Ausgabe 
15.10.1899
 
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Nr. 42.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 8.

Ehrenstelle hin, die die sozialdemokratische Hochburg Hannorer von jeher in der modernen Arbeiterbewegung eingenommen habe. Der Parteitag habe schwere Ar⸗ beiten zu erledigen, aber er werde sie erledigen und zwar so, daß das Ergebnis dem kämpfenden Proletariat zum Nutzen gereichen würde. Gesangsvorträge Han⸗ noverscher Arbeitervereine und Konzert einer tüchtigen Kapelle sorgten für gediegene Unterhaltung.

Am Montag früh 9 Uhr wurde dann der Parteitag Namens des Parteivorstandes von Gen. Singer er⸗ öffnet. Zu Vorsitzenden wurden Singer und Blume⸗ Hamburg gewählt. Zu Schriftführern wurden 9 Ge⸗ nossen aus den verschiedensten Teilen des Reichs gewählt. Uns Hessen vertritt Müller⸗Darmstadt. Die Nummer⸗ kommission, die die Mandate und etwaige Beschwerden zu prüfen hat, wird in ähnlicher Weise zusammengesetzt.

Singer begrüßt dann die ausländischen Gäste. Es sind das: Adler⸗Wien, Vliegen und Keuther aus Holland, Lindblatt⸗ Stockholm, einige Schweizer Genossen und Dietzgen⸗Chicago. Adler, Vliegen, Lindblatt und Dietzgen übermitteln die Grüße von den Genossen ihrer Länder. Große Heiterkeit rief Dietzgen⸗Chicago hervor. Er über⸗ bringt die Grüße beider sozialistischen Parteien der Vereinigten Staaten. Er könne das, denn er sei Mit⸗ glied der einen Partei und seine hier anwesende Frau Mitglied der anderen.(Große Heiterkeit.) Das kommt Ihnen gewiß etwas komisch vor.(Heiterkeit.) Wir wären ja auch längst geschiedene Lente(Heiterkeit), wenn prin⸗ zipielle Unterschiede zwischen uns vorhanden wären. Es sind aber nur taktische Verschiedenheiten und solche dürfen in einer Partei ruhig bestehen, wenn nur das Gefühl prinzipieller Zusammengehörigkeit nicht darüber verloren geht.(Lebhafter Beifall.)

Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstatteten Auer und Gerisch. Beide wiesen auf die gedruckten Berichte hin, ergänzten dieselben und gingen auf die vorliegenden Anträge ein. Auer beschäftigte sich nament⸗ lich mit einem Antrag der Dresdener Genossen, den Parteivorstand zu tadeln, weil er nicht die Löbtauer Zuchthausopfer mit in der Monatsliste der Opfer des neuen Kurses aufgeführt habe. Auer bestreitet, daß der Löbtauer Exzeß mit der sozialdemokratischen oder Gewerkschafts⸗Bewegung in Zusammenhang stehe. Ueber das furchtbare Urteil selbst bestehe in unseren Kreisen keine Meinungsverschiedenheit. Etwas anderes aber sei es, ob die Löbtauer in unsere Liste gehören. Auer ver⸗ neint diese Frage und bittet alle auf diesen Fall bezüg⸗ lichen Anträge abzulehnen. Nach längerer Diskussion, an der sich namentlich Ledebaur⸗Dresden beteiligt, wird im Sinne Auers beschlossen.

Gerisch erläuterte den Kassenbericht, aus dem wir die Hauptziffern schon vor mehreren Wochen mitgeteilt haben. Interessant dürften noch folgende Angaben Gerisch's sein: Unsere Parteiblätter haben insgesamt 400 000 Abonnenten und nehmen für Abonnements⸗ gelder und Inserate Mk. 3 740 000 ein. Auf Antrag der Kontrolleure wurde dem Parteivorstand einstimmig Decharge erteilt.

Ueber die Thätigkeit der Reichstagsfraktion berichtet der Abg. Hoch. An seinen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion. Zur Annahme kamen folgende Anträge:

1.Die Reichstags⸗ Fraktion wird beauftragt, im Reichstag dahin zu wirken:

a) In dem§ 46 des Krankenversicherungs⸗Gesetzes im 1. Absatz die Worteinnerhalb des Bezirks einer Aufsichtsbehörde zu streichen.

b) Im§ 137 der Gewerbeordnung den 5. Absatz zu streichen und dafür zu setzen:

Wöchnerinnen dürfen während sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht beschäftigt werden.

c) Bei§S 119 a der Gewerbe⸗Ordnung ist zu setzen: Zuwiderhandlungen werden bestraft.

2. Die sozialdemokratische Reichstags⸗Fraktion hat bei Beratung des neuen Post⸗Zeitungsgesetzes dafür ein⸗ zutreten, daß es ausdrücklich Jedermann frei gestellt wird, an Wochentagen, sowie an Sonntagen und Fest⸗ tagen gleich den Briefträgern der Kaiserlichen Reichspost zu den für den Gewerbebetrieb freigegebenen Stunden Zeitungen an Abonnenten auszutragen.

Pfannkuch sprach dann kurz über die Maifeier 1900. Die von ihm vorgeschlagene Resolution fand einstimmige Annahme. Die Feier des 1. Mai wird also auch im kommenden Jahre in der seitherigen Weise begangen werden.

Liebknecht referirte alsdann über den nächsten internationalen Kongreß. Ursprünglich sollte der Kongreß in Deutschland tagen. Da jedoch die politischen Zustände in Deutschland derart sind, daß wir unseren ausländischen Genossen kein sicheres Asyl gewährleisten können, muß der Kongreß in Paris tagen. Die von Liebknecht vorgeschlagene und einstimmig angenommene Resolution hat solgenden Wortlaut: Der Parc be⸗ schließt, die deutschen Genossen zur Bekundung des inter⸗ nationalen Solidaritätsgefühls zur möglichst zahlreichen

Beschickung desInternationalen Arbeiterkongresses auf⸗ zufordern, der im Herbst des nächsten Jahres(1900) zu Paris sich versammeln wird.

Es wird hierauf seitens der Mandatsprüfungs⸗ Kommission Bericht erstattet. Anwesend sind 200 Dele⸗ gierte und etwa 40 Reichstagsabgeordnete. Von letzteren sind alle bekannteren Genossen anwesend.

Am Dienstag Morgen begann die Aufrollung der Bernsteinfrage. Bebel war Referent. Er sprach Vormittags 4 Stunden an einer Tour und nach der Mittagspause weitere zwei Stunden. Er berührte in seinen 6stündigen Ausführungen alle von Bernstein an⸗ geschnittenen Fragen. Seine Rede war ein Mtisterstück. Und als Bebel mit den Worten schloß: Wir bleiben, was wir waren, da wollte der Beifall kein Ende nehmen.

Bebel schlägt folgende Resolution vor:

Die bisherige Entwickelung der bürgerlichen Gesell⸗ schaft giebt der Partei keine Veranlassung, ihre Grund anschauungen über dieselbe aufzugeben oder zu ändern.

Die Partei steht nach wie vor auf dem Boden des Klassenkampfs, wonach die Befreiung der Arbeiterklasse nur ihr eigenes Werk sein kann, und betrachtet es dem⸗ zufolge als geschichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse, die politische Macht zu erobern, um mit Hilfe derselben durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Einführung der sozialistischen Produktions- und Austauschweise die größtmögliche Wohlfahrt Aller zu begründen.

Um dieses Ziel zu erreichen, benutzt die Partei jedes mit ihren Grundanschauungen vereinbare Mittel, das ihr Erfolg verspricht. Ohne sich über das Wesen und den Charakter der bürgerlichen Parteien als Vertreter und Verfechter der bestehenden Staats- und Gesellschafts⸗ ordnung zu tänschen, lehnt sie ein Zusammengehen mit solchen von Fall zu Fall nicht ab, sobald es sich um Stärkung der Partei bei Wahlen, oder um Erweiterung der politischen Rechte und Freiheiten des Volkes, oder um eine ernsthafte Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterklasse und der Förderung von Kulturaufgaben, oder um Bekämpfung arbeiter⸗ und volksfeindlicher Be⸗ strebungen handelt. Aber die Partei bewahrt sich überall in ihrer Thätigkeit ihre volle Selbständigkeit und Un⸗ abhängigkeit und betrachtet jeden Erfolg, den sie erringt, nur als einen Schritt, der sie ihrem Endziel näher bringt.

Die Partei steht der Gründung von Wirtschafts⸗ genossenschaften neutral gegenüber; sie erachtet die Grün⸗ dung solcher Genossenschaften, vorausgesetzt, daß die dazu nötigen Vorbedingungen vorhanden sind, als geeignet, in der wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder Verbesse⸗ rungen herbeizuführen, sie sieht auch in der Gründung solcher Genossenschaften, wie in jeder Organisation der Arbeiter zur Wahrung und Förderung ihrer Interessen, ein geeignetes Mittel zur Erziehung der Arbeiterklasse zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten, aber sie mißt diesen Wirtschaftsgenossenschaften keine ent⸗ scheidende Bedeutung bei für die Befreiung der Arbeiter⸗ klasse aus den Fesseln der Lohnstlaverei.

In der Bekämpfung des Militarismus zu Wasser und zu Lande und der Kolonialpolitik beharrt die Partei auf ihrem bisherigen Standpunkt. Ebenso verbleibt sie bei ihrer bisherigen internationalen Politik, die auf eine Verständigung und Verbrüderung der Völker, in erster Linie der Arbeiterklasse in den verschiedenen Kultur⸗ ländern, abzielt, um auf dem Boden einer allgemeinen Föderation die Lösung der gemeinsamen Kulturaufgaben herbeizuführen.

Nach all diesem liegt für die Partei kein Grund vor, weder ihr Programm, noch ihre Taktik, noch ihren Namen zu ändern, und sie weist jeden Versuch ent⸗ schieden zurück, der darauf hinausgeht, ihre Stellung gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschafts⸗ ordnung und den bürgerlichen Parteien zu verschleiern oder zu verrücken.

Nach Bebel nahm Dr. David das Wort. Er bekennt sich zu Bernstein in vielen Fragen und hält fich deshalb verpflichtet, den in der Verbannung lebenden Genossen zu vertreten. Er sprach am Dienstag Nach⸗ mittag 2 und am Mittwoch Morgen noch eine weitere Stunde. Nach ihm kam Genossin Zietz-Hamburg zum Wort, die gegen Bernstein Stellung nahm. Dr. Wolt⸗ mann⸗Barmen und Fendrich-Karlsruhe stehen in der Hauptsache für Bernstein ein, gegen den Liebknecht energisch Stellung nahm.

Eine Einladung der Hannoverschen Parteigenoss en zu einem Ausflug am Donnerstag Nachmittag mußte der Parteitag mit Rücksicht auf die Geschäftslage dankend ablehnen.(Schluß in nächster Nummer.)

Von Rah und Lern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗

haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle

zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Die vereinigte Reaktion. * In derFrankf. Ztg. finden wir fol⸗ gende bezeichnende Mitteilung:

Die Nationalliberalen und Auti⸗ semiten wollen im Landtagswahlkreis Darmstadt⸗Land als gemeinsamen Kan⸗ didaten den Regierungsrat Noack auf⸗ stellen, um den von den Sozialdemokraten sehr gefährdeten Wahlkreis für die bürger⸗ lichen Parteien zu retten und ein Vorbild der Einigung aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie für das ganze Land zu

geben. Regierungsrat Noack hat sich bereit erklärt, jedenfalls die Kandidatur anzu⸗ nehmen.

Um die einzige Partei, die es mit dem Fortschritt auf allen Gebieten ehrlich meint, die wirklich im Interesse des arbeitenden Volkes nach vorwärts drängt, die gleiches Recht für Alle erstrebt, um die Sozialdemo⸗ kratie niederzuhalten, verbünden sich Anti⸗ semiten mit Nationalliberalen! Das hätten sie längst thun sollen, denn beide gehören zu⸗ sammen, beide sind Reaktionäre. Für uns kann nichts wünschenswerter sein, als daß sich unsere Gegner immer mehr zusammenschließen. Das Kampffeld wird klarer abgegrenzt, der Kampf für uns leichter. Dort die vereinigte Rückwärtserei, bei uns die Vertreter des Fort⸗ schritts. Wer kann da aus dem arbeitenden Volk im Zweifel sein, auf welche Seite er sich zu stellen hat?

Herr Leun will nicht.

* DerKleinen Presse hat Herr Bürger⸗ meister Leun in Großen⸗Linden einige Zeilen geschickt, die auch für unsere Leser von Inter⸗

esse sind: Geehrte Redaktion!

In Nr. 234 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Artikel aus Gießen über die Land⸗ tagswahl, der zwar aus zuverlässigster Quelle stammen soll, jedoch sehr unzuverlässig ist. Die Landgemeinden, die hier in Betracht kommen, teilen sich bekanntlich im Wesentlichsten in zwei große Parteien Antisemiten und Sozial⸗ demokraten und diese haben ihre Kandidaten aufgestellt. Von einer weiteren Kandidatur kann deshalb unmöglich die Rede sein. Bitte lassen Sie künftig bei derartigen Undingen meinen Namen außer Betracht. Hochachtend! Leun, Bürgermeister.

Damit hat Herr Leun unzweideutig erklärt, daß er nicht kandidieren wird.

Zwischen den Puffern.

Wie derKöln. V.⸗Ztg. gemeldet wird, steht für die Ausschußsitzung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands am 18. Oktober in Eisenach der Ausschluß des Pastors Naumann auf der Tagesordnung. Herr Naumann ist aus den evangelischen Arbeiter vereinen hervorgegangen. Jetzt wird er einsehen, daß alle Christlichkeit, aller Monarchismus, alle Flottenbegeisterung nicht vor der Aechtung schützt, wenn man etwas ernsthaft für Sozial⸗ reform eintritt. Für die herrschende Klasse ist nicht nur christlich-sozial, sondern auch national⸗ sozialUnsinn. Entweder oder, auch Herrn Naumanns Sammelpolitik muß an den harten, unversönlichen Widersprüchen und Gegensätzen scheitern.

Einführung in die sozial istischen

Lehren.

* Im Frankfurter sozialdemokratischen Verein hielt Genosse Kampffmeyer einen Vortrag, über dieEinführung in die sozialistischen Lehren und Litteratur. Wir stimmen ihm zu, wenn er die unten angegebenen kleinen und billigen Schriftchen als sehr geeignet empfiehlt, die zusammen den ganzen Kern der sozialdemokratischen Lehren ent⸗ halten, wenn auch einige darin niedergesetzten Theorien und Forderungen inzwischen überwunden seien. Es sind dies folgende kleine Schriftchen: Marx-Engels: Das kommunistische Manifest; Marx: Lohnarbeit und Kapital. Lassalle: Arbeiter- Programm, Offenes Antwortschreiben und Arbeiter lesebuch; ferner Fr. Engels: Von der Utopie zur Wissenschaft.

Das Darmstädter Arbeitersekretariat.

* Der Sekretär des von den organisierten Ar beitern Darmstadts begründeten Arbeitersekretariats, Gen. Ph. Müller, erstattet folgenden Bericht über

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