Sciie 4.
Weittelbeutiche Sonntags- Zeitung
Nr. 38.
kerung politisch rechtlos zu machen. Erst das Sozialistengesetz, nun die Zuchthausvorlage. Redner kam dann auf hessische Verhältnisse zu sprechen und beleuchtete nebenbei die Einfalt und Böswilligkett der Antise niten, die die Juden für die heutigen Zustände verantwortlich machen. In Amerika und England, wo die Juden gar keine Rolle spielen, herrschen die⸗ selben, teilweise noch schlimmere Zustände als bei uns, dort ist der Bauer längst zu Grunde gerichtet ohne Juden. Wir bekämpfen den Kapitalismus und appellieren an den Verstand der Massen, die Autisemiten raisonieren auf die Juden und spekulieren auf die niedersten In⸗ stinkte und auf die Dummheit der Menschen. Der Jude als Kapitalist und Wucherer ist unser Feind. Aber der scheußlichste Wucher, den es gebe, sei der Brodwucher und den betreiben die Antisemiten Arm in Arm mit den Junkern. In Sachsen sei man daran, die letzten Antisemiten aus dem Parlament heraus- zuwerfen, ihre letzte Zuflucht sei Hessen. Hier solle man ihnen gleichfalls den Laufpaß geben. Die kommende Landtagswahl biete die beste Gelegenheit, den seither von einem Antisemiten innegehabten Landtagssitz für einen Sozial⸗ demokraten zu erobern. Es sei die vielfach verbreitete Annahme falsch, als handle es sich bei den Landtagswahlen um etwas weniger wichtiges. Gewiß sind dem Reichstag weit⸗ gehende Befugnisse eingeräumt. Aber die Land⸗ tagswahlen sind deshalb doch von der aller⸗ größten Bedeutung. Im hessischen Landtag kommen die allerwichtigsten, für jeden Hessen bedeutsame Angelegenheiten zur Sprache. Setzen Sie alle Kräfte ein, um dem Kandidaten des arbeitenden Volkes, meinem Freunde Scheide— mann, zum Siege zu verhelfen.(Langanhaltender Beifall.)
Nach einer kurzen Pause nahm Genosse Scheidemann das Wort, um die Thätig⸗ keit der sozialdemokratischen Abgeordneten im Landtag zu beleuchten. Unsere Leser sind über die fleißige Arbeit unserer Vertreter im Landtag unterrichtet und übergehen wir deshalb die diesbezüglichen Ausführungen des Redners. Scheidemann schilderte zum Schluß das in⸗ direkte Wahlsystem und forderte die Anwesenden auf, daß jeder seine Schuldigkeit thun möge. Keiner dürfe der Wahlurne fern bleiben, selbst dann nicht, wenn einmal ein viertel Tag ge⸗ feiert werden müsse. Es dürfe nicht wieder vorkommen, daß in Klein⸗Linden nur die Wahl⸗ vorsteher wählen und die Arbeiter zu Hause bleiben.
Stadtv. Krumm wies auf das Verhalten der Antisemiten hin, deren Arbeiterfeindlichkeit ebenso belannt sei, wie ihre Unfähigkeit. Die Kleinen sollten treu zusammenstehen, dann würde der Sieg nicht ausbleiben.(Beifall.)
Da sich sonst Niemand zum Worte meldete, schloß hierauf der Vorsitzende die gut verlaufene Versammlung.
Gewerbegerichtswahlen in Hessen.
* Die Verzeichnisse der stimmberechtigten Arbeitgeber und Arbeiter zur Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht liegen vom 11. September incl. bis 18. September incl.(auch am Sonn- tag) vormittags von 8 bis 12 und nachmittags von 2 bis 6 Uhr auf dem Burcau der Bürger⸗ meisterei, Zimmer Nr. 2, zur Einsicht der Be⸗ theiligten offen. Anträge auf Berichtigung oder Ergänzung dieser Verzeichnisse sind in der ge⸗ nansz ten Frist bei Meidung des Ausschlusses vorzubringen. Wir empfehlen deshalb die Ein⸗ sichinahme der Listen.
Affaire Oettweiler-Ahlheim.
* Unsere Leser erinnern sich wohl noch der Interpeuation der Sozialdemokraten im hessi— sche: Landtag wegen der Affaire Dettweiler— Ahlheim. Oberschulrat Dr. Deltweiler war der Vorgesetzte des Dr. Ahlheim. Letzterer war Lehrer des etwas schwerbegreifenden Sohnes des Dett veiler und hatte denselben auf Auweisung resp. mit Wissen seines Vorgesetzten in unzu— lasstger Wesse bei den Schulaufgaben unterstuützt, sod en der junge Dettweil er te lweise vorzügliche Arbeiten liefern konnte, obwohl er keiner der Pfifigsten war. Während mehreren Tagen sand dieser Woche vor dem Disziplinargerichis—
hof in Darmstadt die Verhandlung gegen Dett⸗ weiler statt. Der Regierungsvertreter Ministerial⸗ rat Braun hielt die Anklage gegen Oberschulrat Dettweiler in vollem Umfange aufrecht. Er erfülle eine schwere Pflicht, wenn er die Dienst⸗ entlassung beantrage. Da aber dem Ange⸗ klagten, der ja nur als Vater gehandelt habe, mildernde Umstände zuzubilligen seien, beantrage er, ihm den höchsten Teil des Ruhegehal⸗ tes auf Lebenszeit oder gewisse Jahre zu be— lassen.— Der Verteidiger Dettweilers, Rechts⸗ anwalt Hallwachs, beantragt, weil neue That⸗ sachen j tzt nicht zu Tage getreten, dieses Ver⸗ fahren einzustellen, da ja Dettweiler wegen derselben Sache schon disziplinarisch bestraft sei. Das Urteil wurde am Donnerstag Mittag ver⸗ kündet. Dasselbe lautete auf einen Verweis und 500 Mk. Geldstrafe, so vie Tragung der Kosten zu zwei Drittel. In dem Urteil wird ausgesprochen, daß Oberschulrat Dr. Dettweiler die Pflichten verletzt habe, die ihm sein Amt auferlegte.
Kanalisation in Gießen.
* Die vom Oberbürgermeister der Stadt- verordneten⸗Versammlung unterbreitete Vorlage über die städtische Kanalisation liegt uns im Drucke vor. Im Vorwort wird die unbedingte Notwendigkeit erörtert, die Mittel für die systematische Kanalisierung einer Stadt wie Gießen zu beschaffen; im weiteren werden die verschiedenen Vorarbeiten in der Kanalisierungs⸗ frage dargelegt unter Anfügung des Antrags vom April 1888 des damaligen Beigeordneten (jetzigen Oberbürgermeister) Gnauth, betreffend Aufstellung eines festen Entwurfs für die systematische unterirdische Entwässerung Gießens nach neuzeitlichen Prinzipien, ferner eines Er— läuterungsberichts-Auszugs in derselben Sache vom Juni 1890, verfaßt vom Stadtb auinspek⸗ tor Steuernagel in Köln, desgl. eines diesbe⸗ züglichen Berichts-Auszugs von Civilingenieur Vindley in Fraukfurt a. M. d. d. 25. März 1895, desgleichen eines diesbezüglichen generellen Vorberichts des Kgl. Baurat Herzberg in Berlin d. d. 26. Januar 1898, eines Promemoria des Stadtbaurat Schmandt über„den heutigen Stand der Entwässerung der Städte, insbe— sondere mit dem Bezug auf die Stadt Gießen“ vom Juli 1898(worin u. a. die Projekte von Steuernagel, Lindley und Herzberg näher dis— kutiert werden), endlich eines vom 26 November 1898 datierten Gutachtens des Stadtv. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Gaffky in der Kanalisationsfrage. Das in allem wesent⸗ lichen übereinstimmende Ergebnis der Schmandt⸗ schen und der Gaffkyschen Arbeit empfiehlt: 1) Entwässerung der„Altstadt“ nach dem System der kombinierten Schwemmkanalisation, unter thunlicher Anstrebung der getrennten Ableitung der Regenwässer auch aus diesem Stadtteil. 2) Entwässerung der übrigen Stadtteile nach dem Trennungssystem. 3) Vereinigung der Schmutzwassersiele der äußeren Stadtteile mit dem Hauptsiel der Altstadt, zwecks gemeinsamer Reinigung und zeitweiser künstlicher Hebung des Sieliahalts vor der Einleitung in die Lahn. 4) Obligatorischer Anschluß der Abtritte an die Schmutzwassersiele und Beseitigung der Gruben und Tonnen unter Gewährung einer ange— messenen, nicht zu knappen Frist. 5) Mechanische Reinigung der Schmutzwässer vor ihrem Ein⸗ lauf in die Lahn nach dem Muster der Marburger Anlage mit Riensch'schen Grob— und Fein⸗Rechen, sowie durch Rediment erung in Klärbecken mit kontinuierli hem Betriebe und einer Strömungsgeschwindigkeit von etwa 5 mm in der Sekunde.
Geflügelzucht.
* Der„Klub Deutscher Geflügelzüchter“ in Berlin teilt uns mit, daß er zar Hebung der Nutzgeflügelzucht in Hessen bei dem Ministerium des Janern zu Darmstadt unt die Gewahrung eines einmaligen Beitrags in Höhe von 1000 Mark gebeten habe, um den hessischen Land— wirlen im nächsten Jahre durch den Verkauf von Hühner⸗Eier n und anderen Geflügel- erzeugnissen zu besseren Preisen nich größeren Städten Deuschlands hin eine volle Million
Mark zuführen zu können. Die Hauptthätigkeit des Klubs richtet sich auf die Hebung der Nutzgeflügelzucht und sind infolge dessen 20 Zentral- und 45 Zweigverkaufsstellen in den größeren Städten Dentschlands bereits ins Leben gerufen worden. Sobald die Mitglieder deu Bedarf an frischen Eiern für die Verkaufs- stellen decken können, sollen auch in Darmstadt, Gießen, Offenbach und Worms Verkaufs- stellen eröffnet werden.
Aus Marburg.
st-„Ein jeder Gast ist ehrenwert, der in Gemütlichkeit sein Geld verzehrt, nicht flucht, nicht schimpft, nicht Händel macht und aufs Bezahlen ist bedacht.“ Diesen„schönen“ Vers hatte ein Gastwirt im benachbarten Dorfe Sarn au der Ankündigung eines von ihm ver⸗ anstalteten Erntefestes beigefügt. Der Verlauf dieses Festes lieferte eine treff liche Illustration dazu, denn die Teilnehmer prügelten und zer⸗ stachen sich derartig, daß nicht weniger als 17 Mann die hiesige Klinik aufsuchen und sich verbinden lassen mußten. Sogar ein einem Karousselbesitzer gehöriges Pferd erhielt einen Messerstich in den Hinterteil.— Wegen Ver⸗ gehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz stand der Gutspächter Fr. Pfeffer aus Holzhausen vor der hiesigen Strafkammer. Derselbe war bereits vor enniger Zeit wegen Vergehens gegen das Seuchengesetz zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er die unter seinem Nindvieh ausgebrochene Maul⸗ und Klauenseuche verheimlicht hatte. Bei der da⸗ maligen Verhandlung stellte sich heraus, daß Pfeffer die Milch der von der Seuche befallenen Kühe anstandslos weiter verkauft hatte, und wurde dieserhalb gegen ihn Anklage wegen Ver— gehen gegen das Nahrungsmittelgesetz erhoben. Er wurde zu einer Zusatzstrafe von 4 Wochen Gefängnis verurteilt.— Am Soanabend, den 16. Sept. feiern die hiesigen Gewerkschaften ein Vergnügen im Café Quentin, dessen Ueberschuß den ausgesperrten Däuen überwiesen werden soll. Kommt diese Unterstützung auch etwas spät, da ja die Aussperrung bekanntlich bereits beendet ist, so wird sie doch jedenfalls auch jetzt noch benötigt, und ist inanbetracht des guten Zweckes dem Vergnügen ein zahl⸗ reicher Besuch zu wünschen.— Nächsten Montag spricht bei D. Jesberg entweder Gen. Scheide⸗ mann oder Stadtw. Krumm-⸗Gießen über den bevorstehenden Parteitag. Zahlreicher Be— such der Versammlung ist angesichts der wich⸗ tigen Angelegenheiten, die den Parteitag in Hannover beschäftigen werden, dringend er— forderlich.
Aus Wetzlar.
f. Zur Zeit liegt der Manöver wegen viel Militär in Wetzlar und Umgegend. Natürlich ist die Einwohnerschaft furchtbar„erfreut“ des⸗ wegen. Die Freude der gutsituirten Leute in der Stadt, also derjenigen, die den Patriotismus in Erbpacht zu haben glauben, geht so weit, daß sie ihre Einquartierung wieder ausquartieren und das Vergnügen, einige Vaterlandsvertheidiger zu beherbergen, anderen Leuten überlassen, denen sie dafür einige Groschen zahlen.
Der Wirt Wagner im benachbarten Naun⸗ heim, der als Geschäftsmann unserer Partei wiederholt seinen Saal zur Verfügung stellte, hat zwar Einquartierung, aber auch gleichzeitig das Militarverbot bekommen. Mehr kann man nicht verlangen. Die Liebe zum Militarismus wird durch derartiges Eingreifen in das Ge⸗ schaftsleben friedlicher Bürger natürlich riesig gefördert. Es ist wirklich weit gekommen mit dem Terrorismus der— Arbeiter.
Ein Majestätsbeleldiger?
* In einem Wetzlarer Blatt lesen wir über eine Strafkammerverhandlung: 5
„In der ersten Anklagesache, bei der es sich um eine Majestätsbellidigung handelt, wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft aus Gründen der öffentlichen Ordnung die Oeffentlichkeit aus⸗ geschlossen. Angeklagt ist der Arbeiter Louis Qu. aus Lispenhausen bei Bebra. Das nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit verkündigte Urteil leutet auf eine Gefängnißstrafe von einem Monat.“
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