Ausgabe 
19.2.1899
 
Einzelbild herunterladen

.

Epjꝙv

Seite 6.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 8.

0 ee so

7700000000000 Unterhaltungs⸗CTeil.

.

Aus der Enge. Von Klara Müller. Hinaus möcht' ich zieh'n in die blühende Weite, Ein Lied auf der Lippe, den Lenz als Geleite, In rauschende Wälder, an sonnige Borden,

Auf ragende Berge nach Süden, nach Norden

Hinaus nur, hinaus!

8 möcht' ich zieh'n auf die lärmenden Gassen,

in Tropfen, versinken im Meere der Massen,

Der eigenen Pulse Auschwellen und Schwinden

Erschauernd als Herzschlag der Menschheit empfinden, Hinaus nur, hinaus! 8

Hinaus möcht' ich zieh'n in die schimmerude Ferne;

Schon glänzen zu Häupten mir tropische Sterne:

In glühenden Nächten, in pressenden Armen

Möcht' ich zu lachendem Leben erwarmen Hinaus nur, hinaus!

AusMit roten Kressen.

0(Verlag von Baumert und Ronge, Großenhain.)

vom Stamm gevissen.

71 Roman von E. Langer.

Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)

Gleich am nächsten Morgen wurde die Annonce, durch welche Valeska eine Stellung als Erzieherin oder Lehrerin in Musik und Sprachen suchte, in die Spalten des verbreitetsten Organs der Provinz eingerückt und am nämlichen Tage, an welchem sie erschien, meldete sich eine Verwandte der Familie von Kries, für welche sie eine Dame, die in den genannten Fächern Tüchtiges leistete, engagieren sollte. Wie immer machte Valeska den günstig sten Eindruck, und man einigte sich leicht über die Bedingungen. Da die Stellung sogleich angetreten werden sollte, so erbat sich Valeska nur vierundzwanzig Stunden Zeit, um ihre Vorbereitungen zu treffen. Mit Oettinger hatte sie am Abend eine Zusammen⸗ kunft, zu der Tussy sie begleitete. Er war be⸗ stürzt und außer sich über die Trennung, auf die er so garnicht vorbereitet gewesen, doch gab er der Geliebten an Mut nichts nach. Sie schieden wie Menschen, deren Bund nicht nur auf flüchtigem Sinnenrausch, sondern auf tief innerer Sympathie beruht, das heißt gefaßt und voll Hoffnung auf die Zukunft.

In der Frühe des nächsten Morgens sah Oettinger, der sich ein Stück vor dem Bahnhof aufgestellt, den Zug, der Valeska entführte, an sich vorbeirasen und in dem dicken winterlichen Nebel verschwinden.

III.

Prächtiges, klares Winterwetter. Auf dem beschneiten Rondell vor dem Herrenhause auf Adlig⸗Triberg tummeln sich Valeska Stern und ihre Schülerinnen, die zarte Agnes und Elfriede, der muntere Backfisch, im Hause von allen Elfchen genannt; auch der kleine Hans fehlt nicht, der von Valeska unzertrennlich ist. Alle haben frische, rote Wangen, selbst die früh ver⸗ blühte Agnes, mit welcher überhaupt eine völlige Verwandlung vorgegangen ist. Man wirft sich mit Schneeballen und hascht einander, und das Lachen und Jauchzen der jugendlichen Stimmen klingt silbern in der reinen, frostigen Luft.

Sapperlot, war das ein eleganter Wurf, und welche elastischen Bewegungen, sagte der junge Lieutenant von Kries, der zu den Oster⸗ feiertagen gekommen war und mit seiner Braut, der zweiten Tochter des Hauses, Rosa, die ein wenig erkältet war und nicht hinaus durfte, eine Partie Billard spielte, wobei er die Blicke fort⸗ während zum Fenster hinausschweifen ließ.

Ich glaubte, Du sprächst hier von unserem Spiel, Georg, schmollte Rosa, die der Richtung seiner Blicke gefolgt war.Du scheinst aber mehr draußen zu sein. So geh doch, geh, wenn Dich die elastischen Bewegungen unserer Gesangs⸗ lehrerin so sehr reizen.

Aber, Schätzchen, warum denn gleich so empfindlich? Die Schönheit muß man bewun⸗ dern, wo man sie findet, und Fräulein Stern ist eine Schönheit; wirklich, eine famose Erschei⸗ nung, besonders jetzt mit dem roten indischen Shawl um den Kopf, den sie so genial um⸗ zuwerfen versteht.

Wo sie nur die alte Herrlichkeit herhaben mag? Gewiß ein Erbstück von der Urgroß⸗ mutter, stichelte Fräulein Rosa.

Laß Du die alte Herrlichkeit in Ruhe. Solche alte Sachen haben jetzt einen hohen Wert, belehrte sie der Lieutenant mit weiser Miene.

Nun, mit den neuen wird es bei denen auch übel bestellt sein. Tante Wanda, die die Stern engagierte, schrieb, daß es recht ärmlich bei den Leuten aussähe. Sie hat jedenfalls nötig, zu verdienen.

Um so merkwürdiger ist die Sicherheit und natürliche Eleganz, mit der sie auftritt. Ich bin begierig, wie Papa sie finden wird. Schade, Holdchen, daß Du nicht mit zur Bahn fahren kannst, um ihn abzuholen.

Daran ist nicht zu denken. Aber Du fährst auch nicht, dekretierte Holdchen.Tante Adele und Elfchen können Papa abholen. Nein, Georg, Du bleibst bei mir, Du darfst nicht fahren. Heimlich seufzend ergab sich der Lieute⸗ nant in den süßen Zwang.

Der Reichstag hatte seine Sitzungen vierzehn Tage vor dem Feste geschlossen und der Gnts⸗ herr seine Heimkehr angekündigt. Heute Abend wurde er erwartet. Das ganze Haus war des⸗ wegen in Aufregung. Fräulein Adele wirtschaftete in allen Wohnräumen herum, um überall für die Bequemlichkeit des geliebten Bruders zu sorgen. Die Thätigkeit der Hausfrau war weniger geräuschvoll. Sie beschränkte sich auf Anordnen und Beaufsichtigen. Innerlich war sie aber um so erregter. Obgleich mehr als zwanzig Jahre verheiratet und Mutter von vier Kindern, war Frau von Kries eine Frau mit jungem Herzen. Sie liebte ihren Mann noch ebenso innig, als da sie mit ihm vor den Altar trat. Solche bräutlich empfindenden, ihre Mäd⸗ chenliebe unverändert bewahrenden alten Frauen sind keine so großen Seltenheiten, wie man denkt. Bei Frau von Kries hatte sich dies Gefühl um so frischer erhalten, als die Anwesenheit ihrer Schwägerin im Hause sie stets genötigt hatte, dasselbe zurückzudrängen. Ihr Inneres profanen Augen preiszugeben, war ihr nicht möglich, und Fräulein Adele war für sie eine profane Person. Diese wiederum hielt die scheu reservierte Art der Gattin ihres Bruders, dem sie eine über⸗ schwängliche Verehrung zollte, für Geistesbe⸗ schränktheit und behandelte sie demgemäß mit einer zur Schau getragenen Ueberlegenheit. Sie war ja auch nur von bürgerlicher Herkunft, die Tochter eines höheren Gerichtsbeamten aus der nahen Provinzialhauptstadt. Fräulein von Kries besaß noch viel von dem veralteten Adelsstolz, auch war sie es gewesen, die die Liebe zwischen ihrem Neffen, dem Lieutenant Georg von Kries, den sie bis zu seinem Eintritt in das Kadetten⸗ haus erzogen, und ihrer Nichte, die beide ihren adligen Namen trugen, eifrig geschürt und be günstigt hatte.

Herr von Kries, der Gutsherr, war ein ebenso leidenschaftlicher Landwirt wie Politiker und nebenbei ein eifriger Briefschreiber. Er korrespondierte mit der halben Welt. Wenn er daher zuhause war, was selten der Fall, so saß er in seinem Zimmer am Schreibtisch. Seine Frau hatte wenig von ihm. Er liebte sie, wie ein Mann mit einem großen Wirkungskreise in späteren Jahren seine Frau zu lieben pflegt, mit jener Gewohnheitsliebe, die mehr von Gewohnheit als von Liebe hat. Dies war ihr nun steter Gram, sie konnte sich nicht darein finden. Die Tage ihres jungen Liebesglückes waren ihrem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Warum konnte nicht wenigstens der Abglanz jenes Glückes noch die Neige des Lebens vergolden? Eines tröstete sie: sie hatte die wärmeren Gefühle ihres Gatten an keine andere abtreten müssen, wie es so vielen Frauen ergeht. Nur die Wirtschaft

und die öffentlichen Angelegenheiten waren ihre

glücklicheren Nebenbuhlerinnen gewesen, und bis⸗ elektrisieren vermag.

weilen meinte sie sogar die alte Zärtlichkeit aus seinem Herzen hervorbrechen zu fühlen, besonders wenn er nach längerer Abwesenheit nachhause kam. Ihre heutige Aufregung war daher er⸗ klärlich. Aeußerlich gab sich dieselbe durch nichts als durch einen lebhafteren Glanz der ruhigen, dunkelgrauen Augen und durch zarte rote Flecken in dem schmalen, fast mädchenhaften Gesichte kund, Zeichen, auf die, außer Valeska, niemand achtete.

In dieser hatte Frau von Kries ein ihr durchaus sympathisches Wesen gefunden, und täglich pries sie das Geschick, welches Valeska in ihr Haus geführt. Nicht nur, daß durch sie das ganze häusliche Leben einen höheren Gehalt gewonnen hatte, daß sie geistig erfrischend und belebend auf alle wirkte, sie übte auch den günstigsten Einfluß auf das körperliche Befinden ihrer Töchter aus, namentlich der ältesten, welche aus ihrer Apathie aufgerüttelt und sichtlich munterer und lebensfreudiger geworden war. Früher jeder Bewegung abgeneigt, hatte Agnes sehr bald an den Spaziergängen teilgenommen, welche Valeska mit Elfchen, Hans und Rosa, wenn diese nicht gerade mit ihrer täglichen Epistel an Georg beschäftigt war, regelmäßig in der Mittagsstunde unternahm. Appetit und Schlaf hatten sich wieder eingestellt und mit ihnen ein erhöhtes Lebensgefühl, eine zweite Jugendblüte. Frau von Kries sah dieses mit unaussprechlicher Freude und innigem Dank gegen Valeska. Sie selbst hatte nie so viel Einfluß auf ihre Töchter besessen, da ihre Schwägerin ihr stets entgegen⸗ gearbeitet und der schüchternen Frau das Heft aus der Hand gewunden hatte. f

Obgleich Fräulein Adele selbst sich nicht gern rührte und das Bedürfnis nach frischer Luft für Einbildung erklärte, so blieb sie doch bei Aus⸗ fahrten nie zurück. Auch ließ sie es sich heute nicht nehmen, zum Empfang ihres Bruders nach der Station zu fahren, und nach längerem Hin⸗ und Herreden über ihre Begleitung entschied Frau von Kries, daß Georg dieselbe bilden sollte. Sie meinte, daß es sich für ihn schicke, und in ihrer heutigen Erregtheit fand sie den Mut und die Energie, ihre Meinung zur Geltung zu bringen. Sie selbst liebte keinen öffentlichen Empfang. Rosa wandte ihrem ungehorsamen Bräutigam, der ihr komischflehende Blicke und Geberden nachsandte, den Rücken und zog sich schmollend auf ihr Zimmer zurück.

Auch Valeska hatte sich gleich nach Tisch auf ihr Zimmer begeben. Sie wollte die Fa⸗ milie bei ihrem Wiedersehen mit dem Heim⸗ kehrenden ganz ungestört lassen und die Zeit benutzen, um Oettingers letzten Brief zu beant⸗ worten. Dieser hatte ihr sein Eintreffen in dem benachbarten Neukirch angezeigt und wartete nun mit höchster Ungeduld auf eine Nachricht, wann und wo er die Geliebte sehen könnte. N

Oettinger hatte mittlerweile sein Examen ge⸗ macht und glänzend bestanden, trotz der feind⸗ lichen Gesinnung des Gerichtspräsidenten, der die Aeußerung gethan, er würde lieber sein Amt verlieren, als einen so rabiaten Radikalen wie Oettinger durchlassen. Er hatte jedoch nichts gegen die Stimmen der Beisitzenden vermocht, die zwar auch die Richtung des Examinanden mißbilligten, seinen Kenntnissen und scharfsinnigen Detuktionen aber die verdiente Anerkennung nicht versagen konnten.

Für jeden jungen Mann von mäßigem Ehr⸗ geiz und Egoismus wäre dieser Erfolg die erste Etappe auf dem Wege einer glänzenden Karriere gewesen; für Oettinger war er das Signal, sich jetzt derjenigen Lebensaufgabe zuzuwenden, die er für die edelste und würdigste hielt, zur Auf⸗ klärung der Unwissenden und zur Verbesserung des Loses der Armen und Elenden mitzuwirken. Bevor das Hauptmittel, das neue Parteiorgan, ins Leben trat, hatte er die langgeplante Agi⸗ tationsreise unternommen und bereits an ver⸗ schiedenen Orten Versammlungen abgehalten, die sehr besucht gewesen waren und ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Oettinger besaß im hohen Grade den einfachen, klaren, bestimmten Aus⸗ druck, welcher zu überzeugen, und jenen Schwung, welcher eine Volksmenge hinzureißen und zu Dabei war er klug und

.

ere

poder jule

7255 daß sie ih 102 Auge fell, du iht wi niht an. E wenn er dl Werwahtung bershloß.

ushindigen in der Nähe

In gtoßer Unterde den Seinen empfangen Schliten

und lebhaft

dann war Zum Damen nu speiste mit Zimmer. ob er leider so gehalten nit dem go Man e Empfang bonnnisen in der S und ließ zum gehei. ihrer Reser sprͤch ein. Nun finstelen,; sch dafür Balesk, ind zug fi

Jus de

De 9 duch die; die Var gingen a

and zur den na Uleger.

den Acker