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Nr. 34.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
Von diesem Kapital besitzt allerdings fast die Hälfte der große deutsche Buchdrucker verband, aber auch ohne ihn bleiben Deutschlands Ge⸗ werkschaften etzt„mehrfacher Millionär“.
Die Ausgaben der deutschen Gewerkschaften verteilen sich auf die einzelnen Unterstützungs⸗ und Verwaltungszweige und für Belehrung (Zeitungen, Bibliotheken) wie folgt:
Streikunterstützung. 1 073 290 Mk. Krankenunterstützung 491 634„ Reiseunterstützunn g 288267„ Arbeitslosenunterstützung 5 275 404„ Invalidenunterstützung in 79.587„ Umzugskosten nnd Beihilfe in Sterbe⸗
Nottsnle n, eme 78419„ C 3 48 78„ Gemaßregeltenunterstützung. e Stellenvermittelung 3 826„ Verbandszeitungen 518 949„ Verwaltungsmaterial(Kassenbücher,
Mitgliedsbücher ꝛc)** 165 926„ Agitatlon(zur Gewinnung neuer
ann e ne e 186 229„ Gehälter(in 57 Verbänden) 140 423„ Konferenzen u. Generalversammlungen 68 693„ Generalkommissiunngn᷑ss 41 665„ Prozeßkosten 6 674„ Sonstige Ausgaben(zürückgezahlte
Schulden, Internationales ꝛc. ꝛc.). 107759 Den Filialen verblieben(für örtliche
Verwaltung, lokale Unterstützungs⸗
zweige ꝛc.)) ns 723 101 M.
Millionen sind dahingegeben aus den Taschen der Armen für Arbeitslose, Reisende, Kranke, Bedürftige, für die um ihre Existenzverbesserung kämpfenden Brüder! Wie viel Not ist hier ge⸗ lindert worden, wie viel Sorgen verscheucht? Wie kleinlich nehmen sich gegenüber diesen Summen die Leistungen der Pseudo⸗ Arbeiter- vereine, der Hirsch⸗Dunker vereine, der katholischen Gesellen und evangelischen Jünglinge, aus!
Die deutschen Gewerkschaften habe eine Posi⸗ tion errungen, aus der sie kein Zuchthausge⸗ setz wird mehr werfen können. Sie haben der deutschen Arbeiterschaft, sie haben dem Vater⸗ lande, das sie unterdrückt, unnennbare Dienste erwiesen. Das Jahr 1899, das Jahr der Zuchthausvorlage, es sei ein würdiger Nach⸗ folger von 1898, ein Ehrenjahr für die deutsche Arbeiterschaft! i
Partei ⸗ Nachrichten.
Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, den 20. August, Nachm. 3 Uhr. Kreis Alsfeld. Versammlung zwecks Gründung eines sozialdemokratischen Wahlvereins bei Heinrich Trier in Schlitz. Es werden alle Arbeiter, welche Interesse an unserer Sache haben, aufgefordert,
sich in dem betreffenden Lokale einzufinden. Der Einberufer.
Quittung. Von Lollar auf Liste 78 für die Landtagswahlen M 10.10. Der Vertrauensmann— Von Heuchelheim für die dänischen Arbeiter Mk. 10.—, vom Vertrauensmann der Steinhauer Mk. 3.—.
Das Kartell.
Sonntag, den 3. September, im großen Wein rich'schen Saale in
Lollar Kreis Konferenz
für den Wahlkreis
Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda. Tages⸗Ordnung: 1) Kassen⸗ u. Geschäftsbericht des Kreis⸗Vertrauens⸗ manns. 2) Neuwahl des Vorstandes für den Kreis⸗Wahl⸗ Verein. 3) Die Thätigkeit des hessischen Landtags und die bevorstehende Neuwahl im Gießener Landkreis. Referent: Gen. Scheidemann. 4) Der deutsche Parteitag in Hannover. Referent: Gen. Krumm. Wir fordern hiermit die Parteigenossen im 1. hessi⸗ chen Reichstags wahlkreis auf, Stellung zur Kreis⸗
Angesichts der bevorstehenden Landtagswahl ist es dringend erforderlich, daß die Kreiskonferenz gut be⸗ sucht wird.
Der Der Kreis Vertrauensmann: Vorsitzende des Kr.⸗W.⸗V.: A. Bock. Ph. Scheidemann.
Sonntag, den 10. September:
Landes- Konfereuz in Mainz. Restauration„Zur Wanz.“
Tagesordnung siehe Nr. 33 der M. S.⸗Ztg. Die Delegirten werden freundl. gebeten, dem Unter⸗ zeichneten nach ihrer Wahl umgehend Mittheilung zu⸗ gehen zu lassen, gleichzeitig mit dem Bemerken, ob ge⸗ meinschaftlicher Mittagstisch erwünscht ist oder nicht. Ferner sind alle auf die Konferenz bezügl. Briefe ꝛc an den Unterzeichneten zu richten. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Mainz. J. A.: Val. Liebmann, Boppstr. 14.
Zur Landeskonferenz. Die Kreis⸗Vertrauens⸗ männer bezw. die Vorstände der Organisationen wollen sich behufs Erlangung der Mandatsformulare an Gen. C. Orbig, Gießen, Rittergasse 17, wenden.
Der alte Daßbach in Hanau ist am Sonntag 70 Jahre alt geworden. Aus ganz Deutschland gingen die Glückwunschschreiben und Telegramme ein. Eine vorbereitete Feier im engeren Kreise mußte leider wegen des schlechten Gesundheitszustandes unseres Genossen verschoben werden. Hoffentlich erholt sich der Unver⸗ wüstliche bald wieder.
Aufruf!
An alle Vertrauensmänner der Partei und Freunde der Sangeskunst! Wie Ihnen durch die Presse bekannt sein dürfte, gründete sich im vergangenen Frühjahr der Arbeiter⸗ Sängerbund für den Rhein⸗ und Maingau, der sich zur Aufgabe gestellt hat, das freie Lied in immer weitere Kreise zu tragen. Dem Bunde gehören bereits 40 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 2300 Sängern an. Die Zahl ist somit verhältnißmäßig noch eine sehr geringe, wenn man ihn Betracht zieht, daß in den an⸗ nähernd 1000 Ortschaften genannten Bezirkes fast überall Gesangvereine bestehen! Und aus welchen Leuten rekrutiren sich die Vereine? Zum weitaus größten Theil aus Ar⸗ beitern. Unsere ausgesprochenen Parteigenossen können es über sich ergehen lassen, daß man ihnen„den Stuhl vor die Thüre setzt“, daß sie in Vereinen sind, die dem deutschen Sängerbunde angehören, der bekanntlich auf seinem letzten Verbandstag in Stuttgart im August 1896 einen Beschluß dahingehend gefaßt hat, daß für Sozial⸗ demokraten kein Platz in den Reihen des deutschen Sängerbundes sei. Zunächst diese Vereine für uns zu gewinnen, die zum größten Theil aus uns gleichgesinnten Arbeitern bestehen, hat fich der Vorstand zur nächsten Aufgabe gestellt. Da uns jedoch keine Adressen zur Verfügung stehen, so ersuchen wir alle Frennde unserer Sache, uns Vereine namhaft zu machen, die event. für den Bund zu gewinnen wären.
Adressen find zu senden an den Vorsitzenden des Bundes
G. Fladung, Hausen bei Frankfurt a. M.
Briefkasten der Redaktion.
Schriftsetzer Scheibe. Ihre Berichtigung, die dem von Ihnen ganz überflüssiger Weise angezogenen § 11 des Preßgesetzes nicht entspricht, kam für diese Nummer zu spät. Dieselbe wird in nächster Nummer Aufnahme finden, wenn Sie bereit sind, die entstehenden Kosten— konf.§ 11 al. 3 des Pr.⸗Ges.— zu zahlen. Wollen Sie das nicht, dann schicken Sie eine„Berich⸗ tigung“, die dem Gesetz, auf das Sie sich berufen, wenigstens einigermaßen entspricht.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 17. August. In namentlicher Ab⸗ stimmung, an welcher sich 422 Mitglieder be⸗ theiligen und von denen einer sich der Stimm⸗ abgabe enthielt, wurde der Dort m und⸗ Rheinkanal mit 212 gegen 209 Stimmen abgelehnt. Es folgte die namentliche Ab⸗ stimmung über den Mittellandkanal. Derselbe wurde ebenfalls abgelehnt. Es be teiligten sich an der Abstimmung 419 Abgeordnete, von denen sich 65 der Stimmabgabe enthalten. Von den übrigen stimmen 126 mit Ja und 228 mit Nein. Wie der„Frkf. Ztg.“ berichtet wird, soll„an maßgebender Stelle eine sehr ernste und entschlossene Stimmung herrschen“. Der Rücktritt Miquels würde, wie die Stim⸗ mung jetzt ist, nicht die einzige Folge des Scheiterns der Kanalvorlage sein.
onferenz zu nehmen und Delegierte zu wählen.
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Generalbeichte. Von Goethe.
Casset heut im edeln Kreis Meine Warnung gelten! Nehmt die ernste Stimmung wahr, Denn sie kommt so selten. Manches habt ihr vorgenommen, Manches ist euch schlecht bekommen, Und ich muß euch schelten.
Neue soll man doch einmal In der Welt empfinden; So bekennt, vertraut und fromm, Eure größten Sünden! Aus des Irrtums falschen Weiten Sammelt euch und sucht bei Seiten Euch zurecht zu finden.
Ja, wir haben, sei's bekannt, Wachend oft geträumet, Nicht geleert das frische Glas, Wenn der Wein geschäumet; Manche rasche Schäferstunde, Flücht'gen Kuß vom lieben Munde Naben wir versäumet.
Still und maulfaul saßen wir, Wenn Philister schwätzten, Ueber göttlichen Gesang Ihr Geklatsche schätzten,
Wegen glücklicher Momente, Deren man sich rühmen könnte, Uns zur Rede setzten.
Willst du Absolution Deinen Treuen geben, Wollen wir nach deinem Wink Unablässig streben, Uns vom Halben zu entwöhnen Und im Ganzen, Guten, Schönen Resolut zu leben;
Den Philistern allzumal Wohlgemut zu schnippen, Jenen Perlenschaum des Weins Nicht nur flach zu nippen, Nicht zu lieben leis mit Augen, Sondern fest uns anzusaugen An geliebte Lippen.
Goethe. Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Eleutherophilos.
Schiller und Goethe— unsere beiden großen Volksdichter! Wie oft hört man dies stolze Wort! Ist es auch richtig? Werden sie von unserem Volke wirklich gelesen, ver⸗ standen und gewürdigt? Bei Schiller mag es zur Not zutreffen, daß manche seiner Dichtungen auch den„gemeinen Mann“ in Stadt und Land erfreuen und erheben. Aber Goethe— wie viele aus der Masse des Volkes haben von dem etwas gehört? Und der sogenannte gebildete Mittelstand, der vielleicht die Werke des Dichters in Goldschnitteinband hinter dem Glasfenster des Bücherschrankes stehen hat, kennt der Goethe? Mit nichten. Goethe haben allezeit nur wenige, wirklich Gebildete gelesen, sie haben in ihm den höchsten Genuß, die eigentliche Würze ihres inneren Lebens gefunden. Und ein so schwer verständlicher, so wenigen wirklich zugänglicher Dichter soll trotzdem ein Volksdichter sein? Ist das nicht ein innerer Widerspruch, eine offen⸗ kundige Unwahrheit? Ja und nein, je nach der Auffassung. Ja, wenn man sieht, wie gering Goethes Einfluß bis jetzt auf unser Volk gewesen ist, und wie gering er nach dem Zustande, in dem es lebt, auch nur sein konnte. Nein, wenn man bedenkt, was Goethe vermöge des in ihm liegenden Bildungsgehaltes unserem Volke noch sein kann und hoffentlich sein wird. Um Goethe verstehen zu lernen und mit seinem Verständnisse Anteil an dem Reichtum seiner Person zu ge⸗ winnen, bedarf es derjenigen Lebenserhöhung, um die die großen Schichten des arbeitenden Volkes gerade in unserer Zeit ihren schweren
Kampf kämpfen. Erstreitet euch eine gerechtere


