sie den Reichstag früher einberufen sollen. Mit Ausnahme der freisinnigen Volkspartei erklärten sich alle Parteien damit einverstanden, daß mit der Durch⸗ peitschuug der Pfuschvorlage sofort begonnen werde.

Genosse Molkenbuhr erklärte diese Bereitwilligkeit des Reichstags damit, daß es sich nur um ein

Gesetz für arme Leute

handelte. Es wurde in die Verhandlung eingetreten, die gleich in der ersten Sitzung zu einer großen Ab⸗ rechnung der Sozialdemokraten mit den ostelbischen Junkern führte. Nach dem Entwurf sollen die aus⸗ län dischen Arbeiter von der Versicherungspflicht be⸗ freit sein. Dagegen wenden sich unsere Genossen ganz entschiedeen. Gen. Molkenbuhr stellt fest, daß das für die ostpreußischen Junker eine Prämie bedeute, die für Beschäftigung ansländischer Arbeiter gezahlt werde. Auf die Einwendung des Konservativen von Loebell, daß sie die Gutsbesitzer im Osten auf ausländische Arbeiter angewiesen wären, erklärt Molkenbuhr, die Junker sollten ihre Arbeiter ordent⸗ lich bezahlen, behandeln und menschenwürdig einlogieren, dann würden sie nicht davonlaufen. Um die Arbeiterverhältnisse drehte sich dann der Kampf zwei Tage lang. Unsererseits sprachen Molkenbuhr (als Kommissionsmitglied wiederholt), Haase, Stadt⸗ hagen und Bebel. Unsere Genossen wuschen den Junkern von Klinkowström, von Levetzow, von Loebell, von Staudy, von Jazdzewski, von Kardorff ganz gründlich die Köpfe. Auch die Junkertrabanten, die ihren übel zugerichteten Protektoren zu Hilfe kommen wollten, der Junkerblattredakteur Oertel und der Junker⸗ bundsbeamte Karl Lucke, wurden gehörig heimgeschickt. Wir müssen leider darauf verzichten, von den trefflichen Reden unserer Genossen hier ausführlicher zu berichten. Welche Zustände dort, wo die Junker residieren, herrschen, mögen unsere Leser aus der Notiz:Aus dem Junker⸗ paradi⸗s unter Pol. Rundschau ersehen.

Mit bewundernswertem Eifer arbeiten unsere Ge⸗ nossen, um möglichst Vorteilhaftes für die Arbeiter zu erlangen. Es wird ihnen kaum gelingen, etwas durchzusetzen.Fertig werden mit diesemsozialpoliti⸗ schen Kram, denkt die Mehrheit des Reichstags. Was liegt den Kraut⸗ und Schlotjunkern daran, ob die Ar⸗ beiter im Augenblick der Not vor dem Aeußersten ge⸗ schützt sind. Ja, wenn es sich um Liebesgaben für sie handelte! Aber so kommt ja nur in Betracht ein

Gesetz für arme Leute!

Vom Gewerkschaftskongreß.

* Die Delegierten zum dritten deutschen Gewerkschaftskongreß haben fleißig arbeiten müssen, um das vorgeschriebene Pensum bewäl tigen zu können. Aber nicht nur fleißig, sondern auch gut hat der Kongreß gearbeitet. Bei jedem Punkt wurde gewissenhaft das Für und Wider erwogen. Und wenn fast alle Beschlüsse

mit überwältigenden Mehrheiten oder gar Ein⸗ stimmigkeit gefaßt wurden, so ist das ein Beweis dafür, daß innerhalb der deutschen Arbeiterschaft Klarheit und Uebereinstimmung bezüglich der Aufgaben der zentralisierten Gewerkschafts⸗ organisationen herrscht.

Nach einem glänzenden Referat Legiens über das Koalitionsrecht protestierte der Kongreß gegen den Zuchthauskurs und verlangte wirkliche Koalitionsfreiheit. Ueber die Ge⸗ werbeinspektion sprach Dr. Quarck, einer der besten Kenner auf diesem Gebiete. Die von ihm eingebrachte Resolution wurde ein⸗ stimmig angenommen. Dieselbe empfiehlt die Bildung besonderer Beschwerde-Kommissionen, deren Vorsitzende mit den Gewerbeinspektionen Verkehr pflegen sollen:

Der Kongreß verhehle sich allerdings nicht, daß eine einigermaßen befriedigende Verbindung der Arbeiter mit der Gewerbeinspektion und die wirkliche Nutzbarmachung der staatlichen Aufsicht für die Arbeiterschaft erst möglich werden wird durch weitgehende Reformen der Gewerbeinspektion selbst, nämlich durch

Ausdehnung derselben auf Handwerk, sowie

Klein⸗ und Hausindustrie, Handel, Transport

und Verkehr, Zentralisierung in eine Rechts⸗

inspektion, Vermehrung der Beamten durch

Gehilfen und Gehilfinnen aus Arbeiter- und

Angestelltenkreisen, sowie Ausstattung der

Beamten mit Vollzugsrecht und voller Un

abhängigkeit.

Deswegen fordert der Kongreß alle Arbeiter und Arbeitervertreter auf, mit aller Energie dahin zu wirken, daß diese Reformen, durch welche die Gewerbeinspektion erst wirklich nutz⸗ bringend für die Arbeiterschast gestaltet wird, zur Durchführung gelangen.

Ueber den Wert von Tarifgemeinschaften sprach Döblin, der Vorsitzende des Buch⸗ druckerverbandes. Die große Mehrheit des Kongresses stimmt mit dem Referenten der Tarifgemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern unter bestimmten Voraussetzungen zu.

Segitz referierte über die Arbeiter⸗ sekretartate in ausführlicher Weise. Segitz war bekanntlich der erste Arbeitersekretär in Deutschland. Das von ihm geleitete Sekretariat in Nürnberg ist bis auf den heutigen Tag für alle Städte vorbildlich gewesen. Redner em⸗ pfiehlt eine Resolution, in der es u. a. heißt:

Der Gewerkschaftskongreß erblickt in den Arbeitersekretariaten einen bedeutsamen Fort⸗ schritt der Arbeiterorganisationen und spricht diesen Einrichtungen seine volle Sympathie aus. Gleichwohl warnt der Kongreß vor Ueberstürzung bei Gründung von Arbeitersekretariaten und empfiehlt den örtlichen Gewerkschaftskartellen, Arbeitersekretariate erst dann zu errichten, wenn die finanzielle Grundlage gesichert erscheint.

Diese Resolution wird angenommen.

Die Punkte:Arbeitsvermittelung undGewerkschafts-Kartelle werden gleichfalls vom Kongreß eingehend diskutiert und die übereinstimmende Meinung in Resolu⸗ tionen zum Ausdruck gebracht. Die Vertretung der Gewerkschafts⸗Kartelle auf den Kongressen wurde abgelehnt, ebenso die der Arbeitersekre⸗ tariate. In die Generalkommission wer⸗ den gewählt: Legien, Roeske, Sabatth, Strom⸗ berg, Demuth, Bringmann und Päplow.

Am Samstag Nachmittag wurde der Kon⸗ greß geschlossen. Der Vorsitzende Bömelburg warf einen Rückblick auf die Arbeiten des Kon⸗ gresses und verglich diesen mit seinen Vorgängern; er verwies auf die sachlichen Debalten und er⸗ klärte die Leidenschaftslosigkeit mit dem fort⸗ schreitenden Verständnis der Arbeiterschaft für ihre Interessen. Diejenigen, die immer und immer wieder glauben, einen Gegensatz zwi⸗ schen der Gewerkschaftsbewegung und der sozialdemokratischen Partei konsta⸗ tieren zu dürfen, sind stark auf dem Irrwege. Die deutschen Gewerkschaften sind un⸗ politisch, aber ihre Mitglieder sind fast ausnahmslos Sozialdemokraten. Die Gewerksch after wissen, daß die Not der Arbeiter- klasse nicht eher aufhören wird, als bis die gegenwärtige Produktionsweise durch eine ge nossenschaftliche ersetzt ist. Die deutschen Arbeiter bleiben die alten, trotz Zuchthauskucs.