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und nun auch die Oberhessen!
Seite. 4.
Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Nr. 47.
schrumpften immer mehr zusammen, bis aus der 2 eine 1 und so aus der 21 eine 11 ge⸗ worden war. Na, der Katzenfammer! Und still klagend schloß sich der gestern noch so Stolze in sein stilles Kämmerlein und nun klang es durch die Nacht leise, und immer leiser: Heute durch die Brust geschossen! Morgen in das kühle Grab.
* Im Todeskampf kamen dem Architekten Hirschel die wunderbarsten Gedanken: Kaum ein Jahr, daß dich die Odenwälder heimschickten Eine verfluchte Geschichte! Ja, hättest du doch wenigstens nicht den Mund so voll genommen. O, Ottochen, hättest du das geahnt, dann wärest du gewiß nicht von Bürgermeister zu Bürgermeister kutschiert, du hättest gewiß nicht im geheimen, hinter verschlossenen Thüren„agitiert“, du wärst hübsch in Offenbach geblieben, hättest Sieges⸗ nachrichten für deinen Arizonakicker fabriziert und dir eine furchtbare Blamage erspart. O, es ist schauderhaft! Ich, der große Otto, gestern noch auf so stolzen Rossen und heute, schon in die Brust geschossen. Und morgen geht's ins kühle Grab.— Ja, nun ist er
anz tot, der große Hirschel. Er erklärt in feinem Blatt, daß er zu gunsten des Kandidaten Leun zu rücktritt, um einen Sieg der Sozial⸗ demokratie zu verhindern.
Volksvertretung auf Abbruch.
* Der Großen-Lindener Bürgermeister Leun, der es sich vor kurzem zwar verbat, mit dem „Unding“ einer dritten Kandidatur in Gießen⸗ Land in Verbindung gebracht zu werden, dann aber plötzlich im letzten Augenblick doch auf der Bildfläche erschien und im antisemitischen Lager eine wahre Revolution hervorrief, wird vorläufig Abgeordneter des Kreises Gießen⸗ Land werden, da Herr Hirschel von seiner Kan⸗ didatur zu gunsten Leuns zurückgetreten ist. Letzterer selbst bezeichnete seine eventuelle dritte Kandidatur für ein„Unding“. In unseren Augen trifft diese Bezeichnung noch viel mehr auf das von Herrn Leun„eroberte“ Ab⸗ gebrdneten⸗Mandat zu. Er verdankt dasselbe dem Buben des Heuchelheimer Kirchendieners. Herr Leun wird gewisser⸗ maßen nur Volksvertreter„auf Abbruch“. Nach seiner Wahl geht an den Landtag sofort Protest ab und der Landtag wird keinen Ver⸗ treter in seiner Mitte dulden, der auf so merk⸗ würdige Weise„gesiegt“ hat. Die Wahl der Heuchelheimer Wahlmänner und damit die Wahl des Herrn Leun müssen vom Landtag für ungültig erklärt werden. Dann werden unsere Genossen in Heuchelheim die Scharte, die ihnen von den Lennianern in der hinter⸗ listigsten Weise beigebracht wurde, auswetzen, dessen sind wir gewiß. Mit den Heuchelheimer drei Wahlmännern verfügen wir über die ab⸗ solute Mehrheit und dann wird Herr Leun, der jetzt auf freisinnig⸗nationalliberal⸗antisemi⸗ tischen Kirchendienersbuben⸗Krücken in den Land⸗ tag humpelt, wieder ausziehen müssen, um einem Vertreter der weitaus stärksten Partei in Gießen-Land Platz zu machen. Herrn Hirschel mag diese Ansicht nicht in letzter Linie bewogen haben, auf die Mitwirkung in des Trauerspiels letztem Akt Verzicht zu leisten und die Rolle des„Helden“, der erst in der letzten Szene fällt, großmütig Herrn Leun zu überlassen.
Zu früh gefreut.
* Daß den Sozialdemokraten zur absol uten Wahlmänner⸗Mehrheit in Gießen⸗Land nur drei Stimmen fehlen und daß diese drei Stim⸗ men höchst wahrscheinlich bald in Heuchelheim für uns gewonnen werden, hat verschiedenen Meuschen arge Kopfschmerzen bereitet. Groß war deshalb die Freude, als es hieß, irgend ein Schlaukopf habe herausgekriegt, daß unser Großen⸗Busecker Wahlmann Dambmann nicht als Wahlmann anerkannt werden könne. Er versteuere zwar anstatt der erforderlichen 80 Mark Normalsteuerkapital sogar mehr als 110 Mark, aber das Steuerkapital werde bei ihm zum weit größten Teil nicht, wie es das Gesetz verlange, aus Grund- oder Kapitalrenten ge⸗ bildet. Das war allerdings eine grund⸗
falsche Auffassung der gesetzlichen Be⸗ stimmung, aber der Wahlkommissar, Re⸗ gierungsrat Dr. Wagner, hielt sie für richtig und ordnete für Donnerstag Vormittag eine Ersatzwahl für Dambmann in Großen⸗Buseck an. Gen. Scheidemann intervenierte am Dienstag Vormittag bei dem Regierungsrat, leider vergeblich. Nun reiste er sofort nach Offenbach, um vom Gen. Ulrich das nötige Beweismaterial herbeizuschaffen, daß die ange⸗ ordnete Neuwahl ungültig sein würde, laut früheren Kammerbeschlüssen. Am Mitt⸗ woch früh wieder Intervention beim Regie⸗ rungsrat, dessen Auffassung doch nun so weit erschüttert wurde, daß er um Instruktion an das Staatsministerum telegraphierte. Gen. Scheidemann wurde auf den Nachmittag noch⸗ mals bestellt, die Antwort aus Darmstadt blieb aber aus. Aus eigener Machtbefugnis wollte Regierungsrat Wagner die von ihm an⸗ geordnete Neuwahl nicht wieder inhibieren. Das Arbeiter⸗Wahlkomitee ließ noch am Mitt⸗ woch Abend eine Flugschrift für die Großen⸗ Busecker Arbeiter drucken, in der diese auf⸗ gefordert wurden, nicht zur Wahl zu gehen, weil Dambmann rechtmäßig gewählter Wahl⸗ mann sei und bleibe, daran könne niemand etwas ändern. Kein Arbeiter wählte daraufhin. Die Antisemiten aber schleppten wieder alle ihre Leute an die Urne. Und als dann die Stimmen gezählt wurden und der„neue“ Wahl⸗ mann so gut wie einstimmig gewählt war, da kam aus Gießen eine Depesche, die wie eine Bombe wirkte. Sie wird wohl ungefähr ge⸗ lautet haben: Neue Wahl ungültig. Damb⸗ mann rechtmäßiger Wahlmann!— Na, die langen Gesichter!
Aus Lollar.
* Man schreibt uns aus Lollar: Es werden sich viele Leute, die in unsere Verhältnisse nicht eingeweiht sind, wundern, daß in einem In⸗ dustrieort wie Lollar keine sozialdemokratischen Wahlmänner gewählt worden sind. Es fällt hierbei besonders ins Gewicht, daß gut die Hälfte der hiesigen Arbeiter, die teils 10—20 Jahre in Lollar wohnen, nicht wählen durften, weil sie keine geborene Hessen sind. Hätten sich dieselben naturalisieren lassen, so wäre uns der Sieg trotz verzweifelter Anstrengung der Gegner sicher gewesen. Die nächsten Wahlen werden zeigen, daß wir in Lollar nicht zurück;, sondern vorwärts schreiten. Es war am Wahl⸗ tage eine Aufregung im Dorfe, wie sie nie vorher dagewesen. Alles, was noch trans⸗ portabel war, wurde von den Gegnern an die Urne geschleppt. Dabei handelte es sich bei den Gegnern nicht um die Wahl eines Land⸗ tagsabgeordneten, sondern darum, zwei„Großen“ im Dorfe die„Ehre“ anzuthun“, sie zu Wahl⸗ männern zu wählen. Herr Hirschel hat sich sehr getäuscht, wenn er die Wahlmänner für sich reklamierte. Der eine Wahlmann wenig⸗ stens, der Rechner, hat öffentlich erklärt, daß 5 kein Antisemit sei und Leun wählen würde.
Aus Marburg.
h. Am Samstag Abend fand eine öffent⸗ liche Parteiversammlung statt, in der Genosse Scheidemann⸗Gießen über den hannoverschen Parteitag Bericht erstattete. Nach kurzer Dis⸗ kussion erklärte sich die Versammlung einstimmig mi den Parteitagsbeschlüssen einverstanden.— Im ferneren Verlauf der Versammlung wurde dem früheren Vertrauensmann Genossen Euler einstimmig Decharge erteilt, ebenfalls der Kol⸗ portagekommission auf Antrag der Revisoren. — Gen. Härtling wurde sodann einstimmig als Vertrauensmann wieder gewählt. Zum Schlusse gedachte der zweite Vorsitzende unseres verstorbenen Genossen Müller in Aschaffen⸗ burg. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen, der mehr als 80 Jahre in Marburg gelebt hat, durch Erheben von den Sitzen.— Am Samstag über acht Tage hält der Parteigenosse Albert Meyer einen Vor⸗ trag über das kommunistische Manifest und das Erfurter Programm. Wir machen schon heute auf diesen Vortrag aufmerksam und bitten um zahlreichen Besuch. a
Wie die Naumänner ablösen.
* Die National⸗Sozialen tragen sich be⸗ kanntlich mit der menschenfreundlichen Absicht, die Sozialdemokratie„abzulösen“. Vorläufig allerdings brauchen wir uns wohl keiner allzu⸗ großen Sorge dieserhalb hinzugeben. Es wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis uns die Naumänner mit Haut und Haaren vertilgt haben. Einstweilen scheinen wir noch die Naumänner„abzulösen“. Nach Pastor Göhre hat jetzt ein weiterer Theologe, Albert Meyer, der eines Gehörfehlers wegen auf die seel⸗ sorgerische Thätigkeit Verzicht leisten mußte und dann als alter Anhänger Naumanns in die Redaktion der dem Herrn von Gerlach ge⸗ hörigen„Hessischen Landeszeitung“ in Marburg eintrat, seinen Abschied von den National⸗ Sozialen genommen. Meyer ist„nach ernster Arbeit zu der Einsicht von der Wahrheit des demokratischen marxistischen Sozialismus ge⸗ kommen“ und hat die Konsequenzen seiner Ueberzeugung gezogen. Er hat seinen Aus⸗ tritt aus dem nationalsozialen Verein erklärt und ist der sozialdemokratischen Partei beigetreten.
Herr Naumann wird die große„Ablösung“ noch ein wenig vertagen müssen.
Ein prächtiges Weihnachtsgeschenk
hat die„Buchhandlung Vorwärts“ in Form zweier Kunstblätter in Kupfer⸗Radirung auf chinesischem Papier, die die lebensgroßen Port⸗ raits von Marx und Engels darstellen, auf den Markt gebracht. Diese Kunstblätter, deren Größe 85465 Centimeter, sind von einem der ersten Radirkünstler gestochen worden und stellen eingerahmt einen künstlerischen Wand⸗ Schmuck dar, wie man ihn in den Wohnungen der Arbeiter nicht angetroffen hat. Die Kunst⸗ blätter, die im Kunsthandel mindestens 15 bis 20 Mark kosten würden, werden zum Preis von 4 Mark für ein Bild und 7 Mark für die beiden Bilder geliefert werden. Gleichzeitig hat die„Buchhandlung Vorwärts“ geschmackvolle Rahmen mit Prima⸗Glas zu den Kunstblättern zum billigen Preis von 5,50 Mk., 7,50 Mk., 9 Mk. und 11 Mk. anfertigen lassen, die nach auswärts einen Aufschlag von etwa 1 Mark pro Stück für Fracht und Verpackung erfahren dürften. Die Herausgabe dieser Kunst⸗ blätter soll nicht dem Gewinn dienen, sondern ist lediglich erfolgt, um den künstlerischen Geschmack der Massen zu bilden. Allen Genossen, die einen Wert darauf legen, ihr Heim künstlerisch zu schmücken, können wir den Erwerb dieser Kunstblätter, deren niedrigen Preis es auch dem Minder⸗Bemittelten erlaubt, sich in den Besitz eines wahrhaft künstlerischen Wandschmucks zu setzen, bestens empfehlen. Im Laden des Genossen Schneider, Sonnenstraße 25, sind die Bilder zur Ansicht ausgestellt.
Der brüllende Löwe.
Man schreibt aus Köln: Folgender kleine Vorfall ist nicht etwa als Karnevals⸗Ulk aus⸗ gedacht, sondern hat sich genau in der ange⸗ gebenen Weise zugetragen: Ein elegant geklei⸗ deter junger Mann betrat in den letzten Tagen einen hiesigen stark besuchten Münchener Bier⸗ palast und bestellte einen Krug Münchener. Nachdem der Kellner ihm das Gewünschte ge⸗ bracht hatte, öffnete der Gast den Deckel des Kruges und begann dann so fürchterlich zu brüllen, daß die Gäste bestürzt auf⸗ sprangen und die Damen sich ängstlich in die Ecken drückten. Bald darauf trat der Inhaber des Ausschanks herzu und fragte mit teil⸗ nehmenden Worten den unausgesetzt Brüllenden, ob er plötzlich krank geworden sei und ob vielleicht schnell zu einem Arzt geschickt werden solle. Der Brüllende hielt nun einen Augen⸗ blick inne, verzog das Gesicht zu einem Lächeln und zeigte auf einen Sinnspruch an der Wand hin, der also lautete:
„Brülle, wie der Löwe brüllt, Wenn der Krug nicht ganz gefüllt!“
„Und hier überzeugen Sie sich“, sagte der Herr dann lächelnd,„es fehlen noch zwei Ouer⸗ finger unter dem Aichstrich in meinem Kruge!
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