Ausgabe 
17.9.1899
 
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Nr. 38.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

Prozeß gemacht werden müsse; indem sie be⸗ wiesen, daß ein solcher Brief nicht, ohne daß frühere auch von Seiten des Roßhändlers vorangegangen, und ohne daß überhaupt eine frevelhafte und verbrecherische Verbindung zur Schmiedung neuer Gräuel unter ihnen statt⸗ finden sollte, geschrieben sein könne.

Der Kurfürst weigerte sich standhaft auf den Grund bloß dieses Briefes dem Kohlhaas das freie Geleit, das er ihm angelobt, zu brechen: er war vielmehr der Meinung, daß eine Art von Wahrscheinlichkeit aus dem Briefe des Nagel⸗ schmidt hervorgehe, daß keine frühere Verbindung zwischen ihnen Statt gefunden habe; und Alles, wozu er sich um hierüber auf's Reine zu kommen, auf den Vorschlag des Präsidenten obschon nach großer Zögerung entschloß, war, den Brief durch den von dem Nagelschmidt abgeschickten Knecht, gleichsam als ob derselbe nach wie vor frei sei, an ihn abgeben zu lassen, und zu prüfen, ob er ihn beantworten würde. Dem gemäß ward der Knecht, den man in ein Gefängniß gesteckt hatte, am andern Morgen auf das Gubernium geführt, wo der Schloßhauptmana ihm den Brief wieder zustellte, und ihn unter dem Versprechen, daß er frei sein, und die Strafe die verwirkt ihm erlassen sein solle, auf⸗ forderte das Schreiben, als sei nichts vorge fallen, dem Roßhändler zu übergeben; zu welcher List schlechter Art sich dieser Kerl auch ohne Weiteres gebrauchen ließ, und auf scheinbar geheimnißvolle Weise unter dem Vorwand, daß er Krebse zu verkaufen habe, womit ihn der Gubernial⸗Officiant auf dem Markte versorgt hatte, zu Kohlhaas in's Zimmer trat.

Kohlhaas, der den Brief, während die Kinder mit den Krebsen spielten, las, würde den Gauner gewiß unter andern Umständen beim Kragen genommen, und den Landsknechten die vor seiner Thür standen überliefert haben; doch da bei der Stimmung der Gemüther auch selbst dieser Schritt noch einer gleichgültigen Auslegung fähig war, und er sich vollkommen überzeugt hatte, daß nichts auf der Welt ihn aus dem Handel, in den er verwickelt war, retten konnte: so sah er dem Kerl mit einem traurigen Blick in sein ihm wohl bekanntes Gesicht, fragte ihn, wo er wohnte, und beschied ihn in einigen Stunden wieder zu sich, wo er ihre in Bezug auf seinen Herrn seinen Beschluß eröffnen wolle. Er hieß den Sternbald, der zufällig in die Thür trat, dem Mann der im Zimmer war etliche Krebse abkaufen, und nachdem dies Ge⸗ schäft abgemacht war, und beide sich ohne ein ander zu kennen, entfernt hatten, setzte er sich nieder und schrieb einen Brief folgenden Inhalts an den Nagelschmidt:Zuvörderst, daß er seinen Vorschlag, die Oberanführung seines Haufens im Altenbürgischen betreffend, annähme; daß er demgemäß, zur Befreiung aus der vorläufigen Haft in welcher er mit seinen fünf Kindern ge halten werde, ihm einen Wagen mit zwei Pferden nach der Neustadt bei Dresden schicken solle; daß er auch, rascheren Fortkommens wegen, noch eines Gespannes von zwei Pferden auf der Straße nach Wittenberg bedürfe, auf welchem Umweg er allein aus Gründen, die anzugeben zu weitläufig wären, zu ihm kommen könne: daß er die Landsknechte, die ihn bewachten, zwar durch Bestechung gewinnen zu können glaube, für den Fall aber, daß Gewalt nötig sei, ein Paar beherzte, gescheidte und wohlbewaffnete Knechte in der Neustadt bei Dresden gegenwärtig wissen wolle; daß er ihm zur Bestreitung der mit allen diesen Austalten verbundenen Kosten eine Rolle von zwanzig Goldkronen durch den Knecht zuschicken, über deren Verwendung er sich nach abgemachter Sache mit ihm berechnen wolle; daß er sich übrigens, weil sie unnötig sei seine eigene Auwesenheit bei seiner Befreiung in Dresden ver bitte, ja ihm vielmehr den be⸗ stimmten Befehl erteile, ur einstweiligen An⸗ führung der Bande, die nicht ohne Oberhaupt sein könne, im Altenburgischen zurückzubleiben. Diesen Brief als der Knecht gegen Abend kam. überlieferte er ihm; beschenkte ihn selbst reichlich, und schärfte ihm ein, denselben wohl in Acht zu nehmen.

(Fortsetzung folgt.)

Einst und Jetzt.

In einem interessanten Aufsatze über die Entwicklung und Bedeutung der Eisenbahnen stellt der bayerische Generaldirektionssekretär Muschweck in der Zeitung des deutschen Eisen bahn⸗Vereins folgende weniger bekannte Urteile aus der ersten Zeit der Eisenbahnen zusammen: Die wissenschaftliche ZeitungQuaterly Review schrieb im Jahre 1819:

Die Idee einer Eisenbahn ist praktisch un⸗ ausführbar. Giebt es etwas Lächerlicheres und Absurderes als das Projekt eines Dampf⸗ wagens, welcher zweimal so geschwind gehen soll als unsere Postwagen? Eher ließe sich er⸗ warten, daß man sich im Artillerielaboratorium zu Woolwpich mittels einer Kongreveschen Rakete befördern läßt, als durch die Gnade einer doppelt so schnell als unsere Postwagen laufenden Lokomotive.

Lord Brougham machte sich über dentollen Einfall der Ingenieure lustig, 700 Personen in sieben Wagen verpackt 24 Kilometer in der Stunde befördern zu wollen. Als das Projekt vom Bau der Liverpool-Manchesterbahn auf tauchte, prophezeiten die Schwarzseher, alle Häuser in der Nähe der Bahn würden in Brand gesteckt, das Getreide reife nicht, die Wiesen verdorrten, die Kühe hörten auf zu weiden, die Hühner Eier zu legen, die Vögel in der Luft erstickten, Fuhrleute und Kutscher müßten samt ihren Pferden verhungern, der Luftdruck würde die Passagiere töten, Kesselexplosionen wären unvermeidlich. Thiers verhielt sich noch im Jahre 1836 gegen den Bau von Eisenbahnen ablehnend: dennman möchte nicht gern durch die Anlage von Eisenbahnen das Leben der Reisenden aufs Spiel setzen. Der Natur⸗ forscher Franz Arago riet bei der Verhandlung über die Versailler Bahn von dem Bau eines Tunnels ab, weil das Leben der Passagiere durch den Wechsel der Temperatur und durch die Möglichkeit von Explosionen der Lokomotiven sehr gefährdet würde. Ebenso riet er mit Rück⸗ sicht auf die Gefährlichkeit des Betriebes davon ab, ein und dasselbe Geleise durch raschfahrende Personenzüge und langsamfahrende Güterzüge zu benutzen. Auch der Rentabilität der Bahnen stellte er an der Hand der Statistik der Per⸗ sonenfrequenz bei den Diligencen(Postkutschen) kein günstiges Prognostikon. Papst Gregor XVI. erklärte die Eisenbahnen fürein durchaus ver abscheuungswürdiges Transportmittel.

Ein großer Brünner Fabrikant Namens Anspitz brach, als er davon hörte, daß Roth schild eine Bahn von Wien nach Brünn bauen wollte, in den höhnischen Ruf aus:Narrheit! Die Post verkehrt immer leer auf der Strecke, und da soll sich eine Bahn rentiern? Als Kaiser Ferdinand dem Bankier Rothschild das Privilegium zur Erbaung der Nordbahn er⸗ teilte, spottete er:Geben wirs ihm, lange kann sich so etwas doch nicht halten. Grillparzer spottete:

Eisenbahnen, Anlehn und Jesuiten, Sind unbestritten

Die Wege, die wahren,

Zum Teufel zu fahren.

Ehe der Bau der Eisenbahn von Nürnberg nach Führt begonnen wurde, gab das bayerische Obermedizinalkollegium ein Gutachten dahin ab, daß der Fahrbetrieb mit Dampfwagen im Interesse der öffentlichen Gesund heit zu un'erssgen sei. Die schnelle Bewegung erzeuge unfehlbar eine Gehirnkrankheit bei den Passa⸗ gieren, welche eine besondere Art des delirium furiosum darstelle. Wollten die Fahrenden der Gefahr trotzen, so müsse der Staat wenigstens die Zuschauer schützen. Der bloße Anblick eines rasch dahin fahrenden Dampfwagens erzeuge genau dieselbe Gehirnkrankheit; es sei deshalb zu verlangen, daß der Bahnkörper zu beiden mit einem dichten, mindestens fünf Fuß hohen Bretterzaune umgeben werde. Ein Redner des bayerischen Landtags meinte, daß Bayern, da es keine überseeischen Verbindungen habe, auch keine Eisenbahn brauche. Als der Oberwegebau⸗ Inspektor für Pommern, Neuhaus, nach Eng land reisen wollte, um sich über die neuen

Eisenbahnen zu unterrichten, fertigte ihn Beuth, der Direktor der Abteilung des preußischen Finanzministeriums für Handel und Bauwesen, mit den Worten ab:Lieber Neuhaus, ich habe Sie bis jetzt für einen vernünftigen Menschen gehalten, aber ich fange an, daran zu zweifeln. König Ernst August von Hannover wollte keine Eisenbahnen im Lande, weilsonst jeder Schuster und Schneider so rasch reisen könne wie der König.

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Sprüche zur Lebensweisheit.

Aus tiefstem Gemüt, aus der Mutter Schooß Will Manches dem Tage entgegen; Doch soll das Kleine je werden groß, So muß es sich rühren und regen. Goethe.

Leb' in der Gegenwart! Zu leer ist und zu weit

Der Zukunft Haus, zu groß das der Ver gangenheit.

In beiden weißt du nicht den Hausrat einzu⸗ richten

Der ungescheh' nen und geschehenen Geschichten.

Doch 171 die Gegenwart nicht eng dir sei und

ein,

Zieh' die Vergangenheit und Zukunft mit herein,

Die mögen dir erfüllen und erweitern

Die Wohnung und mit Glanz die dunkle schön erheitern. Rückert.

Humoristisches.

Grausame Strafe.Wie strafen Sie Ihren Mann, wenn er Sie einmal besonders ärgert? Dann muß er auf den Junggesellenstand schimpfen. *

Immer ärger. Mit dem Professor Müller wird es in neuester Zeit stets ärger; wenn er jetzt, seitdem seine Frau tot ist, des nachts heimkommt, legt er sich in das Bett seiner Frau und hält sich selbst eine donnernde Gardinenpredigt!

*

Ein leutseliger Monarch eines afrikanischen Staates erließ das folgende Reskript:Für den sech⸗ zehnten des nächsten Monats verfüge ich die Abhaltung eines allgemeinen Feiertages. Da ist nämlich mein Geburtstag, an dem meine Unterthanen nicht arbeiten sollen. Das beruht auf Gegenseitigkeit: ich arbeite nämlich am Geburtstag meiner Unterthanen auch nicht!

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Neu eingelaufene Schriften.

Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor.

Das Wissenswerteste aus dem In⸗ validenversicherungsgesetz. Von Theodor Sust in Chemnitz. 3. Auflage. Diese neue Ausgabe ist ver⸗ anlaßt durch die großen und wesentlichen Veränderungen, welche die Invaliditäts⸗ und Altersversicherungen durch durch das mit dem 1. Januar 1900 in Kraft tretende Gesetz vom 13. Februar dieses Jahres erfahren hat. Preis 25 Pfg.

Rote Postkarten. Fünfundzwanzig Ansichts⸗ karten des Wahren Jacob sind bis jetzt im Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart, zur Ausgabe gelangt. Die Karten sind in zwei Serien eingeteilt: Dieeinfarbige Serie besteht ans dreizehn Nummern; dieselben sind in einem Couvert geordnet und mit Aufdruck versehen. Preis dieser Sammlung 60 Pfg. Die zweite farbige Serie mit zwölf Karten, gleichfalls im Couvert mit Aufdruck, wird zum Preis von Mk. 1.20 abgegeben. Diese farbigen Karten verdienen den Namen Künstler⸗ karten. Sie können den Vergleich mit dem Besten, was s ither auf diesem neuen Gebiete des Sammelsports ge⸗ boten wurde, getrost aushalten. Zu der künstlerischen Ansführung komwen die herzerfrischenden, melst humo⸗ ristischen, stets sin reichen Darstellungen, so daß die Karten des Wahren Jakob, die dem Dietzschen Verlag alle Ehre machen, gewiß nicht nur in sozialdemokratischen Kreisen den größten Anklang finden dürften. Auch einzeln sind die Karten farbig à 10 Pfennig, einfarbig à 5 Pfennig erhältlich. Alle Parteibuchhandlungen, Zeitungsexpeditionen sowie Kolporteure vermitteln Be⸗ stellungen.

Ueber die nächsten Aufgaben der deut⸗ schen Sozialdemokratie. Von G. v. Vollmar. 2. Aufl. 8. 51 S. 40 Pfg.(Verlag von M. Ernst, München.) Zu der jetzigen schwebenden Parteidiskussion ist der Inhalt der Broschüre von aktuellem Interesse und ist daher die Anschaffung derselben jedem in der politi⸗ schen und gewerkschaftlichen Bewegung stehenden Partei⸗ genossen zu empfehlen.