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Ar. 51.
Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.
Seite 3.
Nachspiel zum Dreyfus ⸗Prozest. Nach dem Attentat auf den Verteidiger des
Dreyfus, Mr. Labori, brachte die antisemi⸗
tische„Libre Parole“ fortgesetzte Angriffe, um darzuthun, daß Labori gar nicht verwundet worden sei, weil man die Kugel nicht gefunden habe. Labori verklagte die„Libre Parole“ auf einen Franks Schadenersatz(um die Form zu wahren), verlangt aber gleichzeitig die Ver⸗ öffentlichung des Urteils in zwei⸗ hundert Blättern. Das Urteil ist in der Begründung äußerst scharf gegen die Be⸗ klagten von der„Libre Parole“. Es verurteilt das Antisemitenblatt zu einem Franks Schaden— ersatz und zu Insertion des Urteils in vierzig Pariser und 200 Provinzblättern, was 25000 Franks kosten dürfte, also die Anträge Laboris weit übertrifft. Die„Libre Parole“ wurde außer zu Schadenersatz noch zu einer Geldstrafe von 2000 Franks verurteilt.
Der Krieg in Südafrika.
Die Engländer haben wieder schwere Nieder— lagen erlitten, einen ihrer besten Generäle (Wanchope) und hunderte Soldaten verloren.
Aus Loudon wird berichtet: Unter den Künstlern Englands war der Plan auf⸗ getaucht, einen„Kriegsfonds der Künstler“ zu bilden. Eine Anzahl hervorragender englischer Künstler hat dagegen protestiert. Bezeich⸗ nend ist in dieser Hinsicht ein Brief, den Walter Crane, der berühmte sozial⸗ demokratische Maler, von dem unsere Leser schon prachtvolle Bilder in den Maifeierzeitungen und dem„Wahren Jakob“ ge⸗sehen haben, unterm 10. Dezember an die„Westminster Gazette“ gerichtet hat. Er schreibt:
„Ich liebe mein Vaterland, wie irgend Einer aus dem Volke, aber es ist schmerz⸗ lich, dieses Vaterland in einen ungerech⸗ ten und unnötigen Krieg gegen eine verwandte Rasse verwickelt zu sehen. Ohne daß ich der Leidenden auf beiden Seiten vergesse, glaube ich doch, daß es die menschlichste und patriotischste That wäre, einem verderblichen und ruhmlosen Krieg Einhalt zu thun und die Frage auf dem Wege eines Schieds— gerichtes zu lösen.
So spricht wenige Wochen vor dem„Frie⸗ densfeste“ Weihnachten einer jener Sozial⸗ demokraten, die angeblich alle Religion „abschaffen“ wollen. Die„guten Patrioten“ natürlich, die„wahren“ Vertreter des Christen⸗ 1 17 hetzen weiter zum Krieg. Elende Heuch— er das!
Aus dem Reichstag.
Vier Minister als Ueberseeer.
Der Montag war ein sogenannter großer Tag für das Reichsparlament. Auf der Tagesordnung stand die erste Lesung des Etats. Reichsschatzsekretär v. Thiele⸗ mann begründete denselben. Zu einer Debatte kam es aber gar nicht erst, da sofort der Reichskanzler Fürst Hohenlohe das Wort nahm, um die Mitteilung zu machen, daß eine
Novelle zum Flottengesetz demnächst dem„hohen Hause“ vorgelegt werden würde. Es sei beabsichtigt die Streichung des ganzen Küsten⸗ geschwaders und eine Verdoppelung der Schlachtflotte und der großen Auslandsschiffe! Die erforderlichen Geldmittel sollen durch Anleihen beschafft werden.
Hierauf nahm der Staatssekretär des Auswärtigen
von Bülow das Wort. Die Erweiterung des Flotten⸗
gesetzes von 1898(das eine Ausgabe von rund 1000
Wieltlage sei jetzt anders.
Millionen Mark verursacht!!) sei notwendig Die Wir ständen vor einer neuen Aufteilung der Erde.
Wir hätten einen berechtigten Anspruch auf ein „größeres Deutschland“. Ohne starkes Heer und starke Flotte keine Wohlfahrt, kein Ansehen vor anderen Völkern.(Ruf links: Na! na!) Im kommen⸗ den Jahrhundert wird das deutsche Volk Hammer oder Amboß sein. Darum bitte ich Sie, bringen Sie der Flottenvorlage Wohlwollen entgegen.
Hiernach trat der Staatssekretär des Marineamts, Vizeadmiral Tirpitz auf. Er hat zwar vor kaum zwei Jahren den damaligen, von ih m ausgearbeiteten Flotten⸗ plan, als aus reichend erklärt, ist aber jetzt für die
neuen Pläne. Eine Flottenvermehrung sei„bitter notwendig“. Natürlich.
Die Kosten.
Noch einmal erscheint der Reichsschatzamtssekretär von Thielemann auf dem Plan, um in aller Ge⸗ mütsruhe auseinanderzusetzen, daß die Kosten für den neuen Plan sich belaufen würden auf nur rund
783 Millionen Mark.
Nach diesen Ministerleistungen vertagte Haus.—
Am Dienstag kam zunächst der Führer des Zen⸗ trums, Dr. Lieber, zum Wort. Er sprach echt zentrümlich, das heißt: er führte einen der berühmten Eiertänze auf. Nach außen hin— für die Arbeiter wähler, die immer noch auf den Zentrumsschwindel hineinfallen— sollte es so aussehen, als sei Lieber gegen die Flottenvorlage, der Regierung wurde ganz deutlich zu verstehen gegeben:
des Zentrums seid Ihr sicher.
Bemerkenswert war ein heftiger Angriff Liebers auf Miquel und die„un verantwortlichen Ratgeber des Kaisers“.
Der konservative Graf zu Limburg-Stirum ist für eine starke Flotte, für ein starkes Heer, für drei⸗ jährige Dienstzeit u. s. w.
Nach kurzen Bemerkungen des Reichskanzlers Hohen— lohe, der Staatssekretäre v. Thielemann und v. Bülow kam unser Genosse Bebel zum Wort. In zwei⸗ stündiger Rede geißelte er das ganze heutige Regierungs— system in unübertrefflicher Weise. Hoffentlich wird die Rede gedruckt und als Broschüre verbreitet. Hier einige Sätze aus der wuchtigen
Anklagerede Bebels:
In den letzten 12 Jahren haben wir nur zwei schlechte Finanzjahre gehabt. die Schuldenlast ist aber trotzdem von 750 auf 2300 Millionen gestiegen. Wirtschaftete ein Privatmann in der Weise, so würde man ihn ins Irrenhaus schicken oder, wenn er Kauf⸗ mann ist, ihn als leichtsinnigen Bankerottierer bestrafen. Der Reichstag wird wegen der Flottenvorlage nicht aufgelöst werden, weil das Zentrum die Vorlage be— willigen wird. An der höchsten Stelle erlebt man heute An schauungen so moderner Art, daß man als Revo— lutionär seine helle Freude daran haben kann; dann wieder Anschauungen von einer Rückständigkeit, die nicht zu begreifen ist.
Zickzack⸗Kurs durchweg— aber in der Flottenfrage geht es mit Ausdauer und Konsequenz stets: Volldampf voraus!(Heiterkeit.) Wir dürfen sagen, es giebt kein Volk in der Welt, das so in den letzten Jahren von einer Aufregung in die andere gepeitscht worden ist, wie das deutsche Volk. Die deutschen Regierungen haben dieser Thatsache gegenüber eine äußerst merkwürdige Rolle gespielt. Wenn die thatsächlichen Zustände im deutschen Reiche so sind, daß im Grunde nur Einer entscheidet, wozu sind denn die anderen überhaupt noch da? Wenn die Flotten⸗ vorlage erledigt ist, wird
wieder eine Militärvorlage
kommen, 7000 Mann sind ja noch von der letzten Vor⸗ lage rückständig(Heiterkeit); dann wird man auch viel⸗ leicht die zweijährige Dienstzeit wieder beseitigen wollen. Redner weist dann auf den veranstalteten Flottenrummel hin, der namentlich von Großindustriellen geschürt würde, die geschäftliche Interessen an den Schiffsbauten haben. Bebel schließt dann wie folgt: Wenn Sie die neue Flottenvorlage für notwendig halten, dann greifen Sie in Ihren eigenen Beutel, bezahlen Sie die Flotte aus Ihrer eigenen Tasche! Wenn heute eine Krise ausbricht, werden gerade die einheimischen Arbeiter aufs Pflaster geworfen. Denn die Unternehmer haben ja ausländische Arbeiter in Menge hereingezogen, um die Löhne zu drücken, die Organisationen zu zerstören. Das ist der Patriotismus der deutschen Unternehmer in seiner ganzen Gestalt. Es fehlen in Deutschland zehntausende von Lehrern und Schulhäusern, dafür aber sind Mittel nicht da. Der Tuberkulosekongreß, der in diesem Saale tagte, hat Maßregeln vorgeschlagen, die für die Kultur weit mehr bedeuten würden, als die Ftottenvorlage, aber dafür hat man nichts übrig, nichts für die Arbeiter, nichts für die Organisation der Arbeiter, für ein Reichsarbeitsamt. Die gläubige Christenheit wird in einigen Wochen singen: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“, und wie bereiten Sie diese christliche Feier vor? Indem Sie Flottenvorlagen beraten, Zerstörer des Lebens
und der Existenz der Erdenbewohner.(Große Unruhe rechts.) Das ist Ihr Christentum!(Großer Bei⸗ fall bei den Sozialdemokraten; Lärmen rechts.)
Staatssekretär Tirpitz erzählt darauf unter an⸗ derem, daß er im Sommer bei den Industriellen herumgereist ist, um sie darauf aufmerksam zu machen,„daß wir möglicherweise früher, als wir bisher angenommen, zur Flottenverstärkung kommen könnten und
stch das
daß sie sich darauf einrichten möchten“.(Große Be— wegung, Hört, hört!)
Kein Wunder, daß jetzt die Industriebarone den Flottenspektakel nach Kräften fördern!
Nachdem der Präsident dem Gen. Bebel noch einen Ordnungsruf wegen seines Schlußsatzes erteilt hatte wurde die Sitzung geschlossen.
Am Mittwoch nahm als erster der Finanzminister Miquel das Wort, um die Angriffe Liebers vom Tage zuvor abzuwehren. Er hat kein Wässerchen getrübt, ist kein unverantwortlicher und kein verantwortlicher Ratgeber des Kaisers in Marinesachen gewesen. In diesen Sachen bedürfe der Kaiser keiner Ratgeber. Er habe nie geleugnet, daß er in seiner Jugend Marxist gewesen sei, und findet es ganz erklärlich, daß er sich vom Kommunisten, der Bauernaufstände inszenieren wollte, bis zum Liebling der Agrarier durchgemausert hat.— Es antwortete dem Meisterschaftsmauserer Miquel sofort der Zentrumsführer Lieber. Er ging ziemlich scharf los, aber— die beiden werden sich schon wieder ver— tragen, sie sind beide„ehrliche Makler“.— Es sprachen dann noch der Nationalliberale Sattler, der Konservative v. Frege, der niemals blaß wird, der Reichsparteiler v. Kardorff, Stumms Schildknappe, der Pole Motty und der Graf Posadowsly.(Ueber die Donnerstags— sitzung siehe unter Letzte Nachrichten.)
Hammer oder Amboß?
-d- In diesen Tagen des Flottenrummels wird so viel von Deutschlands Zukunft, die bekanntlich auf dem Wasser liegen soll, geredet, daß es angebracht erscheint, einmal an ein Zukunftsbild zu erinnern, das der große Spötter Heinrich Heine, dessen 100. Geburtstag am 13. Dezember d. J. wiederkehrte, vor einem halben Jahrhundert entworfen hat.
Ju seinem Gedicht:„Deutschland, ein Winter⸗ märchen“, einer ebenso köstlichen wie stachlichen politischen Satire, schildert Heine, wie er nach 13 jähriger Abwesenheit von der deutschen Heimat aus Paris zurück„gen Norden“ reist. Er kommt endlich auch nach Hamburg, dem Wohnsitz seiner Angehörigen und seines Verlegers Campe.
In vortrefflicher Weise erzählt Heine in seinem„Wintermärchen“, wie er, von einem fidelen Abendessen kommend, zu mitternächtiger Stunde durch Hamburgs Straßen spaziert:
Und als ich auf die Drehbahn kam, Da sah ich im Mondenschimmer Ein hehres Weib, ein wunderbar Nochbusiges Frauenzimmer.
Er schildert dann das„Frauenzimmer“, das sich als die Göttin Hammonia entpuppt, ganz ausführlich. Wie Heine schildert, mögen fol⸗ gende Strophen zeigen:
Sie trug eine weiße Tunika, Bis an die Waden reichend. Und welche Waden! Das Fußgestell Swei dorischen Säulen gleichend.
Die weltlichste Natürlichkeit Konnt' man in den Sügen lesen; Doch das übermenschliche Hinterteil Verriet ein höheres Wesen.
Kurzum, Heine und Hammonia begaben sich in das Heiligtum der letzteren und amüsierten sich trefflich. Heine singt darüber:
Die Göttin hat mir Thee gekocht Und Rum hineingegossen; Sie selber aber hat den Rum Ganz ohne Thee genossen.
Beim„Thee“ reden beide über die herrlichen deutschen Zustände, über die Kleinstaaterei, die Censur, die Polizei und anderes mehr. Ham— monia kennt aber nicht nur die Gegenwart, sie kennt auch die Zukunft Deutschlands:
„Was ich den sterblichen Menschen nie Gezeigt, ich möcht es dir zeigen: Die Sukunft deines Vaterlands— Doch ach! Du kannst nicht schweigen!“
Heine ist ob des in Aussicht gestellten Zu— kunftsbildes entzückt. Er schwört in feierlicher Weise Stillschweigen. Und nun erzählt Ham⸗ monia:
„Ich werde alt. Geboren bin ich
Am Tage von Hamburgs Begründung.
Die Mutter war Schellfischkönigin
Nier an der Elbe Mündung.


