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Seite 6.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 38.
0 2— Gen 5 75*
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ö Unterhaltungs⸗Ceil.
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Thränen.
Ich soll dir sagen, mein liebes Kind,
was Sterne sind?—
Das sind die Thränen, mein süßes Herz,
die die Mütter geweint in Not und Schmerz sel's im Königsschloß oder im Kämmerlein—
um die bösen, unartigen Kinderlein.
O llebste Mutter, mir wird so weh,
wenn ich die vielen Sterne seh'!—
Mir ist, als ob die, die am hellsten scheinen, wären die Deinen.—
Nein, Schatz, du warst immer so brav und lieb, daß mir nie was zu wünschen übrig blieb, und, wenn du weiter so artig bist,
kein besseres Kind auf der Erde ist.
Nie, gar nie hast du geweint um mich
— Nur Freudenthränen weint' ich um dich. Und wo sind diese denn hingekommen Haben die auch die Engelein zu sich genommen?—
Nein, die sind draußen auf blumigen Auen als leuchtende Purpurblüten zu schauen.
— Gelt, Mutter, wenn wir morgen erwacht und die Sonne wieder am Himmel lacht,
dann darf ich hinüber und alle pflücken
und mit dem Strauß dir die Haare schmücken!?
Alfred Georg Hartmann.
Michael Kohlhaas.
Historische Erzählung von H. von Kleist. (9. Fortsetzung.)
Aber wie betreten war Kohlhaas, als er am Abend des folgenden, gleichfalls ohne die er— wartete Antwort verstrichenen Tages, mit einem Schritt, den er gedankenvoll in Erwägung seiner Lage und besonders der ihm von dem Doctor Luther ausgewirkten Amnestie, an das Fenster seines Hinterstübchens that, in dem kleinen auf dem Hofe befindlichen Nebengebäude, das er ihr zum Aufenthalte angewiesen hatte, die Wache nicht erblickte, die ihm bei seiner Ankunft der Prinz von Meißen eingesetzt hatte. Thomas, der alte Hausmann, den er herbei— rief und fragte: was dies zu bedeuten habe? antwortete ihm seufzend: Herr! es ist nicht alles wie es sein soll; die Landskuechte deren heute mehr sind als gewohnlich, haben sich bei Ein⸗ bruch der Nacht um das ganze Haus verteilt; zwei stehen mit Schild und Spieß an der vor⸗ deren Thür auf der Straße: zwei an der hintern im Garten: und noch zwei andere liegen im Vorsaal auf einem Bund Stroh, und sagen, daß sie daselbst schlafen würden.
Kohlhaas der seine Farbe verlor, wandte sich und versetzte;„es ware gleichviel, wenn sie nur da wären; und er mochte den Landsknechten, sobald er auf den Flur käme, Licht hinsetzen, damit sie sehen könnten.“ Nachdem er noch unter dem Vorwande ein Geschirr auszugießen den vordern Feusterladen eroͤffnet, und sich von der Wahrheit des Umstands, den ihm der Alte ent— deckt, uͤberzeugt hatte— denn eben ward sogar in geräuschloser Ablösung die Wache erneuert, an welchr Maaßregel bisher, so lange die Einrichtung bestand, noch niemand gedacht hatte — so legte er sich, wenig schlaflustig allerdings, zu Bette, und sein Entschluß war für den kommenden Tag sogleich gefaßt. Denn nichts mißgoͤnnte er der Regierung, mit der er zu thun hatte mehr, als den Schein der Gerechtig— keit, während sie in der That die Amnestie, die sie ihm angelobt hatte, an ihm brach; und falls er wirklich ein Gefangener sein sollte, wie es keinem Zweifel mehr unterworfen war, wollte er derselbe auch die bestimmte und unumwundene Erklärung, daß es so sei, abnoͤtigen. Demnach ließ er, sobald der Morgen des nächten Tages anbrach, durch Sternbald, seinen Buecht, den Wagen anspannen und vorführen,
um, wie er vorgab, zu dem Verwalter nach Lock— witz zu fahren, der ihn als ein alter Bekannter einige Tage zuvor in Dresden gesprochen und eingeladen hatte ihn einmal mit seinen Kindern zu besuchen. Die Landskuechte, welche mit zu⸗ sammengesteckten Köpfen die dadurch veranlaßten Bewegungen im Hause wahrnahmen, schickten Einen aus ihrer Mitte heimlich in die Stadt, worauf binnen wenigen Minuten ein Gubernial— Officiant an der Spitze mehrerer Häscher erschien, und sich, als ob er daselbst ein Geschäft hätte. in das gegenüberliegende Haus begab. Kohl— haas, der mit der Ankleidung seiner Knaben beschäftigt, diese Bewegungen gleichfalls bemerkte, und den Wagen absichtlich länger, als eben nötig gewesen wäre, vor dem Hause halten ließ, trat, sobald er die Austalten der Polizei voll— endet sah, mit seinen Kindern, ohne Rücksicht zu nehmen, vor das Haus hinaus; und wahrend er dem Troß der Landsknechte, die unter der Thür standen, im Vorübergehen sagte, daß sie nicht nötig haͤtten ihm zu folgen, hob er die Jungen in den Wagen und küßte und tröstete die kleinen weinenden Mädchen, die seiner An— ordnung gemäß bei der Tochter des alten Haus— manns zurückbleiben sollten. Kaum hatte er selbst den Wagen bestiegen, als der Gubernial⸗ Offieiant mit seinem Gefolge von Häschern aus dem gegenüberliegenden Hause zu ihm herantrat, und ihn fragte: wohin er wolle? Auf die Antwort Kohlhaasens;„daß er zu seinem Freund dem Amtmann nach Lockwitz fahren wolle, der ihn vor einigen Tagen mit seinen beiden Knaben zu sich auf's Land geladen,“ antwortete der Gubernial-Officiant: daß er in diesem Fall einige Augenblicke warten müsse, indem einige beriktene Landsknechte, dem Befehl des Prinzen von Meißen gemäß, ihn begleiten würden. Kohlhaas fragte lächelnd von dem Wagen herab;„ob er glaube, daß seine Person in dem Hause eines Freundes, der sich erboten ihn auf einen Tag an seiner Tafel zu bewirten, nicht sicher sei?“ Der Officiant erwiderte auf eine heitere und angenehme Art: daß die Ge— fahr allerdings nicht groß sei: wobei er hinzu— setzte: daß ihm die Knechte auf keine Weise zur Last fallen sollten. Kohlhaas versetzte erusthaft: „daß ihm der Prinz von Meißen bei seiner An— kunft in Dresden freigestellt, ob er sich der Wache bedienen wolle oder nicht: und da der Officiant sich über diesen Umstand wunderte, und sich mit vorsichtigen Wendungen auf den Gebrauch während der ganzen Zeit seiner An— wesenheit: so erzählte der Roßhaͤndler ihm den Vorfall, der die Einsetzung der Wache in seinem Hause veranlaßt hatte. Der Officiant versicherte ihn, daß die Befehle des Schloßhauptmanns Freiherrn von Wenk, der in diesem Augenblick Chef der Polizei sei, ihm die unausgesetzte Be— schützung seiner Person zur Pflicht mache; und bat ihn, falls er sich die Begleitung nicht ge— fallen lassen wolle, selbst auf das Gubernium zu gehen, um den Irrtum der dabei obwalten müsse zu berichtigen. Kohlhaas mit einem sprechenden Blick, den er auf den Officianten warf, sagte, entschlossen zu beugen oder zu brechen: „daß er dies thun wolle;“ stieg mit klopfendem Herzen von dem Wagen, ließ die Kinder durch den Hausmann in den Flur tragen, und ver⸗ fügte sich, während der Knecht mit dem Fuhr⸗ werk vor dem Hause halten blieb, mit dem Officianten und seiner Wache in das Gubernium.
Es traf sich, daß der Schloßhauptmann Freiherr Wenk eben mit der Besichligung einer Bande am Abend zuvor eingebrachter Nagel- schmidtscher Knechte, die man in der Gegend von Leipzig aufgefangen hatte, beschäftigt war, und die Kerle über manche Dinge, die man gern von ihnen gehört hätte, von den Rittern, die bei ihm waren, befragt wurden, als der Roßhändler mit seiner Begleitung zu ihm in den Saal trat. Der Freiherr, sobald er den Roßhändler erblickte, ging, während die Ritter plötzlich still wurden, und mit dem Verhör der Knechte einhielten, auf ihn zu, und fragte ihn: was er wolle? und da der Roßkamm ihm auf ehrerbietige Weise sein Vorhaben bei dem Ver- walter in Lockwitz zu Mittag zu speisen, und den Wunsch, die Landsknechte, deren er dabei nicht bedürfe, zurücklassen zu dürfen, vorge—
tragen hatte, antwortete der Freiherr, die Farbe im Gesicht wechselnd, indem er eine andere Rede zu verschlucken schien:„er würde wohl thun, wenn er sich still in seinem Hause hielte, und den Schmaus bei dem Lockwitzer Amtmann vor der Hand noch aussetzte.“— Dabei wandte er sich, das ganze Gespräch zerschneidend, dem Officianten zu, und sagte ihm:„daß es mit dem Befehl, den er ihm in Bezug auf den Mann gegeben sein Bewenden hätte, und daß derselbe anders nicht, als in Begleitung von sechs be— rittenen Landsknechten die Stadt verlassen dürfe.“—
Kohlhaas fragte: ob er er Gefangener wäre,
und ob er glauben solle, daß die ihm feierlich vor den Augen der ganzen Welt angelobte Amnestie gebrochen sei? worauf der Freiherr sich plötzlich glutrot im Gesichte zu ihm wandte, und indem er dicht vor ihn trat, und ihm in das Auge sah, antwortete: ja! ja! ja!— ihm den Rücken zukehrte, ihn stehen ließ und wieder zu den Nagelschmidtschen Knechten ging.
Hierauf verließ Kohlhaas den Saal, und ob er schon einsah, daß er sich das einzige Rettungsmittel, das ihm übrig blieb, die Flucht, durch die Schritte die er gethan, sehr erschwert hatte, so lobte er sein Verfahren gleichwohl, weil er sich nunmehr auch anderseits von der Verbindlichkeit, dem Artikel der Amnestie nach— zukommen, befreit sah. Er ließ, da er zu Hause kam, die Pferde ausspannen, und begab sich in Begleitung des Gubernial⸗Officianten sehr traurig und erschuͤttert in sein Zimmer; und während dieser Mann auf eine dem Roßhändler Ekel erregende Weise versicherte, daß alles nur auf einem Mißverständuiß beruhen müsse, das sich in kurzem lösen würde, verriegelten die Häscher auf seinen Wink alle Ausgänge der Wohnung, die auf den Hof führten; wobei der Officiant ihn versicherte, daß ihm der vordere Haupt⸗ eingang nach wie vor zu seinem beliebigen Ge— brauch offen stehe.
Inzwischen war der Nagelschmidt in den Wäldern des Erzgebirgs durch Häscher und Landsknechte von allen Seiten so gedrängt worden, daß er bei dem gänzlichen Mangel an Hülfsmitteln eine Rolle der Art, wie er sie übernommen, durchzuführen, auf den Gedanken verfiel, den Kohlhaas in der That in's Interesse zu ziehen; und da er von der Lage seines Rechtsstreits in Dresden durch einen Reisenden, der die Straße zog, mit ziemlicher Genauigkeit unterrichtet war: so glaubte er, der offenbaren Feindschaft die unter ihnen bestand zum Trotz, den Roßhändler bewegen zu können eine neue Verbindung mit ihm einzugehen. Demnach schickte er einen Knecht mit einem in kaum leserlichem Deutsch abgefaßten Schreiben an ihn ab, des Inhalts:„Wenn er nach dem Alten- burgischen kommen, und die Anführung des Haufens, der sich daselbst aus Resten des auf⸗ gelösten zusammengefunden, wieder übernehmen wolle, fo sei er erbötig ihm zur Flucht aus seiner Haft in Dresden mit Pferden, Leuten. und Geld an die Hand zu gehen; wobei er ihm versprach, künftig gehorsamer und überhaupt ordentlich und besser zu sein, als vorher, und sich zum Beweis seiner Treue und Anhäng⸗ lichkeit anheischig machte selbst in die Gegen von Dresden zu kommen, um seine Befreiung aus seinem Kerker zu bewirken.“ Nun hatte der mit diesem Brief beauftragte Kerl das Un⸗ glück in einem Dorfe dicht vor Dresden in Krämpfen häßlicher Art, denen er von Jugend auf unterworfen war, niederzusinken, bei welcher Gelegenheit der Brief den er im Brustlatz trug von Leuten, die ihm zu Hülfe kamen, gefunden, er selbst aber, sobald er sich erholt, arretirt, und durch eine Wache unter Begleitung vielen Volks auf das Gubernium transportiert ward. Sobald der Schloßhauptmann von Wenk diesen Brief gelesen hatte, verfügte er sich unverzüglich zum Kurfürsten auf's Schloß, wo er die Herren Kunz und Hinz, welcher Ersterer von seinen Wunden wieder hergestellt war, und den Präsidenten der Staatskanzlei Grafen Kallheim egenwärtig fand. Die Herren waren, der Meinung, daß der Kohlhaas ohne Weiteres arretirt, und ihm auf den Grund eheimer Einverständnisse mit dem Nagelschmidt der
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