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Sette 2.
WMitieldeutsche Sonntags⸗Zeitung
knieetief in den Lehmbrei eiu. Brennt dann aber die Sonne wieder drein, so kann man vor Staub nicht gehen. Am 13. Juni bereits zeigte das Thermo⸗ meter 41 Gr. C. im Schatten, und diese Temperatur steigerte sich in der heißesten Zeit auf 50 Gr. C. und darüber. Dabei unterliegt die Temperatur großen, schnell aufeinanderfolgenden Schwankungen.... Der 23. August brachte eine Hitze, daß der Schweiß in Strömen floß, abends aber wehte ein so kalter Wind, daß alle fror. Bis gegen Mitte September er⸗ reichte die größte Hitze immer noch 30 Gr.; die Nächte dagegen sind kalt und windig.
.. Unter so ungünstigen Verhältnissen brechen unter der deutschen Besatzung Kiautschous massenhafte Erkrankungen aus, vor allem Unterleibskrankheiten ge⸗ fährlichster Art. Bösartiger Durchfall, Malariafieber, Typhus, Brechruhr ec. füllen das Militärlazarett in er⸗ schreckendem Maße.... Schon im Juni beherbergte das Lazarett eine Menge Kranke, besonders vom See— bataillon, und am 30. Juni wrrde ein an Brechruhr verstorbener Feldmebel des Seebataillons beerdigt, nach— dem ihm ein Kollege am 24. Juni bereits in das Grab vorangegangen war... Gegen Ende Juli lagen von den 150 Mann des im April angekommenen Matrosen⸗Artillerie⸗Detachements bereits 50 Mann im Lazarett, die Revierkranken nicht gerechnet; in dieser Zeit starb auch ein Seesoldat am Malaria fieber... Am 9. August starb ein Maat der Matrosenartillerie am Unterleibstyphus. Ihm folgten am 21. August ein Matrosenartillerist und ein Seesoldat. Um diese Zeit lagen im Lazarett noch 93 Schwerkranke, die sonstigen Kranken ungerechnet. Am 6. September starb ein Seesoldat und am 9. und 10. Sept. je ein Matrosenartillerist. Am 18. September wurden wieder fünf Matrosenartilleristen in das Lazarett verbracht. In der ersten Hälfte des Oktober waren ferner folgende Todesfälle zu verzeichnen: die Seesoldaten Franz Hölter, Rud. Thieß, Wendelin Schweizer, Rud. Schröter, Karl Rohweder, Wilh. Schippmann, sowie August Hein und Vlzewachtmeister Hermann Paxmann von der Matrosen⸗ lere
Zu den in der zweiten Hälfte des Oktober Verstorbenen, die nicht angeführt sind, gehörte auch der Wiesecker Zimmermann Eisenhut.
Nachdem der schwere Wachtdienst erwähnt ist, heißt es weiter:
„... Und selbst die Zeit notwendigster Ruhe wird den armen Soldaten in der heißen Jahreszeit vergällt: denn da ist die Insektenplage schrecklich. Tagsüber werden die Leute gepeinigt von ungeheuren Mengen Fliegen, Mücken ꝛc., nachts aber von den Moskitos, die schon im Juni ihre Vorläufer senden.“
Dieser Bericht giebt den bunten Zeitschrift⸗ bildern von der Marine und unseren Kolonien schon einen ganz anderen Anstrich. Und die Reden der für Flottenvermehrung und Uebersee⸗ politik schwärmenden Wasserpolitiker werden durch denselben wesentlich ergänzt.
Aber sehen wir uns noch ein anderes Bild an, nämlich den„Sanitätsbericht der kaiserlich deutschen Marine vom 1. April 1895 bis zum 1. April 1897“, gewiß ein zuverlässiges Werk. Dort wird über die Geschlechtskrank⸗ heiten in der deutschen Marine berichtet und festgestellt, daß jeder siebente Mann inner⸗ halb eines Jahres der erwähnten Jahre einmal geschlechtskrank war. Im einzelnen wird dann konstatiert, wie die Verhältnisse in Kiel, in Wilhelmshaven, in der Südsee, in Afrika ꝛc. waren. Am gefährlichsten war die ostasiatische Station(Kiautschou), wo 338,6 bis 339,6 ,, das heißt jeder dritte Mann geschlechts⸗ krank war.
Man wird zugeben müssen, daß das keine idyllischen Verhältnisse sind. Die Aussichten auf Besserung sind aber nur geriug. Da nun in ungezählten Zeitungen immer das hohe Lied der Flotte und der Kolonialpolitik gesungen wird, so glauben wir ein ganz verdienstliches Werk gethan zu haben, einmal das zu ver— öffentlichen, was die Flottenapostel stets ver— gessen.—
Wir hätten nichts dagegen, wenn sich die für unsere„Kolonien“ genannten Sand⸗ wüsten und Fieberlöcher begeisternden Wasser— apostel freiwillig zum Eintritt in die See⸗ bataillone meldeten, oder ihre Söhne zum freiwilligen Eintritt veranlaßten. Die Söhne des Volkes warnen wir dringend davor.
Genossen 0 Agitiert allerorts für die Arbeiterpresse!
Politische Rundschau.
Gießen, 15. Dezember.
Internationale Solidarität.
Unser Berliner Parteivorstand hat folgendes Schreiben an den französischen Sozialisten⸗ Kongreß gerichtet:
Brüder und Genossen!
Euer Kongreß ist ein Ereignis, welches im höchsten Grade die Sozialisten aller Länder der zivilisierten Welt interessiert. Was uns anbetrifft, so können wir Euch versichern, daß die Auf⸗ merksamkeit der Arbeiter Deutschlands auf Euch gerichtet ist. Wir sind sicher, daß die Resultate dieses Kongresses der ruhmreichen Geschichte des französischen Proletariats, dem wir die helden⸗ hafte Schlacht des Juni 1848 und der Kom⸗ mune verdanken, ein neues Blatt hinzufügen wird. Eine einzige Sache hat Euch bisher ge— fehlt: Die Einigkeit. Und diese Einigkeit werdet Ihr dem sozialistischen Frankreich geben; wenn nicht die absolute Einigkeit der Ansichten und Theorien, so wenigstens die Einheit der Taktik, die Einheit des Handelns gegen die Feinde. Beim Wiedersehen in Paris, auf dem internationalen Kongreß des nächsten Jahres hoffen wir, das arbeitende Frankreich geeinigt zu finden. Hoch der inter⸗ nationale Sozialismus! Unsere brüderlichen
Grüße. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
W. Liebknecht, Paul Singer, J. Auer, A. Bebel W. Pfannkuch, A. Gerisch.
Diese Adresse wurde von dem Kongreß mit langanhaltendem Beifall begrüßt.
Der in dem Schreiben ausgesprochene Wunsch, daß sich die französischen Gruppen einigen möchten, ist in Erfüllung gegangen. Nach über— aus heftigen Debatten, die nicht nur auf das lebhafte Temperament der Franzosen, sondern leider auch auf persönliche Eifersüchteleten, die unter einzelnen Führern bestanden, zurückzuführen sind, kam eine Einigung zu Stande. Die einzelnen Parteigruppen bleiben vorläufig be⸗ stehen, aber alle entsenden je nach ihrer Stärke Delegierte in das gemeinsame Aktionskomitee, das aus 47 Personen besteht. Das General- komitee besteht aus 15 Guesdisten, 7 Blan⸗ quisten, 6 Unabhängigen, 4 Allemanisten, 3 Bronssisten, 7 Anhängern der autonomen Föde⸗ rationen, 4 Gewerkschaftlern und 1 Genossen⸗ schaftler. Mehr konnte billigerweise bei den zerfahrenen Parteiverhältnissen in Frankreich zunächst nicht erwartet werden. Der Grund— stock zur Einigung ist gelegt, und das ist schon sehr viel wert.
Die Schraube ohne Ende.
Als Antwort auf die deutsche Flottenver⸗ mehrung kündigt die englische Presse prompt eine weitere Flottenverstärkung in England an. So sagt der Londoner„Standard“ in einer Besprechung der Rede des Staatssekretärs v. Bülow im Reichstag:„Jede Bemühung irgend eines Staates, sich mit seinen Nachbarn auf gleiche Höhe zu stellen, legt den anderen die Pflicht auf, zu thun, was in ihren Kräften steht, um das normale Gleich—⸗ gewicht wieder herzustellen.“
Ebenso erklären die„Times“: Die Deutschen werden uns nicht mißverstehen, wenn wir unsererseits es für angebracht halten sollten, unsere eigene Flotte in dem Verhältnis der Vermehrung irgend einer anderen Flotte zu vermehren.... Es ist kaum wahrschein⸗ lich, daß Deutschland je wieder der Amboß Europas wird, aber es ist noch weniger wahr— scheinlich, daß es selbst als Weltmacht der Hammer der Meere sein wird.“
Daß England die Spitze jeder deutschen Flottenvermehrung gegen sich gerichtet fühlt, ist ein Erfolg der maßlosen, systematisch be— triebenen„Aufklärungsarbeit im Volke“ der⸗ jenigen Wasserköpfe, die da glauben, wunder wie gescheit und patriotisch zu handeln, wenn sie mehr Schiffe fordern und fortgesetzt auf Eng⸗ land schimpfen.
Der Angriff des Grafen Limburg ⸗Stirum auf den Fürsten Hohenlohe scheint nur die Ein⸗ leitung zu einer allgemeinen Hatz auf den alten guten Onkel Chlodwig gewesen zu sein. Die Organe der Agrarier fallen samt und sonders über den Reichskanzler her. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird es demnächst im Mini⸗ sterium einen Umsturz geben. Von dieser Seite rückt man Miquel, von jener Hohenlohe zu Leibe. Von letzterem kann man ohne weiteres annehmen, daß er froh wäre, wenn er den undankbaren Reichskanzlerposten los wäre. Von Miquel wollen manche Leute wissen, er wäre froh, wenn er ihn bekäme.
Der unschuldige Miquel.
Großes Aufsehen erregt eine Erklärung Miquels in der„Berl. Korresp.“, in welcher er sich verwahrt, jemals mit den Konservativen gegen den Kanal intriguiert und konspirtert zu haben. Auch von der kanalfeindlichen Preß⸗ thätigkeit des Herrn v. Zedlitz sei ihm nichts bekannt geworden und garnicht sei es ihm ein⸗ gefallen, die Flottenvorlage mit den Kornzöllen in Verbindung zu bringen. Auch die Verant⸗ wortung für die Kaltstelluug der kanal⸗oppo⸗ sitionellen Landräte lehnt er ab. Die Erklärung wird dem schlauen Herrn nichts nützen. Für den unschuldigen Engel, der er sein möchte, hält ihn niemand mehr. Miquel gehört zu den Leuten, denen man nur traut, so lange und so weit man sie sieht.
Freisinnige Marinelust.
Bemerkenswert ist der Wortlaut eines Be⸗ schlusses, welchen am Sonnabend der Parteitag der freisinnigen Volkspartei für Ber- lin gefaßt hat; er lautet:
„Der Berliner Parteitag der freisinnigen Volkspartei erklärt sich mit Entschiedenheit gegen alle Pläne zur Vermehrung der Flotte, welche eine Beschränkung des Etatsrechts des Reichstages in sich schließen und zu einer wesentlichen Mehrbelastung des Volkes führen müssen.“
Nur bei weiterer Beschränkung des Etats⸗ rechts und bei„wesentlicher“ Mehrbelastung des Volkes ist dieser freisinnige Verein Gegner der Flottenvermehrung. Die politischen Ge⸗ fahren der Verabenteurerei sowie die Unkultur dieser internationalen Wettrüstungsanarchie stören die freisinnigen Leute nicht in ihrer prin⸗ zipienbaren Scheinopposition.
Ein Zeitbild.
Wegen Majestätsbeleidigung wurde vom Gleiwitzer Landgericht eine 70 Jahre alte Witwe, Johanna Magiera, zu neun Monaten Gefängnis bestraft.
Zwei begnadigte Löbtauer.
Die Zimmerleute Heinrich Geißler und Moritz Hecht, die in dem Löbtauer Prozeß zu je vier Jahren Gefängis verurteilt worden waren, sind aus dem Landgerichtsgefängnis Hoheneck entlasseu worden. Wie die„Sächs. Arbeiterzeitung“ hört, haben die Frau des Ge⸗ nossen Geißler sowie die Eltern Du Gnaden⸗ gesuche gemacht unter genauer Darlegung des Sachverhaltes, aus dem hervorgeht, daß die jetzt Freigelassenen sich nichts zu schulden haben kommen lassen, was eine derartig harte Strafe bedingte. Diese wurden dann im Ge⸗ fängnis vor zirka 14 Tagen vom Direktor noch⸗ mals nach allen Einzelheiten befragt, um am Sonntag die Nachricht zu bekommen, daß sie frei seien. Allenthalben wird die Nachricht von
der Freilassung der zwei Opfer des Schwur⸗
gerichtsurteils mit Genugthuung begrüßt werden, mußte man doch nach den Worten des sächsischen Eeneralstaatsanwalts Rüger im Reichstage erwarten, daß in den Kreisen der Regierung keine Geneigtheit für eine Verkürzung der furchtbar harten Strafe bestehe. Man kann nunmehr aus dieser Begnadigung ent⸗ nehmen, daß auch in maßgebenden Kreisen sich eine mildere Aunffassung über den ganzen Fall Geltung verschafft hat, die folgerichtig auch den zu schweren Zuchthausstrafen verur⸗ teilten Bauarbeitern zu gute kommen müßte 8 70 hoffentlich auch bald zu gute kommen wird.
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2.. Der attaquierte Reichskanzler.
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