Ausgabe 
17.12.1899
 
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Gießen, Sonntag, den 17. Dezember 1899.

6. Jahrg.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Redaktionsschluß;

Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.

Abonnementé preis: DieMitteldentsche Sonntags⸗Zeitung Austräger frei ins Haus gesfeser! Durch die Post bezogen vierteljährlich 30

h 25 Pfennig. Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Druckeret, Schloßg. 13, sowie jede Postaustalt une jeber Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 4312a.)

D JInserate

finden in derM. S.⸗Ztg weiteste Verbreitung. Die H5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, ͤ bei 6 mal. Bestellung 33¼% und bei

Bei mindestens

mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.

Unsere beste Waffe.

n. Wenn eine bürgerliche Zeitung ins Leben gerufen wird, steht den betreffenden Unternehmern fast stets ein größeres Kapital zur Verfügung und die mehr oder minder geschickte Verwendung eines solchen sichert den bürgerlichen Unter⸗ nehmungen dann den geschäftlichen Erfolg. Man agitiert durch Aufwendung möglichst großer Geldmittel, bietet für wenig Geld mög⸗ lichst viel Papier und einen bunten, viel⸗ seitigen, die Neuigkeitskrämerei und das oberflächlichste Unterhaltungsbedürfnis befrie⸗ digenden Inhalt und sieht zunächst nicht auf den Profit, sondern zunächst auf den Gewinn zahlreicher Abonnenten und Inserenten, die später den materiellen Gewinn um so sicherer garantieren.

Anders ist das beim Arbeiterblatt. Dasselbe wird von vornherein nicht in der Absicht begründet, ein Geschäft zu machen, es soll lediglich idealen Zwecken dienen; es soll aufklärend und werbend für die Ideen und Bestrebungen wirken, von deren Erfüllung wir mit Recht eine durchgreifende Verbesserung unserer ganzen Verhältnisse ver⸗ sprechen. Jedes Arbeiterblatt hat deshalb, nicht nur um seine Herstellungskosten zu decken, sondern vor allen Dingen um seiner idealen Zwecke willen, das lebhafteste Interesse daran, einen möglichst weiten Leserkreis zu gewinnen.

Der Unternehmer, der ein bürgerliches Blatt begründet, um dasselbe für sich möglichst ge⸗ winnbringend zu machen, kann für sein Blatt mit dem Gelde wirken die Arbeiter können das nicht. Aber sie haben einen Faktor für sich, der in der Agitation für die Ausbreitung eines Blattes trotz der sprichwörtlichen Macht des Geldes erheblich ins Gewicht fällt: ihre starke persönliche Sympathie für die von ihrem Blatte vertretene Sache, von deren Sieg sie Großes für sich erhoffen. Und diese persönliche Sympathie, diese Anhänglichkeit an die Sache muß ihren Ausdruck vor allen Dingen finden in der steten Wirksamkeit des Arbeiters für seine Zeitung.

Gewiß wird dementsprechend in den Kreisen der aufgeklärten und politisch geschulten Arbeiter schon manches für ihre Zeitung gethan, aber es könnte, es müßte noch viel, viel mehr geschehen! Und zwar bedarf es dabei gar nicht immer der lauten, geräuschvollen Agitation, der Verbreitung großer Massen sogenannter Agitationsnummern mit darauf folgender Ein⸗ sammlung von Abonnementserklärungen. Diese Art der Agitation hat, geschickt geleitet, gewiß auch ihre Vorteile, aber sie erfordert immerhin die Aufwendung erheblicher Geldmittel und sie erfordert weiter in hohem Maße die Kraft und Zeit größerer organisterter Kreise von Ge⸗ sinnungsgenossen.

Es giebt aber noch eine andere Art der Agitation für das Arbeiterblatt, eine Agitation, die gar keine Geldmittel, gar keine Zeit und auch nicht einmal die geringste Agitationsfähigkeit der Genossen erfordert, eine Agitation, die so leicht zu betreiben ist, daß man billig erstaunen sollte darüber, daß sie bisher noch so wenig betrieben worden ist.

Führen wir uns nur einige Beispiele einer Agitation vor, wie wir sie meinen. Da geht

man z. B. in eine Restauration oder in eine

Schenke, um Herz und Magen mit einem Schluck Bier oder Branntwein zu stärken. Was ist selbstverständlicher als die einfache Frage: Kann ich mal dieM. S.⸗Ztg. lesen? Heißt es dann:Nein, die haben wir nicht, dann braucht man kaum noch ein Wort zu sagen, man bezahlt seine Zeche und geht. Wenn die Frage:Haben Sie nicht dieM. S.⸗Ztg.? so einem Wirte im Laufe einiger Tage ver⸗ schiedenmal von Gästen vorgelegt wird, dann darf man sicher sein, er bestellt rasch das so viel gefragte Blatt. Und was für den Wirt gilt, das gilt für jeden anderen Geschäfts⸗ mann auch. Man frage bei dem Barbier nach derM. S.⸗Ztg., man frage danach, wenn man sich Zigarren oder Rauchtabak kauft, wenn man sich ein neues Kleidungsstück anschafft, man frage bei jedem kleinen Geschäftsmann, jedem Handwerker nach derM. S.⸗Ztg., vor allem aber vergesse man nicht, die Ehefrau zu veranlassen, daß sie bei allen ihren Einkäufen beim Bäcker, Fleischer, Krämer u. s. w. die einfache Frage stellt:Haben Sie dieM. S.⸗Ztg.?

In der Wiederholung liegt das Ge⸗ heimnis des Erfolges! Dies Wort bekundet seine Wahrheit nirgendwo besser als bei der hier angedeuteten Art der Agitation für das Arbeiterblatt. Macht der einzelne sich zur Ge⸗ wohnheit, diese einfache Frage:Haben Sie dieM. S.⸗Ztg.? bei jeder Gelegenheit immer wieder zu stellen und geschieht solches dann durch einen größeren Kreis von Genossen konsequent und fortdauernd, dann wird man bald überrascht sein von der vortrefflichen Wirkung einer Agitation, welche in nichts weiter sealung als in einer gelegentlichen kurzen Frage

ellung.

Daß diese Agitation sich weiter auch erstrecken sollte nicht nur auf Geschäftsleute, sondern daß man die Frage auch stetig an gute Bekannte, an Nachbarn und an Berufs- und Arbeits⸗ kollegen richten sollte, ist selbstverständlich. Be⸗ sonders aber auch in den Gewerkschaften sollte man mehr auf die Verbreitung des Arbeiter⸗ organs sehen, keine Versammlung dürfte ver⸗ gehen, in der nicht auf die Notwendigkeit hin⸗ gewiesen würde, das Arbeiterblatt zu lesen.

Auch in anderer Weise kann man dem Arbeiterblatte noch manchen großen Vorteil zuwenden, ohne sich selbst besonders zu bemühen. Wenn man zu einem Geschäftsmann einkaufen kommt, der im Arbeiterblatt annonciert, dann sagt man ihm einfach:Ich komme zu Ihnen, weil ich Ihre Anzeige in derM. S.⸗Ztg. gelesen habe! Geschieht solches dem Geschäfts⸗ manne öfter, dann sieht er deutlich, daß das Annoncieren im Arbeiterblatt für ihn von Vorteil zwar, er bleibt ein fester Kunde des⸗ selben und wendet demselben jährlich für Annoncen eine mehr oder minder große Summe zu. Ist man gezwungen, bei einem noch nicht inserierenden Geschäftsmanne zu kaufen, dann ist hier nach den Fragen:Haben Sie die M. S.⸗Ztg.? Annoncieren Sie in derM. S.⸗Ztg? stets die einfache Bemerkung am Platze:Wenn Sie in derM. S.⸗Ztg. an⸗ noncierten, würden noch viele Arbeiter bei Ihnen kaufen.. 2

In diesem Sinne kann jeder, so Mann wie Frau, für die Arbeiterzeitung wirken, ohne daß es Geld oder irgend eine Mühe kostete,

außer dem Sprechen einiger weniger Worte. Aber diese Worte müssen immer wieder⸗ holt werden, jeden Tag und bei jeder Gelegenheit, sie müssen den Genossen zur Ge⸗ wohnheit werden.

Frisch an's Werk, Genossen! Ihr fördert Eure eigenen Interessen, wenn Ihr Eurem Blatte, der besten Waffe im Emanzipations⸗ kampfe, einen größeren Leserkreis verschafft. Ihr wißt sehr gut, was dieMitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung, die am 1. Januar 1900 ihren siebenten Jahrgang beginnt, seither in agitatorischer Beztehung geleistet hat. Aber sie soll in Zukunft mehr leisten. Das kann sie jedoch nur dann, wenn ihr durch den Pflicht⸗ eifer der Parteigenossen immer neue Abonnenten zugeführt werden.

Eine Warnung!

ImGieß. Anz. und zahlreichen anderen Amtsblättern finden wir eine Notiz betreffend die Einstellung Dreijährig⸗Freiwilliger zum Seebataillon. Es heißt da u. a.:

Auch wird die Anforderung der Tropen-

dienstfähigkeit an dieselben gestellt, da

sie im Frühjahr 1901 nach Kiautschou entsandt werden. Geeignete Leute, nicht unter

19 Jahren, haben sich unter Einsendung

des Meldescheins und sonstiger Zeugnisse ꝛc.

da und dahin zu wenden.

Wir sind fest überzeugt, daß sich nur sehr wenig junge Leute freiwillig zur Dienstleistung bei einem Seebataillon melden würden, wenn ste wüßten, wie außerordentlich schwer dieser Dienst ist. Im Binnenland kennt man die Marine und den Seedienst nur von den Bil⸗ dern her, die sich namentlich jetzt in fast allen illustrierten Zeitschriften finden. Da sehen die Riesenschiffe so blitzblank und die Seesoldaten und Matrosen in ihren Uniformen so schmuck aus, daß wohl mancher junge Mann, der dem Militärdienst so wie so nicht entgehen kann, sich leicht bestimmen läßt, freiwillig zur Marine zu gehen.

Gar schnell werden sie alle enttäuscht sein! Wie so ganz anders ist doch die Wirklichkeit im Vergleich mit den hübschen Bildern.

Wie es in der übereinstimmenden Blätter⸗ notiz heißt, sollen die jungen Leute, die sich jetzt freiwillig melden, im Frühjahr 1901 nach Ktautschou geschickt werden. Wie es dort aussieht, wird neuerdings derFrkf. Ztg. ausführlich berichtet. Hier einige Sätze:

... So richtig gesund ist der Deutsche in Kiautschou infolge der klimatischen Verhältnisse überhaupt nie. Kopfweh, Schwindel, Magen- und Darmbeschwerden, das giebt es immer, selbst im Herbst und Winter, den gesundesten Jahreszeiten hierzulande. Aber das alles sind bloß kleinere Uebel. Wenn dagegen etwa Mitte Juni die leidige Regenzeit ihren Anfang nimmt, dann bricht unter der Besatzung von Klautschou ein Ungemach los, von dem man sich in der deutschen Heimat keinen Begriff macht...

Infolge der heftigen Regengüsse ver⸗ schimmelt alles und der Boden wird zu einem einzigen Lehmbrei:

1... Da sinken dann die Mannschaften, welche natürlich trotz allem ihren strengen Dienst thun müssen,

* Die Notiz ist allengutgesinnten Blättern von der Inspektion der Marine⸗Infanterie zugegangen. Red 1