Ausgabe 
18.6.1899
 
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Nr. 28. a 0

Seite 6. Mitteldeutsche SonntagsZeitung. ö he⸗ i Neu eingelaufene Schriften. el 5 1 Die hess. Gewerb e Inspektion.. Besprechung wichtigerer Erscheinungübehalten wir uns vor. 9 3 5 2 IV. Die mechte und Pflichtet, 117 1 9 1 ie i nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Kom⸗ ame cen en ee eee ee mentar zum Mietrecht von Rich. Lipinski, 32 Seiten Unterhaltungs⸗ Ce il. 0

porgekommenen Unfälle im Jahre 1898. Die Zahl derselben belief sich auf 296; 79 kamen jedoch auf Be⸗ triebe, die der Gewerbeinspektion nicht unterstehen, sodaß Herr Engeln über insgesamt 217 Unfälle gegen nur 192 im Vorjahre, berichten kann. 3 Unfälle verliefen tötlich. Die meisten Unfälle kamen in Bierbrauereien vor, nämlich 39. Während im Durchschnitt in Oberhessen auf je 1000 Arbeiter 19 Unfälle vorkamen, entfielen auf 1000 Brauereiarbeiter 132 Unfälle! Es steht wohl außer Zweifel, daß bei strenger Beobachtung der Unfallverhütungsvorschristen noch zahlreiche Unfälle ver⸗ mieden werden lönnten.

Wir bedauern, daß der Herr Gewerbeinspektor sich nicht über die unglaublichen Scherereien geäußert hat, die jedem Verunglückten bereitet werden, sobald er die ihm zustehende Rente beansprucht. Entweder versuchen die Berufsgenossenschaften von vornherein die Rente in ganz ungenügender Weise festzusetzen, oder sie zwacken und zwacken später von Jahr zu Jahr, um dem armen Teufel, der durch einen Unfall in seiner Erwerbsthätigkeit beeinträchtigt ist, womöglich noch einige Groschen abzu⸗ prozessen.

Diese Berufsgenossenschaften sind Unternehmer⸗Organi⸗ sationen, die sich durch Menschenfreundlichkeit nicht aus⸗ zeichnen. Ueberhaupt ist es mit der Liebenswürdigkeit der Unternehmer recht schlecht bestellt. So beklagt es der Gießener Gewerbeinspektor, daß größere Fabrikanten das 25jährige Jubiläum ihrer Arbeiter ganz unbeachtet vor⸗ übergehen ließen:

Ja, wie von einzelnen solcher übergangener Jubilare gesagt wurde, wird dieser Tag womdͤglich noch für 10 Minuten Verspätung mit den üblichen Geldstrafen in das Strafbuch verzeichnet.

Was frägt so ein Protz danach, ob sich ein Arbeiter ein Vierteljahrhundert im Dienste ein und desselben Fabrikanten abgeschunden hat und nach Ablauf dieser Zeit noch derselbe arme Teufel ist, als der er seine Thätigkeit begann! Wenn nur er, der Unternehmer, von Jahr zu Jahr reicher wird. Profit machen! lautet seine Parole. Was liegt ihm an dem ausgemergelsen Ar⸗ beiter! Fort mit ihm, wenn er nicht mehr kann.

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Der Bericht der Gewerbeinspektion Gießen zeigt uns, wie viel noch auf sozlalpolitischem Gebiete zu thun bleibt. Er zeigt aber auch, daß vieles längst besser sein könnte, wenn die Arbeiter selbst mehr auf dem Posten wären. Der Gewerbeinspektor allein kann nicht alle Betriebe ständig überwachen und darauf sehen, daß die zum Schutze der Arbeiter getroffenen Bestimmungen beobachtet werden. Die Arbeiter selbst müssen da fleißig mithelfen.

Herr Engeln beschwert sich in seinem Bericht über die sehr mangelhafte Inanspruchnahme durch die Arbeiter. Er giebt sich aber der Hoffnung hin,

daß der Verkehr mit den Arbeitern, nachdem das Vorhandensein der diesseitigen Gewerbeinspektion noch mehr bekannt geworden ist, mit der Zeit reger wird. Es ist unbedingt nötig, daß die Arbeiter zum Auf⸗ sichtsbeamten Vertrauen haben und in ihm nicht nur den Begünstiger des Unternehmerstandes sehen. Der Instruktion entsprechend, sollen die Gewerbeaufsichts⸗ beamten Arbeitgebern und Arbeitern die gleiche Be⸗ reitwilligkeit zur Vertretung ihrer berechtigten Interessen entgegenbringen und dadurch, wie durch die ganze Art ihrer amtlichen Thätigkeit eine Vertrauensstellung zu gewinnen suchen, welche sie zur Erhaltung und Föͤrde⸗ rung guter Beziehungen zwischen beiden mitzuwirken in den Stand setzt.

Durch seinen objektiven Bericht hat der Gießener Gewerbeinspektor bewiesen, daß er gewissenhaft im Sinne seiner Instruktionen zu handeln bemüht ist.

Versammlungs⸗Kalender.

Sonntag den 18. Juni:

Verband der Fabrik⸗, Land⸗ und Hilfs⸗ arbeiter. Versammlung bei Herrn C. Orbig, Gießen, Rittergasse, nachmittags 3 Uhr. Allseitiges Erscheinen der Mitglieder ist dringend erforderlich.

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Besechwerden nager u. stellung derM. S.⸗Ztg. bitten wir an die Expedition, Sonnenstraße 25,(Buchhandlung) 51 richten. In Gießen muß dieM. S.⸗Ztg. is spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag Nachmittag erfolgt.

oktav, Preis 20 Pfg., Porto 3 Pfg. Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt, wie bekannt, am 1. Januar 1900 in Kraft und bringt eine bedeutende Aenderung des Miet⸗ rechts mit sich. Der Verfasser hat es in dankenswerter Weise unternommen, an der Hand der Motive und der Denkschrift zum Bürgerl. Gesetzbuch den Gesetzestext zu erläutern und so den Willen des Gesetzgebers möglichst klar festzustellen. Der Verfasser hat die Uebersicht der Bestimmungen dadurch erleichtert, daß er sich in seinen Ausführungen dem Wesen des Mietvertrags in seinem Verlaufe angepaßt hat. In 23 Abschnitten werden die einzelnen Teile des Mietvertrags behandelt.

Trotz des reichen Inhalts, guter Ausstattung und guten Papiers ist der Preis ein äußerst niedriger und das Format ein handliches. Die Anschaffung des nütz⸗ lichen Werkes ist jedem zu empfehlen und kann das Büchlein auch direkt vom Verleger: Rich. Lipinski, Leipzig, An der alten Elster 2, bezogen werden.

Briefkasten der Redaktion. Ortenberg. Ich habe mit den geschäftlich en Dingen gar nichts zu thun, weiß also nichts von dem bewußten Schreiben. Hoffentlich haben Sie inzwischen

von unserem Expedienten Schneider Aufklärung erhalten. Gruß! Ph. Sch. Eingesandt.

Krähwinkel, 12. Juni 1899.

Geehrter Herr Redakteur!

Sie werden sich wundern, von mir ein Schreiben zu er halten und mich bedauern, daß ich in diesen gottver⸗ gessenen Winkel geraten bin, wo es weder Gasglühlicht⸗ strümpfe noch Azetylen oder gar elektrisches Licht giebt, all⸗ woselbst Fahrräder und Ansichtspostkarten noch unbekannte Dinge sind. Doch Scherz dei Seite, ich bin noch in unserem lieben Gießen und wenn ichKrähwinkel datiere, so thue ich dies mit einiger Berechtigung. Hören Sie! Am Sonntag Abend benutzte ich mit verschiedenen Be⸗ kannten die Bieberthalbahn; auf derselben herrschen Zu⸗ stände, die wohl selbst iu Krahwinkel nicht übertroffen werden. In Heuchelheim lösten wir uns im Stationsge⸗ bäude die Fahrkarten und waren froh, als endlich ein hell erleuchteter Zug eine halbe Stunde später wie er laut Fahrplan hätte eintreffen müssen, in die Station ein⸗ fuhr; im Begriff, denselben zu besteigen, wurden wir zu⸗ rückgescheucht mit dem Zurufe:Halt, der ist reserviert, der fahrplanmäßige() Zug kommt gleich. In Ge⸗ duld warteten wir und waren nicht wenig erstaunt, als bald darauf eine Lokomotive mit zwei Güterwagen ohne jedwede Beleuchtung und nur mit ein paar Stühlen ver⸗ sehen, einfuhr. Jedoch besser schlecht gefahren, als gut ge⸗ gangen und so stiegen wir ein. Selbstverständlich konnte in diesen dunklen Marterkasten die Kontrolle nicht ausge- übt werden und so wurden wir in der Station Gießen mit dem Rufe:Fahrkarten! Fahrkarten! empfangen. Daß viele der auf solche urwäldlerische Weise Beförderten nicht rosiger Laune waren, läßt sich leicht begreifen. Ich selbst habe den Humor nicht verloren und dachte:

Wenn jemand eine Reise thut,

So kann er was erzählen.

Doch wollt ihr reisen schnell und gut, Müßt ibr's Bieberlieschen wählen.

S- r Marktbericht. Gießen, 10. Juni.(Marktbericht). Auf dem

heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 0.80 bis 0.90 Mk., Hühnereier p. St. 56, 2 St. 000 Pfg., Enteneier 2 St. 11 12 Pfg., Gänseeier p. St. 10 bis 11 Pfg., Käse 1 St. 58 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. tr. 22 Pfg., Linsen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.70 1.00, Hühner per Stück Mk. 1.10 1.50, Hahnen per Stück Mk. 1.20 1.80, Enten per Stück Mk. 2.00 2.20, Gänse per Pfund Mk. 0.00 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62 64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 6072 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50 70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 4.50 5.50, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. Mk. 8.50 00.00, Milch per Liter 16 Pfg., Kirschen per Pfd. 35 45 Pfg.

Grünberg, im Juni. Am Markttage, 10. Juni, wurden auf dem hiesigen Fruchtmarkte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 18 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 16,00 M., 6 D.⸗Z. Korn zu 15,54 Mark, 0 D.⸗Z Gerste zu 00,00 Mark, 16 D.⸗Z. Hafer zu 14,82 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Samen zu 00.00 Mark, 77 D.⸗Z. Kartoffeln zu 4,60 Mark.

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Die Gerechtigkeit auf dem Römerberg. Von Friedrich Stoltze(1867).

Aus:Frankfurt in seinen Monumenten.

Das ist die Frau Gerechtigkeit!

Sieht aus als wie die Schlechtigkeit; Die Waag' is fort, daß Gott erbarm, Sum Teufel samt dem halben Arm; Das Schwert, das Sinnbild der Gewalt, Das hält sie aber noch umkrallt.

Die Nas' is fort; sie war von Stein, Die hätt' auch müssen wächsern sein. O Vogelscheuche du von Recht, N Für Frankfurt bist du doch zu schlecht! Wie wär's, wenn man sie, so zerstückt, Einmal nach Hessen⸗Kassel schickt d

Und hätt' sie da die Stadt besehn, Könnt' sie auch nach Hannover gehn; Auch in Berlin die Polizei

Besuchen könnt' sie nebenbei!

Und über Dresden von Berlin

Könnt' sie per Eisenbahn nach Wien! Von dorten könnt' sie nach Paris,

Da wär' sie wie im Paradies.

Zwei Tage im Ereuzot.

Anläßlich eines nach kurzer Dauer schon wieder beendeten Streiks im Creuzot, jenem großen französischen Metallwerke, das eine Arbeiterbevölkerung von etwa 30 000 Seelen umfaßt, mag es wohl interessant sein, einen Blick auf die Zustände daselbst, wie sie ein französischer Schriftsteller vor einigen Jahren anläßlich einer socialen Forschungsreise vor⸗ fand und geschildert hat, zu werfen.

Um die lebendige Darstellungsweise des Beobachters zur Geltung zu bringen, wollen wir seine Schilderungen in kurzen Auszügen folgen lassen, sie werden es besser, als trockene Zahlen vermögen, den Druck zu veranschaulichen, unter dem Generationen dieser Arbeiter seit Jahrzehnten leiden, das ganze dumpfe Elend dieser Hochöfen-Sklaven zu zeigen.

Ueber sie alle herrscht seit Jahrzehnten die Familie Schneider, die Eisenkönige des Creuzots, des französischen Krupp.

Creuzot liegt im Departement Saone et Loire, wenige Stunden von der Schweizer Grenze.

Schon beim Betreten des Bahnhofes be⸗ nimmt dem Reisenden ein furchtbarer Schwefel⸗ geruch, der die Kehle zuschnürt, den Atem, gleich⸗ zeitig ertönt ein schweres, ununterbrochenes Dröhnen es ist der 100 000 Kilogramm schwere Eisenhammer, der Tag und Nacht ar⸗ beitet.

Ein älterer Werkmeister hat auf Empfehlung eines gemeinsamen Bekannten meine Führung übernommen. Wir gehen durch das Städtchen, und plötzlich liegt vor mir im Dunkel der Nacht das Eisenwerk. Ein ungeheurer Schlund öffnet sich, glühende Rachen gähnen mir ent⸗ gegen. Die Schatten der Arbeiter bewegen sich vor ihnen gespensterhaft. Von Zeit zu Zeit öffnen sich Schleußen und lassen Feuerbäche entströmmen, dichte Rauchwolken steigen auf, glühende Blöcke wälzen sich entlang, ein Heulen

und Krachen geht durch die Feuersbrunst

man glaubt eine Scene aus Dantes Hölle zu ehen. seh Ich kann die Augen nicht von dem seltsamen Schauspiel wenden:Und diese Leute ar eiten die ganze Nacht?

Natürlich, erwiderte mein Begleiter, etwa 12 000 arbeiten hier und 4000 in den Berg⸗ werken. th

Und die Arbeitszeit, die Löhne?

Die Arbeitszeit in Creuzot ist auf 12 Stunden festgesetzt doch kommen etwa 2 Stunden für Ruhepausen und Mahlzeiten in Abzug,

einfache Arbeiter verdienen 2 Fr. 50 bis 3 Fr. täglich, geschulte Arbeiter, Vorarbeiter, Heizer,

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