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Nr. 8.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
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gewandt genug, um jeden Konflikt mit der Polizei zu vermeiden. Noch stand seine Partei unter keinem Ausnahmegesetz, niemand konnte ihr das Versammlungsrecht wehren, und so war Oettinger unbehelligt nach Neukirch, dem eine Meile von der Kriesschen Besitzung gelegenen Städtchen ge⸗ langt, wo er Valeska, wenn auch nur eine flüchtige Minute, zu sehen und zu sprechen hoffte.
Das Städtchen wurde von den Kriesschen Damen zum Zwecke kleinerer Einkäufe, wohl auch um die ländliche Stille und Einförmigkeit zu unterbrechen, öfter besucht. Valeskas Absicht war es nun, unter dem Vorwand einer dringen⸗ den Besorgung sich Fuhrwerk nach der Stadt zu erbitten und Oettinger in dem einzigen Gast⸗ haus des Ortes wie zufällig zu treffen. In diesem Sinne schrieb sie ihm, ohne daß sie noch wußte, auf welche Weise sie ihren Brief be⸗ fördern sollte.
Bisher hatte sie es so einzurichten gewußt, daß sie ihre Briefe an Oettinger stets erst im letzten Augenblick eigenhändig in die Posttasche steckte, da sie ihr bräutliches Verhältnis zu ihm nicht preisgeben wollte. Dies ging jetzt nicht mehr an. Sie hatte erfahren, daß Herr v. Kries, wenn er zuhause war, die Posttasche in seine Verwahrung nahm und sie selbst öffnete und verschloß. Sie hätte ihm folglich ihre Briefe aushändigen müssen, was ihr jetzt, da Oettinger in der Nähe war, bedenklicher denn je erschien. In großer Erregung schrieb sie Seite auf Seite.
Unterdessen war unten der Gutsherr von den Seinen in dem festlich illuminierten Hause empfangen worden. Valeska hatte nur den Schlitten vorfahren, Thüren auf⸗ und zugehen und lebhaftes Stimmengeräusch herauftönen hören, dann war wieder alles still geworden.
Zum Abendtisch fand sich außer den jungen Damen nur der Lieutenant ein. Der Gutsherr speiste mit Gattin und Schwester auf seinem Zimmer. Als sich Valeska höflich erkundigte, ob er leidend wäre, erfuhr sie, daß dies immer so gehalten würde. Papa liebte es nicht, sogleich mit dem ganzen Schwarm zu essen.
Man erzählte noch dies und jenes von dem Empfang auf der Station und von den Vor⸗ kommnissen der Reise, doch Valeska war nicht in der Stimmung, sich dafür zu interessieren und ließ sich auch mit dem Lieutenant, der, zum geheimen Aerger seiner Braut, Valeska aus ihrer Reserve herauszulocken suchte, in kein Ge⸗ spräch ein.
„Nun müssen wir auch unsere Gesangstunde einstellen, Fräulein Stern“, sagte Rosa, wie um sich dafür zu rächen.
Valeska that jedoch, als hörte sie es nicht und zog sich nach beendetem Mahl sogleich zurück.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Bulturgeschichte unserer Bauernschaft.“
Von Karl Kautsky.
Die Waffen der Jagd waren ursprünglich auch die Waffen des Krieges, die Jagd selbst die Vorschule des Krieges, Jagd und Krieg hingen aufs Engste zusammen. So lange die Jagd zur Deckung der Bedürfnisse des Gemein⸗ freien notwendig war, war dieser auch ein Krieger. Das Zurücktreten der Jagd hinter den Ackerbau als Quelle der Gewinnung von Nahrungsmitteln förderte die Arbeitsteilung von „Nährstand“ und„Wehrstand“, die allerdings noch andere Ursachen hatte. Und umgekehrt, je mehr der Krieg ausschließlich dem Adel zufiel, desto mehr wurde die Jagd ein ausschließlich adeliger Sport.
Als der Adel überflüssig wurde, als der moderne Staat ihm die Funktionen abnahm, die er im Mittelalter geübt, Krieg, Rechtsprechung, Polizei, da wurde der Adel zum Hofadel, der sich am Hofe des Monarchen zusammendrängte, um sich zu amüsieren und den Staat zu plündern, und der, wenn er einmal seine Güter besuchte, dort kein anderes Vergnügen wußte, als die Jagd.
* Siehe Nr. 6 und 7 der„M. S.⸗Ztg.“
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Das Gedeihen der Jagd und das der Boden⸗ kultur schließen jedoch einander aus. Ein starker Wildstand kann sich nur in großen, ausgedehnten Forsten halten und er bildet eine beständige Quelle on Verlusten und Schäden für den Bauern.
Je überflüssiger und übermütiger der Adel wurde, desto mehr siegte in dem Widerstreit der Interessen der Bodenkultur und der Jagd für ihn die letztere. Den Fortschritten der Boden⸗ bebauung, die den Wildstand einzuschränken drohten, wurde ein Ziel gesetzt, Rodungen in den Wäldern verboten, die Jagd der Bauern aufs Strengste bestraft, ja, diese wurden sogar verhindert, das Wild, das ihre Felder verwüstete, zu töten.
Auch davon legen bereits die zwölf Artikel der Bauern von 1525 Zeugnis ab, in deren vierten es heißt:„Zum vierten ist bisher im Brauch gewesen, daß kein armer Mann Gewalt gehabt hat, das Wildpret, Geflügel oder Fische im fließenden Wasser zu fangen, was uns ganz unziemlich und unbrüderlich dünkt und dem Worte Gottes nicht gemäß. Auch hegt in zum“ Trutz und mächtigem Schaden, weil wir leiden müssen, daß uns das Unsere, was Gott dem Menschen zu Nutze hat wachsen lassen, die unvernünftigen Tiere zu Unnutz verfressen, und wir sollen dazu stillschweigen, was wider Gott und den Nächsten ist.“
Aber in den folgenden Jahrhunderten wurde es noch viel ärger. Erst die große Revolution machte diesen Zuständen in Frankreich ein Ende. In Deutschland aber durften noch hundert Jahre nach der französischen Revolution im Reichstag preußische Junker es wagen, die Forderung zu stellen, daß der Bauer verpflichtet sei, ihre Hasen mit seinem Kohl zu füttern, ohne ernstlichen Widerstand bei der Majorität zu finden.
Wenn dort, wo ein Markt für das Holz sich gebildet hatte, es nahe lag und ziemlich ein⸗ fach war, den Wald in Privateigentum zu ver⸗ wandeln, das nach kapitalistischen Grundsätzen, wenn auch noch unter feudalen Formen bewirt⸗ schaftet wurde, so war es kaum weniger nahe⸗ liegend und einfach, dort, wo ein großer Markt für ein Produkt der Weidewirtschaft(namentlich Wolle) sich gebildet hatte und Boden und Klima diese gestatteten, zu kapitalistischer Weidewirtschaft überzugehen, die ja auch, ebenso wie die Forst⸗ wirtschaft, weder ein ausgedehntes Lohnproletariat noch große Kapitalanlagen erfordert und deren Technik höchst einfacher Natur. Wie die kapita⸗ listische Forstwirtschaft verlangt auch die extensive Form der kapitalistischen Weidewirtschaft fast nur das Privateigentum an ausgedehnten Weide⸗ flächen, und dies zu schaffen, haben die Grund⸗ herren dort, wo die oben angegebenen Verhält⸗ nisse dazu drängten, sich redlich bemüht, im 15. und 16. Jahrhundert in England und Spanien, später in manchen Gegenden des nördlichen Deutschland, die für die Schafzucht günstige Be⸗ dingungen boten. Die mildeste Form war die Monopolisierung der Schäfereigerechtigkeit, des Rechts, Schafe auf die gemeine Weide zu treiben, durch die Gutsherrschaft. Die Klagen darüber beginnen in Deutschland erst nach dem Bauern⸗ krieg. Vielfach aber trieb die Rentabilität der Schafzucht die Grundherren auch dahin, die ge⸗ meine Weide in Privateigentum zu verwandeln, mitunter auch dazu, Bauernstellen einzuziehen, das Ackerfeld in Weideland zu verwandeln.
Wo sich ein Markt für Produkte des Acker⸗ baues bildete, trachteten die Feudalherren danach, auch diese in ihren eigenen Betrieben herzustellen. Das war allerdings weniger einfach, als die Forst⸗ und Weidewirtschaft. Es erforderte in geringerem Maße als diese zusätzliches Land, in höherem dagegen zusätzliche Arbeitskräfte und einen gewissen Kapitalaufwand.
Im Mittelalter hatte jeder Grundherr in der Regel nur einen Teil seines Landes selbst bewirtschaftet, entweder direkt oder durch einen Vogt. Den Rest seiues Gebietes hatte er an Zinsleute ausgegeben, die ihm teils Natural⸗ lieferungen, teils Frohnarbeiten in seiner eigenen Wirtschaft, dem Frohnhof, entrichten mußten. Wir haben gesehen, wie das Aufkommen des städtischen Marktes für Lebensmittel auf der einen Seite die Möglichkeit, auf der anderen
S den Drang entwickelte, diese Leistungen in Geld⸗ abgaben zu verwandeln. Aber diese Tendenz wird dort, wo der Frohnhof auch zum Verkauf zu produzieren anfängt, durch eine andere durch⸗ kreuzt: noch ist die Lohnarbeit wenig entwickelt, die Landwirtschaft des Frohnhofs ist auf die Zwangsarbeit der Zinsbauern angewiesen. Je mehr Ueberschuß an Lebensmitteln der Frohnhof liefern soll, desto mehr Arbeitskräfte braucht er, desto mehr Land braucht er aber auch. Dies erzeugt auf der einen Seite das Streben nach Ausdehnung des gutsherrlichen Gebietes auf Kosten des bäuerlichen, entweder durch Ver⸗ kürzung der ungeteilten Feldmark, namentlich der Weide, oder aber direkt durch Austreibung, Legung von Bauern; auf der anderen Seite das Streben nach Vermehrung der Frohnden der Bauern, ein Streben, welches das Bauernlegen in gewissen Grenzen hält, denn je weniger Bauern im Dorf, um so weniger Arbeitskräfte auf dem Herrengut; welches aber selbst wieder durch das Bauernlegen aufs stärkste angestachelt wird, denn je weniger Arbeiter auf dem Herren⸗ gut, um so mehr Arbeitslast muß jedem einzelnen aufgebürdet werden.
So sehen wir, daß die Entwickelung der Warenproduktion die verschiedensten Tendenzen auf dem Lande erzeugte, die aber alle dahin wirkten, das Ackerland und namentlich Weide und Wald für den Bauern immer mehr ein⸗ zuschränken, lange ehe noch eine wirkliche Ueber⸗ völkerung eingetreten, das heißt, jene Volkszahl erreicht war, die das herrschende landwirtschaft⸗ liche Betriebssystem hätte ernähren können.
Die bäuerliche Existenz wurde dadurch aufs tiefste erschüttert. f
Die tiefgehende Umwandlung der bäuerlichen Existenzbedingungen zeigte sich bereits in der Nahrung des Bauern.(Fortsetzung folgt.)
Sprüche zur Lebensweisheit. Das Schaffen selbst ist eitel Bewegung, Das stümpert sich leicht in kurzer Frist; Jedoch der Plan, die Ueberlegung— Das zeigt erst, wer ein Künstler ist.
* Man entsagt leichter seinem Vorteil, als seiner Neigung. 1 Wer neue Stiefel an den Füßen hat, Geht darum noch keinen neuen Weg.
Humoristisches.
Höchster Tierschutz. Frau Huber ist einem Tier⸗ verein beigetreten. Seitdem wagt sie es nicht mehr, sich an ihrem Gatten zu vergreifen, wenn er mit einem Affen nach Hause kommt.
Vorteilhafte Auslegung. Mann(Pantoffel⸗ held zu seiner Frau):„Der Arzt hat mir dringend angeraten, Eisen zu nehmen. Gieb mir den Haus⸗ schlüssel her!“
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Verdächtige Nachbarschaft.(Im Hotel.) Tochter (im Bett):„Mutter, ich fürchte mich! Hör) nur, wie unruhig unser Zimmernachbar schläft und stönt! Das ist gemiß ein gefährlicher Mensch und hat Gewissens⸗ bisse!“.
Mutter:„Wer denkt doch gleich das schlimmste! Es können ja auch andere Bisse sein, die den Armen quälen!“
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Nen eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. W. Liebknecht: Die Emser Dep esche, oder Wie Kriege gemacht werden ist soeben in siebenter, bedeutend vermehrter Auflage erschienen. Diese Neu⸗ auflage enthält einen besonderen Nachtrag betitelt: Die Emser Depesche und„Bismark nackt“, in dem der Verfasser rücksichtslos die Veröffentlichungen des Busch, sowie„Bismarks Gedanken und Erinnerungen! einer eingehenden Kritik unterzieht. Die 7½ Bogen starke Broschüre ist durch alle Buchhandlungen und Kolporteure um den Preis von 35 Pfg. zu beziehen.
Das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter in Theorie und Praxis. Unter diesem Titel hat soeben C. Legien im Auftrage der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands eine über zweihundert Seiten starke Denkschrift erscheinen lassen(Hamburg, Verlag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands). Das Buch enthält in fast überreichem Maße die Beweismaterialien dafür, daß in Deutschland das Koalitionsrecht der Arbeiter nur Schein ist.


