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Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 16. . das Gefühl ernüchtert, aber er verlangte nach patenten Juristen, strich sich verlegen bald das 8 e nichts anderem, er war befriedigt, sein Leben blonde Schnurrbärtchen, bald drehte er an
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1 Unterhaltungs⸗Ceil. ä
Tradition und Fortschritt. Aus dem Spanischen übersetzt von M. Luggin.
Finster, starr und stumm und träge Schritt einst auf dem Schienenwege Sacht ein Esel sonder Eile;
Daß per Stunde eine Meile— d ielst mehr zurück er lege.
Also mußt' ihn bald erreichen, f Schnaubend aus den glüh'nden Weichen, Rauchgekrönt das wilde Dampfroß, Das in blinder Eil' dahinschoß,
Stolz, de⸗ Fortschritt⸗ Siegeszeichen.
„Platz!“ befahl das Ungeheuer,
„Platz gemacht! Sonst zahlst du teuer Deinen stumpfen Sigensinn!“—
Doch der Esel schritt dahin,
Bietend Trotz dem Ungeheuer.
„Vennst du mich d Ich hab' gerufen, Du bist hierher nicht berufen!“ Schnaubt der eiserne Koloß;
Doch das Vieh, das dies verdroß, Schlug um sich mit seinen Rufen.
In demselben Augenblicke Büßt's, zermalmet, seine Tücke. Also geht's, wenn wider Fug Tradition den Fortschrittsflug Nemmen will mit Eselstücke.
vom Stamm gevissen. 151 Roman von E. Lauger.
Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)
Frau vou Kries hatte den Augenblick, wo ihr Gatte zum Bewußtsein erwachen würde, eben so sehr ersehnt wie gefürchtet. Wie würde die Erinnerung an seine Verirrung, die all das Unglück nach sich gezogen, auf ihn wirken? Würde Reue und Aufregung nicht die Genesung wieder in Frage stellen, zum mindesten ver⸗ zögern? Sie hatte während der langen schlaf⸗ losen Nächte, der beschäftigungslosen, nur der Wartung des Kranken gewidmeten Tage so viel Zeit gehabt, über Vergangenes nachzudenken. Ihr Leben lag gewissermaßen abgeschlossen hinter ihr. Was sie noch leben und erleben sollte, war nur eine Art Nachspiel, ein Jenseits, das mit dem vollendeten Teil in geringem Zu⸗ sammenhang stand. Das war nun also die Liebe, die höchste Empfindung der Menschen⸗ brust, dieser Eck⸗ und Grundstein alles irdischen Glücks! Sie hatte einen anderen Begriff davon gehabt. Ein lebenslanges Gefühl, das mit jeder Herzensfaser verwachsen war, konnte plötz— lich aufhören, konnte, wenn auch nur vorüber⸗ gehend, auf ein anderes, kaum gekanntes Wesen übertragen werden, jeden Augenblick der allgemeinen Wandlung ausgesetzt! Welchen Wert hatte noch das Leben?
Unter den Schmerzen dieser Reflexionen war eine stille Resignation über sie gekommen. Es war ihr Fehler gewesen. Sie hatte die Welt durch eine gefärbte Brille angesehen, geglaubt, daß ihre Empfindung auch die aller übrigen Menschen wäre. Die Männer wenigsteus mußten ganz anders fühlen und denken. Wäre ihr Gatte sonst nicht zur Besinnung gekommen, ehe dieses neue, ihn und seine Gattin demütigende Gefühl soviel Unglück aurichtete?
Sie irrte. Er war zur Besinnung gekommen, wenn auch nur auf Augenblicke. Dann hätte er sich selbst zerfleischen mögen. Er hatte sich nie viel aus den Frauen gemacht. Welche Fehler ihm auch anhafteten— und es waren zumeist die seines Standes— er war eine reine, keusche Natur. In der Jugend hatte er, wie alle jungen Leute hier und da ein bischen geschwärmt, getändelt, aber seit seiner Ver⸗ heiratung keine andere Frau als die seinige, mit der ihn wahre Herzensneigung verband, auch nur angesehen. Freilich hatten die Jahre
durch seinen Beruf, seine Familie, seine staats⸗ bürgerlichen Pflichten reichlich ausgefüllt. Wie konnte es denn nur geschehen, daß durch ein Paar schöne Augen eine ihm selbst unbekannte Seite in seiner Brust plötzlich zu vibrieren be⸗ gann, die Bewegung sein ganzes Wesen mit ergriff und in so rasende Schwingung versetzte, daß seine sittliche Kraft nicht ausreichte, sie zur Ruhe zu bringen? 5
Er hatte mit sich gekämpft— und Kämpfen ist alles— der Sieg ist Gnade des Geschicks!
An Valcska hatte Frau von Kries in dieser langen Zeit wenig gedacht. Die Verhaftung Oettingers und seinen Transport nach der Kreisstadt hatte sie von Doktor Zöllner mit geärgertem Bedauern vernommen, aber die näherliegenden Sorgen drängten die Sache wieder in den Hintergrund.
Als indessen der Kranke jetzt entschieden den Weg der Genesung beschritt und der Arzt ihn für vernehmungsfähig erklärte, erinnerte sie sich des gerichtlichen Verfahrens, welches in der Sache noch bevorstand und der beiden Un⸗ glücklichen, die das Opfer jenes Abends ge⸗ worden. Doktor Zöllner wußte keine Auskunft über sie zu geben, er hatte von Valeska seit dem Abschied in Neukirch nichts gehört.
Zum erstenmal fragte sich Frau von Kries, wie die Aussagen ihres Gatten lauten, ob sie mit Valeskas Bericht übereinstimmen würden? Mit ihm darüber zu sprechen, verbot ihr ihr Zartgefühl. Er selbst fing nicht davon an.
In der vierten Woche nach Ostern erschien ein Assessor mit einem Schreiber aus der Kreis⸗ stadt, um Herrn von Kries zu vernehmen. Das ganze Haus war in Aufregung. Frau von Kries befand sich wie im Fieber. Fräulein Adele, die sofort für einen dem Hause und der Gelegenheit angemessenen Imbiß sorgte, Rosa und das Kind Elfriede dachten mit Genugthuung daran, daß jetzt der verabscheuungswürdige Aufwiegler seinen Lohn für den Mordanfall auf ihren Bruder und Vater erhalten und Valeska Stern diesem Menschen, für den sie viel zu schade, nun natürlich den Laufpaß geben würde. Agnes, die dem Herzen der Mutter in der langen Krankheitszeit näher getreten, war von dieser, unter möglichster Schonung des Vaters, in den Hergang, doch ohne Nennung des wahren Motivs, eingeweiht worden.
Die Aussage des Inspektors, der gleich in der ersten Woche eine Vorladung auf das Kreis⸗ gericht erhalten hatte, war von keinem Belang, da er erst im Augenblick, als der Schuß ge⸗ fallen, auf dem Schauplatz erschienen war. Andere Zeugen, außer Valeska, gab es keine. Die ganze Angelegenheit war wiederholt im Kreisblatt in der gehässigsten Weise für Oettinger 1 worden, die ganze Umgegend voll
avon.
Herr von Kries hatte seine Frau gebeten, bei dem Verhör zugegen zu sein. Seine Aus⸗ sage stimmte mit der Valeskas auf ein Haar. Wie er in die Juspektorwohnung gekommen, hatte er nicht nötig zu motivieren. Er war der Heir und konnte überall eindringen. Es wurde ihm deswegen auch keine Frage vorgelegt. Sein Zorn darüber, einen Menschen auf seinem Grund und Boden zu betreffen, der das Land⸗ volk gegen den Großgrundbesitzer aufwiegelte, motivierte sich von selbst. Allein er verschwieg nicht, daß der Eindringling sich in höflichster Weise bei ihm entschuldigt, er ihn jedoch gröb⸗ lich beleidigt und die Forderung provoziert habe, deren Zurückweisung von seiner Seite die Ur⸗ sache der Katastrophe geworden sei. Er sagte streng der Wahrheit gemäß aus, und was Frau von Kries besonders freute, er sprach von Valeska in durchaus achtungsvoller Weise, suchte sogar das Gewagte ihres Stelldicheins mit ihrem Verlobten in der Inspektorwohnung nach Möglichkeit zu vertuschen.
Dieses offene Bekenntnis hatte er sich selbst als Buße auferlegt, und so hart es ihn ankam, er rang es sich ab. Sowohl seine Standesehre als das Bewußtsein seiner Schuld verlangten es von ihm.
Der Herr Assessor, vom feinen Lackstiefel bis zur gebrannten Frisur das Muster eines
seinem Siegelring oder zog die Ecken seines Stehkragens in die Höhe; er hatte eben ganz andere Dinge erwartet und seine Bemühungen, die Aussagen des Patienten als die Folge ge⸗ schwächten Gedächtnisses erscheinen zu lassen, scheiterten an dessen bestimmter Erklärung, daß er sich eines völlig klaren Bewußtseins erfreue. Endlich mußte der Assessor das Protokoll schließen, und nachdem Herr von Kries mit
offenbar sicheren Zügen seinen Namen darunter g
gesetzt, verließ er mit einem sehr steifen Bückling die Krankenstube. Auch lehnte er eine von Fräulein Adele ihm angebotene abermalige Er⸗ frischung zum großen Aerger der letzteren ab, die noch alle möglichen Fragen betreffs des nun folgenden Gerichtsverfahrens und der Strafe, die über Oettinger verhängt werden würde, an ihn zu stellen beabsichtigt hatte. Er schickte sofort seinen Schreiber nach dem Stall, um anspannen zu lassen und nahm, bis dies geschehen, den Schauplatz des Ereignisses, die Juspektorwohnung, in Augenschein. Dann setzte er sich schon im Hofe auf und fuhr davon.— Mittlerweile hatte Valeska sich in M. häus⸗ lich eingerichtet. Nach der ersten Unterredung mit dem Rechtsanwalt Ehrlich, an den ihr Doktor Zöllner eine Empfehlung gegeben, wußte sie, daß die Sache sich in die Läuge ziehen würde und suchte sich sofort eine Privatwoh⸗ nung. Sie fand ein Stübchen bei einer Be⸗ amtenwitwe, einer Frau Registrator Braun. Als sie die Zettel an den Häusern einer Quer⸗ straße musterte, fiel ihr einer in einem breiten Parterrefenster auf, hinter dessen spiegelblauken Scheiben ein seltener Blum enflor in Töpfen prangte: Blühender Kaktus, Alpenveilchen, Azaleen, Tulpen, Hyazinten; und dahinter, von den weißen Gardinen halb verborgen, sah sie den Kopf einer ältlichen Frau, von einem ein⸗ fachen Mullhäubchen bedeckt, sich über eine Handarbeit beugen. Die grünen Fensterläden, die grün gestrichene Thür mit ihrem spiegel⸗ blanken Messingklopfer, wie er in kleineren Städten noch Sitte ist, und der weißgescheuerten Schwelle, alles dies war so einladend, daß Valeska, augenblicklich entschlossen, den Klopfer in Bewegung setzte. Dieselbe Frau, die sie am Fenster gesehen und deren sanft⸗ freundlichen Züge und ganze schlichte Persönlichkeit einen wohlthuenden Eindruck auf sie machte, erschien in der Thür; auch war es die zu dem Blumen⸗ fenster gehörige Stube, welche zu vermieten war. Frau Braun wollte sich mit ihrem jüngsten Sohn, der ihr von vier Kindern geblieben und Lehrling in einer Druckerei war, auf ein Hinter⸗ stübchen und die ziemlich geräumige Küche be⸗ schränken. Die kleine Pension reichte eben nicht weit, und der Sohn kostete ein schönes Stück Geld. Der Mietpreis für die Vorderstube war äußerst bescheiden. Valeska schlug sogleich ein, und schon nach wenigen Stunden war sie die Mitbewohnerin dieser stillen, kleinbürgerlichen Häuslichkeit.(Fortsetzung folgt.)
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Ein unterseeisches Boot.
Pv. Die„Revue der Revuen“, eine an⸗ gesehene französische Zeitschrift, veröffentlicht eine sehr interessante Schilderung eines mit dem von Simon Lake konstruerten Unterseeboot„Ar⸗ gonaut“ angestellten Versuches, die wir in ihren wichtigsten Teilen hier wiedergeben wollen.„Ar⸗ gonaut“ besitzt die Fähigkeit: 1. auf dem Wasser zu schwimmen; 2. im Wasserniveauz 3. unter dem Wasser; 4 auf dem Meeres⸗ boden sich fortzubewegen.
Am 12. Oktober vorigen Jahres unternahm der Erfinder Simon Lake in Gesellschaft des Herrn Roy Stannard Baker in seinem„Argo⸗ naut“ eine Reise durch den englischen Kanal. Herr Baker erzählt nun:
Das Boot begann seine Bewegung auf dem Wasser mit einer Schnelligkeit von etwa 5 Knoten in der Stunde. Die Plattform ragte nur um wenige Zentimeter über dem Wasser empor.
„Oeffnet die mittlere Abteilung“, kommandierte
Herr Lake, und der„Argon zut“ begann sich langsam zu senken.
sich allmählich und zugleich damit sank das Boot
Die Wasserbehälter füute.
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