Ausgabe 
17.9.1899
 
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Nr. 38.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 8.

Hier muß irgend ein Irrthum vorliegen. Entweder ist der Arbeiter mit mindestens zwei Monaten bestraft, oder er hat sich nicht einer eigentlichen Majestätsbeleidigung schuldig gemacht, sondern nur der Beleidigung eines Mitaliedes des landesherrlichen Hauses(§ 97 d. R-St. G. B.) In letzterem Falle beträgt die Mindest⸗ strafe 1 Monat Gefängniß oder Festung.

Volksschuluuterricht.

Wie das deutsche Volkunterrichtet wird, das ergiebt sich aus einer interessanten Statistik, welche in gegebener Veranlassung veröffentlicht wird. Sie betrifft den Religionsunterricht in den protestantischen Volksschulen. In Würt⸗ temberg sind derzeit auswendig zu lernen 350 Sprüche 518 Bibelverse, 35 Lieder= 279 Strophen, Katechismus= 77 Stücke, zusammen 874 Stücke gegen 504 Stücke im Großherzog⸗ tum Sachsen, 511 Stücke in Baden iiese beiden sind ohne Katechismus gerechnet). In Preußen werden 181 Sprüche und 18 Lieder gelernt, im Königreich Sachsen 150 Sprüche und 20 Lieder. Dieses schreckliche Quantum von Buchstabenreligion muß den Kindern eingetrichtert werden! Und dann wundert man sich noch, daß ein großer Teil der der Schule Entlassenen nicht einmal einen ordentlichen Brief zu schreiben vermag.

Kleine Mitteilungen.

* Gießen. Laut einer Verordnung über das Notariat bleibt es für Rheinhessen bei der bisherigen Zahl und den bisherigen Amts⸗ sitzen der Notare. In Darmstadt werden fünf Notare, in Offenbach drei, in Gießen drei und je einer an jedem Amtsgerichtsorte ernannt. 5

Stadttheater. Am 1. Oktober beginnen die Vorstellungen in dem unter Direktion der Herren Kruse und Helm stehenden Stadttheater wieder.

* Marburg. Zum Landgerichts-Präsiden⸗ ten beim Landgericht Marburg ist lautReichs⸗ Anzeiger der Erste Staatsanwalt Bern⸗ hard in Göttingen ernannt worden. Also wieder ein Staatsanwalt in ein hohes Rich teramt berufen!

f. Wetzlar. Im Kreise Wetzlar wird d m⸗ nächst ein Düsseldorfer Beamter eine sehr genaue Rebision der Quittungskarten für die Juvaliditäts⸗ und Altersversicherung vornehmen. Wer also mit der Sache zu thun hat, der sehe recht bald nach, ob seine Karten in Ordnung sind, denn wo Unordnung herrscht, da giebt's Strafen und zwar Strafen, die unter Um⸗ ständen recht hoch bemessen werden können.

Die hessische Landeskonferenz.

s. Mainz, 10. September 1890.

Auf der Landeskonferenz waren 55 Orte durch 78 Delegierte vertreten. Abg. Ulrich erstattet den Be⸗ richt über die Thätigkeit des Landeskomitees. Die von der vorjährigen Landeskonferenz gewünschte Herausgabe eines Agitationskalenders konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, weil das Landeskomitee es für richtiger hielt, die disponiblen Mittel für die bevorstehenden Land⸗ tagswahlen zu reservieren. Die Vorbereitungen für letz⸗ tere sind getroffen. Ein zur Verbreitung im ganzen Land bestimmtes Flugblatt, das in sachlicher Weise über die Thätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Land⸗ tag berichtet, wurde in 60 000 Exemplaren hergestellt. In den Kreisen, in denen wir uns an der Landtags- wahl beteiligen, sind unsere Kandidaten aufgestellt, über all sind wir fertig zum Gefecht.

Der Kassirer des Landeskomitees, Ben Orb-Offen⸗ bach, berichtet über die Kassenverh ltnisse. Dieselben haben sich nach Einführung einer einheitlichen Landesbeitrags⸗ marke wesentlich gegen früher gebessert. Die Einnahmen beliefen sich einschließlich eines Bestandes von 143,32 Mk. auf 2296,91 Mk., die Ausgaben auf 1649,50 Mk. Der Kassenbestand beträgt also 647,41 Mk. An⸗ nahme fand ein Antrag, der die Führung von Neben⸗ marken verbietet.. i

Landtagsabg. Haas ⸗Meainz berichtete sodaun in ausführlicher Weise über die Thätigkeit der sozialdemo⸗ kratischen Fraktion im Landtag. Da in derM. S.⸗3tg. über die Landtagsverhandlungen berichtet worden ist, sehen wir von einer Wiedergabe des Haasschen Referats ab. Annahme sand mit geringer Mehrheit ein Antrag Heilmann⸗ Offenbach:Das Landeskomitee wird be. auftragt, nach jeder Landtagsperiode einen gedruckten

Bericht herauszugeben, ähnlich dem Handbuch für sozial⸗ demokratische Reichstagswähler. Einstimmig erklärte sich die Landeskonferenz mit der Thätigkeit der Landtagsfraktion einverstanden.

Nach der Mittagspause spricht bg. Cramer⸗-Darm⸗ stadt über die bevorstehenden Landtagswahlen. Nach einer kurzen aber trefflichen Charakteristik der Nationalliberalen, die früher den Landtag beherrschten, schildert Redner die früheren Wahlen, die mehr oder weniger unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden. Seitdem sich unsere Partei an den Wahlen beteiligt, ist das anders geworden. Der Referent giebt dann eine Uebersicht über die Wahlaus⸗ sichten in den einzelnen Kreisen. Er stützt sich dabei auf die bei den letzten Reichstagswahlen erzielten Stimmen⸗ zahlen. Danach sind unsere Aussichten die denkbar besten, da wir in den meisten Bezirken mehr Stimmen hatten, als die gegnerischen Parteien zusammengenommen. Die Schwierigkeit liegt in der Hauptsache in dem indirekten Wahlsystem. Cramer ermuntert zur eifrigen Agitation und spricht die Hoffnung aus, daß in dem neuen Land⸗ tag unsere Fraktion stärker vertreten sein wird, als seit⸗ her. Eine kurze Debatte ergiebt die Uebereinstimmung des Parteitages mit den Ausführungen des Referenten.

Ueber die die Partei beschäftigenden taktischen Streitfragen referierte sodann Gen. Dr. David. Er trat warm für Bernstein ein. Mit 49 gegen 11 Stimmen wurde folgende von David eingebrachte Reso⸗ lution angenommen:

1) Die Landeskonferenz der Sozialdemokratie Hessens sieht in den Sätzen des allgemeinen Teiles des Erfurter Programms keine unanfechtbare, für alle Zeiten feststehende Wahrheiten. Der Charakter der sozialistischen Theorie als eine wissenschaft⸗ liche Lehre erheischt ihre fortgesetzte voraussetzungs⸗ freie Prüfung und Weiterbildung gemäß den Fort⸗ schritten der wissenschaftlichen Erkenntnis und der praktisch⸗politischen Erfahrung.

2) Die theoretischen Streitfragen, die von Bernstein aufgerollt sind, können natürlich nicht durch Ma⸗ joritätsbeschlüsse entschieden werden. Die Landes⸗ konferenz lehnt es daher auch ab, zu den aufge⸗ rollten theoretischen Streitfragen in zustimmendem oder ablehnendem Sinne Stellung zu nehmen, ebenso wie sie jeden Versuch, die Freiheit des Denkens und Forschens innerhalb der Partei ein⸗ zuschränken, zurückweist.

3) Was die taktische Haltung der sozialdemokratischen Partei betrifft, so ist die Landeskonferenz der Ueberzeugung, daß das Hauptgewicht der Partei⸗ thätigkeit auf der praktischen Mitarbeit an allen aus der Gegenwart erwachsenden sozial⸗politischen Aufgaben zu liegen hat. Dabei ist ein zeitweiliges Zusammengehen mit anderen Parleien nicht zu umgehen. Selbstverständlich darf dabei die Sozial⸗ demokratie niemals ihren Charakter als äußerlich unabhängige und innerlich festgeschlossene Partei zur Durchführung des proletarischen Klassenkampfes, dessen Ziel die volle politische, wirtschaftliche und soziale Emanzipation der Arbeiterklasse ist, ver⸗ leugnen.

4) Diese auch schon seither von der sozialdemokratischen Partei befolgte Praxis wird vom Gen. Bernstein in keiner Weise in Fra ze gestellt, sondern im Gegenteil ausdrücklich gebilligt. Die Landeskonfe⸗ renz sieht darum auch in keiner Weise Bernstein's Zugehörigkeit zur Partei in Frage gestellt und ist der Meinung, daß alle diesbezügliche ketzerrichterischen Wünsche doctrinärer Theoretiker energisch zurück zuweisen sind.

Die Auskührungen des Korreferenten Gen. Katzen- stein betonten in erster Linie den Standpunkt des Klassen⸗ kampfes, wie er sich aus der Zuspitzung der kaptitalisti⸗ schen Entwickelung mit steigender Schärfe ergiebt. Er erklärt u. A, das von Bernstein gelieferte Material biete keinen Grund, die bisherigen theoretischen und taktischen Grundanschanungen der Partei zu ändern. Vom Par⸗ teitag in Hannover müsse eine entschiedene Betonung der wirtschaftlichen wie der politischen Kampfmittel und unter Aufrechterhaltung voller Meinungsfreiheit auf theoretischem Gebiet eutschiedene Ablehnung aller Versuche der Ab schwächung unserer Kampfesstellung in und gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft erwartet werden.

Nunmehr wurden in rascher Folge die übrigen noch der Erledigung harrenden Gegenstände kurzer Besprechung unterzogen. Die Anträge des Wahlkreises Mainz-Op⸗ penheim:

1)Die Vorsitzenden der Kreisorganisationen haben auf der Landeskonferenz Sitz und Stimme, und

2)Die Landeskouferenz in Zukunft bei wichtigen Tagesordnungen an 2 Tagen, womöglich an Feier⸗ tagen(wie Pfingsten) stattfinden zu lassen,

wurden abgelehnt und ein Antrag Heilmann-Offen⸗ bach angenommen, der eine Revision des Landesorgani⸗ sations⸗Statuts bezweckt.

Angenommen wurde weiter nachstehender, von Ha m⸗ mel⸗Rumpenheim und 11 Genossen gestellter Antrag:

Um allen Streitfragen über gefaßte Beschlüsse vorzubeugen, beantragen wir, ein Protokollbuch

anzuschaffen, in welches alle Beschlüsse der Landes⸗ konferenz aufgenommen und nach Schluß der Kon ferenz zur Kontrole vorgelesen werden.

Gen. Müller-Darmstadt beantragt, das seitherige Landeskomitee per Akklamation wiederzuwählen, was die Zustimmung der Konferenz findet und wurde das seit herige Landeskomitee einstimmig wiedergewählt.

Damit war die Tagesordnung der Landeskonferenz erschöpft. Der Vorsitzende. Genosse Ulrich, resumierte kurz die Ergebnisse der Verhandlungen und dankte den Theil nehmern an derselben für die Ausdauer und das rege Interesse, welches sie den Beratungen geschenkt. Wohl seien in faft allen Fragen Meinungsverschiedenheiten auf⸗ getreten, doch blieb stets die Diskussion sachlich und sei nie die Grenze überschritten worden, welche die parlamen⸗ tarische Ordnung vorzeichne. Die heutige Konferenz sei ein Merkstein in der Geschichte der Sozialdemokratie Hessens. Mit froher Hoffnung auf neue Erfolge ziehe man in den Kampf zur Erringung neuer Landtagsman⸗ date. Das von ihm auf die internationale Sozialdemo⸗ kratie ausgebrachte Hoch fand begeisterten Widerhall und damit hatte um Uhr die diesjährige Landeskonferenz, welche allen Theilnehmern noch lange in der Erinnerung haften wird, ihr Ende erreicht. a

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 16. September: Gießener Wahlverein. Abends 9 Uhr bei C. Orbig. Tagesordnung: Die Landeskonferenz in Mainz. Berichterstattung des Delegierten. Dienstag, den 19. September: Kartell⸗ Sitzung. Tagesordnung: Die Wahl der Gewerbegerichts⸗Beisitzer. Die Delegierten werden gebeten, sämtlich zu erscheinen. Sonntag, den 17. September: Wahlverein Alsfeld. Nachmittags 2 Uhr bei Gastwirt Kemmer. Tages⸗Ordnung: Berichterstattung über die hessische Landeskonferenz. Verschiedenes. Voll⸗ zähliges Erscheinen notwendig. Sonntag, den 24. September: Friedberg. Wahlverein. Morgens 10 Uhr Versammlung bei Gastwirt Kühnzur Stadt Newyork.

Landtagswahl

Die Parteigenossen im 5. oberhessischen Land⸗ tagswahlkreis(Gießen⸗Land) werden dringend ersucht, sofort die Wablmänner aufzu⸗ stellen, soweit das noch nicht geschehen ist: Es ist dabei außer der unbedingten Zuver⸗ lässigkeit des betreffenden Mannes auch zu prüfen, ob er Hesse und 25 Jahre alt ist und ob er pro Ziel mindestens 2,10 Mk. direkte Staatssteuern zahlt, auch mit seinen Steuern nicht im Rückstande ist.

Sobald die Wählerlisten ausgelegt werden, müssen sich die Genossen überzeugen, ob die von ihnen aufgestellten Wahlmänner auch in die Liste derjenigen Wahlberechtigten ein getragen sind, die als Wahlmänner aufge stellt werden können.

Es werden nämlich zwei Listen ausgelegt. In der einen sind alle Ur wähler verzeichnet, in der zweiten Liste sind nur diejenigen Ur⸗ wähler noch einmal angegeben, die Wahl⸗ männer werden können, weil sie alle e⸗ forderlichen, oben angegebenen Bedingungen (Alter, Steuersatz ꝛc.) erfüllen.

Die Adressen der Wahlmänner, Vor- und Zunamen, mit Angabe ob J., II. u. s. w., und der Bern! der Betreffenden, also ob Bauer, Arbeiter, Gemeinderat u. s. w., bitten wir umgehend an Ph. Scheidemann, Gießen, Kirchenplatz 11, zu senden.

Ebenso erbitten wir an dieselbe Adresse so fortige Benachrichtigung, wenn irgendwo Ver samm ungen gewünscht werden. Auch wollen die Genossen angeben, wann die Versamm⸗ lungen stattfi nden sollen.

Briefkasten der Redaktion.

W. u. K. 100. Der Großherzog bezieht jährlich 1200 000 Mk. aus der Staatskasse als sogen. Civilliste. Dazu kommen die Einnahmen ans dem Privatbesitz des großh. Hauses.

F. W. Lokn. war nur vom Samstag bis zum Montag Mittag hier.

Für die außerhalb Gießens wohnenden Abonnenten derM. S.⸗3. wird der heutigen Nummer ein Prospekt der Firma Gebr. J. u. P. Schulhoff, München, beigelegt.