Ausgabe 
19.2.1899
 
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Nr. 8.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

der Ausschreitungen und Rohheiten auch der Gebildeten? Merkwürdig ist übrigens, daß die Polizei resp. Gendarmerie gerade an diesem Sonnabend wußte, wann und wo die gesetz⸗ verbotenen Mensuren stattfinden sollten. Weiß sie das an den übrigen Samstagen nicht?

Die Kosten der jetzt vollenden Sch wemm⸗ Kanalisation Marburgs belaufen sich nach dem Verwaltungsbericht auf 1 078 000 Mark, wovon 195 000 Mark durch die Anlieger der neuen Straßen zurückerstattet werden, sodaß nur rund 880 000 Mark verbleiben. Die Stadt⸗ verordneten genehmigten gestern Abend nach leb⸗ hafter Diskussion die Errichtung einer Vor⸗ schule für die höheren Lehranstalten. Der in der Presse wie in Versammlungen geführte heftige Kampf wegen dieser Schule hat damit sein Ende gesunden und zwar ein durchaus unbefriedigendes, weil denVornehmen wieder eine Extrawurst gebraten ist.

Aus derguten Gesellschaft.

Verhaftet und in das Moabiter Untersuchungs⸗ gefängnis eingeliefert wurde der Regierungs⸗ referendar und Leutenant der Reserve v. Ka yser. Derselbe gehörte mit den beiden bereits verhafteten Graf Egloffstein und v. Kröcher zu dem fünf⸗ gliedrigenDirektorium desKlubs der Harm⸗ losen. Auch v. Kayser steht in erster Linie unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Glücks⸗ spiels. Er war persönlich nicht so sehr hervor⸗ getreten wie v. Kröcher, ist aber ein naher Freund desselben und gilt in den Kreisen der Eingeweihten alsOrakel undMeister des v. Kröcher. Beide hatten luxuriös eingerichtete Wohnungen in der Nähe des Tiergartens, und beide machten durch ihre Beziehungen zu den elegantesten Damen der Halbwelt viel von sich reden.

Flott gelebt.

Ueber die Ursache des frühzeitigen Todes des Erbprinzen von Koburg-Gotha sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. Mehrfach war von Selbstmord die Rede; jetzt wird in bürger⸗ lichen Zeitungen mitgeteilt, daß der Erbprinz, da er als Potsdamer Offizier in lockere Ge⸗ sellschaft geraten war und namentlich dem Spiele stark zu fröhnen anfing, nach Darmstadt versetzt worden ist. Die Krankheit, an welcher der Prinz in entsetzlicher Weise zu Grunde ge⸗ gangen ist, hatte er sich durch schwere Ver⸗ fehlungen in seiner Lebens weise zu⸗ gezogen. Es sei, so schreiben die patriotischen Blätter, für einen jungen, lebenslustigen, mit Mitteln reich versehenen Fürstensohn nicht leicht, sich den Verführungen der Großstadt zu entziehen. Der Erbprinz scheine diesen gefährlichen Ver⸗ lockungen in besonders hohem Maße unterlegen zu sein.Er zog sich dabei ein Leiden zu, das schnell einen ungewöhnlich bösartigen Charakter annahm. Das Krankheitsgift hatte den Körper bald fo vollständig durchsetzt, daß jeder Kampf dagegen aussichtslos war. ö Ueberraschung auf dem Standesamte.

In einem Würzburger Blatte lesen wir: Von den am Sonnabend standesamtlich getrauten Ehepaaren wurde eine Braut von Ge⸗ burtswehen überrascht und mußte in das Zimmer eines Offizianten gebracht werden, wo sie von einem gesunden Knaben glücklich entbunden wurde. Da die Trauung noch vor der Geburt des Kindes vollzogen wurde, führt dasselbe den Namen des Vaters und ist als ehelich geboren in die Register des Standesamtes aufzunehmen.

Arbeiterbewegung.

Zum Streik der Crefelder Weber. In der letzten Crefelder Stadtverordnetensitzung teilte, wie der Frankfurter Volksstimme geschrieben wird, der Vorsitzende der sozialen Kommission, Dr. Bertram, unter dem Beifall der Versamm⸗ lung mit, er halte nunmehr den Zeitpunkt für ein vermittelndes Eingreifen für gekommen und werde zu diesem Behufe zunächst die Kommission berufen, da die Beteiligten ihrerseits sich nicht an die Behörde gewendet hätten und die Fort⸗ setzung des Kampfes die Erbitterung nur steigere. Bekanntlich haben die Arbeiter gleich zu Anfang

des Streiks die gesetzliche Einigungsinstanz, das Gewerbegericht, angerufen, die Unternehmer haben es jedoch abgelehnt. Wenn jetzt die soziale Kommission als Vermittelungsstelle eingreift, so darf vermutet werden, daß die Unternehmer von ihrer streng abweichenden Haltung zurück⸗ gekommen sind.

In Hamburg haben alle Mitgliedschaften des Hafenarbeiterverbandes ihre Soli⸗ darität mit den Schauerleuten erklärt betreffs des Arbeitsnachweises. Von festangestellten 2000 Schauerleuten lösten bisher 935 Karten durch ihre Stauerbaase, von ca. 2500 Hülfsarbeitern bisher 113. Dem Vorsitzenden der Senatskommission für die Hafenverhältnisse ist bisher auf ein Ver⸗ mittelungsersuchen keine Antwort zu Teil ge⸗ worden. Die Frist läust am 20. ab. Die Situation ist sehr ernst. Beharren die Rheder auf ihrer Protzenhaftigkeit, allein bei der Ar⸗ beitsvermittelung zu bestimmen, so ist das schlimmste zu befürchten.

Partei⸗Nachrichten.

Kreis Konferenz

für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda am 26. Februar, nachmittags von 1 Uhr ab im Herbertschen Saale zu Hausen.

Tagesordnung:

1. Abrechnung des Kreisvertrauensmanns. 2. Ab⸗ rechnung des Kassierers vom Kreis-Wahl-Verein. 3. Bericht der Delegierten über den Stand der Bewegung in ihren Orten. 4. Die bevor⸗ stehende Landtagswahl für Gießen⸗Land.(Ref. Scheidemann.) 5. Ausbau der Organi⸗ sation im Kreise.(Referent: Bock.) 6. Unsere Presse.(Ref. Krumm.)

Für jeden Ort sind bis zu drei Delegierte stimm⸗ berechtigt. Mandatsformulare sind bei dem Genossen Orbig-Gießen, Rittergasse, in Empfang zu nehmen oder per Postkarte zu bestellen.

Die Genossen werden ersucht, sofort Stellung zur Kreiskonferenz zu nehmen und die Wahl der Delegierten vorzunehmen.

Abends ½8 Uhr im selben Lokale

Volksversammlung. Redner: Redakteur Scheidemann-Gießen.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 18. Februar: Gießener Wahlverein bei Orbig, abends pünkt⸗ lich 9 Uhr:. Partei⸗Versammlung, zu der alle Genossen, auch diejenigen, welche nicht 1 des Vereins sind, ausdrücklich eingeladen werden.

Tagesordnung: 1. Miliz oder stehendes Heer? Eine prinzipielle Streitfrage. Referent: Redakteur Scheidemann. Korreferent: Stadtv. Ed. Krumm. 2. Der Maulkorbzwang im Reichstag. Referent: Chr. Petersen. Diskussion zu jedem Punkt. 3. Wahl der Delegierten für die Kreis-Konferenz in Hausen. Heuchelheim. A.⸗B.⸗V. bei B. Keil, abends

9 Uhr. Sonntag, den 19. Februar:

Kreis Alsfeld. Nachmittags 3 Uhr in Romrod bei Gastwirt Jost Schmidt. Abends 8 Uhr in Oberbreitenbach bei Gastwirt Wenzel.

Referent in beiden Versammlungen: Redakteur Scheidemaun⸗Gießen.

Briefkaften der Redaktion.

Pf. O. Adresse können Sie von Abg. Hoch⸗ Hanau erfahren. Derselbe ist Redakteur derDachd. Zeitung.

Für die Dresdener Zuchthaus opfer sind bei der Redaktion der M.⸗S.⸗Z. eingegangen:

Ed. Krumm 10., Holzarbeiter-Verband Gießen 10.,

A. J. 2., Ortsverein der Handschuhmacher Wetzlar 10. Mk., L. A. 25 Pfg. H. B. 20 Pfg.

In voriger Nummer quittiert Mk. 7.50, ergiebt eine Gesamtsumme von Mk. 39.95.

Marktberichte.

Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 16. Februar kostete: Butter per Pfund Mk. 075,0,85, Hühnereier 1 St. 68 Pfg., 0 Stück 00 Pfg., Käse per Stück 58 Pfg., Käsematte 1 Stück 5 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,80 1,00, Hühner pro Stück Mk. 1,30 1,70, Hahnen pro Stück Mk. 1,30 2,00, Enten per Stück Mk. 1,80 2,40, Gänse pro Pfund 0000 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 6264 Pfg., Schweinefleisch 68 76 Pfg., gesalzen 80 Pfg., Kalbfleisch 6466 Pfg., Ham⸗ melfleisch 50 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 6,00 bis 7,00, Zwiebeln pro Zentner Mk. 8,00 9,00, Milch per Liter 16 Pfg.

Grünberg, 11. Februar. Fruchtpreise. Weizen Mk. 16,50 00,00, Korn Mk. 14,90 00,00, Gerste Mk. 00,00 00,00, Hafer Mk. 13,88 00,00, Erbsen Mk. 00,00 00,00, Linsen Mk. 00,, Wicken Mk.,. Lein Mk.,, Kartoffeln Mk. 0,00 00,00, Samen Mk. 00,00 per 100 Kilogr.

Letzte Nachrichten.

Zum Dresdener Zuchthaus Urteil. DieSächs. Arbeiter⸗Ztg. stellt fest, daß ein im offiziellenDresd. Journ. veröffentlichter Artikel, der das furchtbare Urteil rechtfertigen soll, soweit die Schilderung des Thatbestandes in Betracht kommt, wörtlich der Anklage⸗ schrift entnommen ist, die alles enthält, was den Angeklagten von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wurde, aber nichts von dem, was die Verhandlung im heimlichen Gericht ergab, nichts von dem, was die lebendig Be⸗ grabenen entlastete! Und zu solchen Mitteln greift ein offizielles Organ! Die Begründung des Ausschlusses der Oeffentlichkeit ist gänzlich mißlungen! Inzwischen urteilt das arbeitende Volk in nicht mißzuverstehender Weise über das Urteil. DerVorwärts quittiert am Donners⸗ tag über 5935,10 Mark, dieS. Arb.⸗Ztg. über 8956,44 Mark, die für die Hinterbliebenen der Verurteilten eingegangen sind.

Wiederum drei Opfer hat der Berg⸗ bau gefordert. Aus Dortmund wird unterm 15. d. M. berichtet: Auf der ZecheGlückauf Tiefbau verunglückten heute bei Sprengungen drei Bergleute. Zwei derselben sind tot, der dritte ist schwer verletzt.

Russische Abrüstung. Aus Petersburg wird gemeldet: Das Marineministerium beschloß, sofort nach dem Stapellauf der neuen drei KreuzerAurora,Diana undPallas auf der Petersburger Werft ein neues großes Panzerschiff zu bauen. Dasselbe wird 12 600 Tonnen Wasserverdrängung und 18 Knoten Fahrgeschwindigkeit in der Stunde haben.

Prozeß Dreyfus. Aus Paris kommen jetzt wiederholt Meldungen, die eine baldige und bestimmte Beendigung der Affaire Dreyfus in Aussicht stellen; der Ministerpräsident Dupuy hat sogar mit dem Pariser Deputierten Binder gewettet, der Kassationshof werde längstens bis zum 20. März das Urteil gefällt haben, mit dem, wie Dupuy sich in der Kammer ausdrückte, nur Narren oder Empörer unzufrieden sein könnten. Abwarten!

Felix Faure, der Präsident der französischen Republik, ist am Donners⸗ tag Abend 10 Uhr plötzlich infolge eines Gehirn⸗ schlags gestorben. Zehn Minuten vor dem Tod Faures erschien der Ministerpräsident Charles Dupuy, der sofort die Präsidenten des Senats und der Kammer benachrichtigte. Nach der Verfassung beruft der Senatspräsident beide Kammern zur Wahl eines neuen Präsidenten ein, die am Samstag in Versäailles stattfindet. Faure ist 58 Jahre alt geworden. PPP ð ͥ Te

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